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Bayer 04 Leverkusen

19.10.2000, 00:00 Uhr von:  Micha B.
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Bisheriger Saisonverlauf:

Die Mannschaft des kommenden Bundestrainers Christoph Daum startete bisher nur durchwachsen in die Liga. Leicht heraus gespielten Siegen wie gegen Wolfsburg folgten Niederlagen in Stuttgart oder zu Hause gegen Rostock. Bisher konnte die Mannschaft jedenfalls noch nicht an die starken Leistungen der Vorsaison anknüpfen. Gründe hierfür sind sicher in erster Linie die nicht adäquat ersetzten Mittelfeldspieler Beinlich und Emerson, die ihr Geld nun in Berlin und Rom verdienen. Zwar wurden gerade durch den brasilianischen Nationalspieler viele Millionen in die Bayer-Kassen gespült, ausgegeben wurde davon bisher jedoch fast nichts. Vielmehr, so die Verantwortlichen, wolle man die Abgänge durch bereits im Verein vorhandene Spieler wie den kroatischen Jugendnationalspieler Jurica Vranjes auffangen.

Auch in der Championsleague, wo man sich in der schweren Gruppe mit Sporting Lissabon, Spartak Moskau und dem Titelverteidiger Real Madrid auseinander zu setzen hatte, lief es bislang alles andere als wunschgemäß. Vielmehr ist nach den beiden Niederlagen gegen den spanischen Vertreter lediglich ein Platz im UEFA-Cup noch im Bereich des Möglichen. Gerade in diesen Spielen zeigten sich deutlich die Stärken, aber auch die Schwächen des Teams.

Stärken:

Trotz des Verlusts von Emerson und Beinlich verfügt Leverkusen mit den deutschen Nationalspielern Ballack, Ramelow, Nowotny, Neuville und Rink sowie dem Brasilianer Ze Roberto und dem Kroaten Kovac über ausgezeichnetes Spielermaterial. Christoph Daum ist unabhängig vom Theater der letzten Wochen, auf welches hier nicht näher eingegangen werden soll, ein ausgezeichneter Trainer und Taktiker, der es versteht, seine Spieler zu motivieren und exakt auf den Gegner einzustimmen. Zudem bewies er im bisherigen Saisonverlauf ein gutes Gespür für seine Auswechselspieler – allein Stürmer Thomas Brdaric bewahrte seine Mannschaft vor einigen Punktverlusten.

Schwächen:

Leverkusen braucht zu viele Chancen. Fehlt der arrivierte Ex-Nationalstürmer Ulf Kirsten, benötigen seine Ersatzleute zu viele Möglichkeiten, um ein Tor zu machen. Zudem erwies sich die so namhaft besetzte Abwehr um Jens Nowotny in den letzten Spielen alles andere als sattelfest. Individuelle Fehler sorgten meist umgehend für Gegentore, zuletzt verschenkte man in Bremen eine 3-1-Führung in den letzten zwei Minuten.

Zum Unsicherheitsfaktor avancierte in den zurückliegenden Partien zudem Torhüter Pascal Zuberbühler, durch dessen Patzer zuletzt der Ausgleich des SV Werder ermöglicht wurde. In der Partie gegen Dortmund wird in jedem Fall die Nummer zwei der vergangenen Saison, der polnische Nationaltorhüter Adam Matysek, zwischen den Pfosten stehen, da der Schweizer Zuberbühler nach seiner roten Karte in Bremen noch einige Wochen gesperrt sein wird – eine echte Schwächung ist durch den Wechsel im Tor jedoch nicht zu erwarten.

Letztendlich bleibt abzuwarten, wie die Mannschaft das schwere Spiel in Madrid verkraftet hat, ob sie durch die deutliche Niederlage vielleicht psychisch oder physisch geschwächt in die Partie gegen Dortmund geht.

Das letzte Spiel:

Viele werden sich sicherlich noch an die letzte Saison erinnern, als sich Borussia zurecht vom Schiedsrichter benachteiligt fühlte und am Ende mit einem 1-3 vom Platz ging. Nachdem man damals früh mit 1-0 durch Billy Reina in Führung gegangen war, sorgte Rink spät für das 2-1. Was folgte, war ein Handspiel von Ulf Kirsten im Strafraum, das nicht geahndet wurde. In der Nachspielzeit schließlich, als Borussia noch einmal alles nach vorne warf, verstolperte Jens Lehmann ein Rückspiel und Thomas Brdaric bedankte sich mit dem entscheidenden 3-1.

Verknüpfungen Dortmund / Leverkusen:

Im Dortmunder Kader finden sich mit Christian Wörns und Heiko Herrlich immerhin zwei Spieler, die auch schon für die Werkself die Schuhe schnürten. Doch während der Abwehrspieler Wörns in Leverkusen zum Nationalspieler avancierte, konnte sich Borussias derzeit erfolgreichster Torschütze zu seiner Zeit bei Bayer nicht gegen das damals erfolgreiche Sturmduo Thom / Kirsten durchsetzen.

Glaubt man zudem den vielen Gerüchten, die sich vor der Saison um die Nachfolge des Altmeisters Udo Lattek rankten, war Borussia sehr an einer Verpflichtung von Christoph Daum interessiert.

Prognose:

Sollte Borussia den Auswärtslauf der letzten Wochen in die BayArena retten können, und sollte sich der hoffentlich wieder genesene Heiko Herrlich erneut als treffsicherer Stürmer erweisen, man zudem die Fehlpassquote im Mittelfeld minimieren können und Jens Lehmann fehlerlos bleiben, ist für die Mannschaft von Matthias Sammer mindestens ein Unentschieden drin – ob es für mehr reicht, ist von der Verfassung Leverkusens nach dem Madrid-Spiel abhängig.

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