Spieler im Fokus

Ermittlungen eingestellt ? jetzt wird's erst richtig spannend

16.12.2011, 20:42 Uhr von:  Redaktion

Der Dortmunder Gästeblock beim fraglichen Spiel in HoffenheimIn der Schallaffäre um die TSG Hoffenheim und ihren Hausmeister wurden nun die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft eingestellt. Wegen „erwiesener Unschuld“, wie es heißt. Doch der als „Soundgate“ berühmt gewordene Fall ist damit nicht beendet – ganz im Gegenteil.

Das zusammengeschusterte und gegen Gästefans in Stellung gebrachte Lärmwerkzeug ist nach Auffassungen von Gutachter Dr. Jürgen Maue nicht geeignet gewesen, dem Gehör von Menschen zu Schaden. Dies hat die Staatsanwaltschaft Heidelberg am Montag verkündet.

Wir haben Gutachter Dr. Jürgen Maue und den Ersten Heidelberger Staatsanwalt, Florian Pistor, zum Gutachten und zur Einstellung des Verfahrens befragt.

Stimmten Aufstellort und Gerät exakt mit denen am Spieltag überein, kann man dem Urteil von Gutachter und Staatsanwaltschaft auch als Laie zustimmen – auch wenn die Vielzahl der geschilderten körperlichen Symptome von anwesenden Fans kaum damit in Einklang zu bringen sind. Hier bleiben zumindest Fragen offen, immerhin kommt es nicht jeden Spieltag im Block zu Hörstürzen.

Wir haben uns neben dem Gutachter und dem Staatsanwalt auch mit einem der betroffenen Fans unterhalten. Entgegen des in der Rhein-Neckar-Zeitung geschilderten Falls, bei dem Dr. Johannes Knorz als Anwalt der TSG erklärte, dass er einem Geschädigten nachweisen konnte, dass dieser bereits mit der Krankheit ins Stadion kam, hat unser Betroffener das Stadion nach eigenen Angaben gesund betreten und erst dort den Hörsturz erlitten. Noch heute plagt ihn ein Tinnitus-Geräusch, eine 300 Euro teure Infusionstherapie hat bislang keine Linderung verschafft. Nächste Therapiemöglichkeit wäre eine Neuromodulation. Kostenpunkt: 3.000 Euro.

Strafanzeige hatte auch dieser Fan gestellt und ist entsprechend enttäuscht über die Einstellung des Verfahrens. Er wird sich nun mit seinem Anwalt über die weiteren Möglichkeiten beraten.

Nicht nur für ihn bleibt ein unbefriedigendes Gefühl zurück. Selbst wenn man, wie Hoffenheims Geschäftsführer Frank Briel in der Rhein-Neckar-Zeitung, unterstellt, dass es auch Trittbrettfahrer gegeben hat, die die Chance auf Schmerzensgeld gesehen haben: Einige der 18 Strafanzeigen gehen offenbar auf glaubhaft reale Schädigungen und Beschwerden zurück. Ist das nur Zufall?

Corpus delicti: Die Hoffenheim Störgeräusch-ApparaturDie Einstellung des Verfahrens hat aus Sicht der BVB-Fans aber auch gute Seiten, denn nun muss Bewegung in zwei bislang brachliegende Themen kommen:

Zum einen haben DFB und DFL bislang seelenruhig die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft abgewartet und alle Anfragen zum Thema abgeblockt. Jetzt, wo diese Ermittlungen abgeschlossen sind, wird es ernst für die Verbände, die sich nun positionieren müssen. Wird die TSG bestraft? Wenn ja, wie? Nachdem der Fall deutschlandweit Furore gemacht hat, wartet man wohl nicht nur in Dortmund gespannt auf die Reaktion. Gleichwohl gibt es nicht wenige Fans, die angesichts des betont guten Verhältnisses zwischen DFB und Dietmar Hopp nicht an eine ernsthafte Bestrafung glauben.

Interessant ist schon das bisherige Verhalten der Verbände. Hat man im Fall des Becherwurfs auf St. Pauli und den Krawallen der Dynamofans in Dortmund kaum Zeit verloren, an den betroffenen Vereinen ein Exempel zu statuieren, ließ man sich bei einer Reaktion in der Lärmaffäre im Gegensatz dazu umso mehr Zeit. Um die strafrechtlichen Ermittlungen abzuwarten, wie es hieß. Das ist löblich und mit deren Ende sollte es dort nun auch weitergehen. Die Frage stellt sich aber, warum in anderen Fällen nicht erst bis zum Ende offizieller Ermittlungen gewartet wurde.

Und auch Dietmar Hopp selbst steht nun wieder im Fokus. Auf das Gesprächsangebot, das schwatzgelb.de ihm seinerzeit in einem offenen Brief gemacht hatte, hatte der Mäzen damals grundsätzlich positiv reagiert, wollte aber ebenfalls die Ermittlungen abwarten. Auch hier bleibt spannend, ob sich die Hoffenheimer Reizfigur tatsächlich diesem kritischen Gespräch stellen wird.

Fast wirkt es, als habe der Fall „Soundgate“ gerade erst begonnen.

Arne, 16.12.2011

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