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Welchen Wert hat ein Finale ohne Fans?

13.05.2021, 09:00 Uhr von:  Caroline
Lesezeit: ca. 5 Minuten
Welchen Wert hat ein Finale ohne Fans?
© keyflake / schwatzgelb.de

Nach 1965, 1989, 2012 und 2017 kann sich der BVB am Donnerstag den fünften Pokalsieg sichern. Ohne Fans und gegen ein Marketingkonstrukt wird es alles andere als ein normales Finale.

Mitten in der Nacht mit Freunden im Sonderzug nach Berlin, oder schon ab Freitag das Wochenende in der Hauptstadt verbringen. Bestes Wetter, kühle Getränke und das Kribbeln im Bauch, dass heute ein Tag für die Geschichtsbücher werden könnte. Auf all das müssen wir dieses Jahr verzichten und so scheint es eher um den Titel der Trostlosigkeit zu gehen, denn Fußball ohne Fans ist nichts.

Dennoch könnte der BVB die nicht ganz unturbulente Saison um Trainerwechsel, Torwartdiskussion und ungenutztes Potenzial mit einem Pokalsieg beenden. Doch dafür muss die Mannschaft von Edin Terzic ausgerechnet gegen RaBa Leipzig bestehen. Damit gewinnt das Finale an Brisanz. Denn es kann niemand – egal, ob derjenige es mit dem BVB hält oder nicht – ernsthaft wollen, dass Leipzig auch nur einen Titel holt.

Keine Akzeptanz für RB

In Leipzig war man sich ja nicht mal zu schade im Zuge der Super League-Ankündigung den größten Fußballwitz seit „Dietmar Hopp ist der letzte echte Fußballfan“ in die Welt zu posaunen:

Wir sind Verfechter des sportlichen Wettbewerbs. Und der sportliche Wettbewerb im Profifußball sieht vor, dass man in der nationalen Liga darum kämpft, einen Tabellenplatz zu erzielen, der zur Teilnahme am internationalen Wettbewerb berechtigt.


Oliver Mintzlaff, Vorsitzender der Geschäftsführung von RaBa Leipzig

Dass Leipzig aber in erster Linie nur existiert, um einen Energydrink zu verkaufen, und dass Leipzig es nur aufgrund des Geldes eben dieses österreichischen Unternehmens in die erste Fußballbundesliga und in die Champions League geschafft hat – und eben nicht aufgrund von guter, bodenständiger Arbeit, die sich dem sportlichen Wettbewerb stellt, wird dabei wohl gerne verschwiegen. Darauf einen grünen Apfel!

Nie war es wichtiger, den Pokalsieg eines Gegners zu verhindern und somit die eigene Saison mit einem Pokalsieg zu krönen. Nur wird es die Mannschaft von Bald-Bayern-Trainer Julian Nagelsmann dem BVB nicht allzu leichtmachen. Auch am Wochenende musste man trotz 2:0-Führung noch zittern, auch wenn man sich dank eines herausragenden Jadon Sanchos letztlich doch den immens wichtigen Sieg sichern und auf Platz 4 vorrücken konnte.

Umso wichtiger natürlich auch die Frage, ob die Borussia auf ihren Torjäger Nr. 1 zurückgreifen kann. Erling Haaland fehlte zuletzt aufgrund eines Pferdekusses. Egal, ob im Angriff auf dem Rasen oder als eskalierender Fan auf den Rängen – der Norweger reist so oder so mit nach Berlin. Die Pokalfußstapfen von Lewandowski 2012 sind riesig, aber wenn sie jemand ausfüllen kann, dann wohl Erling Haaland.

In 11 Jahren zur Legende

Dürfte man ein bisschen Träumen, könnte man das Klischee vom Pokal bemühen, der seine eigenen Geschichten schreibt: Wie wäre es mit dem entscheidenden Siegtreffer eines ganz besonderen Spielers – Lukasz Piszczek? Zwar wird das Pokalfinale nicht sein letztes Spiel für Schwarzgelb sein, doch wäre es sein letzter Titel mit Borussia Dortmund. Wie wichtig der Rechtsverteidiger für die Mannschaft ist, hat er auch in den letzten Spielen wieder bewiesen. Wie wichtig er erst recht in Zeiten der Distanz und emotionalen Entwöhnung als Identifikationsfigur für die Fans ist, lässt sich in Worten wohl kaum zusammenfassen. Mach’s noch einmal in Berlin! Für den Routinier wäre es zum Abschluss nach zwei Deutschen Meisterschaften der dritte Pokalsieg mit dem BVB.

Aber hey, am Ende ist es egal, wer das Leder über die Linie drückt. Hauptsache der BVB geht als Sieger vom Platz, auch wenn der Titelgewinn nicht mal ansatzweise den Stellenwert vergangener Finals erreichen könnte. Es wird kein Abend, der sich den Fans in die Seele brennt. Und doch ist Verlieren keine Option. Leipzig muss aber nicht ohne Hauptgewinn die Saison beenden. Auch in diesem Jahr sichert sich das Marketingkonstrukt wieder den Titel des meistverhassten Fußballvereins Deutschlands. Herzlichen Glückwunsch!

Vorwärts BVB! Auf geht’s, ihr Schwarzgelben! Gewinnt für uns das Spiel heut‘ und werdet unsere Helden!

2017: Die Mannschaft steht um Marco Reus herum, der als Kapitän den Pokal in den Himmel reckt. Alle jubeln, goldenes Konfetti regnet auf die Pokalsieger nieder.

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