Im Gespräch mit...

Staatsanwalt Pistor: "Strafrechtlich ist der Vorfall nicht relevant"

16.12.2011, 20:41 Uhr von:  Redaktion

Das Strafverfahren im Fall „Soundgate“ rund um die TSG Hoffenheim ist eingestellt worden. Wir sprachen mit Heidelbergs Erstem Staatsanwalt, Florian Pistor, über die Gründe der Einstellung.

schwatzgelb.de: Herr Pistor, das Verfahren wegen des Verdachts der gefährlichen Körperverletzung hinsichtlich der sogenannten „Schallaffäre“ ist eingestellt worden. Wegen „erwiesener Unschuld“, wie es hieß. Was bedeutet das?

Pistor: Das bedeutet das, was der Wortlaut schon sagt: Das Verfahren gegen die Beschuldigten ist eingestellt worden, weil gemäß des Gutachtens des Herrn Dr. Maue mit der Apparatur keine Geräusche erzeugt werden konnten, die die Gesundheit beeinträchtigen.

Das fragliche Geschehen hat beim Bundesligaspiel am 13. August stattgefunden. Seit wann hat sich die Apparatur denn danach in Ihrer Obhut befunden?

Das Gerät wurde am 16. August 2011 sichergestellt.

Das heißt, es wäre theoretisch möglich gewesen, zwischen dem Spiel und der Abholung Manipulationen vorzunehmen? Also das Gerät so zu verändern, dass es weniger leistungsstark ist?

Dafür haben wir keinerlei Anhaltspunkte. Außerdem stimmt der Ton, wie wir ihn in den Videos vom Spieltag sehen konnten, schon sehr mit dem überein, was vor Ort schließlich vom Gutachter getestet wurde.

Wenn das Gerät ungefährlich gewesen ist, wie erklären Sie sich denn die 18 Strafanzeigen, die erstattet wurden? Das ist doch schon ungewöhnlich, oder?

Das weiß ich nicht, ich kann da nur mutmaßen. Möglicherweise ist es bei den Betroffenen wegen der allgemeinen Geräuschkulisse im Stadion tatsächlich zu Beschwerden gekommen, die dann wegen der ausführlichen Berichterstattung in den Medien dem Störton zugeschrieben wurden.

Entspricht es denn der Tatsache, dass die Verantwortlichen der TSG Hoffenheim über den Einsatz dieser Apparatur nicht informiert waren?

Die Strafanzeigen richteten sich zum Teil ganz allgemein gegen die Verantwortlichen der TSG Hoffenheim. Wir haben aber keinerlei Anhaltspunkte, dass außer dem Hausmeister und seinem Bekannten jemand weiteres beteiligt war. Da die Apparatur nachgewiesen ungefährlich gewesen ist, ist diese Frage letztlich für uns auch unerheblich gewesen. Strafrechtlich ist der Vorfall nicht relevant und dann ist es für uns auch egal, wer die Beteiligten waren.

Wissen Sie oder haben Sie eine Ahnung, was jetzt weiter geschehen wird? Wie beispielsweise der DFB reagieren wird?

Nein, das ist auch nicht mein Verantwortungsbereich. Es hat keinerlei Kontakt zwischen der Staatsanwaltschaft und dem DFB gegeben und wir hatten nur die Aufgabe, eine eventuelle strafrechtliche Relevanz zu überprüfen.

Herr Pistor, wir danken Ihnen für das Gespräch!

Redaktion, 16.12.2011

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