Flutlicht

Im Rudel gucken ist schöner

10.03.2020, 15:23 Uhr von:  DocKay
Im Rudel gucken ist schöner

Unter diesem Motto fand erneut die Traditionsveranstaltung vom BVB-Lernzentrum und schwatzgelb.de zum Borussenderby unter der Südtribüne im Westfalenstadion statt.

Es war die achte Veranstaltung dieser Art und sie sollte unter einem guten Stern stehen. Eingeladen waren dieses Mal Schülerinnen und Schüler der Anne-Frank-Gesamtschule aus der Dortmunder Nordstadt mit ihrer Lehrerin und mehreren Begleitern. Die Schule, die sich selbst ein starkes Stück Nordstadt nennt, wurde im wesentlichen repräsentiert durch Jugendliche der Demokratie AG und politisch interessierten Schüler*innen der Jahrgangsstufen.

Mit etwas Verspätung konnte dann das Rudelgucken mit einer Vorstellungsrunde beginnen. Zur besseren Kommunikation nannte jeder seinen Namen. Gefragt wurde nach dem Lieblingsverein und dem Grund des Kommens. Natürlich war der BVB der am meisten genannte Verein, insbesondere bei den Jungs. Aber auch der FC Barcelona tauchte häufiger auf. Einmal wurde auch ein Irrläufer aus dem Süden Deutschlands genannt. Die Mädchen schienen weniger Interesse am Fußball zu haben, punkteten dann aber mehr bei den Gründen der Anwesenheit. Zum ersten Mal tauchte der Begriff Demokratie auf und mit ihm wurde seine Definition diskutiert, bevor man sich dem eigentlichen Thema Rassismus und Rechtsextremismus zuwandte.

Nach einem aus zeitlichen Gründen verkürzten Spiel der Flussüberquerung mit deutlicher Dominanz der Schülerinnen ging es dann an die Bearbeitung des Begriffes Klischee. Viele kennen vielleicht noch die Sendung Montagsmaler. Entsprechend wurden Begriffe wie Blume, Engel und Krankenschwester malerisch zu Papier gebracht. Beeindruckend war hier insbesondere die Darstellung der Krankenschwester mit Haube und Kreuz, eine Tatsache, die eigentlich mehr für Comics geeignet ist und in der Realität kaum noch erscheint. Die „Bilder im Kopf“ sollten dann zu dem Begriff des Vorurteiles überführen und schließlich anhand von Beispielen Licht in das Wort Diskriminierung bringen, dem Handeln aufgrund von Urteilen.

Es folgte ein Film über die Ereignisse beim Drittliga-Spiel Preußen Münster gegen die Würzburger Kickers, bei dem es nach Affenlauten gegen den Gästespieler Leroy Kwadwo zu lautstarken „Nazis raus“ Rufen kam. Gemeinsam machten Zuschauer den Rechtsextremisten ausfindig, sodass er durch die Ordnungskräfte aus dem Stadion gebracht werden konnte. Der Fall und entsprechende Maßnahmen wurden mit den Anwesenden diskutiert und führten schließlich zu dem Thema Rechtsextremismus in deutschen Stadien. Dazu gehörte dann auch das Erkennen von rechtsextremistischen Symbolen und bevorzugten Kleidungsstücken. In diesem Zusammenhang wurden auch Themen wie Ausländerfeindlichkeit und Judenhass angesprochen.

Nach soviel Theorie konnte dann die Stadion-Tour beginnen. Manche standen dabei das erste Mal auf der Südtribüne, andere suchten den Block wo sie schon einmal ein Spiel beobachtet hatten. Es war Zeit für Selfies und Erinnerungsfotos. Fragen zum Stadion und zur Zuschauerzahl wurden beantwortet, Begriffe wie Ultras und Wellenbrecher erklärt. Am Ende durfte ein Bild der gesamten Gruppe nicht fehlen. In Zeiten des Coronavirus kamen ganz nebenbei Gedanken auf zum kommenden Derby und zu einem Spiel vor leeren Rängen. Kaum vorstellbar, aber leider Realität. Inzwischen war es kalt geworden und die Räume des BVB-Lernzentrums luden zum Essen ein. Sehr lecker und für jeden der sympathischen multikulturellen Gruppe schien etwas dabei zu sein.

Ach und dann war da ja noch das eigentliche Rudelgucken mit dem Spiel der beiden Borussias, das zur Abrundung eines schönen Nachmittages die wirkliche schwarzgelbe Borussia aus Dortmund mit 2:1 gewann. Perfekter hätte es nicht sein können. Nach dem Gewinnspiel und dem Benennen der Siegerinnen und Sieger schwärmten sie schließlich aus, die Schülerinnen und Schüler der Anne-Frank-Schule zurück in ihr starkes Stück Nordstadt.

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