Spielbericht Profis

BVB schießt Cottbus ab

19.08.2000, 00:00 Uhr von:  Dennis
BVB schießt Cottbus ab
Bericht von BVBnet

Aufsteiger Energie Cottbus muss in der ersten Liga weiter Lehrgeld bezahlen. Auch das zweite Saisonspiel verloren die Lausitzer. Borussia Dortmund triumphierte im Stadion der Freundschaft mit 4:1. Evanilson (9.), Miroslav Stevic (59.) und Heiko Herrlich (61., 84.) sorgten für die BVB-Tore, Janos Miriuta (68.) konnte zwischenzeitlich per Elfer verkürzen.

Traumtore der Dortmunder

Die Elf von Trainer Matthias Sammer präsentierte sich in absoluter Topform, führte die Cottbuser teilweise vor. Alle Tore waren sehenswert herausgespielt. Zur spielfreudigen und treffsicheren Offensiv-Abteilung kam die kompromisslose und souveräne Abwehr in der besonders Organisator Jörg Heinrich überzeugte. In dieser Form ist Dortmund ein klarer Kandidat für einen Platz im internationalen Geschäft, für Aufsteiger Cottbus brechen dagegen harte Zeiten an.

Cottbus überfordert

Vor dem Spiel krempelte Eduard Geyer seine Truppe bereits komplett um, viele Variationsmöglichkeiten hat er nach der erneuten Schlappe nicht mehr. Das aber etwas geändert werden muss, hat jeder der 20.000 Zuschauer gesehen. Nur rennen und kämpfen - das ist zu wenig für die erste Liga.

Statistik

TORE
0:1 Evanilson (9.)
0:2 Miroslav Stevic (59.)
0:3 Heiko Herrlich (64.)
1:3 Vasile Miriuta (68.)
1:4 Heiko Herrlich (81.)
GELBE
KARTEN
FC Energie Cottbus
Janos Matyus (24.)
Rudi Vata (68.)

Borussia Dortmund
Dede (20.)
Jens Lehmann (79.)

PLATZVERWEISE
FC Energie Cottbus
-
Borussia Dortmund
-
SCHIEDSRICHTER
Dr.
Franz-Xaver Wack
ZUSCHAUER
20.500
DATUM
18.08.00 20:15
Uhr
AUFSTELLUNG
FC Energie Cottbus
Tomislav Piplica
Rudi Vata
Janos Matyus
Bruno Akrapovic
Christian Beeck
Toni Micevski
Antun Labak
Steffen Heidrich
Moussa Latoundji
Vasile Miriuta
Ronny Thielemann

Borussia Dortmund
Jens Lehmann
Christoph Metzelder
Evanilson
Miroslav Stevic
Jürgen Kohler
Jörg Heinrich
Victor Ikpeba
Sunday Oliseh
Dede
Otto Addo
Heiko Herrlich

WECHSEL
FC Energie Cottbus
Franklin Bitencourt für Steffen Heidrich (61.)
Sebastian Helbig für Toni Micevski (66.)
Ferenc Horvath für Antun Labak (76.)

Borussia Dortmund
Giuseppe Reina für Victor Ikpeba (69.)
Sead Kapetanovic für Dede (69.)
Ibrahim Tanko für Otto Addo (86.)

Fakten:

BVB mit Meisterstart?

BVB mit Meisterstart? Trainer Matthias Sammer fabrizierte mit seinem Team einen absoluten Traumstart: Zwei Spiele, zwei Siege. Einen derart erfolgreichen Start legten die Dortmunder zuletzt vor sechs Jahren in der Saison 94/95 aufs Bundesliga-Parkett. Die beiden Siege waren damals der Grundstein für eine äußerst erfolgreiche Spielzeit: Am Ende war die Borussia Deutscher Meister.

Cottbus bald in der Champions League!?

Obwohl Liganeuling Energie Cottbus mit zwei Niederlagen miserabel aus den Startlöchern gekommen ist, sollte das Team von Eduard Geyer nicht verzweifeln. 1860 München beispielsweise stand nach dem Aufstieg 94/95 mit 0 Punkten und 0:6 Toren nach zwei Spieltagen vor dem Nichts - schaffte dennoch den Klassenhalt und will in diesem Jahr mit Macht in die Champions League.

Unvermutete Weitschuss-Erfolge

Die Dortmunder hatten gegen Cottbus offensichtlich qualitativ hochwertiges Zielwasser getrunken: Drei der vier Tore waren sehenswerte Weitschüsse. Zum Vergleich: In der vergangenen Saison brauchte die Borussia alle 34 Spiele, um genauso viele Treffer aus der Ferne zu erzielen.

Doppelpremiere mit Dede und Vata

Premiere die Erste: Erstmals in seiner BL-Geschichte verschuldete der Dortmunder Brasilianer Dede einen Elfmeter (Foul an Sebastian Helbig). Premiere die Zweite: Der Cottbusser Rudi Vata forderte daraufhin so vehement eine Gelbe Karte gegen den Übeltäter, dass er von Schiedsrichter Franz-Xaver Wack selber eine sah. Laut Wack die erste Gelbe dieser Art - ganz im Sinne der neuen Regelauslegung.

Schlaglichter:

Zwei Tore - hart verdient

Der Dortmunder Heiko Herrlich präsentierte sich mit seinen zwei Toren nicht nur torgefährlich, sondern war auch noch äußerst einsatzfreudig. Er bestritt die meisten Zweikämpfe aller Spieler auf dem Platz (36) und konnte davon für einen Stürmer gute 50% gewinnen.

Heidrich noch nicht überzeugend

Steffen Heidrich, Kapitän der Cottbusser, präsentierte bei seiner Bundesliga-Rückkehr eine eher dürftige Leistung. Als Stürmer aufgestellt, schoss er nicht einmal aufs Dortmunder Tor, hatte bei seiner Auswechslung in der 61. Minute zudem die wenigsten Ballkontakte aller Cottbusser Spieler. Als Seele des Energie-Spiels kann man ihn also wahrlich noch nicht bezeichnen...

Die alten Debütanten

Im Herbst ihres Profilebens sind die Cottbusser Bruno Akrapovic (32) und Rudi Vata (30) nun also doch noch zu ihrem ersten Spiel in der höchsten deutschen Klasse gekommen. Mit jeweils deutlich über 60% gewonnnen Zweikämpfen waren sie die stärksten Zweikämpfer ihres Teams, hatten zudem viele Ballkontakte und zusammen vier Torschuss-Beteiligungen vorzuweisen. Eine durchaus sehenswerte Bilanz also für die beiden - angesichts der herben Schlappe wird die beiden das aber wenig trösten.

Fruchtlose Schluss-Offensive

Erneut stellten die Cottbusser unter Beweis, dass sich Eduard Geyers hartes Training in eine Schluss-Offensive ummünzen lässt. In der letzten Viertelstunde gab es sechs zu drei Torschüsse für Energie, zudem 62% Ballbesitz und 53% gewonnene Zweikämpfe. Aber kämpfen alleine reicht eben auch nicht immer: Anstelle des Anschlusstreffers zum 2:3 kassierte Cottbus mit dem 1:4 den endgültigen "Knock Out".

Topspieler:

Drei Tore in Saisonspielen. Wenn Heiko Herrlich diese Quote hält, stellt er einen neuen Bundesliga-Rekord auf. In Cottbus konnte der BVB-Stürmer nur mit einer schmerzstillenden Spritze auflaufen. Das hinderte ihn aber nicht dran, gleich zweimal zu treffen.

Kommentar:

Es war ein recht ansehnlicher Kick im Stadion der Freundschaft. Das lag in erster Linie an den stark aufspielenden Borussen, die den Aufsteiger teilweise vorführten. Aber die Cottbuser gaben nie auf, kämpften auch beim Stand von 1:4 aufopferungsvoll.

geschrieben von Alexander Kuhl (Sport1)

Taktik:

Dortmund stürmte die Lausitz mit der Völler-Taktik. Drei Angreifer, ein offensiv ausgerichtetes Mittelfeld und hinten eine Dreierkette. Die quirligen Stürmer konnten von der Energie-Abwehr nie unter Kontrolle gebracht werden. Cottbus trat im Gegensatz zum 1:3 in Bremen mit zwei Stürmern an, genützt hat es nichts. Das lag vor allem am ideenlosen Mittelfeld, in dem der zentral spielende Akrapovic versagte.

Stimmen

Eduard Geyer (Trainer Energie Cottbus)

"Die Gegentore sind nach individuellen Fehlern gefallen. Wir wollten mitspielen, doch wir sind noch nicht so weit, um mit Dortmund mitspielen zu können. Das erste frühe Gegentor ist aus dem Nichts gefallen und hat uns aus dem Rhythmus gebracht."

Matthias Sammer (Trainer Borussia Dortmund)

"Es erleichtert, dass die gute Vorbereitung sich auszahlt. Doch drei Sonntagsschüsse wie heute macht man auch nicht jeden Tag. Cottbus war nicht so schwach, wie es das Ergebnis vermuten lässt."

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