Im Gespräch mit...

Ballspielverein 04 – der aktuelle Stand beim Jacobi-Filmprojekt

06.05.2014, 11:39 Uhr von:  Redaktion

Die drei Filmemacher bei der ArbeitSeitdem sg.de mit der großen „Tanz für Franz“-Spendengala das Ende der Finanzierungsphase des Filmprojekts „Am Borsigplatz geboren – Franz Jacobi und die Wiege des BVB“ gefeiert hat, ist ein gutes halbes Jahr ins Land gegangen. Zeit, uns noch einmal über den Stand der Arbeiten zu informieren. Wir haben ein kurzes Gespräch mit Marc Quambusch, einem der Filmemacher, geführt und die Fragen gestellt, die sicher vielen Fans und Unterstützern des Projekts unter den Nägeln brennen. Was haben die Recherchearbeiten ergeben? Wie steht es um die finanzielle Basis des Projekts? Und vor allem: Wann kann man den Film endlich sehen?

Marc, wie ist der Stand der Dinge?

Die Recherche-Phase ist nun abgeschlossen. Unter der Leitung von Gregor Schnittker hat sich eine Gruppe von Rechercheuren in die Arbeit gestürzt. Auf Basis des großen Wissens von Gerd Kolbe – und unter seiner tatkräftigen Mithilfe – haben ein Dutzend Menschen zu unterschiedlichen Dingen recherchiert.

Die Ergebnisse dieses Rechercheprozesses haben wir kürzlich in einer zweitägigen Klausurtagung zusammengetragen und festgelegt welche Eckpunkte der BVB-Geschichte wir erzählen werden. Auf dieser Grundlage haben wir nun angefangen, das Drehbuch zu erstellen. Hier müssen wir dann natürlich schauen, zu welchem Punkt, den wir erzählen wollen, wir historische Bilder haben und wo wir uns anders behelfen müssen.

Wie zufrieden seid ihr mit den Ergebnissen?

Es ist, glaube ich, schwer, wirklich zufrieden zu sein, wenn man da aktiv beteiligt ist. Egal wie tief man recherchiert, man kommt nie zu einem Ende. Es stellen sich mit jedem Ergebnis neue Fragen und man kann immer nur punktuell Licht ins Dunkle bringen. So als würde man ein verlassenes Schloss mit einer Taschenlampe erkunden. Man findet Schätze, aber es bleibt auch vieles im Dunkeln.

Aber ich z.B. war ja in den Rechercheprozess wenig involviert. Dadurch hatte ich quasi den Blick von Außen und war auf unserer Klausurtagung sehr angetan von den Ergebnissen der Recherche.

Hast Du ein paar Beispiele für die Ergebnisse?

Bei der Recherche ist einiges zu Tage gekommen was vorher nicht bekannt war. Zum Beispiel, dass sich in Dortmund schon mal ein „Ballspielverein Dortmund“ gegründet hatte, der aber nicht lange bestand. Gegründet wurde dieser Ballspielverein übrigens 1904.

Klausurtagung des Filmteams mit Gerd KolbeDann gibt es zum Beispiel die Frage, warum Heinrich Unger als erster Präsident nur ein Jahr im Amt war. Hier haben wir Indizien auf denen wir eine Hypothese aufgestellt haben, nämlich die, dass es dabei um Konflikte mit der Familie seiner Partnerin ging. Das ist die einzige schlüssige Erkenntnis, aber sie ist nicht final zu beweisen.

Es gibt aber auch Dinge, die ungeklärt bleiben, wie z.B. die Frage, warum Borussia 1913 den Farbwechsel zu schwarz-gelb vollzog. Klar ist, dass es die Farben von Britannia Dortmund waren, einem „wilden Fußballverein“, der dem BVB beitrat. Aber warum es den Wechsel genau gab, wird wohl nie ans Licht kommen. Wir können dazu Hypothesen aufstellen, aber es gibt keine Indizien, die eine davon wirklich erhärten. Da merken wir dann auch, dass wir echt ein paar Jahre zu spät sind. Wie gerne würde man einfach den Franz anrufen und fragen: „Wie war das? Erzähl mal!“ Aber leider lebt eben keiner der Gründerväter mehr. Aber immerhin: wir konnten vieles entdecken, was in wenigen Jahren wohl endgültig verloren wäre, da die Söhne und Töchter der Väter ja auch schon sehr betagt sind. Beeindruckend ist wirklich, wie wichtig der BVB für die Gründungsväter war. Da wurde ungeheuer viel Wissen an die Kinder weitergegeben. Das ist wirklich toll.

Die Neugier auf den Film ist natürlich groß. Es gibt auch Fans, die wünschen sich noch mehr Einblicke in den Prozess Eurer Arbeit. Könnt Ihr das gewährleisten?

Wir verstehen, dass die Förderer ungeduldig sind. Natürlich will man auch wissen, was man für sein Geld bekommt. Aber das Ganze ist nun mal auch langwierige Arbeit, die größtenteils recht wenig spannend ist. Das gilt vor allem für die Recherche. Das sind viele Stunden in Archiven und viele Gespräche mit Historikern, oder Verwandten und Bekannten der Zeitzeugen. Wir haben diese Nachfragen durchaus vernommen und nehmen dieses Anliegen auch sehr ernst. Wenn wir drehen und schneiden wird es mit den Einblicken leichter, weil man dann konkrete Dinge zeigen kann.

Wie beurteilst Du als erfahrener Filmemacher die finanzielle Basis dieses Projekts, also das durch den schwarzgelben Schwarm zur Verfügung gestellte Kapital und wie wird es verwendet?

Solide. Als Laie denkt man wahrscheinlich erst mal: Das ist ja viel Geld. Aber wenn man sich die Positionen anschaut, die für einen Film gebraucht werden, dann ist es eben leider auch nicht so, dass wir gar nicht wissen, wohin mit dem Geld. Es müssen ja beispielsweise auch die „Dankeschöns“ erstellt und versendet werden. Alleine das ist ein fetter Budgetposten. Dazu, ein nicht zu unterschätzender Punkt: Steuern, da fällt dann auch mal ein großer Beitrag weg. Um es mal an einem Beispiel fest zu machen, die meisten haben ja die 19,09 Euro Unterstützung für die DVD wahrgenommen. Wenn du da Mehrwertsteuer abziehst, dazu die DVD-Produktion und Porto, dann ist schon fast die Hälfte der Unterstützungssumme weg. Das Geld reicht aber auf jeden Fall, um einen guten Film zu machen. Aber klar ist auch: Nach oben ist immer Luft.

Ihr habt mit der Firma Riesenbuhei in Hamburg einen Produktionspartner. Warum ist das so wichtig? Könntet Ihr Drei das nicht alleine stemmen?

Konzentrierte Arbeit bei der KlausurtagungDie Produktion eines Filmes besteht ja nicht nur aus Dreh und Schnitt, sondern ist ein großer administrativer Aufwand. Man braucht ja z.B. eine Buchhaltung, damit die Dienstleister an irgendwen eine Rechnung stellen können, die dann auch überwiesen wird. Oder man braucht einen Anwalt, der die Verträge checkt. Wenn man da auf ein bestehendes System zugreift, kostet es einfach weniger. Jeder professionelle Film hat eine Produktionsfirma. Riesenbuhei hat z.B. auch die „Verrückt nach Fußball“-Serie und den Argentinien-Film von Janni und mir produziert.

Wann wird der Film voraussichtlich fertiggestellt werden?

Unser erstes Ziel war ja der 126. Geburtstag von Franz Jacobi im Juli. Wir haben in der Recherche allerdings schnell gemerkt, dass wir mehr Zeit brauchen, um den Dingen auf den Grund zu gehen. Wir haben zum Beispiel durch zwei Historiker auch alle wichtigen Protagonisten auf eine NS-Verstrickung prüfen lassen, um es ausschließen zu können, einem glühenden Nationalsozialisten ein Denkmal zu setzen. Es gab einfach gute Gründe, länger zu recherchieren.

Die Umsetzung lässt sich besser planen. Wir sind gerade dabei, einen Produktions-Zeitplan zu machen. Wenn wir den haben, wissen wir mehr. Aber ich gehe davon aus, dass der Film im Herbst fertiggestellt sein wird. Vielleicht sagen wir aber auch irgendwann, dass wir den 19.12. für die Premiere nehmen, weil wir ein historisches Datum wollen. Auf jeden Fall werden wir uns dazu bald konkreter äußern können.

Vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg bei der weiteren Arbeit an dem Film.

Web, 06.05.2014

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