Eua Senf

Europapokalsieg in Rumänien

31.10.2003, 00:00 Uhr von:  Gastautor
Europapokalsieg in Rumänien

Der BVB hat bekanntermaßen nicht nur eine Fußball-Abteilung. Neben den Kickern sind die Handball-Damen ein weiteres Aushängeschild des Vereins. In Rumänien konnten die Mädels einen besonderen Triumph feiern: den Europacup-Sieg.

Vor einiger Zeit bekam schwatzgelb.de folgenden Bericht:

Einmal die BVB-Handballdamen zu einem internationalen Auswärtsspiel begleiten - das war ein Versprechen, das ich mir schon 1997 in der Westfalenhalle bei einem internationalen Spiel der Handballerinen gab. Auch damals standen sie in einem Cupfinale, verloren aber gegen Ljubiana nur wegen des Torverhältnisses. Präsident Gerd Niebaum versprach damals, die Halle 1 voll zu machen und hat es auch fast geschafft: Mit 8700 Zuschauern stellte der BVB einen europäischen Zuschauerrekord auf.

Damals wurde mein Interesse geweckt, auch wenn der Support erst einmal ?daneben? war. Doch mit mehreren Spielbesuchen wurde das anders. Immerhin ist die Handballabteilung ein Teil des Vereins und verdient den gleichen Respekt wie die Fußballer oder die Tischtennisabteilung, die sich in er zweiten Liga wacker schlägt.

Gesagt, getan: Am 17. Mai war es dann soweit, nach dem BEST ein faires Angebot für die Reise machte ( 299 Euro ). Morgens um 7 Uhr ging es mit dem Flieger ab Dortmund-Wickede los. Das Angebot umfasste Flug, Übernachtungen im Mannschaftshotel, Transfers zur Halle und Hotel, Eintrittskarte und das offizielle Bankett mit den Mannschaften und den Funktionären des europäischen Verbandes.

Kurz nach sieben Uhr ging es los: Elf BVB-ler, ein Reporter der Westfälischen Rundschau, einer der Ruhr Nachrichten sowie ein Journalist von Radio 91,2, der live auf Sendung ging. Nach dem auch die Stewardess vom Trainer aufgeklärt wurde, das es nach Rumänien ins Städtchen Baia Mare ging, stand das Kennen lernen von Mannschaft, Vorstand und Presseleuten im Vordergrund. Ich fand es schon klasse, wie sich alle dafür interessierten, dass ein Fußball-Fan an Bord war. Stolz erzählte mir auch ein Vorstandsmitglied, dass es schon super wäre, dass elf Dortmunder ihre Mannschaft begleiten. Dies war Rekord! Nach vielen interessanten Gesprächen landeten wir, und es ging ziemlich zügig ins Hotel.

Nun begannen einige Mitfahrer, das lokale Bier zu testen, was bei einem Preis von ca. 40 Cent für einen halben Liter ganz ?anständig? war. Für mich ging es zu einer der zahlreichen Wechselstuben, um mir einen Koffer voller Geld zu besorgen. Zur Info: ein Euro entspricht ungefähr 37000 Leu. Schnell eine Sportzeitung gekauft und ab zur Empfangsdame im Hotel, die des Deutschen mächtig war. Fünf Mal erklärte ich ihr, dass das Spiel doch morgen sei und ich noch Zeit hätte, um mir ein Fußballspiel anzuschauen. Nach weiteren Versuchen half sie mir dann auch, ein Spiel rauszusuchen, stammelte aber immer was von Handballmannschaft und wieso Fußball? Das Problem des Hinkommens war dann auch ?schnell geregelt?. Für 38 Euro stand mir ein Taxi den ganzen Tag zur freien Verfügung.

Nach einer 150 km langen Fahrt ins ferne Bistritu, im Herzen Transylvaniens, betrat ich denn also das Stadion Gloria. Das bestand aus zwei unüberdachten Tribünen, immerhin ausgestattet mit UEFA-genormten Sitzplatzschalen. Es gibt noch eine Stehplatz-Tribüne, die aber gesperrt war (Einsturzgefahr). Das Fassungsvermögen liegt bei 12000. Das Stadion liegt romantisch am Fluss mit steil hochragenden Bäumen ? ähnlich wie in Freiburg. Allerdings waren bloß rund 1500 Zuschauer auf den Rängen ? Gäste-Fans waren überhaupt nicht da. Immerhin versuchte der kleine Kern Heimfans (ungefähr 20 Kiddies) auf Teufel komm raus Stimmung zu machen. Zaunfahnen oder Ähnliches gab es nicht. Immerhin: Der Eintritt war mit 1,10 Euro für mich erschwinglich. Zurück im Hotel, ließ ich den Tag in der gegenüberliegenden Disco bei zehn bis 14 ¾ Bier ausklingen.

Zu einer unchristlichen (10 Uhr) schrillte am nächsten Morgen der Wecker. Schon eine halbe Stunde später enterte ich die Halle. Wie es sich gehört, verkündeten die elf Borussen mit lautem Gebrüll ?Hurra, Hurra, die Dortmunder sind da!? Mein erster Gedanke war: ?Wahnsinn! Die Halle fasste offiziell 3600 Zuschauer, es waren aber locker 4000 oder mehr da. Selbst Zaunfahnen gab es. Beim Einlaufen der Mannschaften wurden etliche Kassenrollen geworfen ? es sah einfach klasse aus, und die Stimmung war nur geil, laut und nachher ein wenig aggressiv.

Die Schiris waren wohl so angetan von der Stimmung, dass sie 14 Siebenmeter gegen Dortmund pfiffen, einfach unglaublich. Das Geld, das an die Schiris geflossen ist, wurde wohl per LKW rausgeschafft. Noch mal zur Stimmung: 4000 Personen grölten, schrieen, pfiffen, lamentierten ? Wahnsinn. Eigentlich ist so ein Verhalten beim Frauenhandball als super unfair zu bezeichnen. Jeder, der mal dort hingeht, sollte sich auch dessen bewusst sein. Dort ticken die Uhren halt anders, und vielleicht sollte man zumindest in der deutschen Liga auch beherzigen. Auch wenn?s schwer fällt. Dies bezüglich überlegt der Vorstand sogar, Fussball-Fans nicht mehr umsonst in die Halle zu lassen, zumal beim Hinspiel üble Gesänge gegen Baia Mare angestimmt wurden, die auch nicht zu tolerieren sind.

Naja, auf jeden Fall holten unsere Mädels den Pott, und es ging zurück ins Hotel, wo wir auf Wunsch des BVB-Vorstands am Bankett teilnehmen durften. Über den Wolken wurde schließlich bei BVB-Songs, Schlagern, Bier, Schnaps und Wein kräftig gefeiert.

Geschrieben von Pedro

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