Spielbericht Profis

Ein Okay-Tag in München

02.12.2012, 18:03 Uhr von:  Redaktion

Götze, Reus und Co. bejubeln den Punktgewinn bei den BayernGeschichte wiederholt sich eben doch: Jedes Jahr das gleiche Gedöns im Vorfeld des Gipfeltreffens, Klassikers oder deutschen El Clasicos (!), jedes Jahr der gleiche Hype rund um die Protagonisten, und wieder einmal gibt es für die Bayern keinen Dreier zu holen. Auf der anderen Seite war ein Sieg für Borussia deutlich wichtiger als für den FC Bayern, erreichten diese also ihre Ziele und wir nur die Siegerurkunde. Wie man es drehen und wenden will, beide Mannschaften konnten am Abend zufrieden sein – und wiederum auch nicht. Es war ein Okay-Tag in München.

Es war Mitte der 1990-er Jahre, da standen sich der FC Bayern und der glorreiche Ballspielverein schon einmal auf Augenhöhe gegenüber. Pokalsieg, Vizemeisterschaft, eine Finalteilnahme im Uefa-Cup und zwei Meisterschaften in Serie – in Dortmund hatte sich eine Entwicklung vollzogen, die in München niemandem so recht gefallen konnte. Aufeinandertreffen beider Mannschaften, die im Vorfeld über Wochen hinweg so ziemlich jedem das Wasser im Mund zusammenlaufen ließen, wurden von Jahr zu Jahr immer stärker von Einzelleistungen geprägt. 0:0, 1:1 und 2:2 waren die typischen Ergebnisse, regelmäßig gerieten die Spiele kaum ansehnlich für einen an taktischen Raffinessen eher wenig interessierten Zuschauer. Den Höhepunkt fand diese Zeit im Champions League Viertelfinale 1998 – in München hatte man sich 0:0 getrennt, in Dortmund gelang der 1:0 Siegtreffer erst in der 109. Minute. Stephane Chapuisat nach Vorarbeit von Michael Zorc, eine Szene, die sich den werten Bayern noch in den letzten Winkel ihres Kleinhirns eingebrannt haben dürfte. Für Borussia folgten der Torfall von Madrid und das Aus im Champions League Halbfinale, in München hingen die Fahnen auf Halbmast.

12:12 in der SüdkurveWerfen wir einen Blick ins Jahr 2012: Die letzten Spiele in der Liga endeten 1:0 für den BVB, anschließend setzte es für die Münchener eine krachende Niederlage im Pokalfinale. Die haben wieder einmal unfassbar viel Geld unter die europäischen Spielerberater gebracht und ziehen in der Liga ihre einsamen Kreise an der Tabellenspitze, können sich mit dieser Situation aber nicht so wirklich anfreunden. International fielen die Ergebnisse – abgesehen von einem Spiel gegen eine unwürdige Truppe aus Lille, gegen die man sich auswärts auch noch richtig schwer tat – bislang eher bescheiden aus.

Als ob das nicht genug gewesen wäre, kam Trainerguru José Mourinho daher, der nicht nur die Bayern-Gruppe für einen schlechten Witz hielt, sondern obendrein Borussia Dortmund als souveränem Sieger der Todesgruppe mühelos den Sieg der Champions League zutraute. 30 Hiebe mit der neunschwänzigen Katze wären den Bayern wohl lieber gewesen und es war klar, dass selbst 20 Punkte Vorsprung in der Meisterschaft diese Wunde niemals würden schließen können. Zum großen Glück und friedlichen Weihnachtsfest fehlte eben das entscheidende Moment – ein Sieg gegen Borussia Dortmund. Freilich würde es niemand zugeben, doch merkte man schon auf dem Weg zum Stadion, wie tief der Schmerz beim Rekordmeister tatsächlich sitzen musste. „Huub Stevens“ Rufen folgten immer wieder „Sch*lke, Sch*lke“ Sprechchöre, die selbst im Stadion ihre Fortsetzung fanden.

12:12 im GästeblockAbgesehen von den verletzten Sebastian Kehl und Arjen Robben hatten beide Trainer ihre Bestbesetzung aufs Feld geschickt und – auf dem Blatt – sehr offensive Aufstellungen gewählt. Auf dem Platz sah dies dann wieder etwas anders aus: die schwarzgelbe Abwehr rund um den überragenden Mats Hummels agierte sehr weit zurückgezogen, davor sorgten mit Sven Bender, Ilkay Gündogan und Kuba gleich drei Spieler in der Sechser-Position für Sorgenfalten auf Gegners Stirn. Die Hausherren standen über weite Teile des Spiels in der eigenen Hälfte und traten auf wie eine Auswärtsmannschaft, die mit Kontern gelegentliche Nadelstiche setzen und lieber das 0:0 halten, als auch nur einmal in Rückstand geraten wollte. Gefährlich wurde es meist über die linke Seite, auf der Franck Ribery in Bestform über ungeahnte Freiräume verfügte und mit den ebenfalls hervorragend aufgelegten Thomas Müller und Toni Kroos dankbare Abnehmer für seine Vorlagen hatte.

Bevor der Ball jedoch rollen konnte, musste der FC Bayern natürlich noch seinen Beitrag zur Dramaturgie leisten. So versteht man es in München jedes Jahr besser, den Einmarsch der Gladiatoren opernhafter zu inszenieren. Ein gleich mehrminütiges Intro klassischer Musik, nach den gewohnten Carmina Burana ein noch majestätischer daherkommender Hymnus, ging dem Erscheinen der Helden voraus. Als Kontrastprogramm zum sicheren Stadionerlebnis der höheren Stände gab es von Fanseite weniger freundliche Dinge zu hören, so zum Beispiel „Fick dich, DFB“ gefolgt von einem beeindruckenden Wechselgesang zwischen Heim- und Gästekurve „Scheiß DFB“. (Für die mitlesenden Freunde der Fußballoper: Der Vortrag erfolgte im crescendo.)

Marco Reus prüft Manuel NeuerAnschließend hatte es sich dann auch wieder mit Fangesängen, 12 Minuten und 12 Sekunden Protest gegen die Pläne von DFB und DFL vereinte die Kurven der Allianz Arena in widerlicher Stille. Leider wurde aber auch deutlich, wie egal dem Gelegenheitspublikum des FC Bayern der Rest der Welt zu sein scheint. Immer wieder gab es Anfeuerungsversuche, klatschten und kapierten die Längstribünen nur langsam, dass irgendwie niemand darauf anspringen wollte. Dafür nutzen ein paar Helden in der Nordkurve die Stimmungsvakanz im Gästeblock für „Sch*lke, Sch*lke“ Gesänge und dokumentierten auf wunderbare Art ihre eigene Sinnlosigkeit. Auf der Pressetribüne konnte man Rufe einzelner Fans auf der gut 100 Meter entfernten Gegentribüne hören und verstehen. Obwohl die Anfangsphase die beste des Spiels war, machte es keinen Spaß, den Akteuren auf dem Rasen zuzusehen – es wirkte falsch und surreal wie Spiele am Fernseher mit Stummschaltung. Hier müsste selbst dem Publikum und der Vorstandsriege des FC Bayern aufgefallen sein, dass diese Situation scheiße war und bei Voranschreiten der DFL-Pläne zu einem unerfreulichen Dauerzustand werden könnte.

In der vierten Minute kam es dabei fast zur ersten Großchance des Spiels: Manuel Neuer schoss einen Riesenbock gegen Marco Reus, der dem Ball eifrig folgte und sich den Abschluss aus spitzem Winkel nicht mehr zutraute – seine Rücklage per Hacke erreichte zwar noch Robert Lewandowski, der den Ball auf Brusthöhe aber nicht mehr zu einem Torschuss verwerten konnte. Drei Minuten später sorgte Ribery für ein erstes Lebenszeichen, als er eine scharfe Hereingabe von links an allen Borussen vorbei setzte und Marcel Schmelzer wenige Meter vor dem Tor und einschussbereiten Gegenspieler zur Ecke klären musste. Wieder nur eine Minute später wuselte sich Müller durch den Dortmunder Strafraum und zog ab, doch Neven Subotic schmiss sich in den Ball und verhinderte den wohl sicheren Einschuss in letzter Sekunde. Auf der Gegenseite gewann Kuba ein Laufduell gegen Dante und schoss aus aussichtsreicher Position aufs Tor, bekam aber leider nicht genug Kraft hinter den Ball, um Neuer vor ernste Probleme zu stellen.

Lewandowski gegen DanteDie 12:12 Minuten waren nun vorbei, beide Mannschaften hatten zwei gute Situationen herausgespielt und ihre eigene Verwundbarkeit gesehen. Das Risiko wich aus dem Spiel und damit auch so gut wie alle sehenswerten Aktionen. Immer öfter ging es im Mittelfeld hin und her, wurden Querpässe gespielt und Scheinüberlegenheiten erarbeitet. Mario Götze spielte Pässe, für die sich keine Abnehmer fanden, Gündogan verlor ohne jeden Widerstand reihenweise Bälle im Mittelfeld, Reus und Lewandowksi waren so gut wie gar nicht mehr zu sehen. Auf der Gegenseite wollte Mario Mandzukic und Bastian Schweinsteiger so gut wie nichts gelingen. Die Abwehrreihen dominierten das Geschehen, Subotic und Bender köpften Riberys Flanken zuverlässig aus der Gefahrenzone, Dante und Badstuber ließen ebenso wenig anbrennen. Der große Respekt auf beiden Seiten war zu spüren.

Erst in der 36. Minute passierte wieder etwas: Götze marschierte in Richtung Bayerntor, dicht verfolgt von Javi Martinez. Badstuber stellte sich in den Weg und versuchte die Abwehr, blieb jedoch im Boden hängen und verdrehte sich das Knie. Schweinsteiger signalisierte sofort den notwendigen Wechsel, Badstuber hatte sich das Kreuzband gerissen und wurde durch Jerome Boateng ersetzt.

Borussia hatte das Spiel über weite Strecken der ersten Hälfte besser im Griff, was jedoch nicht viel zu heißen hatte. Bayern spielte immer defensiver, kam mit jeder verstrichenen Minute dem Ziel des Punktgewinns einen Schritt näher. Wenn etwas ging, dann über Hummels, der sich mit zunehmender Spieldauer immer weiter nach vorne wagte und die Rot-Weißen ein ums andere Mal ärgerte. Bis auf einen satten Torschuss von Reus, dem der erste wirklich gute Pass von Götze vorausgegangen war, sollte in der ersten Hälfte aber nichts mehr passieren.

Lahm gegen GündoganDer zweite Durchgang begann mit einem Flitzer und der stärksten Phase des BVB. Ein großartiger Freistoß von der rechten Seite, getreten von Marcel Schmelzer, erreichte den alleine durchgestarteten Hummels, der den Ball aus fünf Metern ins Tor drücken wollte – leider traf unser Abwehrhüne den Ball nicht voll, so dass Neuer mit einer Klasseparade gerade noch einmal den Rückstand verhindern konnte.

Zwei Minuten später fluchten die Bayernfans zum wiederholten Male unchristlich – Götze hatte die frei gewordenen Räume besser genutzt als im ersten Durchgang, Reus Neuer in Bedrängnis gebracht und leider dennoch kein Glück im Abschluss gehabt. Schmelzers Distanzkracher brachte wenig später leider ebenso wenig den Führungstreffer, wie Götzes Kopfball in der 56. Minute – acht Meter vor dem Tor war der Jungspund allen enteilt und hätte nach guter Flanke von Reus nur noch Neuer überwinden müssen, bekam aber nicht mehr genug Druck hinter den Ball. Bei den Bayern war der Wurm drin, während Borussia mehr investierte und dieses Spiel erkennbar gewinnen wollte.

Als allen Versuchen zum Trotz der Treffer nicht gelingen wollte und schon deutlich über eine Stunde Spielzeit verstrichen war, herrschte Unsicherheit bei unseren Doublesiegern. Sollte nun weiterhin auf die Führung hingearbeitet oder doch lieber der Punkt verteidigt werden? Der Zug wurde etwas herausgenommen und die Bayern kamen wieder stärker ins Spiel zurück. Über die linke Seite ging es in der 67. Minute nach vorne, Borussia zeigte sich erstmals indisponiert und konnte den Ball nicht aus der Gefahrenzone befördern. Immer wieder wurde umhergewuselt, dann kam der Ball von links hoch rein und Müller forderte einen Elfmeter. Gagelmann erkannte den plumpen Versuch und ließ das Spiel weiter laufen. Eine Minute später führte das gleiche Problem zum bayerischen Führungstreffer: Subotic verlor einen Zweikampf an der Strafraumkante, Hummels kam nicht heran und auch beim Nachsetzen versagte Subotics Glück – ein Strich von Kroos landete unhaltbar im rechten Toreck, Weidenfeller blieb chancenlos.

Kroos schoss die Bayernführung herausWährend das Tor laut Videoleinwand mit „Paulaner – das Bier für Profis“ (Alkoholiker?) begossen wurde, drehte die Südkurve etwas auf. Jedes Jahr ein kleines bisschen besser werdend und dennoch einiges an Luft nach oben habend, waren die Bayern auch diesmal einen Ticken lauter als in der Vorsaison – zwar nur sehr selten, dann aber durchaus ordentlich. Der Gästeblock war deutlich schlechter als in vergangenen Jahren aufgelegt, zwar durchgehend zu hören, aber ebenfalls nur zeitweise überzeugend. Das komische Spiel fand seine Entsprechung also auf den Tribünen.

Bis zur 73. Minute. Kuba hatte sich in die Offensive eingeschaltet und erzwang mit seinem Torschuss aus Nahdistanz einen Eckball. Per Kopf verlängert von einem Rot-Weißen landete der Ball bei Götze, der relativ alleingelassen den Ball annehmen und mustergültig verarbeiten konnte: Mit links durch die Lücke, unhaltbar für Neuer rechts unten in den Kasten, der verdiente Ausgleich! Während der Gästeblock erstmals so richtig explodierte, hatten die Bayern den Blues und verstummten innerhalb von Sekundenbruchteilen wieder auf Zimmerlautstärke.

Abermals konnte Borussia einen Rückstand locker wegstecken, ohne dann aber zu wissen, ob sie auf Sieg oder Platz spielen sollte. Als sich Subotic verletzt hatte und gegen Santana ausgetauscht werden musste, wurde dieser Zustand offensichtlich. Subotic blieb nicht liegen, sondern machte zunächst schnell weiter, ohne laufen zu können – als der Wechsel dann plötzlich notwendig wurde, war Santana noch nicht bereit das Spielfeld zu betreten. Also trödelte Subotic nun beim Verlassen des Platzes, worüber sich Jürgen Klopp sichtlich aufregte, bevor er Santana einige geschwindigkeitsfördernde Worte entgegen zischte.

Götze erzielte den 1-1 AusgleichWieder einmal war also Unruhe in der BVB-Defensive, dummerweise zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt. Ein langer Ball der Bayern geriet von Santanas Kopf zur Vorlage für Müller, der aus guter Position knapp rechts am Tor vorbeischoss. Eine Minute später muss Kroos das 2:1 machen, doch schlägt nun die Stunde des Giganten Roman Weidenfeller: Aus zwei Metern Entfernung hält unser Urvieh den Ball, nur um wieder eine Minute später einen extrem fiesen Flankentorschuss Müllers mit all seinem Können über die Querlatte zu legen. Als der folgende Eckball bei Martinez landete und der mit einem wuchtigen Kopfball den sicheren Siegtreffer hätte erzielen können, war es erneut Weidenfeller, der mit einem Weltklassereflex den so wichtigen Punktgewinn sicherte. Die nun folgende Ecke führte zum Konter für den BVB: Lewandowski marschierte auf links, zwei Borussen liefen mutterseelenalleine in Richtung Neuer aufs Tor – statt Reus in der 90. Minute den alleinigen Durchmarsch auf Neuer zu ermöglichen und einen simplen Pass in die Mitte zu schlagen, versuchte er sich durchzufummeln und verlor den Ball unbedrängt gegen Dante. Nicht auszudenken, wie die Stimmung auf den Rängen gekippt und das Bayernego zerbröselt wäre, wenn Lewandowski mannschaftsdienlicher gespielt und Reus den Bayern den Todesstoß versetzt hätte.

So blieben am Ende drei Dinge festzuhalten:

1. Das 1:1 war verdient, weil beide Mannschaften mehr auf Sicherheit bedacht waren, denn auf einen Sieg.

Entspannte Gesichter auf beiden Seiten nach Abpfiff2. Nach fünf taktischen Missgriffen hatten die Münchener erstmals eine Taktik gefunden, die dem BVB das Leben schwer machte und nicht in die Karten spielte – in Zukunft möchten wir uns wünschen, Arjen Robben einen Stammplatz gegen Marcel Schmelzer zu gewähren.

3. Jogi Löw ist die größte Wurst des deutschen Fußballs: Er hatte nicht nur ein Spiel verpasst, bei dem 12 Spieler der deutschen Nationalmannschaft auf dem Platz standen und weitere vier auf der Bank saßen. Diesmal musste er zudem öffentlich seine Fußballkompetenz in Frage stellen lassen. So stellte Jupp Heynckes vor laufenden Kameras die alles entscheidende Frage: "Ich weiß nicht was der noch alles halten soll, um international spielen zu dürfen. Das möchte ich hier einmal in aller Deutlichkeit sagen".

Die Fotostrecke zur Punkteteilung in München gibt es wie gewohnt auf unserer BVB-Fotoseite unter diesem Link.

Statistik


Supercup-Sieger: Neuer - Lahm, Dante, Badstuber, Alaba - Martinez, Schweinsteiger - Müller, Kroos, Ribery - Mandzukic
Einwechslungen: Boateng für Badstuber (37.), Gomez für Mandzukic (85.)

Deutscher Meister und DFB-Pokalsieger: Weidenfeller - Piszczek, Subotic, Hummels, Schmelzer - Kuba, Bender, Gündogan - Götze, Reus - Lewandowski
Einwechslungen: Perisic für Kuba (74.), Santana für Subotic (82.), Schieber für Götze (90.)

Mit 71.000 Zuschauern war die Arena natürlich ausverkauftTore: 1:0 Kroos (67.), 1:1 Götze (74.)
Schüsse gesamt: 14 - 12 Schüsse aufs Tor: 5 - 5
Schüsse neben das Tor: 7 - 4
Ballbesitz: 60% - 40%
Gewonnene Zweikämpfe: 61% - 39%
Fouls: 14 - 17
Gelungene Pässe: 81% - 71%
Gelungene Pässe in gegnerischer Hälfte: 64% - 59%
Abseits: 4 - 1

Stimmen zum Spiel

Klopp mit dem Torschützen Toni KroosJürgen Klopp: „Anfangen möchte ich mit dem Wichtigsten: Die besten Genesungswünsche an Holger Badstuber. Das war ein sehr unglücklicher Moment und es tut uns allen, die wir den Fußball lieben, in der Seele weh. Ansonsten hatte das Spiel Phasen. Nach der Anfangsphase, in der wir einen Ticken zu zögerlich waren und den Bayern zu viel Platz gelassen haben, waren wir mutiger und hatten mehr Zugriff aufs Spiel. In dieser Phase haben wir einigen Einfluss genommen, das Spiel war sehr ausgeglichen, wir gehen mit 0:0 in die Halbzeit und alles ist so weit erstmal gut. In der Kabine haben wir den Jungs dann nochmal gezeigt, welche Räume da gewesen wären und wie man sie besser nutzen könnte. Kaum zurück auf dem Platz, setzen sie das richtig gut um und spielen sehr dominant. Wir kommen zu drei relativ großen Möglichkeiten, nehmen für einen kurzen Moment den Fuß vom Gas und plötzlich sind die Bayern wieder da. Sie machen das 1:0, wir kommen zurück und machen den Ausgleich, dann kommt diese Schlussphase. Wir mussten nochmal auf der Innenverteidigerposition wechseln, Felipe hat einen kurzen Moment zur Eingewöhnung in dieses intensive Spiel gebraucht, und Bayern hatte nochmal drei bis vier richtig große Möglichkeiten, bei denen uns Roman alleine im Spiel hält. Dass er ein großartiger Torwart ist, wussten wir schon vorher, jetzt haben es alle noch einmal gesehen. Am Ende war es dann ein verdientes Unentschieden aufgrund der verschiedenen Phasen.“

Heynkes im Interview vor dem SpielJupp Heynckes: „Ich hätte mir natürlich ein anderes Ergebnis gewünscht, aber wenn man die 90 Minuten einmal Revue passieren lässt, kann man sagen, dass es ein von beiden Mannschaften sehr intensiv geführtes und tolles Spiel war. Wir haben gut begonnen, hatten die ersten 20 Minuten die Kontrolle. Nach der Pause waren wir die ersten 20 Minuten nicht voll da. Ich weiß nicht, ob es daran lag, aber Holger Badstuber lag in der Physiokabine und alle Spieler mussten an ihm vorbei, da war der Schock schon sehr groß. Ich muss aber sagen, dass wir in der letzten halben Stunde Druck gemacht und stark gespielt haben, gegen eine Mannschaft, die defensiv sehr gut steht und organisiert ist. Bis auf eine Phase, in der wir einige Standardsituationen hatten, sahen wir da nicht gut aus. In der Schlussphase hätten wir dann nachlegen können und sogar müssen, das hat Roman Weidenfeller mit großartigen Paraden aber verhindert. Auf beiden Seiten waren große Chancen vorhanden, bei Dortmund nach der Pause und bei uns in der Endphase, so dass das Unentschieden in Ordnung geht. Man hat gesehen, dass beide Mannschaften modernen Fußball auf sehr hohem Niveau spielen. Wir hatten dabei einen klitzekleinen Nachteil mit dem Spiel am Mittwoch – Borussia Dortmund hatte einen Tag länger zur Erholung, was angesichts der hohen Belastung bei Spielen im Drei-Tage-Rhythmus schon wichtig ist. Außerdem haben wir in Freiburg gespielt und die halbe Nacht verloren, weil es da immer sehr schwierig ist, wieder wegzukommen. Das soll aber nur eine kleine Anmerkung und keine Entschuldigung sein. Bei Holger Badstuber sieht es nach der ersten Diagnose nach einem Kreuzbandriss aus - näheres wird eine Untersuchung morgen zeigen. Das ist für ihn natürlich sehr bitter, weil er gerade erst verletzt war und sich nach einer mehrwöchigen Pause wieder herangekämpft hatte.“

Neven Subotic musste verletzt rausNeven Subotic: „Es war ein intensives Spiel, in dem beide Mannschaften teilweise eine gute Partie gezeigt haben. Von den Chancen her war es ein offener Schlagabtausch, aber es hat ein bisschen der Flow gefehlt. Es wurden viele Zweikämpfe abgepfiffen, es ging eigentlich immer: zack - kurz spielen - Foul - alle stellen sich hin. Da hat die Kontinuität gefehlt. Wir haben heute ein bisschen anders gespielt als sonst, ohne typischen Zehner. Lewy musste beide Positionen spielen, stand also auch immer wieder mal da wie ein Zehner. Das hat in der ersten Halbzeit ganz gut geklappt, in der zweiten eigentlich auch, aber wir sind nie so ganz in unser Spiel gekommen, weil so viele Zweikämpfe abgepfiffen wurden. Das hat uns schon ein bisschen weh getan. Wir haben versucht das Beste daraus zu machen, können natürlich auch einiges noch besser machen, aber die Leistung war okay und das Ergebnis war auch okay. Auch mein Gefühl ist okay. Ich bin nicht total enttäuscht, ich bin nicht total wütend, ich bin auch nicht total zufrieden - wir können viel, viel besser spielen und haben Luft nach oben, wir können sonst auch die Probleme auf dem Platz viel besser lösen, deswegen gehen wir auch nicht mit optimaler Ausbeute nach Hause. Der Tabellenstand ist okay, wir werden auf jeden Fall versuchen noch möglichst viele Dreier bis zum Saisonende zu holen. Ihr könnt da noch immer weiter bohren, aber ich finde kein besseres Wort als okay. Es ist einfach ein Okay-Tag."

Noten


Weidenfeller: Hatte lange Zeit nichts zu tun, zeigte aber in der Schlussphase seine außerordentliche Leistungsfähigkeit. Dafür kann es nur eine Note geben: 1*.

Piszczek: Ließ Ribery mehr Platz als üblich, machte seine Sache aber insgesamt ordentlich. Note 3.

Neven Subotic musste verletzt rausSubotic: Klasse Rettungstat gegen Müller, unglücklich beim 1:0. Musste verletzt raus, wir wünschen gute Besserung! Note 2,5.

Hummels: Neben Weidenfeller bester Mann auf dem Platz. Ackerte in der Defensive, brachte die Bayern-Offensive schon im Mittelfeld zur Verzweiflung und schaltete sich immer öfter in die Offensive ein. Hätte er das Tor gemacht, wäre es noch besser gewesen – so bleibt es „nur“ bei Note 1.

Schmelzer: Machte ein gutes Spiel, über seine Seite passierte eher wenig. Toller Freistoß auf Hummels, Note 2,5.

Kuba: Hatte eine schwere Aufgabe, mit der er jedoch gut zurechtkam. Offensiv mit einigen Akzenten, bei denen jedoch leider die letzte Konsequenz fehlte. Note 2.

Bender: Leider Pech beim Abschluss in der 25. Minute, ärgerte die Bayern über 90 Minuten im Mittelfeld. Für diesen Mann gibt es nur ein Wort: Wahnsinn. Note 2.

Schweinsteiger gegen BenderGündogan: Konnte dem Spiel zu keinem Zeitpunkt seinen Stempel aufdrücken, verlor viel zu oft und viel zu leicht den Ball. Ein gebrauchter Tag für Ilkay, Note 4.

Götze: Hatte in der ersten Halbzeit große Probleme – seine Pässe erreichten nur selten ihr Ziel, weil sie entweder zu schlampig ausfielen oder die Räume zu eng waren. In der zweiten Halbzeit deutlich stärker, gute Pässe und tolles Tor. Note 3.

Reus: Undankbares Spiel in enger Deckung, kaum Gelegenheit sich auszuzeichnen. Wenn es denn einmal gute Gelegenheiten gab, konnte er sie nicht nutzen. Note 3,5.

Lewandowski: Ackerte wie immer, bei diesem Spiel konnten Offensivakteure aber nicht gut aussehen. Der ausgebliebene Pass in der 90. Minute gibt dicken Abzug – ein Pass zu Reus hätte das Spiel gewinnen können. Note 4.

SSC, 02.12.2012

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