Spieler im Fokus

Die Einlasssituation am Westfalenstadion

19.12.2013, 23:57 Uhr von:  Redaktion

Der SüdeingangIn den letzten Tagen und Wochen häufen sich Beschwerden über Gedränge am Einlass zu unserem Tempel. Speziell steht die Situation am Südeingang in der Kritik. Tatsächlich geht es dort seit einiger Zeit sehr eng zu. Eine Änderung ist allein schon wegen der baulichen Situation nicht in Sicht: Die Rote Erde lässt sich nicht mal eben um 20 Meter nach Norden versetzen, das Schwimmbad kann nicht nach Süden rücken.

Das Seltsame an der Kritik am Einlass: Sie wurde bislang eher hinter vorgehaltener Hand geübt. Erst die jüngste Berichterstattung der Ruhr Nachrichten hat das Thema in den Vordergrund gerückt. Ungewöhnlich, denn wir Fans sind doch oft schnell zur Stelle, wenn es etwas zu nörgeln gibt.

Anlässe hätte es genügend gegeben – hier nur einige Beispiele:

Extremsituation beim Dresden-Spiel

Schon nach dem Pokalspiel gegen Dynamo Dresden im Herbst 2011 kam Kritik an der Einlasssituation auf. Damals berichtete DerWesten über lasche Kontrollen angesichts des starken Andrangs in der letzten Dreiviertelstunde vor Anpfiff (http://www.derwesten.de/staedte/dortmund/kritik-an-zu-laschen-einlasskontrollen-beim-bvb-id6148653.html). Borussias Organisations-Chef Dr. Christian Hockenjos erläuterte damals, 40 Prozent der Fans würden zwischen 45 und 15 Minuten vor Anpfiff ins Stadion drängen.

Das ist natürlich ein Problem. Gefordert ist hier allerdings der BVB – denn es wird kaum möglich sein, das Verhalten von 80.000 Menschen zu ändern, zumal die allermeisten gute Gründe dafür haben dürften, warum sie wann zum Stadion gehen. Niemand kann ernsthaft verlangen, dass ein Fan für ein Heimspiel einen Fünf-Stunden-Tag einplant.

Stress bei Abendspielen

Bei einem AbendspielSpeziell bei Abendspielen gibt es Stress an den Stadiontoren. Egal, ob vor 80.000 Zuschauern in der Bundesliga oder 65.000 in der Champions League – es ist immer eng. Ist ja auch klar, denn gerade abends kommen viele berufstätige Fans auf den letzten Drücker.

Vor dem Leverkusen-Spiel haben wir von der Südostecke aus beobachtet, wie sich die Schlange am Südeingang entwickelt. Gegen 17.30 Uhr standen die Fans ungefähr bis zum Marathontor der Roten Erde. Die Schlange wuchs allerdings stetig nach hinten an, während die Fans vorne am Einlass nur in Tröpfchen durchgelassen wurden. Schnell verlängerte sich die Schlange bis hinter das Marathontor – es war gut zu erkennen, dass der Großteil der Leute tatsächlich in der Zeit zwischen 45 und 15 Minuten vor dem Anpfiff kommt. Am längsten war die Schlange gegen 18 Uhr, danach schrumpfte sie wieder allmählich.

Unnötige Hindernisse

Beim ersten Heimspiel dieser Saison sorgte ausgerechnet die Polizei für eine künstliche Engstelle am Südeingang. Dort stand ein leerer Mannschaftswagen einfach im Weg. Die Polizei sah allerdings ein, dass das eher unklug war und gelobte Besserung.

Dabei hätte der Polizei klar sein müssen, dass der Südbereich der denkbar schlechteste Platz für abgestellte Fahrzeuge aller Art ist. Denn schon in der vorigen Saison (ausgerechnet beim Spiel gegen Bayern) stand ein Anhänger vom BVB-Fanshop (oder war es die Fanabteilung?) so klug vor Kopf, dass der Weg zum Sondereingang Süd komplett versperrt war. Genervt angepöbelt, warum sie ihren „beschissenen Wagen" ausgerechnet dorthin gestellt hätten, antwortete die Wagenbesatzung: „Anweisung der Polizei. Aus Sicherheitsgründen." Aha.

Mittlerweise ist es offenbar Usus, dass sich im größten Gedränge wahlweise ein Wagen vom Roten Kreuz oder von den Johannitern seinen Weg durch die wartende Menge bahnen muss. So auch vor dem Spiel gegen Leverkusen. Ausgerechnet zur Stoßzeit kam von hinten ein Wagen vom Roten Kreuz.

Auch der Winter 2012/2013 hinterließ seine Spuren am Südeingang. Dort, wo zuvor der Anhänger – angeblich auf Anweisung der Polizei – stand, befand sich bis ins Frühjahr hinein ein dicker, fetter und immer härter werdender Schneehaufen. Jetzt werden viele vielleicht sagen: „Sollen sich nicht so anstellen, doofe Sondereingangsbenutzer." Dazu sei einmal gesagt, wer diesen Eingang nutzt: in erster Linie Journalisten, Schwerbehinderte und Familien mit kleinen Kindern (wegen des Zählkartenschalters). Ihr hättet mal sehen sollen, mit welchem Einsatz Schwerbehinderte über diesen Schneeberg gekraxelt sind! Das Problem ist, dass wir nun mal alle keine Engländer sind und nicht schlangestehen können. So ist die Schlange zum regulären Südeingang so breit, dass sie den Weg zum Sondereingang komplett versperrt und sich vor dem Eingang ein großer Trichter bildet. Das führt dazu, dass dort regelmäßig alte Männer, Frauen und Kinder an den Zaun gedrückt werden und sich mit Leibeskräften durch die Menge quetschen müssen.

Leonie berichtet von den Spielen gegen Bayern und Neapel

Ich reiste für meine Verhältnisse reichlich spät aus Richtung Unna mit Zug an und kam gegen 17.45 Uhr an der Haltestelle Signal Iduna Park an. "Jetzt aber flott, flott ins Stadion", dachte ich und legte noch einen Schritt zu. Doch mit "flott, flott" war es vor dem Südeingang Höhe Steffi's Treff vorbei. Ab hier ging es nur noch in Babyschritten voran. Die ganz "Cleveren" drängten sich an der Masse vorbei Richtung Sondereingang, um sich dann von rechts zurück in den Strom zu quetschen. Ob sie schneller waren, sei mal dahin gestellt... Immer wieder schielte ich nervös auf die Uhr, mittlerweile war es kurz vor 18 Uhr und ich war noch nicht mal bis zum Fanmobil Höhe Rote Erde voran gekommen.

Der Einlass nochmalEin Grund für diese extreme Situation war für mich nicht zu erkennen. Allerdings konnte man immer wieder von verschiedenen Leuten "Da steht'n Auto" vernehmen. Wie, 'n Auto? Und tatsächlich: Höhe Rote Erde stand ein Wagen der Johanniter quer. Die Massen, die direkt auf diesen Wagen zu strömten, mussten sich aufteilen und rechts und links daran vorbeigehen. Ob links oder rechts vorbei, das konnte ich nicht selber entscheiden, ich wurde einfach geschoben. Der Fahrer in der Johanniter-Kutsche hatte den Kopf eingezogen und ließ Beschimpfung über Beschimpfung über sich ergehen, auch für ihn gab es kein Vor und Zurück. Mittlerweile hatte sich auch die Polizei zu dem Wagen vorgekämpft und positionierte sich schützend um das Fahrzeug. Wenigstens war der Fahrer in seinem geräumigen Wagen geschützt... Für uns Andere ging es Gesicht an Kapuze, Gesicht an Kapuze weiter zum Eingang. Von weitem konnte ich Nobby's Stimme hören. Na toll.

Vor dem Neapel-Spiel reichte die Schlange vor dem Südeingang nur bis zu der Höhe, an der die Absperrungen zum Sondereingang beginnen. Wahnsinn!!! Doch ich hatte mich zu früh gefreut, denn wieder einmal ging es nur in winzigen Trippelschritten voran. Endlich vor der Kontrolle angekommen, konnte ich hinter den Ordnern die Polizei stehen sehen. "Aha, dann kontrollieren die heute wieder besonders gründlich", dachte ich. Gründlich? Von wegen! Ich landete bei einer sehr großen, sehr dicken Frau. "Tasche auf", hieß es. Klar, lassen wir die Nettigkeiten beiseite und legen direkt los. Ich kramte also meine Habseligkeiten aus der Tasche.

"Der da muss weg!"
"Was,wer? Der Labello?"
"Genau!"
"Warum?"
"Ist'n Wurfgeschoss!"

Waaaaaaas???????????? Ich blickte auf meine Hände: Feuerzeug, Snickers, Schlüsselbund... Und der Labello sollte ein Wurgeschoss sein? Ich versuchte es auf die nette Art: "Ich habe immer 'n Labello dabei, der wurde mir noch nie abgenommen." Da wurde die sehr große, sehr dicke Frau auf einmal sehr ungehalten. "Dann wurdeste wohl noch nie richtig kontrolliert", blaffte sie mich an. Ääääh... Ja! Genau! Wutentbrannt knallte ich den Labello in die Mülltonne. Das gefährliche Wurfgeschoss war weg, Mütze, Schuhe und Manteltaschen blieben unangetastet. Gründliche Kontrolle, ja ja! Liebe Verantwortliche, bitte entscheidet euch! Entweder lasst richtig kontrollieren, dann stelle ich mich auf lange Wartezeiten ein oder (wie so oft) gar nicht. Diese Pseudo-Kontrollen können es aber nicht sein.

Ich leide nicht unter Platzangst oder anderen klaustrophobischen Zuständen. Doch die Situation, gerade vor den Abendspielen, wird immer beklemmender. Dabei ist mir die Situation vor dem Bayern-Spiel besonders negativ in Erinnerung hängen geblieben. Ich habe nichts gegen Wartezeiten oder viele Menschen. Aber Angst möchte ich vor dem Einlass wirklich nicht haben.

kha erinnert sich an das Pokalspiel gegen Hannover

Probleme am Nordeingang gab es auch schon mal. Und das zum Beispiel ausgerechnet am Geburtstag des BVB, als der BVB im Dezember 2012 im DFB Pokal gegen Hannover 96 anzutreten hatte.

Ein Hindernis am EingangEine Stunde vor dem Spiel standen vor dem Nordwesteingang unfassbar lange Schlangen, die scheinbar alle zur gleichen Zeit ins Stadion wollten/mussten, obwohl der Anstoß um 20.30 Uhr war. Es knäulte sich also so richtig in der Nordwestecke, aber vorwärts ging es nur gähnend langsam. Dafür rückte die Uhr in einer rasenden Geschwindigkeit in Richtung Anstoßzeit, die Einlassscanner kamen und kamen jedoch nicht in Sicht. Bis zum Anstoß war es trotz der Massen sehr ruhig in den Schlangen. Uhruhiger wurde es jedoch, als der Anstoß vorbei war und immer noch sehr, sehr viele Leute vor dem Eingang standen und aufgrund der Abfertigungsgeschwindigkeit so langsam die Befürchtung hochkam, maximal die zweite Halbzeit noch zu sehen. Als dann, nach drei Minuten, „Olé hier kommt der BVB" aus dem Stadion erklang, weil der BVB das 1:0 erzielt hatte, konnte man förmlich spüren, wie die Spannung vor den Toren zunahm, weil es niemand mehr hinnehmen wollte, noch länger vor dem Tor zu stehen und noch mehr von dem Spiel zu verpassen.

Plötzlich ging es aber auch ganz schnell, als die Ordner darauf hinwiesen, doch bitte auch die weiter östlich gelegenen Eingänge zu benutzen. So konnte ich wenigstens das 2:0 sehen.

Wiggy stand vor dem Spiel gegen Bayern in der Schlange

Das extremste Beispiel der verengten Einlasssituation an der Südtribüne ergab sich für mich vor dem Spiel gegen den FC Bayern. Auf Grund von stärkeren Kontrollen als zuvor dauerte der Einlass circa anderthalb Stunden Stunden vor dem Spiel geschlagene 45 Minuten, bei denen man sich in der ersten halben Stunde kaum vorwärts bewegte. Man benötigte allein für die Breite des Marathontors am Stadion Rote Erde eine halbe Ewigkeit, was in der Menge schnell für Unmut sorgte. Schnell wurde gepfiffen und gegen die gegenwärtige Einlasspolitik gepöbelt. Es wurde wirklich eng. Besonders im Bereich der Bäume auf der Seite des Schwimmbad-Zaunes bekam man einige Ellenbogen ab und es wurde permanent gedrängelt. Je mehr es in die Richtung der Drehkreuze ging, desto stärker wurden diese Effekte. Man bekam das Gefühl, dass man mehr von der Menge in Richtung Eingang getrieben wurde als dass man selbst lief.

Immer wieder wurde man nach links gedrückt, bis sich die Situation auf Grund des Unmutes in der Menge plötzlich löste. Scheinbar durch die Pfiffe animiert, wurden die Kontrollen fortan laxer durchgeführt, was zu einer deutlichen Entspannung der Situation führte. Viele Stadionbesucher wurden nun gar nicht mehr abgetastet, so dass die letzten Meter nun schnell von Statten gingen. Augenscheinlich ist es so, dass die Einlasssituation an der Südtribüne also nicht den neuen Kontrollrichtlinien des Vereins und / oder der Polizei gewachsen ist. Es sind hier einfach zu wenige Kontrollpunkte sowie Drehkreuze vorhanden.

Lösungsansätze:

Lösen lässt sich das Problem eigentlich nur über eine restriktivere Einlasspolitik: Südbesucher dürfen überall rein, alle anderen nur im Norden. Noch besser wäre die Schaffung eines weiteren Eingangs, etwa im Südwesten, um Fans, die beispielsweise mit der Bahn über die Haltestelle am Fliednerheim anreisen oder aus Richtung Reitstall kommen, vom Stadionvorplatz und den Nordeingängen fern zu halten. Den Zuschauerstrom könnte man am Parkplatz hinter der Westtribüne entlang führen.

In Kombination dazu müssten die Zuschauerströme besser geleitet werden. Sei es durch deutliche Hinweisschilder oder durch Personal, das die Menschen auf Eingänge verteilt. Vielleicht ließen sich auch über ein Farbsystem Menschen gezielt auf Eingänge verteilen – wer einen roten Punkt auf seiner Eintrittskarte hat, muss den roten Eingang nehmen etc.

Der Südeingang bei einem AbendspielIm Süden ließe sich durch etwas Kosmetik der Einlass verbessern. Erstens müsste die Absperrung zwischen Sondereingang und regulärem Eingang viel weiter nach hinten verlängert werden, um den Trichter, der sich dort immer bildet, zu verhindern. Zweitens muss der Eingang breiter werden. Wer von oben auf den Eingangsbereich schaut, sieht, dass dort noch einige Meter verschenkt werden., nämlich am Sondereingang. Dort stehen drei Eingänge zur Verfügung, von denen jedoch nur einer genutzt wird, nämlich der, der direkt neben der langen Schlange am normalen Einlass liegt. Würde man stattdessen den Eingang direkt an der Clearingstelle nutzen, stünden für den regulären Einlass mindestens zwei Weitere Tore zur Verfügung. Die Drehkreuze im Süden müssten dann jedoch in einem flacheren Winkel angeordnet werden.

Oder: Man streicht den Sondereingang dort völlig und verfährt folgendermaßen: Rollstuhlfahrer und Journalisten werden durch das Marathontor und dann durch die Rote Erde zum Westfalenstadion geführt. Im Grunde könnte man auch mit Schwerbehinderten so verfahren. Familien mit kleinen Kindern könnten – wie es aktuell mit Rollstuhlfahrern gemacht wird – durchs Schwimmbad ins Stadion gehen. Wenn man bedenkt, wie die Situation am Südeingang ist, erscheint es wie ein schlechter Witz, dass sich Rollstuhlfahrer beschwert haben, dass sie durchs Schwimmbad geführt werden – sie fühlen sich dadurch ausgegrenzt.

Was die Verschärfung der Kontrollen angeht, erschließt sich der Sinn nicht. Im Westfalenstadion gab es in der Vergangenheit weder nennenswerte Pyro-Vorfälle noch andere Situationen, bei denen der Schmuggel von Gegenständen eine Rolle gespielt hätte. Offenbar nimmt aber die Polizei den Ordnungsdienst genauer unter die Lupe, was die Situation deutlich verschlechtert.

Hier noch ein Video zum Thema:

desperado09, Leonie, kha und Wiggy, 19.12.2013

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