Spielbericht Amateure

Borussia Dortmund stagniert

21.11.2010, 01:26 Uhr von:  Redaktion

Wieder nichts gegen ein TabellenschlusslichtAllerdings stagnieren die Amas nicht so schön wie die Profis an der Bundesligaspitze, sondern in der erweiterten Spitzengruppe der Regionalliga West. Gegen den Aufsteiger aus Homburg kam man nicht über ein letztlich gerechtes 1:1 Unentschieden hinaus. Die wenigen zahlenden Gäste in der Roten Erde bekamen zwei ziemlich unterschiedliche Halbzeiten geboten. In der ersten kontrollierte Dortmund das Spiel gegen weitgehend harmlose Saarländer, wurde selbst aber auch viel zu selten gefährlich. Die zweite Halbzeit bot einen offenen Schlagabtausch mit Chancen und Toren auf beiden Seiten.

Ausgangslage

Der BVB II hatte sich mit dem Sieg in Köln über die kleinen Pillen bis auf vier Punkte an Spitzenreiter Trier herangearbeitet. Daher konnte es gegen den Aufsteiger aus dem Saarland nur das Ziel geben, mit einem Heimsieg weiter oben dran zu bleiben. Unterstützung bei diesem Vorhaben erhielten die Amas vom bei den Profis weitgehend aussortierten Regisseur Tamas Hajnal, der nach seinem 20-minütigen Comeback in der ungarischen Nationalmannschaft weitere Spielpraxis sammeln wollte. Auch ansonsten konnte Theo Schneider personell aus dem Vollen schöpfen, der häufig angeschlagene Kapitän Nedim Hasanbegovic stand ebenso zur Verfügung wie alle Jugendnationalspieler.

Der FC 08 Homburg ist älteren Lesern vielleicht noch aus der ersten Bundesliga bekannt, wo man hauptsächlich durch die ungewöhnlichen Ideen des damaligen Präsidenten Manfred Ommer auffiel. So forderte dieser die Freigabe von Doping, um die Chancengleichheit wiederherzustellen und besorgte dem FCH einen Kondomhersteller als Trikotsponsor, was den sittenstrengen DFB-Wächtern die Schamesröte ins Gesicht trieb. Erst vor Gericht konnte man durchsetzen, dass die Spieler mit dem Sponsorenlogo auf der Brust auflaufen durften. Zuvor war man mit einem schwarzen Balken über dem Logo aufgelaufen, da der DFB ansonsten Punktabzüge angedroht hatte.

So leer dürfte es gegen Homburg ausgesehen habenDoch diese ereignisreichen Zeiten sind lange vorbei und nach einer Insolvenz dümpelte man jahrelang in der Oberliga herum, bevor in diesem Jahr der Aufstieg in die Regionalliga gelang.
Ziel in Homburg dürfte in erster Linie der Klassenerhalt sein. Einen ersten Schritt hat man mit dem Sieg letzte Woche gegen den Mitkonkurrenten Bielefeld II getan und zumindest die Abstiegsplätze erstmal verlassen. Bekanntester Name im Homburger Kader ist Ex-Borusse Sahr Senesie, der mit seinem Wechsel aus Trier an die Saar eher aufs falsche Pferd gesetzt zu haben scheint.

Die Homburger brachten circa 30 Fans in den Gästeblock und vielleicht dazu noch 20 auf die Sitzplätze. Ein geplanter Bus musste wohl mangels Nachfrage ausfallen. Insgesamt hatten bei schönem und auch nicht zu kaltem Wetter leider nur 352 Zuschauer den Weg in die altehrwürdige Kampfbahn gefunden. Trotz Parallelansetzung ist das eine traurige Zahl. So groß ist das Gästekontingent in Freiburg ja nicht, dass man davon ausgehen müsste, dass sich keine Borussen mehr in der Stadt befunden hätten. So wurde das Vorurteil über das mangelnde Zuschauerinteresse bei Reservemannschaften mal wieder untermauert.

1. Halbzeit

Tamas Hajnal sammelte SpielpraxisDie BVB-Reserve trat im von den Profis bekannten 4-2-3-1 System an. Hinter der einzigen Spitze Daniel Ginczek sollte Tamas Hajnal zentral offensiv die Fäden ziehen, auf den Außenpositionen sollten Yasin Öztekin und Damien Le Tallec für Wirbel sorgen. Zu sehen war davon erst mal nicht sehr viel. Während die Homburger zu Beginn nur auf die Absicherung des eigenen Tores bedacht waren und nach vorne so gut wie überhaupt nichts unternahmen, machte der BVB aus seiner Feldüberlegenheit viel zu wenig. Immer wieder wurden durch Unkonzentriertheiten und ungenaue Anspiele die Angriffsbemühungen zunichte gemacht.

An Tamas Hajnal lief die Partie zunächst weitgehend vorbei, da er auch nur sehr wenige Bälle bekam. Man merkte ihm deutlich an, dass er nicht mit seinen Mitspielern eingespielt ist, und er ist wohl nach seiner langen Verletzungspause auch noch nicht wieder in Bestform.

„Heimspiel in Dortmund“ - die Saar-Schickeria war von Beginn an zu Scherzen aufgelegt, den Gästeblock schmückten immerhin vier Zaunfahnen und von Dortmunder Seite gab es auch nur Support der Marke Bundesjugendspiele zu hören. Auf Homburger Seite verlegte man sich bald aufs Pöbeln, so dass man schnell das Gefühl hatte, sich nicht mehr in der Regionalliga sondern noch ein paar Klassen tiefer zu befinden. Beide Mannschaften taten sich mit den Platzverhältnissen schwer, der Rasen in der Roten Erde hat diesen Namen kaum noch verdient, das Geläuf präsentierte sich vielmehr als totaler Acker. Das lässt Schlimmes für die nächsten Heimspiele vermuten, da ja eher nicht davon ausgegangen werden kann, dass sich das Wetter nochmal dauerhaft bessert.

Yasin Öztekin stand wieder in der StartelfEine erste schöne Kombination des BVB über Hajnal und Öztekin gab es nach 12 Minuten, doch die flache Hereingabe von Hajnal verpasste Ginczek knapp. Fünf Minuten später ersprintete Öztekin einen Ball im Strafraum knapp vor der Torauslinie, er überlupfte den heraus geeilten Torwart mit einer Flanke, doch Le Tallec konnte den Ball nicht mehr drücken und setzte den Kopfball über das Tor.

Unterhaltung musste man aus kuriosen Vorkommnissen am Rande ziehen. So erspähte der Sportkamerad Ide eine Unterhose in falscher Farbe bei Martens. Das konnte der Schiri natürlich nicht dulden und schickte ihn zum Striptease vom Feld.

Nach einer guten halben Stunde dann die einzige echte Torchance der ersten Halbzeit: Ginczek erkämpfte sich den Ball, lief allein auf Torwart Richter zu und vergab kläglich. Direkt danach hatte Le Tallec noch eine Kopfballchance aus fünf Metern, doch auch er brachte den Ball nicht im Tor unter.

Bis zur Pause passierte dann nicht mehr viel. Die erste Halbzeit ist mit langweilig sicher noch euphemistisch beschrieben. Homburg präsentierte sich absolut harmlos und der BVB konnte seine Überlegenheit so gut wie nie in brauchbare Torchancen ummünzen.

2. Halbzeit

Johannes Focher musste mal wieder hinter sich greifenZu Beginn der zweiten Hälfte bot sich Daniel Ginczek eine fast exakte Kopie seiner Großchance aus Hälfte 1. Wieder stibitzte er einem Verteidiger den Ball und wieder lief er frei auf das Tor zu. Leider war auch wieder bei Richter Endstation. Eine dieser Chancen musste er einfach nutzen.

Doch auch Homburg schien sich in der Pause etwas vorgenommen zu haben und spielte nun ordentlich mit. Bereits nach 50 Minuten ergab sich die Riesenchance zur Führung für die Gäste. Müller flankte von Rechts und der freistehende Senesie setzte den Ball aus kurzer Distanz an den Pfosten. Die Homburger blieben weiter über die Flügel gefährlich. Immer wenn hohe Bälle in den Dortmunder Strafraum segelten, dann brannte es dort lichterloh. Nach einer Ecke sorgte Focher für Gefahr im eigenen Strafraum, als er den Ball vor Wrights Füße fallen ließ, doch der war zu überrascht und schoss daneben.

Nach 60 Minuten fiel dann das zu diesem Zeitpunkt gar nicht mal mehr überraschende 0:1. Wieder war eine Ecke von Stelletta Ausgangspunkt, die Banouas per Kopf genau ins Eck versenkte. Da gab es keine Abwehrmöglichkeit für Focher. Im Anschluss an eine weitere Ecke versuchte es Martens mit der Hacke, konnte Focher aber nicht überlisten.

Damien Le Tallec erzielte den verdienten AusgleichCoach Schneider zog nun seine Trümpfe von der Bank für die Offensive und brachte zunächst Stiepermann für den heute völlig indisponierten Öztekin und dann auch noch „Durststrecke“ Christopher Kullmann für Tamas Hajnal. Hajnal konnte in der zweiten Hälfte einige Male andeuten, welche Klasse er am Ball hat, doch wirkte er zumeist wie ein Fremdkörper in der Mannschaft und hatte auch deutliche Probleme mit dem holprigen Rasen.

Der BVB kam dann noch zum verdienten 1:1 durch Damien Le Tallec nach schöner Vorarbeit von Stiepermann, der nach einem Doppelpass mit Kandziora in den Strafraum dribbelte und den Franzosen frei spielte.

Aber auch Homburg blieb nach Flanken und Ecken stets gefährlich, sie hatten deutlich die Lufthoheit im Dortmunder Strafraum inne. Die Riesenchance zum Siegtreffer für die Gäste hatte Sonnenberg in der 84. Minute. Nach einem Freistoss von Stelletta kam er völlig frei am Elfmeterpunkt zum Schuss, brachte aber nur einen harmlosen Roller zustande. Zwei Minuten später hatte dann auch Dortmund nochmal die Chance das Spiel zu entscheiden: Stiepermann führte einen Freistoß schnell aus, als die Homburger Mauer noch nicht stand, doch er setzte den Ball knapp über den Winkel.

Die zweite Halbzeit bot wesentlich besseren Fußball als die erste. Die Homburger hatten endlich realisiert, dass sie in Dortmund etwas mitnehmen konnten und da sie nun mehr mitspielten, entwickelte sich ein offener Schlagabtausch. Das war zwar nicht immer hochklassig, aber spannend und unterhaltsam.

Fazit

Frust beim BVB IIEin letztlich gerechtes Unentschieden. Dortmund konnte seiner Favoritenrolle nur in der ersten Halbzeit gerecht werden, machte da aber viel zu wenig aus seiner Überlegenheit. In der zweiten Halbzeit agierten Aufstiegskandidat und Abstiegskämpfer auf Augenhöhe und da die Homburger sogar die klareren Chancen hatten, verdienten sie sich ihren Punkt redlich.

Für Dortmund ist das Unentschieden zu wenig. Angesichts der doch etwas überraschenden Heimniederlage der Trierer hätte man heute einen schönen Schritt Richtung Spitze machen können, stattdessen musste man sogar den Pony-Nachwuchs vorbeiziehen lassen. Auf den neuen Tabellenführer Münster weist man nun schon einen Rückstand von fünf Punkten auf, und angesichts der unbeständigen Leistungen der Mannschaft ist es fraglich, wie man diesen aufholen will, zumal Münster, Lotte und Gladbach jeweils noch ein Spiel nachholen müssen. Nächste Woche geht es für die Amas nach Elversberg, wo man unbedingt einen Sieg einfahren sollte, um die Spitzengruppe nicht komplett aus den Augen zu verlieren. Leider wird wohl auch dieses Spiel wegen des abendlichen Heimspiels der Profis gegen Gladbach ohne die Supporter unserer Zwoten stattfinden.

Stimmen

Tamas Hajnal: Es war wichtig, dass ich heute auf den Platz zurückkehren konnte. Es war natürlich etwas schwierig auf dem Boden und wir sind dann leider durch eine Standardsituation in Rückstand geraten. Vorher hätten wir schon zweimal in Fürhung gehen können. Wir wollten das Spiel unbedingt gewinnen und das hat leider nicht geklappt, daher sind wir schon ein wenig enttäuscht. Ich bin wieder völlig beschwerdefrei. Seit zwei Wochen bin ich voll im Mannschaftstraining und konnte auch unter der Woche schon 20 Minuten bei der Nationalmannschaft spielen. Das war jetzt mein erster Einsatz diese Saison für Borussia.

Theo Schneider beim Spiel gegen den SCWTheo Schneider: Wir wollten natürlich heute gegen Homburg sehr viel Druck entwickeln, insbesondere schon in der Anfangsphase. Aber wir hatten im Aufbauspiel größtenteils in der ersten Halbzeit sehr viele einfache Ballverluste. Das führte dazu, das man nie richtig durch kombinieren konnte und kein geordneter Spielaufbau zustande kam. Wir mussten heute wieder gegen einen sehr tief stehenden Gegner spielen und haben da unsere Probleme. Das war auch heute wieder erkennbar. Trotzdem haben sich in der ersten Halbzeit zwei richtig gute Möglichkeiten ergeben. Dann muss man auch mal eine von diesen hochkarätigen Chancen nutzen. Dann wird es einfacher, der Druck ist weg und der Gegner muss dann ein bisschen kommen. Das gelingt uns letztendlich in den Heimspielen nicht. In der zweiten wollte die Mannschaft, das hat man gesehen. Wir mussten dann den Gegenreffer durch eine Standardsituation hinnehmen. Danach hat die Mannschaft gefightet, sie hat versucht das Spiel noch umzubiegen, aber letztendlich ist dabei dann nur noch der Ausgleich dabei heraus gesprungen. In der zweiten Halbzeit hatten wir auch wieder zwei Riesenmöglichkeiten, die wir auch nicht genutzt haben. Das waren insgesamt vier klare Möglichkeiten und dann kann man so ein Spiel auch nicht gewinnen. Letztendlich mussten wir sogar froh sein, dass wir nicht noch das 2:0 bekommen haben. Dann wären wir sicherlich nicht mehr wiedergekommen. So sind wir nicht glücklich, müssen aber mit dem Punkt zufrieden sein.

Christian Hock: Ich denke, dass wir heute vor allem in der zweiten Halbzeit ein sehr unterhaltsames Spiel gesehen haben, mit sehr, sehr vielen Chancen. Mit der ersten Halbzeit von meiner Mannschaft war ich nicht ganz so zufrieden, weil die erste Halbzeit davon geprägt war, dass wir nur verwaltet haben und nach vorne ganz wenige Torabschlüsse hatten. Wir haben da auch zwei drei hundertprozentige Chancen von Dortmund zugelassen. Da müssen wir einfach dran arbeiten. Nach der Halbzeit waren wir besser im Spiel. Wir mussten natürlich zu Beginn der 2. Hälfte auch diese Großchance für den BVB schlucken, wo wir den Ball am eigenen Sechzehner vertändeln. Aber da hat Thomas Richter ein zwei, drei Mal richtig gut reagiert. Das war wie ein kleiner Weckruf für die Mannschaft und danach waren wir wach. Wir haben Fußball gespielt, uns teilweise gut durch kombiniert und sind dann durch eine Standardsituation in Führung gegangen und mussten dann soagar fast durch den Pfostentreffer von Sahr Senesie 2:0 in Führung gehen. Ich denke, dann wäre die Borussia nicht mehr zurück gekommen. So mussten wir das 1:1 schlucken. Ob da vorher ein Foul vorlag oder nicht, das können wir jetzt nicht mehr ändern, das ist dann einfach mal so. Aber am Ende des Tages denke ich dass wir mit dem Punkt gut leben können. Wir hätten natürlich auch gerne drei mitgenommen, aber in unserer Situation ist es zunächst einmal wichtig, dass wir jeden Punkt mitnehmen. Das ist uns heute bei einem sehr starken Gegner gelungen und nun gilt es kommende Woche im Heimspiel gegen Mainz nachzulegen.

Daten und Fakten

Borussia Dortmunds Amateure: Focher - Hornschuh, Sobiech, Eggert, Kandziora - Hasanbegovic, Bakalorz (86. Treude) - Le Tallec, Hajnal (67. Kullmann), Öztekin (61. Marco Stiepermann) - Ginczek

FC 08 Homburg: Richter - N. Müller, Banouas, Sonnenberger, Weber - Martens, Stelletta, Schwartz (73. Vogtland), Turnau (70. Liotte) - Senesie, Wright

Tore: 0:1 Banouas (60.), 1:1 Le Tallec (68.)

Gelbe Karten: Bakalorz, Kullmann - Banouas

Schiedsrichter: Ide (Frielendorf)

Zuschauer: 352 in der Kampfbahn Rote Erde

Web 20.11.2010

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