Spielbericht Jugend

Augenhöhe nur in der Jugend

02.03.2014, 22:40 Uhr von:  Redaktion

Am Ende als leider zu clever und abgezockt präsentierten sich die Gäste aus der verbotenen Stadt im U 19-Derby in der Roten Erde. Da half auch die große Zuschauerkulisse von 540 Besuchern nichts: Wieder einmal musste sich eine BVB-U 19 in der Bundesliga West dem ungeliebten Nachbarn geschlagen geben.

Mindestens einmal pro Saison darf unsere U 19 vor größerer Kulisse in der schönen Rote Erde spielen. Nämlich immer dann, wenn aus Sicherheitsgründen das Derby gegen das ungeliebte Jung-Blaukraut aus Gelsenkirchen auf dem Programm steht. Und schon auf dem Weg zum Stadion waren an der Station „Westfalenstadion“ ein halbes Dutzend Mannschaftswagen der Jäger-Truppe zu sehen. Während diese jedoch aufgrund akuter Unterbeschäftigung Mitte der ersten Halbzeit ihr Arbeitswochenende beenden durften, mussten zwei arme Zivilkräfte der hiesigen Polizeibehörde bei schönem Frühlingswetter, aber dafür mit wichtigem Knopf im Ohr, im Stadion verbleiben. Auch die Staatsmacht war vertreten

540 zahlende Zuschauer sollten sich am Ende bei diesem Spiel eingefunden haben. Wieder einmal zeigte sich so also, dass unsere älteste Jugendmannschaft durchaus das Potenzial für mehr Zuschauer als in Brackel aufweist, wo im Schnitt etwa 80 Zuschauer zu begrüßen sind. Der BVB betreibt diese Zuschauerverhinderungspolitik ganz bewusst und zuvorderst aus zwei Gründen: Zunächst fallen mit der Heimspielstätte Brackel wesentlich weniger Kosten für Ordnerpersonal und allgemeinen Spielbetrieb an und zum zweiten sollen sich die Spieler ohne Druck der Öffentlichkeit entwickeln können.

Jugend nur ein Stiefkind

Fraglich jedoch, ob man dann von diesen Akteuren in der U 23 oder gar bei den Profis erwarten darf, dass sie vor mehreren Tausend Zuschauern plötzlich unbeschwert aufspielen sollen. Jedenfalls überlegt es sich der gemeine Borusse zweimal, ob man für ein Jugendspiel raus nach Brackel fährt. Zudem ist Borussia einer der wenigen Vereine, der für seine Nicht-Profimannschaften Eintritt verlangt. Bei anderen Clubs ist es absolut selbstverständlich, dass Vereinsmitglieder und/oder Dauerkarteninhaber freien Eintritt für Amateur- und Jugendspiele haben. Wenn man sich dann noch auf der Seite des blauen Rivalen darüber informieren muss, wo das Spiel denn überhaupt stattfindet, weil auch die BVB-Homepage den Nachwuchsbereich nur sehr versteckt hält, wird das Bild entsprechend abgerundet. Das Wetter lieferte einen perfekten Rahmen

Immerhin war heute ein Stadionsprecher zugegen, der die interessierten Besucher mit den Mannschaftsaufstellungen beglückte. Beim BVB spielten mit Maruoka und Dudziak zwei Jungs mit, die bereits bei der U 23 Einsätze in der 3. Liga aufweisen. Beim Gast waren zwei Akteure besonders hevorzuheben: Neben Leroy Sane, dem Sohn von Souleyman, waren viele Augen auf Avdijaj gerichtet, der angeblich bereits mit seinen 17 Jahren eine Ausstiegsklausel von 50 Millionen Euro hat. So etwas bringt solch einen Jungen natürlich gar nicht aus der Ruhe und lässt ihn sicher total normal entwickeln.

Zum Spiel: Der BVB mit einer sehr eigentümlichen 4-3-3-Aufstellung, wo der bisherige Linksverteidiger Bingöl als Mittelstürmer auflief und Torgarant Stenzel im defensivem Mittelfeld agierte. Trotzdem entwickelte sich in den ersten 45 Minuten ein offenes Spiel, wo beide Mannschaften zu ihren Gelegenheiten kamen, ohne dass man jedoch von „100-prozentigen Chancen“ sprechen müsste. Bei Standards kamen beide Teams zu Gelegenheiten, die jedoch nicht konsequent verwertet werden konnten.

In der zweiten Hälfte trat dann kurz Deichkind auf den Plan und man musste „Leider geil“ wispern. Denn nach genau einer Stunde erspielten sich die Blauen über mehrere Stationen eine Gelegenheit, die sich der eingewechselte Platte nicht entgehen ließ und Göcke überwinden konnte. In der Folgezeit setzten sich die vom Verletzungspech gebeutelten Schwarzgelben in der gegnerischen Hälfte fest und kamen durch Knystock sowie Dudziak zu Gelegenheiten. Entweder war das Visier aber nicht akkurat genug justiert oder der gute Torwart Schilder im Gästetor verhinderte den Ausgleich.

Sane mit der Entscheidung

In der Nachspielzeit folgte dann das typische Ende eines solchen Spiels. Ein blauweißer Konter landete bei dem bereits genannten Leroy Sane, der im Eins gegen Eins vor Göcke die Nerven behielt und auf 2:0 erhöhte. Schiedsrichter Glasmacher pfiff gar nicht wieder an und alle Borussen verließen fast schon fluchtartig das weite Rund, um das Pack nicht auf dem heiligen Rasen feiern sehen zu müssen. Es hätten gerne noch ein paar mehr Zuschauer sein dürfen

Es lässt sich festhalten, dass unsere Jungs in den entscheidenden Situationen nicht zielstrebig genug waren und wie manchmal auch unsere Profis gerne noch einmal querlegen, obwohl eine aussichtsreiche Schusschance besteht. Ob sich der ebenfalls unter den Zuschauern anwesende Jürgen Klopp an die Spiele seiner Mannschaft erinnert fühlte? Gelsenkirchen war letztlich zu robust und stabil gegenüber den kleinen, eher technisch ausgebildeten Dortmundern.

In der Tabelle belegt die Mannschaft von Trainer Meister nun den 5. Platz. Die nächste Chance zur Verbesserung des Zwischenstands haben Kapitän Göcke und seine Vorderleute nächsten Sonntag um 11 Uhr im Böllhoff-Stadion zu Bielefeld. Zur gleichen Zeit will unsere U 17 in Brackel gegen Bochum ihre Tabellenführung in der Bundesliga West halten und vielleicht sogar ausbauen.

Daten zum Spiel

BVB U 19 (4-3-3): Göcke – Knystock, Mbende, Brauer, Dudziak – Sauerland, Maruoka (52. Kurt), P. Stenzel – Drozdek (65. Franke), Bingöl (88. N. Dietz), V. Stenzel

Tore: 0:1 Platte (60.), 0:2 Sane (90.+3)

SR: Glasmacher

Zuschauer: 540

Gelbe Karten für den BVB: Mbende (laut JHG), Brauer, Bingöl, P. Stenzel

Malte D., 2.3.2014

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