Warmlaufen

Neulich aufm Kiez

18.02.2011, 19:09 Uhr von:  Redaktion

Im Hinspiel schoss Kevin Grosskreutz zwei ToreEin grauer Tag im Hamburger Hafen neigt sich dem Ende und Karl C. (Name von der Redaktion gekürzt), der sich ein paar Tage demm tristen Alltag im Ruhrpott entziehen möchte, schlendert gemütlich von den Landungsbrücken in Richtung Reeperbahn. Als er gerade an der Herbertstraße vorbeiläuft, ruft jemand von der anderen Straßenseite: „Mensch, das ist ja Karl, die alte Landratte!" Karl dreht sich um und erblickt Holger, einen alten Kumpel, den es damals nicht unter Tage gehalten hat. Er ging dann auf See und heuerte bei einem Fischkutter an.

Holger läuft über die Straße und herzt Karl ordentlich, dem direkt der eindringliche Gestank einer Mischung aus Whiskey, Fisch und Moder in die Nase steigt. Doch er lässt die herzliche Geste über sich ergehen.
„Mensch Holger, dat letzte ma haben wir uns inne Zeche Victoria im Bruch gesehn!"
„Jo Karl, das muss ja Jahrzehnte her sein"
„Was geht denn bei euch aufm Kiez, ich hab gehört du wohns getzt hier in St. Pauli?"
„Das Leben in Brunsbüddel wurde mir zu langweilig, da zog es mich hierhin. Außerdem kann ich mir jetzt ne Mark nebenbei verdienen. Mit der Lust, wenn du verstehst."
„Oha, der olle Holger ein Zuhälter! Wer hätte dat gedacht. Da hamse ja den Bock zum Gärtner gemacht" (Beide lachen sich schlapp und gehen ein paar Schritte zur Pilsbörse.)

Typisch Sankt Pauli„Hach wie die Zeit vergeht! Du hast dich kaum verändert, Karl. Immer noch mitm Keuchhusten von dem schwarzen Gold zu kämpfen? Oder hasse ne Kur mit dem guten Bergmann-Bier gemacht?"
„Mir geht et den Umständen entsprechend, aber dieses Jahr geht's mir doch besser als sonst. Kannst dir ja denken warum!"
„Jo, schwarze Füße, gelbe Zähne hatteste ja schon immer, aber dass deine Gurkentruppe jetzt die Nummer eins is, das wundert selbst nen alten Seebären wie mich. Und ich hab schon Vieles gesehn!"
„Hömma Holger, ich bin ma n paar Tage hierher gekommen, um mich zu entspannen. Außerdem solln die Bezahl-Mädchen hier ja wat ganz Besonderes sein. Und da du ja getz nah dran bist, kannse mir ja mal ein paar Tipps geben,"

„Jo Karl, für dich nur das Beste. Ich kann dir eine tolle Auswahl oder einfach „Holgers Elfer" anbieten. Elf Weiber und ein Retter-Shirt vom FC obendrauf für schlappe 20,01 Euro pro Mädel."
„Wat is dat denn fürn krummer Preis?"
„Ihr hattet doch diese Aktion mit dem kein Zwanni fürn Steher oder so. Die Aktion war hier Gold wert fürs Geschäft. Ich hab den Hype genutzt und die Initiative „Kein Ständer fürn Zwanni" ins Leben gerufen. Meine Mitanbieter sind mitgezogen und jetzt haben wir hier sowas wie nen Mindestlohn eingeführt. Sozial asozial nenn ich dat!"
„Du bis ja bekloppt! Aber wenns klappt, solls mir recht sein."
Heimspielaction auf der Südtribüne Dortmund„Bei mir brummt der Laden! Vor allem, seitdem ich diese dunkelhäutige, etwas rundliche, im Angebot habe. Die hab ich bei meinem letzten Besuch im Pott am Straßenrand aufgelesen. War von ihrem Zuhälter in Gelsenkirchen links liegen gelassen worden. Und weil die Carla, ihre peruanische Freundin, nicht alleine ins kalte Hamburg ziehen wollte, is sie freiwillig mitgekommen. Der Freier dort muss fürchterlich gewesen sein. Hat seine Mädels öfter gewechselt als ich meine Unterhose und die mussten des Öfteren antreten, um mit ihm zu „trainieren", wenn du verstehst, was ich meine." (Holger zwinkert ihm zu. Die beiden sitzen mittlerweile in ner gemütlichen Ecke der Pilsbörse und lassen sich das Warsteiner schmecken.)

„Hach die musse mir ja mal zeigen! Exotisch is ja wat für mich..."
„Gehen wir gleich mal rüber, dann kannst du dir eine aussuchen, oder einfach alle mitnehmen. Die Kundschaft hat sich ein wenig gewandelt hier. Warens früher die Punks, die meine Mädels toll fanden, kommen heute die ganzen Juppies, die es schick finden, „Holgers Elfer" für ein Stündchen zu buchen. Mir soll es Recht sein, Hauptsache, mein Image bleibt so rein wie die Elbe. Du musst wissen, Image ist das A und O der Branche."
„Kann ich verstehen. Ich hab mein Image wech, immer so cholerisch zu sein. Dat krichse auch nich mehr aus die Köppe raus!"
„Ja, cholerisch warse schon immer. Hach, was hatten wir für schöne Zeiten im Pott...früher war einfach vieles besser, Karl."
„Ja... Vieles... nur nich meine Borussia, Holger!"

Die beiden schwelgen in Gedanken und trinken stumm ihr Bier zuende. Danach schlendern sie noch ein wenig die Davidstraße entlang in Richtung Reeperbahn und verschwinden schwelgend und lachend in die sündige Nacht von St. Pauli.

Die Welle nach dem Sieg in HamburgDetails zum Wiedersehn der alten Freunde:

Anpfiff ist Samstag um 15.30 Uhr zur besten Fußballzeit.

Aufstellungen:

Dem Karl seine Borussia: Weidenfeller - Piszczek, Hummels, Santana, Schmelzer - Bender, Sahin - Götze, Lewandowski, Großkreutz - Barrios.
Dem Karl seine Borussia ihre Bank: Langerak - Sobiech, Dede, da Silva, Feulner, Kehl, Zidan, Stiepermann.
Der Einsatz von Sven Bender ist fraglich.
Es fehlen: Subotic, Kagawa, Kringe, Owomoyela, Kuba.

Holgers Elfer: Kessler - Thorandt, Eger, Gunesch, Volz - Boll, Lehmann - Kruse, Takyi, Bartels - Asamoah.
Dem Holger seine Bank: Hain - Oczipka, Schultz, Kalla, Naki, Daube, Ebbers, Hennings, Sukuta-Pasu.

Schiedsrichter: Peter Sippel

Assistenten: Christian Leicher, Thorsten Schiffner. Vierter Offizieller: Tobias Christ.

Jakob, 18.02.2011

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