Fußball offline

Durchgeblättert: Transparent vol. 1

18.04.2012, 11:23 Uhr von:  Redaktion

Mit Transparent gibt es nun ein neues Magazin, das sich irgendwo zwischen 11Freunde und Ballesterer sowie den ultralastigen Erzeugnissen wie Blickfang Ultra und Erlebnis Fußball einordnet. Dabei sollen eine Reihe der Redakteure aus dem Umfeld der beiden letztgenannten Magazine kommen. Da sich ein eventuelles Ende von Blickfang Ultra andeutet, scheint die Zeit wohl reif für ein neues Magazin zu sein. Doch bleiben wir beim Handfesten.

Vom Design her hat Transparent schon einmal ein Alleinstellungsmerkmal. Im Gegensatz zu den 11Freunden und Ballesterer glänzt das ganze Magazin und ist mit seinem DIN A4 Format auch groß für die üblichen Heftchen aus dem Ultraumfeld. Auch innen kann die Aufmachung punkten. Eine tolle Bildauswahl harmoniert mit einem übersichtlichen Schriftbild. Das macht es dem Leser sehr einfach, sich durch das Heft zu arbeiten. Erfreulich ist dabei auch, dass sich die Werbung zumindest in diesem Erstlingswerk eher rar macht. Die Macher planen alle drei bis vier Monate ein neues Heft aufzulegen, ein also durchaus realistischer Zeitrahmen.

Die Ausgaben sollen durch Themenschwerpunkte getragen werden, die je nach Aktualität variieren, dazu gibt es feste Kategorien wie „Was macht eigentlich...“, Kurzmeldungen, ein Hopping-Teil und Kultur. Die Themenschwerpunkte Derby und Geisterspiele sind bei dieser Ausgabe natürlich nicht besonders kreativ, aber eben auch aktuell. Dass sich mit diesen Themen nun aus der Fanszene heraus in sachlicher Weise auseinandergesetzt wird, sollte hierbei dann auch ein Pluspunkt sein. Zu oft und unsachlich kommentieren sogenannte Sportjournalisten mit dem Blick durch das Fernglas die Geschehnisse, Motivationen und Emotionen in einem Fanblock, gerade auch bei einem Derby.

Das Thema Derby wird daher auch sehr szenenah aufbereitet. Hierbei handelt es sich offensichtlich vor allem um das Bremer Umfeld, und das merkt der kundige Leser auch recht schnell. Während die Einleitung noch ganz passabel gelungen ist, wird es im späteren Verlauf immer subjektiver. Die Fanstimmen (oder vielmehr Ultrastimmen) sind ausschließlich aus Bremen. Diese sind durchaus glaubhaft, aber eben nicht annähernd stellvertretend für die deutschen Fanszenen. Gerade die Auseinandersetzung mit den Themen Hass und Gewalt mag aus Autorensicht erfreulich sein, es ist aber sicherlich nicht die mehrheitsfähige Meinung in den Kurven in Deutschland.

Generell krankt das Heft daran, dass hintergründig eine politische Linie gefahren wird. Insofern ist das Leitmotiv "Football, Culture & Politics" wörtlich zu verstehen und eine ganz klare Ansage. Das muss grundsätzlich nicht schlimm sein, der Ballesterer macht seit Jahren vor, wie man ein absolutes Qualitätsmedium rund um Fußball auflegen kann, bei dem eine linke Grundstimmung durchschimmert. Doch genau an diesem Niveau scheitert Transparent. Insgesamt hat man das Gefühl, dass Transparent irgendwie die "Junge Welt" der Fußballmagazine ist, man aber eben mit dem Ballesterer auch zur taz des Fußballes greifen kann. Der ganze Inhalt ist eben etwas flacher und plumper dargestellt. Die Schlussfolgerungen sind im Vorhinein offensichtlich und werden nicht durch Gegenmeinung differenzierter dargestellt. Das macht die Zeitschrift nicht grundsätzlich schlecht, aber eben doch einseitig und schon gar nicht stellvertretend für deutsche Fans. Gerade der Kulturbereich trieft dann nach Politik und der gesellschaftlichen Auffassung der Redaktion.

Abschließend kann man nicht wirklich sagen, dass das Heft eine klare Kaufempfehlung bekommt. Zum jetzigen Zeitpunkt erscheint es arg fraglich, ob Transparent sich zwischen all den anderen Heften und den Platzhirschen Ballesterer und 11Freunde wird durchsetzen können und seine eigene Nische erobern kann. Insgesamt sind die Texte gut geschrieben und damit besser zu lesen als viele der anderen ultra-nahen Machwerke, aber die Stoßrichtung ist wie gesagt sehr einseitig. Der eigene Anspruch, einen objektive Blick aus der Fankurve zu bieten, wird sicherlich noch nicht erreicht. Zusätzlich fehlt absolut die Reichweite, die Hauptlast der Artikel basiert vor allem auf allgemeinem Wissen und auf Personen aus dem Bremer Umfeld, wobei bezeichnenderweise die Wanderers Bremen nicht zu Wort kommen.

Wenn ihr euch ein eigenes Bild von dem Magazin machen wollt, könnt ihr es hauptsächlich über die Webseite und in ausgewählten Buchhandlungen beziehen. Der Spaß kostet 3,90 € pro Heft. Dafür bekommt ihr 66 Seiten Lesestoff und einige wirklich gelungene Bilder in Hochglanz.

mrg, 18.04.2012

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