Fehlfarben

Ove, Luca?

22.04.2008, 10:15 Uhr von:  Redaktion

Luca Toni Vaffanculo (ital.): Ist wörtlich genommen ein Aufruf zum Geschlechtsverkehr. Jugendfrei wie wir sind, übersetzen wir es mal als „Verpiss dich!“ Was könnte das mit Luca Toni zu tun haben?

Es war gerade die 11. Minute in Berlin, als er mit seinen langen Beinen in den Strafraum eilte. Gerade rechtzeitig, um die Hereingabe von rechts in die Maschen zu treten. „Schon wieder der“, zürnte die schwatzgelbe Marathonkurve, während Luca Toni das tat, was wahrscheinlich alle Zehnjährigen in der bayerischen Landeshauptstadt vor dem Spiegel üben: Er zeigte mal wieder seine weißen Beißer, drehte mit der Hand am Ohr und kam nicht ohne die obligatorische Triumph-Handbewegung zum Stehen.

Über ausschweifenden Torjubel kann man geteilter Meinung sein. Gerne sehen wir Spieler auf Zäune klettern oder so tanzen, dass der TV-Kommentator glaubt, es wäre typisch brasilianisch. Auch die gelbe Verwarnkarte für ein gelupftes Trikot ächten wir selbstverständlich als blödsinnige Erfindung dicker Fußball-Funktionäre. Doch der Torjubler Tonis, er gehört als Foul ins Regelwerk.

Die Ausbeute des modenaischen Mittelstürmers ist schon ziemlich beeindruckend: Bislang 20 Tore in der Liga, zehn im Uefa-Cup und, ja, fünf im DFB-Pokal. Mit seinem zweiten Treffer in der Verlängerung des Berliner Finales gelang es dem Italiener zum vierten Mal innerhalb einer Woche, den Ball über eine BVB-Torlinie zu befördern. Auch dieses Ereignis feierte der Elf-Millionen-Einkauf natürlich mit seinem Standardprogramm, das inzwischen so unspontan und unnatürlich wirkt wie alle jubelnden Bayernfans.

Doch es hätte nicht einmal dieses finalen Dolchstoßes ins Dortmunder Herz bedurft, um Hassfigur der Fans aus dem Ruhrgebiet zu sein. Schon während der zweiten Halbzeit schmähten sie den 1,94-Mann hingebungsvoll mit dem, was wir hier „Verpiss dich!“ nennen wollen, angereichert mit anderen wertvollen Elementen des Volkshochschulkurses Italiano uno. Solange Toni noch mit den Tücken des Deutschen kämpft, wird er halt in seiner Muttersprache beleidigt.

Luca Toni im Zweikampf mit Christian Wörns Was macht den bekennenden Langhaarträger nur so unglaublich unsympathisch? Natürlich erst einmal sein Erfolg. Wer andere Teams so oft zum Verlieren bringt, wird von deren Anhängern eben nicht gemocht. Dumme Floskeln wie „typisch italienisch“ sind hier nicht angebracht, dennoch zeigt der Spieler mit der Rückennummer Neun eine ständige Tendenz zum Lamentieren. Nach jedem verlorenen Zweikampf geht der Blick entweder zum Schiedsrichter oder gen Himmel. Überflüssig zu erwähnen, dass Toni selbst auch ein guter Austeiler ist. Kurz, so einer, den 11-Freunde-Redakteur Jens Kirschneck meint, wenn er schreibt: „Es gibt Spieler, die erträgt man nur in der eigenen Mannschaft. Spielen sie für den Gegner, hasst man sie wie die Pest. Weil sie fallen, provozieren, krakeelen, Rudel bilden und mit Zweitnamen Täuschungsversuch heißen.“


So einen, der wie Toni aus jeder Lage traf, hatten die Bayern schon einmal in jüngerer Vergangenheit unter Vertrag. Er hieß Roy Rudolphus Anton Makaay, steuerte 78 Tore und 26 Vorlagen in 129 Ligaspielen bei und gefiel durch seine Bescheidenheit. Einmal sagte er: „Ich könnte nicht zu Werder Bremen wechseln. Dafür ist meine Liebe zu Bayern zu groß.“

Noch ist dein Image nicht in Stein gemeißelt: Ove, Luca? Wohin gehst du?


Felix, 22.04.2008

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