Spielbericht Amateure

Mieser Tag

06.03.2011, 10:06 Uhr von:  Redaktion

Das war mal wieder nichtsWas gibt es Schöneres als einen BVB-Sieg am Freitagabend? Richtig: einen Tag später total übermüdet eine WET-Tour nach Trier anzutreten. Denkste! Denn leider wurde die Freude darüber schon nach wenigen Minuten von der Polizei genommen. Und auch die Mannschaft trug nicht zu einem halbwegs versöhnlichen Ende des Tages bei.

Gut 70 überwiegend noch sehr müde BVB-Fans fanden sich am Samstagmorgen gegen 7.45 Uhr am Dortmunder Hauptbahnhof ein, um über Köln nach Trier zu gelangen. Bereits auf dem Bahnsteig meinten einige Polizisten zeigen zu müssen, was für tolle Hechte sie doch sind, und verlangten vom Mob, gefühlte drei Meter Richtung Abschnitt D zu gehen. Während dieser Befehl noch mit einigem Gleichmut zu nehmen war, sollte die Stimmung einige Minuten später drastisch umschlagen. Denn kurz vor Bochum durchbrach die Stimme eines später völlig übermotivierten und auch überforderten Polizisten die morgendliche Lethargie und Stille im eigens für die BVB-Fans vorgehaltenem Waggon. Er wies kurz vor Bochum alle Fans daraufhin, dass sie im unteren Teil noch einer Leibesvisitation unterzogen werden sollen und zudem eine sogenannte Identitätsfeststellung vollzogen werden soll.

Der Gästeblock im Moselstadion war demnach nicht vollEine absolut lächerliche Maßnahme, denn selten hat man so eine friedliche und ruhige Gesellschaft in einem Zug zu einem Auswärtsspiel gesehen, zumal bei den Amateuren im Gegensatz zu den Profi-Spielen in den letzten Monaten im Block tatsächlich nicht mehr gezündelt wurde. Denn nach einigen Nachfragen, die zunächst hauptsächlich mit "Darum!" beantwortet wurden, stellte sich heraus, dass die Leibesvisitation dazu dienen sollte, Pyrotechnik zu finden. Nun entbrannten wütende Diskussionen zwischen Fans und Polizisten, wobei bei letzteren auch die "Mobile Kontroll- und Überwachungseinheit" (MKÜ) zugegen war, die sich unter anderem als Anti-Hooligan-Einheit versteht und relativ wenig von Begründungen ihrer Vorgehensweise hielt.

BVB-Fans treten Rückreise an

Aktion der Insane Ultras TrierWährend im oberen Bereich des Waggons aufgrund ihres gewaltlosen Widerstands keine Fans nach unten gebracht werden konnten, kam es im unteren Bereich zu Untersuchungen. Schnell machten Erzählungen die Runde, dass Fans sich auch auf der Toilette bis auf die Unterhose entblößen mussten. Aufgrund dieser Vorkommnisse und der willkürlichen Polizeischikane entschieden sich die meisten Fans dazu, in Köln - an den vorherigen Stationen wurde ein Ausstieg verweigert - die Rückreise gen Dortmund anzutreten. Selbst in Köln war die Polizei untereinander noch so unkoordiniert, dass vor dem Zug nach Trier untereinander nachgefragt wurde, ob "die jetzt mit dem Zug nach Trier fahren dürfen." Letztlich wurde diese Entscheidung der Polizei aber von den meisten BVB-Fans abgenommen, da die Lust auf den Trip nach diesen Vorkommnissen einfach nicht mehr vorhanden war.

Wer jetzt aber denkt, dass sich die Lage in Trier entspannen sollte, sah sich getäuscht. Denn auch der überwiegende Teil der per Auto anreisenden BVB-Fans wurde dort penibel auf vermeintliche Pyrotechnik untersucht. Zudem wurde in der ersten Halbzeit den Fans im Gästeblock verweigert, diesen verlassen zu dürfen. Dass während des Spiels im Block bei den verbliebenen 75 BVB-Fans so noch nicht einmal der Ansatz von Stimmung und Support aufkommen sollte, war dabei sicher nicht mehr verwunderlich. Alles in allem mal wieder ein ernüchternder Versuch, einfach nur zu einem Fußballspiel zu fahren. Tolles Deutschland!

Bakalorz dynamisch im ZweikampfDas Spiel sollte dann genauso beginnen wie auch der Tag angefangen hat: Mehr als beschissen! Denn bereits nach dreißig Sekunden spielte der überragende Meha einen Steilpass und Mößner musste nur noch an Focher vorbei den Ball ins Tor schieben. Der Rest der ersten Hälfte ist ebenfalls schnell erzählt. Nur in der 34. Minute gab es noch eine Torgelegenheit, doch Poggenborg parierte den abgefälschten Schuss von Bakalorz prächtig. So blieb zumindest Zeit für eine soziologische Betrachtung des Trierer Publikums auf der Haupttribüne. Es bestand überwiegend aus Pfälzer Urgesteinen, die selbst Fritz Walter noch in Windeln gesehen haben müssten, sowie aus wahrscheinlich total wichtiger Lokalprominenz, deren Schnauzbartmode die frühen 80er-Jahre nie verlassen hat.

Mannschaft enttäuscht

Eggert im LuftkampfIn der zweiten Halbzeit waren dann auf beiden Seiten wesentlich mehr Torszenen zu verzeichnen, aber die erschreckendste Erkenntnis war, dass das Dortmunder Team total lethargisch agierte. Es war weder Willen noch Teamgeist zu erkennen, und man konnte nur ganz, ganz selten Abklatschen oder gegenseitiges Aufmuntern beobachten. Dagegen wurde nach Fehlpässen oder Stockfehlern gerne mal lamentiert oder abgewunken. Insgesamt eine trostlose Darbietung der Borussen. Den Höhepunkt bzw. Tiefpunkt bildete dabei Marcel "Katze" Kandziora, der in der 61. Minute die aufgerückten Dortmunder in die Bredouille brachte, als er den Ball auf Höhe der Mittellinie von links nach rechts hinten schlug anstatt den eigentlichen Flankenwechsel nach rechts vorne zu vollziehen. Nach schönem Zusammenspiel auf der linken Seite kam dadurch in der Mitte Kulabas zum Abschluss, scheiterte noch an Focher, doch Mößner setzte sich gedankenschnell gegen die BVB-Innenverteidigung durch und erzielte mit etwas Glück das 2:0. Bei diesem Spielverlauf stellte der Treffer bereits die Entscheidung dar. Kandziora wurde übrigens kurze Zeit später ausgewechselt.

Hasanbegovic war einer der besseren Borussen in TrierNach vorne ging jetzt beim BVB nichts mehr und man konnte froh sein, dass Trier in der Chancenverwertung nicht mehr konsequent agierte. So scheiterten Meha (67.) und Kuduzovic (68.) am heute soliden Focher, während Meha in der Nachspielzeit den Ball am Tor vorbei streichelte. Es blieb beim völlig verdienten 2:0 für den Gastgeber, der sich letzte Saison nur durch diverse Lizenzentzüge retten konnte und nun plötzlich ans Tor zur Dritten Liga klopfen kann. Borussia wird die Saison im Mittelmaß zu Ende spielen und im besten Falle einigen Profis noch Spielpraxis verschaffen. Die nächste Partie wird am nächsten Samstag zu Hause um 14 Uhr gegen Arminia Bielefeld II angepfiffen.

Stimmen zum Spiel

Hannes Wolf (Trainer BVB II): Wir haben uns ganz viel vorgenommen, da wir in der Rückrunde erst ein Spiel gewonnen haben. Wir wollten uns zurück in die Liga kämpfen, aber nach 30 Sekunden war das alles erledigt und über den Haufen geworfen. Danach zeigten wir eine gute Technik und Ballzirkulation, aber nur in den Zonen, wo es nicht gefährlich ist. Nach dem 2:0 gingen dann bei uns die Köpfe runter, und meine junge Mannschaft hat nicht mehr an sich geglaubt. Trier hat verdient gewonnen.

Hannes Wohl versucht seine Mannschaft zu lenkenRoland Seitz (Trainer Eintracht Trier): Das war ein großes Stück hartes Arbeit. Der Gegner hat uns gezeigt, wie man spielt, und wir haben ihm gezeigt, wie man Tore schießt. Bis auf den abgefälschten Schuss haben wir nichts zugelassen. Dann haben wir zum richtigen Zeitpunkt das 2:0 gemacht. Unterm Strich sind wir sehr froh, gewonnen zu haben und vor allem, dass dies über den Willen geschehen ist.

Daten zum Spiel

Eintracht Trier (4-4-2): Poggenborg - Opoku Karikari (36. Kempny), Hollmann, Cinar, Zittlau - Kraus (82. Mvondo), Kohler, Meha, Kuduzovic - Kulabas (75. Bachel-Staudinger), Mößner

BVB II (4-2-3-1): Focher - Selmani, Sobiech, Hornschuh, Kandziora (73. Neumeister) - Hasanbegovic, Eggert - Stiepermann (70. Klopp), Bakalorz, Treude (63. Boztepe) - Le Tallec

Tore: 1:0 Mößner (1., Linksschuss, Meha), 2:0 Mößner (61., Rechtsschuss, Kulabas)

Zuschauer: 2159

SR: Jöllenbeck (Müllheim)

Chancen: 6:2

Ecken: 4:3

MalteD, 06.03.2011

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