Warmlaufen

Harry Klopper und der Feuerknilch

22.11.2013, 09:24 Uhr von:  Redaktion

Harry Klopp-erHarry träumte. Er träumte von Strobwards mit seinen gelben Türmen in den Ecken, von den Katakomben und von seinen vier großen Festsälen. Bunt und voller Menschen. Er träumte von wehenden Fahnen. Von vielen Menschen, die ununterbrochen „Aufwachen! Aufwachen!" brüllten und von einem gewaltigen Toben und Beben, das diese Menschen auslösten.

„Aufwachen!"

Harry schlug die Augen auf und blickte in das Gesicht von Susi. Die meisten Bewohner von Strobwards hielten Susi nur für einen einfachen Hauselfen in Diensten von Professor Akidore, aber Harry wusste es besser. Dieses freundliche, stets ein bisschen unterwürfige Geschöpf stand nicht nur in unerschütterlicher Treue und Loyalität zu Strobwards und seinen Bewohnern, sondern verrichtete im Hintergrund viele wichtige Aufgaben. Mehr als einmal hatte Susi ihm selbst mit mächtigen Waffen im Kampf gegen das Böse gehörig aus der Patsche geholfen. So aufgeregt wie jetzt hatte Harry ihn jedoch selten gesehen.

„Was ist denn los?" murmelte Harry verschlafen und versuchte gleichzeitig nach seiner Brille zu tasten und seine vorwitzigen Haarsträhnen zu sortieren. Nicht zum ersten Mal dachte er voller Bedauern an seine alte Brille zurück, die ihm einst ein übermütiger Schüler bei einer Siegesfeier vom Gesicht geschlagen und zerstört hatte.

„Meister Harry, Meister Harry, schnell! Akidore erwartet Harry Klopper in seinem Privatgemach. Wichtige, wichtige Neuigkeiten sind eingetroffen." Susis Tonfall behagte ihm gar nicht. „Eine Eule?" „Nein, Meister Harry", entgegnete der Elf. „Eine Eulen-Mail. Ist einfach schneller. Und jetzt muss Harry Klopper mitkommen, bitte!" Endgültig alamiert sprang Harry aus seinem Bett und folgte dem Elfen. Sie gingen, liefen schon fast, schnellen Schrittes durch die verwinkelten Gänge und Gassen von Strobwards. Normalerweise genoss Harry diese Wege. Die freundlich gelb gestrichenen Wände erfüllten ihn immer wieder mit einem Gefühl der Zufriedenheit und eigentlich nahm er sich stets die Zeit, das ein oder andere Gemälde an der Wand, das von der großen und bewegten Geschichte von Strobwards kündete, zu betrachten. In dieser Nacht jedoch nicht. An der Fakultät für zauberische Fernreisen und den Fluren der Schülerbeauftragten vorbei, bei der Abteilung für Computermagie rechts ab und schon standen sie vor der imposanten, doppelflügeligen Tür von Professor Akidores Privatgemach. Auf den Flügeln prangten groß die drei Buchstaben B-V-B in goldener Farbe. Sie standen für das Motto von Strobwards „Besonders, Verzaubernd, Beeindruckend". Vorwitzige Schüler hatten auf die Wand daneben so oft „Echte Liebe" gekritzelt, dass man sich gar nicht mehr die Mühe machte, diese Malereien zu entfernen.

Akidore empfing Harry und Susi in seinem schwarzgelben Morgenmantel. Das sonst so freundliche Gesicht wirkte sorgenvoll und bekümmert. „Ah, Harry Klopper. Es tut mir leid, dass ich dich mitten in der Nacht wecken ließ. Aber wir haben Nachrichten erhalten, die keinen Aufschub dulden. Susi, schließe doch bitte die Tür und koche uns einen Tee."

Während der Hauselfe beschäftigt durch den Raum wuselte, ließ Harry sich in den großen, bequemen Plüschsessel fallen und gähnte herzhaft. „Was gibt's denn, Profssesor Akidore? Haben Mitschüler mal wieder mit den Feuerstöcken gespielt und es gibt Ärger mit dem Leiter der Fakultät für innere Angelegenheiten?" „Wenn es nur das wäre", seufzte Akidore," aber es ist schlimmer. Viel schlimmer. Uns wurde zugetragen, dass ER wieder zurück gekehrt ist und einen Angriff auf Strobwards plant."

Harry richtete sich aus einer gemütlichen Sitzposition kerzengerade auf und schaute Akidore in die Augen. „ER? Ihr meint, das Pe..." „Pssst" erklang es schockiert von Akidore und Susi wie aus einem Munde. „Wir nennen seinen Namen nicht. Es heißt, dass sofort ein Kamerateam erscheint, sobald man seinen Namen erwähnt. Wir sprechen von ihm nur als Der-dessen-Namen-in-den-Medien-bis-zum-Erbrechen-genannt-wird. Oder kurz: DDNIDMBZEGW."

„Wer soll sich denn den Schwachsinn merken?" entfuhr es Harry. Worauf Akidore zugab: „Ich hab damit auch so meine Probleme, aber die Kinder merken sich solche Buchstabenfolgen heutzutage total schnell. Ist wohl ein ganz besonderer Zauber."

„Wie auch immer, DDNIDMBZEGW ist auf dem Weg hierher und er will dich herausfordern. Er möchte ein für alle Mal klären, wer der mächtigste Zauberer der Erde ist. Hier, lies die Eulen-Mail. Nächstes Wochenende ruft er dich zum Duell. Eine Partie Fudditsch soll die Entscheidung bringen. Er kommt mit seinem Gefolge und erwartet, dass du dich ihm stellst."

Akidore machte eine Pause und schaute Harry lange an. „Harry, wir halten es für eine Falle."

„Fudditsch" - das Wort hallte in Harrys Kopf nach. Er erinnerte sich an die vielen Schlachten auf dem Fudditschfeld, die er gegen das Böse geschlagen hatte. An etliche glorreiche Siege, aber auch an die empfindlichen Niederlagen, die er in der letzten Zeit gegen die Abgesandten der Dunkelheit erlitten hatte. Und noch nie war er in einem ernsthaften Fudditschspiel gegen DDNIDMBZEGW selbst angetreten. „Jetzt denke ich auch in dieser bescheurten Abkürzung", schalt Harry sich in Gedanken selber. Verärgert über sich selbst wandte er sich wieder Professor Akidore zu.

„Sagt mir, Professor, was wisst ihr über sein Gefolge? Ich muss wissen, wem Strobwards sich stellen soll."

„Zuerst einmal der Feuerknilch. Du kennst ihn. Bereits vor einem halben Jahr standet ihr euch Aug' in Aug' gegenüber und konntet nur mühsam voneinander getrennt werden. Von Ehrgeiz zerfressen treibt er unermüdlich die Streitkräfte von DDNIDMBZEGW an und wird keine Ruhe geben, bis du geschlagen bist."

Harry Klopper erinnerte sich. An das vor Wut verzerrte Gesicht und den spärlichen roten Flaum auf seiner Schädelplatte, der ihm seinen Namen gab. Der Feuerknilch. „Erzählt mir mehr über den Feuerknilch", bat er seinen väterlichen Freund und Oberhaupt von Strobwards.

„Nun denn" begann Akidore. Harry entging nicht, dass sich ein trauriger Schatten über Akidores Gesicht legte. Schmerzhafte Erinnerungen und Enttäuschungen spiegelten sich darin wider. „Einstmals war der Feuerknilch einer von uns. Aber lass Susi erzählen. Die Geschichte des Feuerknilchs beginnt vor meiner Zeit in Strobwards. Susi aber kennt ihn noch von damals. So manches Fudditschspiel haben sie gemeinsam bestritten."

Still und leise, wie es die Art des dienstbaren Hauselfen war, hatte Susi sich neben Harrys Sessel gesellt. Mit leiser Stimme begann er zu erzählen: „Schon immer hungrig und gallig nach Erfolgen war er einer der besten Schüler, die Strobwards je hatte. Später sogar, in Zeiten großer Not, war er hier als Lehrer angestellt. Große Momente unserer aller Geschichte sind eng mit seinem Namen verknüpft. Er war ein Idol und viele Menschen, Schüler und Lehrer bewunderten seine ganz besondere Art der Zauberei."

Gebannt lauschte Harry Susi Worten. „Und dann?"

„Ach, es zog ihn hinaus in die Welt. Er wollte etwas erleben. Neue Dinge sehen. Zurst zog es ihn in ein magisches Land, genannt Schwaben. Ein wunderlicher Ort, an dem sie Taschen in Mäulern und Bahnhöfe in der Erde verstecken. Aber auch dort hielt es ihn nicht lange. Weiter führte sein Weg, immer weiter fort aus der Welt der Zauberei. Irgendwann landete er sogar bei den Muggeln in Frankfurt und wurde Mitglied in einem Geheimbund alter Zauberlehrer, der sich DFB nennt. Wir glauben, dass er dort mit dem Bösen in Kontakt gekommen ist. Das Streben nach der Herrschaft über alle Lebewesen muss auf ihn sehr verlockend gewirkt haben und nach und nach geriet er in ihren dunklen Bann. Bis er sich vor über einem Jahr öffentlich als ihr Anhänger bekannte. Ein starker Zauberer, der sich doch der Faszination der Dunkelheit nicht widersetzen konnte. Er sollte ein warnendes Beispiel für alle Schüler von Strobwards sein. Harry, halte dich von ihnen fern. Misstraue den DFB-Muggeln und dem Gefolge von DDNIDMBZEGW. Vielleicht träufeln sie auch dir eines Tages ihr süßes Gift in die Ohren."

Harry winkte ab. „Quatsch. Ich bleibe noch viele Jahre in Strobwards. Versprochen." Akidore und Susi, die wussten, dass man sich auf Harrys Worte immer verlassen konnten, nickten erleichtert.

„Aber das wird doch nicht alles gewesen sein. Wen bietet DDNIDMBZEGW noch gegen uns auf?" fragte er.

Akodire nahm einen tiefen Schluck Tee aus seiner Tasse und rückte seinen verrutschten Zaubererhut wieder zurecht. Über diesen Hut wurde in Strobwards viel getuschelt unter den Schülern, da er über und über mit magischen Formeln verziert war. Seine spitze Form verdoppelte seine Körpergröße fast, der gelbe Stoff mit schwarzen Buchstaben sorgte dafür, dass ihn niemand übersehen konnte. „5:2 Berlin" stand einer Stelle geschrieben. „270 Millionen Umsatz" an einer anderen. Zauberformeln der Macht, die dafür sorgten, dass ihm niemand sein Amt als erster Professor von Strobwards streitig machte. Er senkte seine Stimme fast zu einem Flüstern: „Vermutlich wird der Hoenimus auch da sein."

„Der Hoenimus?" rief Harry überrascht. „Ich dachte, der wurde längst für alle Zeiten in den tiefsten Kerkern von Askaban weggesperrt und kann kein Unheil mehr anrichten!"

Jetzt war es wieder an Susi, zu antworten. „Ja, das dachten wir alle. Aber anscheinend hat er mächtige und einflussreiche Freunde im Ministerium für Zauberei, die dafür gesorgt haben, dass er immer noch auf freiem Fuße ist. Mehr noch. Er ist zu einem Symbol der Dunkelheit geworden. Er hat DDNIDMBZEGW den Weg geebnet, um sich hier auf dieser Welt zu manifestieren und dafür wird er verehrt. Anführer des Bösen und Verführer der Menschen zugleich. Viele bezweifeln, dass er jemals seine gerechte Strafe antreten muss."

„Das waren zwei. Für ein Fudditschspiel braucht man mehr", überlegte Harry.

„Schmuggler, Verräter, giftige Gnome und Schwindler. DDNIDMBZEGW versammelt alle niederen und bösen Geschöpfe um sich, um damit gegen Strobwards ins Feld zu ziehen. Hüte dich, Harry. Sie kennen alle schmutzigen Kniffe und werden sich nicht scheuen, sie auch anzuwenden."

„Ja, die dunkle Seite ist stark...", pflichtete Susi Akidores Worten bei. Sowohl der Professor, als auch Harry Klopper schauten den Elfen an und überlegten einen Moment, wo sie schonmal diese Worte aus dem Munde eines kleinen, langohrigen Wesens gehört hatten, aber es fiel ihnen einfach nicht ein.

Schweigen legte sich über den Raum. Alle drei sinnierten über die Macht des Bösen, spielten in Gedanken Pläne durch und verwarfen sie wieder. Bis auf einmal ein leises, wissendes Lächeln in Harrys Mundwinkeln lag.

Erwartungsvoll schauten Akidore und Susi zu Harry Klopper. „Harry, dir geht doch etwas durch den Kopf. Was hast du vor?"

„Zuerst einmal..." begann Harry, um dann eine kleine Pause einzulegen, „gehen wir meine Freunde Buvamine und Krawon wecken. Und dann stellen wir ein Fudditschteam zusammen."

„Und dann?" erklang es gleichzeitig aus den Mündern von Akidore und Susi.

„Und dann...", grinste Harry, „treten wir DDNIDMBZEGW gewaltig in den Arsch. Ich weiß auch schon wie. Vertraut mir und lasst euch überraschen."

Harry Kloppers Zauberlehrlinge: Weidenfeller - Durm, Friedrich, Sokratis, Großkreutz - Bender, Sahin - Reus, Mktiharyan, Aubameyang - Lewandowski

DDNIDMBZEGWs finstere Gestalten: Neuer - Alaba, Boateng, Dante, Lahm - Martinez - Robben, Müller, Kroos, Götze - Mandzukic

Sascha, 22.11.2013

mit einem großen Dankeschön an "Magic"-Jakob

Unterstütze uns mit steady