Spielbericht Jugend

Noch nichts verloren!

19.06.2014, 13:08 Uhr von:  Redaktion

Nach einer grandiosen Saison und einer nie gefährdeten Meisterschaft in der Bundesliga West bietet sich für die U17 von Trainer Hannes Wolf weiterhin die Möglichkeit, dieses Spieljahr mit der Deutschen Meisterschaft zu krönen. Im Hinspiel-Halbfinale gab es jedoch ein bitteres 1:2 gegen Hertha BSC. Dabei war nicht nur der Spielverlauf unglücklich, sondern auch der Spielort.

Bruchwegstadion. Amateurstadion im Olympiapark. Zentralstadion. Die Austragungsorte der drei anderen Halbfinalisten um die deutsche U17-Meisterschaft können sich sehen lassen. Umso unverständlicher, dass sich der BVB in diesem Kontext die Blöße gab und lediglich in Brackel am Trainingszentrum spielte. Da reichten auch Wurst- und Getränkestand nicht aus, um dem Kick einem würdigen Rahmen zu geben. Noch weniger nachvollziehbar wird die ganze Sachlage, wenn man weiß, dass die Rote Erde zu nutzen gewesen wäre. Die Jungs im Alter von 16, 17 Jahren wurden somit um ein echtes Highlight in ihrer jungen Karriere gebracht. Hier hat sich der e. V., in dessen Verantwortungsbereich die U17 fällt, nun wahrlich kein Ruhmesblatt ausgestellt. Erstmals in dieser Saison bei einem Jugend-Heimspiel dabei: Bratwürstchen.

Trotz dieser Umstände fanden sich letztlich doch noch an die 600 Zuschauer rund um das Spielfeld in der Hohenbuschei ein. Immerhin hat es Borussia geschafft, alle vier Seiten freizugeben und nicht nur eine, wie es sonst bei Bundesliga-Jugendspielen üblich ist. Unter den Augen von U17-Nationaltrainer „Wück, du Sau“ betraten die 22 Akteure um Punkt 18 Uhr das Geläuf. Auch dieser Einmarsch war jedoch als trostlos zu werten, da aufgrund von Lärmschutzbestimmungen weder Musik noch Stadionsprecher um diese Zeit gestattet sind. Alles in allem also ein unwürdiger Rahmen für diesen Anlass, zumal bei diesem schönen Wetter in der Roten Erde auch mit einem großen Teil von „Laufkundschaft“ hätte kalkuliert werden können.

BVB wie die Feuerwehr

Zumindest sportlich ließen sich die Schwarzgelben davon aber nicht irritieren. Wie die sprichwörtliche Feuerwehr tauchten sie in den ersten fünf Minuten gleich dreimal gefährlich vor Gästetorwart Aulig auf. Vor allem über die extrem hochstehenden Außenverteidiger Passlack und Schumacher sowie die Flügelstürmer Arweiler sowie Kot wurde immer wieder flink nach vorne kombiniert. Nur das nötige Zielglück im Abschluss fehlte zunächst. Mehrmals schoss man Aulig freistehend an.

Wie man es besser macht, bewiesen die Gäste aus der Hauptstadt nach 17 Minuten brutal effektiv. Ein schneller Konter wurde trotz mehrerer Versuche nicht ausreichend geklärt und Brömer setzte entschlossen nach. 1:0 für die robusten und zweikampfstarken Herthaner. Insbesondere beim Zehner Cakmak fragte man sich des Öfteren, ob beim Geburtsdatum im Pass wirklich alles mit rechten Dingen zugegangen ist. Absolute Maschine. Doch wenn eine Tugend unsere B-Jugend besonders auszeichnet, dann ist es die Moral dieser Truppe. Das bewahrheitete sich neulich schon im Westfalenpokal-Endspiel in GE, als man nach Rückstand und nach Verlängerung siegreich war.

Und auch gestern schlug man zunächst eiskalt zurück. Einen langen Ball erreichte unser türkischer Torjäger Alici vor Torwart Aulig und lupfte ihn in Richtung Maschen. Zwei Hertha-Verteidiger versuchten verzweifelt per Fuß und Kopf zu klären, doch letztlich überquerte die Kugel die Torlinie. Selbst der aus Burgdorf zugeschaltete Florian Meyer musste in diesem Moment auf Tor entscheiden. Mit einem für die Gäste schmeichelhaften Remis ging es ab zum Pausentee, während sich die Zuschauer in der Zwischenzeit über die 2:1-Führung der Australier gegen unseren orangen Nachbarn amüsierten. Die zweite Halbzeit begann dann zunächst wesentlich verhaltener, da beide Mannschaften nun etwas kompakter standen und noch mehr Zweikämpfe im Mittelfeld die Folge waren. Vor allem in der zweiten Halbzeit ging viel über Standards.

Hertha am Ende effektiver

Da spielerisch kaum noch Gefahr heraufbeschworen werden konnte, resultierten die besten Torchancen aus Standardsituationen. Leider mit dem besseren Ende für den alten Schifffahrtsdampfer aus dem Osten. Bei einem Freistoß von links passte die BVB-Abwehr in der Mitte nicht auf und der eingewechselte Galleski verlängerte den Ball per Kopf geschickt über Reimann ins Netz. Alles in allem aber ein mehr als glücklicher Siegtreffer, da insbesondere in der ersten Halbzeit Borussia Dortmund mehr und bessere Chancen aufwies. Es blieb somit leider bei der 1:2-Niederlage und wieder einmal bewahrheitete sich, dass gerade in dieser Altersklasse Effektivität vor dem Tor einen der größten Erfolgsfaktoren darstellt.

Doch noch ist nicht aller Tage Abend. Diese bärenstarke und kampfbereite Mannschaft von Trainer Wolf hat im Laufe der letzten Monate oft genug bewiesen, dass Rückschläge sie nur noch stärker machen. Und nach der Partie gestern kann man zudem einigermaßen berechtigt zu dem Schluss kommen, dass unsere Borussia spielerisch überlegen ist und „nur“ ihre Torchancen zu nutzen braucht. Am Sonntag wird um 11 Uhr im Amateurstadion im Berliner Olympiapark das Rückspiel ausgetragen. Für jeden Exil-Borussen in der Hauptstadt sollte das doch einen Pflichttermin darstellen. Übrigens würde sogar ein 1:0-Sieg zum sofortigen Elfmeterschießen reichen, da Auswärtstore in diesem Wettbewerb NICHT einen höheren Stellenwert haben. Im anderen Halbfinale trennten sich übrigens Mainz und ScheissBull Leipzig mit 1:1. Der Sieges dieses Duells hat Heimrecht im großen Finale. Für unterbeschäftigte BVB-Fans wäre ein Trip nach Leipzig in der Sommerpause durchaus attraktiv, um dem Kack-Kommerz mal zu zeigen, wo der Hammer hängt! "Wück, du Sau" sah einen schmeichelhaften Sieg der Gäste aus Berlin.

Daten zum Spiel

BVB U17 (4-3-3): Reimann – Passlack (70. Yerli), El-Bouazzati, Sahin, Schumacher – Kösecik (36. Nebihi), Sauerland, Burnic – Arweiler (41. Fritsch), Alici, Kot (41. Kurt)

Tore: 0:1 Brömer (17.), 1:1 Alici (20.), 1:2 Galleski (69.)

Zuschauer: 590 (in Brackel)

SR: Rath

Malte D., 18.6.2014

Unterstütze uns mit steady