Spielbericht Profis

Every little thing, gonna be all right - Borussia Dortmund holt den DFB-Pokal in den Pott

15.05.2021, 11:25 Uhr von:  CHS Alexey
Lesezeit: ca. 11 Minuten
Die BVB Mannschaft hällt  Lukasz Piszczek den Pokal vor
© IMAGO / Norbert Schmidt

Über ein Jahr Pandemie haben das Fansein merklich abkühlen lassen, doch so ein Auftritt in Berlin lässt vieles anders sehen. Hier ein kleiner Spielfilm von einem schönen Vattertag.

Donnerstag, 13.5.2021 - Wer ist bloß auf den Termin gekommen?

Portaitfoto Edin Terzic (Fototermin 2020 im Westfalenstadion)
Hat gut lachen - BVB-Chefcoach Edin Terzic
© BVB-Medienabteilung

Was war das immer schön, an einem Samstag um 20 Uhr guckte man, am besten in Berlin, sich das Pokalendspiel an. Aber an einem Donnerstag? Mit Pandemie und EM kann man vieles erklären, aber trotzdem war das surreal. Aber was will man da machen?

Sicherlich haben viele die üblichen Vatertagsaktionen (hoffentlich Pandemie-konform) gemacht, gegen 20 Uhr kam dann das erste leichte Kribbeln auf. Es folge die Aufstellung:

BVB: Bürki – Piszczek, Akanji, Hummels, Guerreiro – Can, Dahoud, Bellingham – Sancho, Haaland, Reus

SSV Markranstädt aus Leipzig: Gulacsi – Klostermann, Upamecano, Halstenberg – Kampl – Mukiele, Dani Olmo, Sabitzer, Haidara – Sörloth, Hwang

Während der BVB wohl mit der besten, fitten Mannschaft auftrat, wechselte der neue Trainergott der Bayern auf vielen Positionen. Neben zwei ehemaligen BVB-Spielern (Kampl und Halstenberg) waren wie immer viele Spieler aus Salzburg auf dem Platz. Das Ganze wurde von einem Münchener geleitet, Dr. Felix Brych. Der pfiff sein zweites Pokalfinale. An seinem ersten war auch der BVB beteiligt, man verlor 2015 dieses gegen die Werksmannschaft aus Wolfsburg. Na, ob das gut geht?

Erste Halbzeit

Jadon Sancho mit dem Ball auf dem Platz - Spiel in Gladbach 2019/20)
Jadon Sancho am Ball (Spiel gegen Gladbach aus der Saison 2019/20)

Anstoß hatten die Leipziger und schon in der ersten Minute langte Emre Can hin. Das gab eine Ansage von Brych. Die ersten Minuten ging es hin und her. In der fünften Minute überlies der ehemalige BVB-Spieler Kampel seinem Ex-Mitspieler Reus den Ball im Mittefeld (objektiv klaute Marco den Ball). Der leitet weiter an Haaland und dieser an Dahoud. Sein Pass im halblinken Strafraum übernimmt Sancho. Da ihn keiner dabei stört, nutzt er diesen für einen Schlenzer in lange Eck – 1 zu 0 für den BVB. Was für ein Auftakt.

Auch danach pressen die Borussen weiter und versuchen, sämtlichen Widerstand der Sachsen im Keim zu ersticken. Das hat sich vor allem Can vorgenommen. In der 10. und 14. Minute bringt er die Angriffsbemühungen von Leipzig mit Fouls zu Fall. Es liefen dort schon erste Wetten, dass er das Ende des Spiels nicht erleben würde, bleibt aber noch immer ohne Verwarnung. In der Folge gab es Freistöße, die aber nichts einbrachten. Es gab zwar eine leichte Überlegenheit der Leipziger, aber entweder konnte Bürki die Bälle abfangen oder sie verpassten das Tor. In der 25. Minute war es dann so weit, es gab die erste Gelbe Karte. Nein, nicht Can, sondern Bellingham sah diese nach einem harten Einsteigen gegen Kampl. Nur drei Minuten später war es dann so weit. Wieder fängt Reus einen Fehlpass von Hwang ab und leitet den Ball direkt auf Haaland. Dieser startet ein Laufduell mit Upamecano. Doch der Neu-Münchener prallt von dem Norweger ab, so dass Haaland unbedrängt in linke Eck einschießen kann – 2 zu 0 für den BVB.

Erling Haaland schiebt den Ball am Gladbacher Torhüter vorbei ins Tor (Spiel gegen Gladbach 2020/21)
Kann man nicht aufhalten - Erling Haaland (Spiel gegen Gladbach 2020/21)

In der 34. Minute war wieder Can im Blickfeld. Im Strafraum klammert er ziemlich lange an Dani Olmo herum, doch dieser fliegt nicht, sondern versucht den Ball zu verwerten. Der BVB gleich doppelt im Glück, denn dieser erreicht den Ball nicht vor dem Toraus. In der 39. Minute dann die große Chance für den Tabellenzweiten. Olmo zieht die Aufmerksamkeit auf sich, passt dann zu Sörloth, doch dieser vergibt aus spitzen Winkel.

In der 45. Minute gab es dann wieder positives vom BVB. Die Leipziger waren hoch aufgerückt, dies nutzt Dahoud aus und spiel steil auf Reus, dieser läuft allein auf Gulasci zu, passt aber dann auf den mitgelaufenen Sancho. Dieser schießt nicht direkt, sondern umkurvt Halstenberg und schiebt ins Tor ein. Doch die Freude ist nur kurz, die Fahne ist oben. Aber halt, da gibt es noch den Videobeweis. Eine Überprüfung ergibt, alles in Ordnung – 3 zu 0 für den BVB zur Halbzeit. Wer hätte das gedacht?

Zweite Halbzeit

Kopfball von Emre Can in Gladbach 2019/20
Kam überraschend ohne Gelbe Karte durch das Spiel - Emre Can (Spiel gegen Gladbach 2019/20)

Im strömenden Regen geht es dann weiter in Berlin. Die Leiziger wechseln den Sturm aus: Für Hwang und Sörloth kommen Nkunku und Poulsen. Aber auch der BVB wechselt, für Bellingham (Terzic lernt aus Fehlern) kommt nun Hazard. Keine 25 Sekunden sind gespielt, da trifft der eingewechselte Nkunku freistehend vor dem Tor nur die Latte. Glück gehabt, aber das war auch der erste Schuss aufs Tor für die Sachsen. Auch in der Folgezeit blieb der Tabellenzweite im Angriff. So kassierte Dahoud in der 50. Minute eine Gelbe Karte. Acht Minuten später gab es eine Chance für den nächsten Einwechselspieler: Poulsen umspielt Can und passt auf Nkunku, doch der trifft nur Bürki. Die Führung wackelt, weil es auch wenig Entlastung gab. In der 62. Minute die nächsten beiden Auswechselungen für Leipzig: Für Mukiele und Kampl kommen Laimer und Forsberg.

Doch mitten in der Drangphase folgt dann in der 66. Minute ein Konter der Dortmunder. Reus kann den Ball auf den freistehenden Hazard weiterleiten. Doch dieser ist zu klein und kommt nicht richtig hin zum Ball. Er schieb den Ball knapp am Tor vorbei. Das hätte die Entscheidung sein können. In der 70. Minute der letzte Wechsel von Nagelsmann. Er nimmt Hadaira runter und schickt Henrichs auf dem Platz. Eine Minute später die große Chance für die Sachsen. Laimer passt den Ball auf Frosberg, doch seine Direktabnahme knallte an den Posten. Glück gehabt!

Aber kurz danach war es dann so weit. Wieder kriegen die Dortmunder den Ball nicht weg, so dass der Ball von Klostermann auf Nkunku abgibt. Zwar wird der von Can am Strafraum gefoult, doch er kann den Ball auf Olmo abgeben. Dieser zielt und donnert den Ball aus 20 Metern ins linke Eck, unhaltbar für Bürki – Nur noch 3 zu 1 für den BVB. Muss man jetzt wieder zittern?

Julian Nagelsmann guckt mürrisch im Pressebereich des BVB (Spiel gegen Leipzig 2019/20)
Nicht so begeistert - Der titellose Nagelsmann (Im Spiel gegen Leipzig 2019/20

16 Minuten vor dem Ende nimmt Terzic Dahoud herunter und bringt dafür Delaney, um mehr Sicherheit zu schaffen. Dies scheint zu klappen, denn die Dortmunder übernehmen mehr und mehr die Kontrolle. Es folgte dann eine kleine Rudelbildung, wo dann Sancho und Olmo gelb sehen. In der 82. Minute die nächste große Chance für Leipzig, doch Nkunkus Abschluss wird von Hummels abgefälscht, so dass der Ball am Tor vorbei geht. In der 84. Minute wieder die Chance zur Entscheidung. Erneut fangen die Dortmunder in Person von Delaney den Angriff der Sachsen ab, den Steilpass auf Sancho bringt eine einzueins-Situation vor Gulacsi. Sancho geht an ihm vorbei, doch schießt nicht direkt, sondern versucht den Ball auf den richtigen Fuß zu legen. Doch Gulacsi ist wieder da und kann den Ball zur Ecke klären. Entscheidung vertagt!

Die folgte dann in der 87. Minute. Erneut war es Reus, der den Ball von den stürmenden Leipziger erkämpfte. Wieder passt er auf Sancho, doch dieser gibt ihn dann ab an Haaaland. Sein Schuss wird von ihm selber abgelenkt, so dass das Tor gar nicht verhindert werden konnte – 4 zu 1 für den BVB. POKALSIEG!!!

Der Rest war nur noch Beiwerk. Für Sancho kommt dann Meunier, Hummels sieht wegen Foulspiel eine gelbe Karte und noch zwei Wechsel: Reyna kommt für Reus und Brandt für Haaland. Das war’s!

Dritte Halbzeit

Lukasz Pisczcek jubelt und rennt auf dem Platz (Spiel gegen Frankfurt 2019/20)
Sein leztzter Titel mit dem BVB - Lukasz Pisczcek (Spiel gegen Frankfurt 2019/20)

Nun war die Feierei angesagt. Betröppelte Gesichter bei den Titellosen, Feierattaken um Piszczu auf dem Platz und dann die Pokalübergabe. Zum fünften Mal gab es diese Blumenvase aus Gold für die Dortmunder. Und unter normalen Umständen würde nach dem Abpfiff „die Party steigen“. 30.000 BVB Fans würden erstmal im Stadion zusammen mit der Mannschaft feiern. Nun ja, wie alle wissen, war das Olympiastadion leer, aber immerhin haben sich die Spieler schön gefreut. Piszczu, der vermutlich sein letztes Finale und drittletztes Spiel für unsere Borussia bestritt, musste nach dem Abpfiff erstmal weinen. Wie sehr hätte man vor allem ihm (und dem Schmelle) gewünscht, dass dieses Spiel vor den vollen Tribünen stattfindet. Was wäre das für Abschied für den verdienten Spieler. Lukasz, der in ¾ der Saison keine oder kaum eine Rolle gespielt hat, ist wieder dabei und zeigt dabei eine sehr gute Leistung. Damit ist er zusammen mit Schmelle der einzige Spieler, der mit dem BVB drei Mal den Pokal gewonnen hat. Eine Legende! Immerhin wurde Piszczu von seinen Mitspielern gefeiert und in die Luft geworfen. Man kann nur hoffen, dass er noch ein halbes Jahr dranhängt, damit die Fans den Lukas noch Mal live im Stadion spielen sehen können.

Eine gute Nachricht gab es nach dem Spiel, da hat Aki Watzke verkündet, dass Terzic seinen Vertrag langfristig verlängert hat. Das ist eine sehr gute und wichtige Nachricht. Edin hat eine ausgezeichnete Arbeit geleistet, hat den ersten Titel nach vier Jahren geholt und die CL-Qualifikation liegt jetzt in unseren Händen. Seine Interviews sind großartig und man merkt, dass er den Verein liebt und lebt. Man muss abwarten, ob die Zusammenarbeit mit Rose funktionieren wird. Das wäre sehr wünschenswert und vielleicht kann der Terzic irgendwann wieder der erste Mann auf der Bank werden und den Rose beerben. Die Spieler scheinen ihn auch zu mögen und stürmten am Ende der Pressekonferenz den Saal und gaben dem Edin eine ordentliche Bierdusche. OK, eigentlich ist es eine sinnlose Bierverschwendung und man sollte das gute Zeug lieber trinken, aber da unsere Borussia am Sonntag schon in Mainz spielt, dürfen die Jungs eh nicht so viel saufen.

Panoramabild vom Borsigplatz, Blauer Himmel
Wurde in der Nacht noch von BVB-Fans besucht - Der Borsigplatz (Bild von 2015)

Einige Feierlichkeiten fanden auch in Dortmund statt. Klar, unter normalen Umständen wären wohl auch nachts einige Tausend Fans auf der Straße, um den Pokalsieg zu feiern. In diesem Jahr war es weder möglich noch erwünscht. Borussia hat schon vor ein paar Tagen an die Fans appelliert sich nirgendwo zu sammeln und das Spiel eher im kleinen Kreis zu schauen und ggf. zu feiern. Die meisten haben darauf gehört und es gab kaum Menschenansammlungen. Am Borsigplatz haben sich rund 200 BVB-Fans getroffen und haben Pyrotechnik gezündet. Die Ansammlung war nach einer kurzen Zeit aufgelöst, aber die Polizei will trotzdem Strafverfahren gegen die BVB-Fans eröffnen.

Dabei handelt es sich beim Zünden der Pyrotechnik nur um eine Ordnungswidrigkeit (wenn dabei niemand verletzt wird, siehe z.B. hier: https://www.anwalt.org/pyrotechnik-fussball/). Im Stadion mag es gefährlich (und verboten) sein, aber am Borsigplatz, wo ganz viel Platz ist und dort zum größten Teil Menschen sind, die damit rechnen und damit auch kein Problem haben, ist es schon fraglich. Was möchte die Polizei damit erreichen? Stadionverbote für diese Fans? Wie würde der BVB damit umgehen? Es ist damit zu rechnen, dass die Strafverfahren nicht eingeleitet werden. Die Polizei könnte trotzdem schon relativ schnell die Daten an den BVB weiterleiten. Aber alle Katzen sind schön und man kann nur hoffen, dass wenn die Stadien in der kommenden Saison immer voller werden, die Fans in Ruhe gelassen werden und den Fußball genießen können.

Die Statistik

Reus beginnt Spur im Westfalenstadion, verfolgt von einem Kölner - Spiel gegen Köln 2019/20)
Spieler des Spiels - Marco Reus (Spiel gegen Köln 2019/20)

Dortmunder Pokalsieger: Roman Bürki - Lukasz Piszczek, Manuel Akanji, Mats Hummels, Raphael Guerreiro - Emre Can, Mahmoud Dahoud (74. Thomas Delaney), Jude Bellingham (46. Thorgan Hazard)- Marco Reus (90. Giovanni Reyna), Erling Haaland (90. Julian Brandt), Jadon Sancho (89. Thomas Meunier) - Trainer: Edin Terzic

Leipziger Titellose: Gulasci - Klostermann, Upamecano, Halstenberg - Kampl (62. Forsberg) - Mukiele (62. Laimer), Dani Olmo, Sabitzer, Haidara (70. Henrichs) - Sörloth (46. Poulsen), Hwang (46. Nkunku)

Schiedsrichter: Dr. Felix Brych (Mark Borsch, Stefan Lupp, Sascha Stegemann, Günter Perl)

Tore: 1-0 Jadon Sancho (5.), 2-0 Erling Haaland (28.), 3-0 Jadon Sancho (45.), 3-1 Dani Olmo (71.), 4-1 Erling Haaland (87.)

Gelbe Karten: Bellingham (25.), Dahoud (50.), Sancho (81.), Hummels (90.) - Upamecano (45.), Dani Olmo (81.)

Zuschauer: Keine

Glückwunsch zum Pokalsieg, liebe Boruss:innen!

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