Spielbericht Profis

Dortmund verpasst den Auswärtssieg

09.11.2009, 00:00 Uhr von:  Christoph
Dortmund verpasst den Auswärtssieg
Baustelle Weserstadion

Die gute Nachricht zu erst: Die kleine Serie der Dortmunder ist nicht gerissen! Die schlechte Nachricht allerdings: Die große Serie der Bremer (19 Spiele ohne Niederlage) auch nicht. Dortmund verpasst nach einer der "besseren" zweiten Halbzeiten dieser Saison den Sieg im Bremer Weserstadion und kann dennoch mit erhobenem Haupt die Heimreise antreten. Doch nun der Sonntagnachmittag von vorne…

Angekommen auf der Baustelle Weserstadion. Neben den wieder zahlreich angereisten Borussen sollten zwei große Kräne der Baustelle „Südtribüne“ den letzten gelben Schliff geben. Der noch unüberdachte Gästeblock ist jetzt schon eine richtige Verbesserung gegenüber der alten Kurve. Zumindest für die Hinrunde ist der Gästeblock direkt hinter dem Tor auf dem Unterrang gelegen und schafft neben der Bezeichnung "Südtribüne" eine gute Grundlage für eine gute Stimmung.

Gästeblock
Gästeblock

Allerdings war die Stimmung zu Spielbeginn weit davon entfernt einem Südtribünen-Feeling gerecht zu werden, sondern glich vor Spielbeginn eher einer "Ich-habe-gerade-Kaffee-und-Kuchen-vernascht" Stimmung. Dies gilt im Übrigen für beide Fanlager. Daran ändern konnte auch das Standard-Werder-Lied, "Ein Leben lang grün weiß", nichts ändern. Immerhin erheben sich alle Zuschauer von ihren Sitzen und strecken ihren Schal in den dunklen Abendhimmel. Genau das Richtige um den Kaffee und Kuchen im Verdauungstrakt in Bewegung zu bringen. Lediglich als der Stadionsprecher kurz vor Anpfiff den Ausgleich von Hannover 96 gegen den HSV bekannt gibt, sendet die Ostkurve ein Lebenszeichen von sich.

50+1 muss bleiben
50+1 muss bleiben

Auffällig an diesem Spieltag: In allen Stadien die Forderung der Fans nach dem Erhalt der 50+1 Regel. Beim Einlaufen der Mannschaften präsentiert die Ostkurve ein großes Transparent mit der genannten Forderung.

Dortmund beginnt mit fast der gleichen Mannschaft wie in den Spielen zuvor. Nur für den verletzten Bender rückt Santana in die Startelf, so dass Hummels die Bender Position einnimmt und Santana auf die Innenverteidigerposition rückt, was sich im Folgenden als eine gute Entscheidung erweisen sollte. Bei Werder Bremen erhält Hugo Almeida für den verletzten Claudio Pizzaro seine Chance von Beginn an.

Sahin im Zweikampf
Sahin im Zweikampf

Mit dem Einlaufen der Mannschaften scheint der "Kaffeenachgeschmack" wie weggewischt und mit einem Schlag ist Stimmung in den Fanblöcken und erreicht einen ersten Höhepunkt in der zweiten Minute, als die erste Großchance von Bremen vergeben wurde. Gleich zwei Bremer wurden von der Dortmunder Abwehr dazu eingeladen aus 15 Metern frei zum Abschluss kommen. Jedoch scheiterten die Bremer an ihrem Unvermögen und an Weidenfeller. Zuvor wurde Marco Marin (optische 1,60 Meter) auf der rechten Abwehrseite von seinen Gegenspielern übersehen und konnte den Ball ungehindert in den Strafraum flanken. Aber auch Dortmund spielt in den ersten Minuten Zielgerichtet nach vorne und kommt auch zu Abschlussmöglichkeiten (Valdez/Kuba). Das Spiel nimmt Fahrt auf.

Die Stimmung in beiden Fanlagern ist inzwischen prächtig. Aus beiden Lagern schallen die Schlachtrufe durchs Stadion und passen sich dem lebendigen Spiel, geprägt durch viele Fehlpässe beider Mannschaften, an. Bremen ist zwar die spielbestimmende Mannschaft, deren Spiel durch Özil und Marin geprägt ist, doch Dortmund versteht es immer wieder durch überlegte Konter für Gefahr in der gegnerischen Hälfte zu sorgen. Hummels, der Bender auf der sechser Position vertritt, schaltet sich dabei immer wieder in die Angriffe ein und sorgt für Unruhe in der Bremer Defensive.

Naldo - Zidan
Naldo - Zidan

Doch mit zunehmender Spieldauer schläft das Spiel mehr und mehr ein. Ein möglicher Erklärungsansatz dafür ist sicherlich die immer später werdende Uhrzeit, als auch der von beiden Fanlagern betriebene monotone Dauergesang. Dortmund findet in der Schlussphase besser in die Tiefschlafphase und kassiert verdient in der 36. Minute das 0:1. Hunt darf auf der rechten Seite noch die Windgeschwindigkeit messen, um anschließend eine präzise Flanke auf Özil zu schlagen. Dieser schiebt trocken aus 16 Metern Torenentfernung den Ball ins Tor und reißt seine nichtvorhandenen Gegenspieler und Weidenfeller, der in seinen Schlafpuschen noch auf dem feuchten Nass ausrutscht, aus ihren süßen Träumen. Der folgende Torjubel eignet sich anscheinend nicht als Weck-Ton, denn der Schlaf der schwatzgelben Kicker geht ungestört weiter. Bremen drückt vor der Halbzeit auf das 2:0 und erspielt sich eine Ecke nach der anderen. Dortmund wirkt geschockt und uninspiriert. Doch die letzte Minute der ersten Halbzeit macht Hoffnung auf die zweite Hälfte. Nach einem Freistoß von Sahin aus gut 20 Metern Torentfernung kann Wiese gerade noch zur Ecke klären. Eine Standardsituation sollte die größte Torchance der Dortmunder in der ersten Halbzeit sein. Eine ordentlichen Bundesligapartie, in der Dortmund gut mitgespielte, mehr aber auch nicht. Der Versuch der Dortmunder, sich mit langen Bällen aus der eigenen Hälfte zu befreien, richtet gegen eine Mannschaft wie Werder Bremen kaum etwas aus.

Barrios grätscht
Barrios grätscht

Die zweite Halbzeit beginnt erneut mit viel Schwung und einer großen Torchance für Bremen. In höchster Not kann Santana vor dem im Strafraum freistehenden Marin klären. Plötzlich landet der Ball durch Barrios im Bremer Tor und auf der Anzeigentafel erscheint das 1:1. Doch der Schiedsrichter zeigt zu Unrecht Abseits an. Keine Minute später nimmt Valdez Maß und schießt beherzt auf das Tor. Wiese kann den Ball nicht festhalten und Barrios staubt zum 1:1 ab. Der Ausgleichstreffer zählt dieses Mal. Jetzt ist Pfeffer in der Partie. Bremen ist auf einmal verunsichert und lädt, durch einige „schöne“ Fehlpässe, Dortmund zum Kontern ein. Der Gästeblock tobt, hingegen nur noch verhaltene Unterstützung aus der Bremer Ostkurve. Nach einer Ecke (66. Minute) dann die nächste hochkarätige Möglichkeit durch Subotic, der den Ball aus kurzer Entfernung nur knapp über das Tor schießt. Passend zum Spiel der Borussen hallt „Olé jetzt kommt der BvB“ von der „Südtribüne“. Inzwischen ist das Spiel geprägt durch intensive Zweikämpfe und viel Laufbereitschaft beider Mannschaften. Dortmund wirkt sicher und selbstbewusst, Werder hingegen verunsichert.

Hummels
Hummels

Die Staubsauger Sahin und Hummels unterbinden jeglichen Bremer Angriff, so dass Bremen zu kaum zwingenden Torchancen kommt. Dortmund spielt auf Sieg und erzielt in der 81. Minute fast das 2:1, nach einem Schuss von Valdez aus 18. Metern. NUR DER BVB spielt in den letzten Minuten des Spiels und über ein weiteres Gegentor hätten die Bremer sich nicht beklagen können.

Fazit: Am Ende sind beide Mannschaften mit der Punkteteilung zufrieden und haben sich den Punkt redlich verdient. Mit zehn Punkten aus den letzten vier Bundesligaspielen ist Dortmund wieder auf einem guten Weg die Form der letzten Rückrunde zu erreichen. Die Systemumstellung auf ein 4-2-3-1 verleiht dem BvB die Stabilität, die er zu Saisonbeginn vermissen lies.

Die Aufstellungen:

Werder Bremen: Wiese - Fritz, Mertesacker, Naldo, Boenisch - Bargfrede, Borowski, Hunt - Özil - Marin (70. Rosenberg), Hugo Almeida (89. Husejinovic)

Borussia Dortmund: Weidenfeller - Owomoyela, Felipe Santana, Subotic, Dede - Hummels, Sahin - Blaszczykowski (88. Großkreutz), Zidan (55. Feulner), Valdez (88. Schmelzer) - Barrios

Schiedsrichter: Gräfe (Berlin)

Zuschauer: 34.200 (ausverkauft)

Tore: 1:0 Özil (36.), 1:1 Barrios (54.)

Gelbe Karten: Bargfrede (73.) / Valdez (57.), Barrios (66.)

Stimmen zum Spiel:

Jürgen Klopp: "Wir sind nicht unzufrieden, haben aber durchaus das Gefühl, auch im Falle eines Sieges hier nicht unverdient vom Platz zu gehen. In der zweiten Halbzeit gab es bei uns eine Leistungssteigerung. Wir haben gezeigt, warum wir hier sind: nämlich um zu punkten und zu gewinnen. In der ersten Hälfte haben wir mitgespielt, in der zweiten dann aber viel besser bei Ballbesitz agiert. Werder hat trotz der vielen englischen Woche eine unglaubliche Laufbereitschaft gezeigt."

Thomas Schaaf: "Man muss beiden Mannschaften ein Kompliment machen, wie sie dieses Spiel geführt haben. Wenn man wie wir in Führung geht und auch Chancen hat, das Ergebnis auszubauen, möchte man auch gewinnen. In der zweiten Halbzeit hatten wir aber zu viele Ballverluste. Insgesamt geht das Ergebnis in Ordnung."

Mats Hummels: "In der ersten Halbzeit haben wir nicht so richtig ins Spiel gefunden. In der Halbzeitpause wurde in der Kabine Klartext gesprochen und wir haben dann die vorgaben besser umgesetzt. Der Punktgewinn ist auf alle Fälle verdient, evtl. hätten wir hier auch gewinnen können. (…) Das nicht gegebene Tor ist zwar ärgerlich, aber der Schiedsrichter hat sich wohl verguckt. Das kann immer mal passieren. Daran will ich das heutige Ergebnis nicht festmachen. (…) Es kann nicht unser Anspruch sein auf Platz 9 in der Tabelle zu stehen. Unser Ziel ist es schon zumindest so gut wie in der letzten Saison abzuschließen. Ich denke wir haben heute gezeigt, dass wir mit den großen mithalten können.

Die Borussen in der Einzelkritik:

Weidenfeller: 3- (Wirkte gerade bei hohen Bällen unsicher und beim Gegentor unglücklich.)

Dede: 3- (War am Gegentor beteiligt, setzte kaum Impulse in der Offensive.)

Santana: 2- (Zweikampfstark, gutes Stellungsspiel, hatte seinen Gegenspieler im Griff.)

Subotic: 3+ (Unauffällig, solide. Hatte sogar das 2:1 auf dem Fuß.)

Owomoyela: 3 (Zu Beginn schwach, steigerte sich im Laufe des Spiels und gliederte sich in eine gute Mannschaftsleistung ein.)

Hummels: 2 (Ein guter Bender-Ersatz. Verlieh der Defensive Stabilität und konnte Akzente in der Offensive setzen.)

Sahin: 2- (Zeichnete sich aus durch seine Zweikampfstärke und war stark bei Standartsituationen.)

Kuba: 2- (Hohe Laufbereitschaft und riss immer wieder Lücken in die gegnerische Defensive. Schaffte dadurch immer wieder Freiräume.)

Zidan: 4 (Unauffällig, unglücklich.)

Valdez: 3+ (Unermüdliche Lauf- und Zweikampfbereitschaft. Immer noch Schwächen im Abschluss.)

Barrios: 2- (Ein echter Torjäger! Ansonsten eher unauffällig!)

Feulner: 2- (Kämpferisch sehr stark, wirbelte die Bremer Defensive ordentlich durcheinander.)

Großkreutz: Keine Bewertung

Schmelzer: Keine Bewertung

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