Spielbericht Jugend

BVB mit Köpfchen im Tecklenburger Land

10.04.2014, 00:00 Uhr von:  Redaktion

Beim Kreisligisten der Spielvereinigung Ibbenbüren glänzten die A-Junioren unseres Ballspielvereins im Viertelfinale des Westfalenpokals lediglich in der Luft. Vor allem Doppeltorschütze Nick Weber zeigte bei seinen Kopfballtoren den Unterschied zwischen künftigen Amateur- und Profifußballern schonungslos auf.

Nachdem unsere A-Jugendmannschaft in ihrer ersten Runde im Westfalenpokal erst mit einem Treffer kurz vor dem Ende der Verlängerung den SC Münster 08 niederkämpfen konnte und so eine böse Blamage vermied, wartete mit der Spielvereinigung Ibbenbüren im Viertelfinale zumindest ein auf dem Papier leichterer Gegner auf die Mannschaft von Trainer Meister. So spielt der Gastgeber doch tatsächlich im Ligenbetrieb lediglich in der fünftklassigen Kreisliga A inmitten des schwach besiedelten Tecklenburger Landes gegen Mannschaften namens Westfalia Hopsten oder die SG Dörenthe/Brochterbeck, ist dort denn auch mit 14 Siegen aus 14 Spielen bei einem Torverhältnis von 62:6 noch souveräner als DIE BAYERN. So spricht man in und um Ibbenbüren denn auch von einem goldenen Jahrgang, was sich auch dadurch ausdrücken sollte, dass man mit genau diesen Jungs im B-Jugend-Westfalenpokal vor einiger Zeit erst nach Verlängerung gegen den VfL Bochum unterlag.

Optimistisch an der Wurst

Das etwas außerhalb Ibbenbürens Zentrum gelegene Sportzentrum Ost in der Nähe eines Gymnasiums hatte einen solchen Andrang in Sachen Fußball wohl lange nicht mehr gesehen. Nicht auszudenken, wenn das Wetter besser gewesen wäre und man nicht auf 17.45 Uhr hätte vorverlegen müssen, da die Anlage über kein Flutlicht verfügt. Hätten die Veranwortlichen einkalkuliert, dass man es auch in die Verlängerung oder bis ins Elfmeterschießen schafft, wäre es trotz dieser Zeit mit den Witterungsbedingungen eng geworden. Aber wie sagte die Wurstverkäuferin des Heimvereins doch so schön mit einem Schmunzeln im Gesicht: „Wir gehen davon aus, dass wir es in der regulären Spielzeit packen.“ Der Andrang war groß in Ibbenbüren

Überhaupt war das ehrenamtliche Engagement der Vereinsmitglieder rund um dieses Spiel beeindruckend, waren doch vielfältige Speisen und Getränke für alle Geschmäcker zu erwerben. Einen Minuspunkt gibt es lediglich für die Tatsache, dass das Vereinsheim trotz Regens in der Halbzeit aus unerfindlichen Gründen geschlossen blieb. Dass die leicht angetrunkene Dorfjugend im Laufe des Spiels von „BVB Hurensöhnen“ sang und gemeinsam mit etwa fünf Mädchen im Alter von ungefähr acht Jahren peinliche Wechselgesänge vollziehen musste? Geschenkt. Umso charmanter war da doch gleich wieder der mobile Getränkeverkauf während der Partie, der stilecht in Bollerwagen vorgenommen wurde. Und auch der Eintritt war aller Ehren wert: Während Kinder freien Eintritt erhielten und ermäßungsberechtigte Personen einen Euro zu zahlen hatten, mussten Vollzahler ganz tief in die Tasche greifen und satte zwei Euro blechen. Kein Dreier für 'nen Steher! Die bekannte Kampagne hat ihre Ursprünge bekanntlich hier im Tecklenburger Land.

Die Unterstützung von Seiten der sehr reservierten Zuschauer war jedoch außerordentlich schwach für solch einen Anlass. Zumal die Kreisligakicker wirklich eine ganz hervorragende Leistung boten und man nie auf den Gedanken gekommen wäre, dass hier ein auch international agierender Erstligist bei einem Fünftligisten auflief. Zumal im Jugendbereich das Gefälle zwischen den Ligen noch um einiges massiver als im Seniorenbereich ausfällt. Sogar die erste Ecke holten die weiß gekleideten Ibbenbürener nach drei Minuten heraus. Besonders auffällig im Spiel der Gastgeber war dabei in der Anfangsphase Regisseur und Zehner Steffen Büchter, der bei seinen Aktionen die schwarzgelben Verteidiger teilweise sehr schlecht aussehen ließ und Mitte der zweiten Hälfte bei einem Solo sogar erst am Aluminium scheitern sollte.

Vom BVB kam sehr wenig und man nutzte die Cleverness eines abgezockten Nick Webers, der sicherlich auch andere Pläne für seine Karriere hatte, als im April bei Nieselregen in Ibbenbüren spielen zu müssen. Zweimal entwischte er seinem bemitleidenswerten Gegenspieler und köpfte souverän einen 2:0-Vorsprung heraus, der in solch einem Spiel selbstverständlich schon die Entscheidung darstellt. Beim 3:0 durch Knystock kurz vor dem Halbzeitpfiff sah der heimische Torwart Niklas Placke das einzige Mal schlecht aus, da er etwas zu weit vor dem Kasten beim Distanzschuss des Rechtsverteidigers stand. Ansonsten parierte er die Torversuche des BVB teils sensationell und vereitelte so ein halbes Dutzend an weiteren Gegentreffern.

Bingöl brav und gehorsam

In der zweiten Hälfte machte unser Ballspielverein dann nicht mehr als nötig und nutzte erneut seine Lufthoheit aus. Eine Flanke von rechts nickte Hüsing formvollendet zum 0:4 ein. So ein Ergebnis lassen echte Borussen natürlich nicht auf sich sitzen und so war es dem eingewechselten Bingöl vorbehalten, vom Gründungsjahr der Blauen zumindest bis zum FSV Mainz zu gelangen, als er einen Flachschuss in die Maschen setzte. Für die BVB-Akteure bleibt zu konstatieren, dass bei diesem Spiel keiner besonders herausstach und lediglich Dienst nach Vorschrift betrieben wurde. Das Spiel konnte natürlich stattfinden.

Bei solch einer Einstellung verwundert es denn auch nicht, dass du in der Defensive selbst gegen einen solch limitierten Gegner Probleme bekommst. So durfte der eingewechselte Nikolai Biemann zwei Minuten vor dem Ende seinen wohl größten Auftritt seiner Fußballerkarriere zelebrieren, als er auf dem rechten Flügel eine Einzelleistung so beendete, dass die beiden BVB-Innenverteidiger Mbende und Bauman die Orientierung verlieren sollten. Diese Chance zum Abstauber ließ sich der ebenfalls eingewechselte Hoppe nicht entgehen und schrieb sich mit diesem verdienten 1:5-Ehrentor in die Annalen der Spielvereinigung Ibbenbüren ein. Zumindest jetzt war mal so etwas wie Atmosphäre im weiten Rund zu spüren. Der Tecklenburger an sich scheint jedenfalls eher ein zurückhaltender Zeitgenosse zu sein.

Nach diesem Pflichtauftritt folgt für unsere U 19 bereits am Samstag bei der Fortuna in Düsseldorf der nächste Ligaeinsatz. Am Flinger Broich kann dann mit solch einer Leistung wie hier im Pokal natürlich kein Blumentopf geholt werden. Es wird zeigen, inwieweit es Meister und seinen Gesellen gelingen wird, den Schalter wieder umzulegen und auch damit umgehen zu müssen, dass anstatt der (zugegebenermaßen geschönten) 900 Zuschauer wohl eine Null weniger zugegen sein wird.

Daten zum Spiel

BVB U 19 (4-2-3-1): Siegemeyer – Knystock (56. Kocoglu), Mbende, Bauman, Franke – Dietz (62. Böhmer), P. Stenzel – Hüsing, Weber (52. Yildiz), Drozdek (71. Bingöl) – Steinfeldt

Tore: 0:1 Weber (8.), 0:2 Weber (35.), 0:3 Knystock (44.), 0:4 Hüsing (64.), 0:5 Bingöl (80.) 1:5 Hoppe (88.)

SR: Philip Holzenkämpfer (Kühe, Schweine, Grün-Weiß Rheine)

Zuschauer: 900

Gelbe Karten: Fehlanzeige

Malte D., 10.4.2014

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