Die BVB-Geschichte

Die Geschichte des BVB - Teil 2: Von 1909 bis 1918

15.02.2008, 02:00 Uhr von:  CHS

In dieser Rubrik findet ihr ab jetzt einen Rückblick auf über 100 Jahre Borussia Dortmund - und ein wenig mehr. Denn wir werfen auch einen kurzen Blick auf die Dortmunder Fußballlandschaft.

Gründungsvater und Ehrenpräsident: Franz Jacobi

Im Jahre 1909 hat das eher protestantische Dortmund bereits über 200.000 Einwohner. Die für vor allem die katholischen Immigranten aus Polen errichtete Dreifaltigkeitskirche in der Flurstraße nahe der „Weißen Wiese“ und der Hoesch-Westfalenhütte ist Keimzelle zahlreicher Theater-, Musik- und Sportvereine. Nach Auseinandersetzungen mit dem Kaplan Dewald wird am 19.12.1909, dem vierten Advent, in der Gaststätte „Zum Wildschütz“ der BVB 09 gegründet. Anfangs sind es rund 40 Mitglieder der Jugendgruppe, aber nachdem Kaplan Dewald versucht, diese Gründung zu verhindern und ihm der Zugang zur Versammlung verwehrt wird, springen einige Personen ab.

Somit reduzierte sich die Gruppe der Gründer auf Heinrich Cleve, Franz Braun, Hans Debest, Paul Dziendzielle, Franz Jacobi, Julius Jacobi, Wilhelm Jacobi, Hans Kahn, Gustav Müller, Franz Risse, Fritz Schulte, Hans Siebold, August Tönnesmann, Heinrich Unger, Fritz Weber, Franz Wendt und Robert Unger.

Zum ersten Vorsitzenden wurde HeinrichUnger gewählt. Kassierer und Geschäftsführer wurde Franz Jacobi. Auf den Namen „Borussia“ kamen die Gründer, als bei der Namenssuche der Blick von Franz Jacobi über ein Schild der Dortmunder Brauerei „Borussia“ ging. Da es keine anderen Vorschläge gab, entschied man sich für den Namen „Borussia“. Als Vereinsfarben wurde folgendes beschlossen: Das Trikot ist Blauweiß gestreift mit roter Scherpe, die Hose in Schwarz. Mit der roten Schärpe über dem Trikot zeigetn die Spieler ihre Verbundenheit mit der Arbeiterbewegung. Auch ein Vereinslied wurde beschlossen. Es sollte die Kernzeilen „Wir halten fest und treu zusammen“ und „Ball-Heil-Hurra! Borussia !“ beinhalten.

Fünf Tage später, am Heiligenabend beschuldigte Kaplan Dewald die Gründer des BVB einer Spaltung der Gemeinde. Deswegen wurden alle „Rebellen“ aus der Jünglingssodalität hinausgeworfen. Unter diesem Druck der Kirche verließen weitere Gründer den BVB und traten wieder der Sodalität bei. Auf die Entwicklung des BVB hatte das aber keine Wirkung mehr.

Im Jahr 1910 wurde Franz Jacobi neuer erster Vorsitzender bei Borussia und löste Heinrich Unger ab. Am 3.12.1910 wurde dann endlich die Fußballabteilung des BVB in den Westdeutschen Spielverband (WSV) aufgenommen. Bereits vorher war die Leichtathletikabteilung dort aufgenommen worden. Am 15.01.1911 fand das erste offizielle Spiel des BVB auf der Weißen Wiese statt. Das Spiel fand gegen den VfB Dortmund statt und die Borussen gewannen mit 9-3. Im gleichen Jahr wurde der BVB auch zum offiziellen Spielbetrieb zugelassen und startete in der C-Klasse. Es war die dritte und damit unterste Liga. Am 10.09.1911 fand dann auch das erste reguläre Meisterschaftsspiel statt.

Die BVB-Mannschaft von 1911

Der BVB gewann bei der Spielabteilung des Turnerbundes Rauxel mit 1-0. Bis zu diesem Spiel hatte der BVB nur so genannte „Gesellschaftsspiele“ bestritten – die heutigen Freundschaftsspiele. In der Saison 1911/12 wurde der BVB gleich Meister und stieg in die B-Klasse auf, in der er den dritten Platz erreicht. Aber durch einen Aufnahmestopp des WSV für neue Vereine änderte sich die Mitgliederzahl des BVB. Da die Vereine „Rhenania“, „Britannia“ und „Deutsche Flagge“ nicht in den WSV aufgenommen wurden, schlossen sie sich dem BVB an, dessen Mitgliederzahl dadurch auf 40 stieg.

Am 14.02.1913 genehmigte der WSV dem BVB den Wechsel der Vereinsfarben. Das neue Trikot ist nun zitronengelb und hat ein schwarzes „B“ auf dem Trikot. Diesen Vereinsfarben bleibt der BVB bis zum heutigen Tag treu.

Die Saison 1313/14 endete mit der Meisterschaft und dem damit verbundenen Aufstieg in die A-Klasse, die höchste Spielklasse zu dem Zeitpunkt. Wegen des 1. Weltkrieges wird die Saison 1914/15 abgebrochen. An Stelle von Meisterschaftsspielen fanden nur Freundschaftsspiele statt, deren Erlös dem Roten Kreuz zugute kam.

In dieser Zeit folgte dann eine unruhige Phase mit Spaltungen, Querelen und Platzproblemen.

BVB zum ersten Mal in Schwatzgelb

Zwar fand in der Saison 1917/18 wieder eine Meisterschaftsrunde statt aber noch ohne den BVB. Der Grund: Fast alle Spieler waren noch im Krieg und leider kamen einige der Vereinsgründer und Spieler auch nicht mehr zurück. Im ersten Weltkrieg sind gefallen: Franz Bien, Franz Braun, Paul Braun, Heinrich Cleve, Heinrich Diehl, Paul Dziendziella, Josef Hessing, Julius Jacobi, Hans Kahn, Gustav Pellmann, Franz Risse, Peter Schröder, August Tönnesmann, Franz Wendt und Alfred Werney. Für die BVB-Verantwortlichen, so erzählte Franz Jacobi, ist es selbstverständlich, die Familien, Freundinnen und weiteren Angehörigen noch monatelang nach dem Verlust ihrer Gefallenen zu betreuen und zu trösten. Erst wieder in der Saison 1918/19 nahm der BVB wieder am Spielbetrieb teil.

Im nächsten Artikel zur Geschichte unserer Borussia geht es dann um die Nachkriegszeit. Um den Aufstieg des BVB, den ersten eigenen Sportplatz, die Entwicklung des Derbys und um einen Spieler namens Lenz.

Bildmaterial:

  • Martin Betker - Martin sucht für seine Sammlung weiteres Material (Hefte, Tickets, Autogrammkarten etc.)

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