Im Gespräch mit...

schwatzgelbes Halbzeitgespräch mit Dietmar Bär

13.05.2002, 00:00 Uhr von:  Redaktion

Dietmar Bär wurde am 05. Februar 1961 in Dormund geboren. Der Metzgersohn besuchte nach dem Abitur am Leibnitz-Gymnasium von 1982 bis 1985 die Westfälische Schauspielschule Bochum und spielte schon während seiner Ausbildung kleine Rollen am Bochumer Schauspielhaus. Ab 1985 folgten für den aufstrebenden Jungdarsteller Engagements am Landestheater Tübingen und an den Wuppertaler Bühnen.

Das schwatzgelbe Halbzeitgespräch
Das schwatzgelbe Halbzeitgespräch

Für seine schauspielerischen Leistungen neben Götz George in dem Schimanski-Tatort "Zweierlei Blut" und in Dominik Grafs "Treffer" findet er nachhaltig große Resonanz. Bereits 1986 erhielt Bär den "Deutschen Darstellerpreis für den Nachwuchs".

Mit seinem Tatort- Kollegen Klaus J. Behrendt verbindet ihn auch privat eine enge Freundschaft. Zusammen standen die beiden in Berlin lebenden Schauspieler noch in Kaspar Heidelbachs "Leo und Charlotte" und in Thomas Jahns Flop "Kai Rabe gegen die Vatikankiller" vor der Kamera. Zusammen mit Klaus J. Behrendt erhielt er außerdem im Oktober 2000 den "Deutschen Fernsehpreis" für den besten Schauspieler Serie.

Wolf-Dietrich Brücker, Redakteur in der Fernsehfilmabteilung des WDR, beschrieb das Duo einmal wie folgt: "So ein Oberkommissar Freddy Schenk (alias Dietmar Bär) ist ein etwas korpulenterer Typ, der ein gutes Essen und ein paar Bierchen schätzt und mit den Mädels eher Schwierigkeiten hat. Was man von Hauptkommissar Max Ballauf (alias Klaus Behrendt) nicht sagen kann. Der ist für viele Frauen der attraktivere Typ, aber sein Privatleben wird im Film zum Beispiel immer nur angespielt."

Man kennt ihn im TV ab 1993 außerdem als gewichtigen wie gewieften Sportarzt Conny Knipper und natürlich als unaufgeräumten kölschen "Tatort"- Kommissar Freddy Schenk (seit 1997): Medien-Star Dietmar Bär. Die Augen grün, die Haare weizenblond und stoppelkurz, sein Tonfall verrät seine Herkunft aus dem Ruhrpott. "Wenn ein Schauspieler aufhört, Neuland zu entdecken, ist er so gut wie tot", dröhnt die kräftige Stimme des Revierfreundes Dietmar Bär. So gesehen ist der Dortmunder- Hombrucher höchst lebendig.

Sein Interesse für die Schauspielerei entdeckte Dietmar Bär 1977, als er am Schultheater des Dortmunder Leibniz-Gymnasiums eine Rolle in "Biedermann und die Brandstifter" spielte. Nach dem Abitur bewarb sich Bär zunächst bei der Schauspielschule in Hamburg, die ihn mangels Talent ablehnte, dann in Bochum, wo man ihn nahm.

Bär liebt die kräftige Sprache des Ruhrpotts wie die gemütlichen Kneipen. "Bühnen des Lebens" nennt er sie. Was sich da abspielt, wird abrufbereit gespeichert. "Schauspielen ist das Neuordnen privater Mittel", hat ihm sein Professor auf der Schauspielschule in Bochum beigebracht. Entsprechend unprätentiös sieht der Ruhelose weiterhin seinen Beruf: "Schauspielerei ist Handwerk. Wenn man es beherrscht, hat man Tricks und große Sprüche nicht nötig."

Dem Theater blieb Bär auch nach seiner Ausbildung treu: Er spielte den Marc Anton in Shakespeares "Julius Cäsar", in Schillers "Räuber" oder Brechts "Baal". Doch erst drei TV-Krimi-Rollen machten ihn bekannt: als kantiger Duisburger Fußball-Hooligan an der Seite von Götz George im Schimanski-Tatort "Zweierlei Blut" (1984), als Kommissar an der Seite von Willy Millowitsch in der "Kleefisch"- Krimireihe (1989-1995), und als Kripomann in der Serie "Blank Meier Jensen" (1992).

Im Kino sah man Dietmar Bär bereits 1985 in einer kleinen Rolle an der Seite von Heiner Lauterbach und Uwe Ochsenknecht in Doris Dörrie´s Erfolgsfilm "Männer" (1985). Seit Mitte der 90er Jahre war Dietmar Bär immer wieder in größeren TV-Rollen zu sehen, wie etwa in Wolfgang F. Henschels "Echt Harder" (1995), in Kaspar Heidelbachs "Der Serienkiller - Klinge des Todes" (1997) an der Seite seines "Tatort"- Vorgesetzten Klaus Johannes Behrendt (geb. 7.2.1960 in Hamm/Westfalen. Er interessiert sich privat nicht für Fußball, deshalb lehnte er auch die Rolle eines Schalke-04-Fans ab, die im Kinofilm "Fußball ist unser Leben" (D 2000) schließlich von Uwe Ochsenknecht übernommen wurde), mit dem er erstmals 1991 in "Leo & Charlotte" zusammenspielte, in Dagmar Dameks "Leben in Angst" (1997), und als Inspektor in Sigi Rothemunds "Lebenslang ist nicht genug" (ebenfalls 1997).

Köstlich war übrigens seine Rolle als Dicker, der unbedingt abnehmen soll, an der Seite von Unikum Jürgen Tarach (Die Musterknaben) in der Komödie "Durch dick und dünn" (1997). Im Kino sah man Dietmar Bär als im gleichen Jahr - wieder an der Seite von Klaus J. Behrendt - als Produzent in dem Flopp "Kai Rabe gegen die Vatikankiller". 1998 und 1999 drehte Dietmar Bär aber vorwiegend neue "Tatort"- Episoden.

Außerdem sah man Dietmar Bär in dem gelungenen Drama "Ganz unten, ganz oben" (1999) von Matti Geschonneck, in "Das Gelbe vom Ei" (1998, mit Moritz Bleibtreu und Heike Makatsch). In Kaspar Heidelbergs Kinoproduktion "Nie mehr zweite Liga" (1999) mit dem bekennenden Schalke-Fan Peter Lohmeyer und Nina Petri (beides Freunde aus Bär´s Zeit an der Schauspielschule) und dem Dortmunder Landsmann Dieter Paff (siehe Foto links oben), stellte er den direkten Bezug zur Heimatstadt dar. Regisseur Heidelbach drehte die TV-Komödie 1999 in Dortmund und Umgebung sowie in Köln. Dank der guten Darsteller kam hier trotz einiger "seltsamer Zufälle" spaßige Unterhaltung mit viel Ruhr-Lokal-Kolorit heraus.

Peter Thorwarths gewann Bär zuletzt für den gerade erst angelaufenen Revier-Knaller: "Was nicht passt, wird passend gemacht" (2002). Darin spielt Dietmar Bär den Unternehmer Werner Wiesenkamp, der zwar eine Villa mit Pool und Partykeller, ein Privatflugzeug und einen Mercedes 500 SL hat - aber keine Kohle mehr. Mit dem Lohn ist er ebenso seit Wochen im Rückstand wie bei dem Bau eines Hauses, seinem einzigen Projekt. Trotzdem gibt er im Garten einen üppigen Brinkhoffs-Frühschoppen, um die Rathausherren bei der Vergabe öffentlicher Bauaufträge für sich einzunehmen... Eine typische Proll- Rolle a la Ruhrpott eben...

Auch Thorwarths erster Ruhr-Kult-Film "Bang Boom Bang" spielte schon in Dortmund und Unna, und fast möchte man ihm auch diesmal raten, eine Art "Unna-Trilogie" daraus zu machen - er schafft nämlich den Balanceakt, voll Wärme von diesem Sammelsurium gescheiterter Existenzen zu erzählen, und dennoch gelegentlich einen ehrlichen, gemeinen Blick zu riskieren auf den kleinstädtischen Filz, auf schlechten Geschmack und dahinrottende Moral; und genau darin bestehen Charme und Witz von "Was nicht passt, wird passend gemacht". Wenn Thorwarth Speckröllchen in Polyester aus der Nähe zeigt oder die aufgesetzte Fremdenfreundlichkeit des Lehrerpärchens, dem Sözer immer vorspielt, er könne kaum deutsch - dann tut es schon fast ein bisschen weh, hinzusehen, das ist mehr als nur die üblichen Goldkettchen-Orgien. Und nach und nach setzt sich das Bild einer deutschen Kleinstadt zusammen. Der "Kölner Klüngel" sieht richtig langweilig aus daneben, schrieb die SZ erst kürzlich.

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BÄR: Das ist schwer zu sagen. Ist eigentlich ein zu komplexe Frage, denn das hängt sehr mit einem etwaigen Drehbuch zusammen. Vielleicht aber sogar so wie in ?Nie mehr 2. Liga.?

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schwatzgelb.de: Wenn Du die Wahl hätten zwischen Deiner jetzigen Aufgabe und einer Karriere als Fußballprofi beim BVB, welche würdest Du wählen?

BÄR: Auch ein erfolgreiches und erfülltes Profileben geht mit Mitte/Ende 30 zu Ende, aber als Schauspieler darf man auch als 100 jähriger noch ran...

schwatzgelb.de: In einem Deiner früheren Tatorte endet die Schlusssequenz damit, dass Du im grauen BVB-Torwarttrikot im Kasten stehst und die Kids versuchen, Dir einen rein zu tun. Wäre das Deine Position geworden, wenn Dir der Traum eines Profifußballers erfüllt worden wäre?


BÄR: In der Tat, der Keeper wäre es gewesen. Ich bin nie gern gegrätscht, grottenschlecht im dribbeln gewesen, aber katzenhaft schnell zwischen den Pfosten getaucht, leider nie im Verein.

Steilpass

schwatzgelb.de: Wie hältst Du Dich auf dem laufenden über die Geschehnisse rund um den BVB?

BÄR: KICKER- Leser wissen mehr, aber auch bei Euch erfährt man genug, um die Grundbedürfnisse zu stillen.

schwatzgelb.de: Wie siehst Du die Arbeit von Matthias Sammer, was macht er anders als seine Vorgänger?

BÄR: Das sind Fragen, die das magische Moment der Trainerkunst berühren... sorry (lacht)

Abseits

schwatzgelb.de: Was macht für Dich den Unterschied des BVB zu Vereinen wie dem FC Schalke 04 und Bayern München aus?

BÄR: Es ist der Verein meiner Heimat, meiner Roots und meines Herzens. Das wird immer so bleiben. Jeder ?echte? Fan aus den andern beiden Städten würde nichts anderes sagen! Diese Liebe vergeht nie!

Elfmeter

schwatzgelb.de: Angenommen, Kultregisseur Helmut Dietl schickt Dir einen Scheck über 1 Mio. Euro als Darlehen für eine künftige Kietz-Rolle. Was machst Du damit?

BÄR: Ich würde die Kohle sofort an den Fußballgott zum DFB weiterleiten für das Projekt "Team 2006!"

Freistoss

schwatzgelb.de: 1 Frage 3 Antworten: Was fasziniert Dietmar Bär am BVB?

BÄR: Drei Antwortpositionen reichen da nicht aus, aber auf unsere Südtribüne bin ich echt immer wieder stolz!

Aufstellung

schwatzgelb.de: Wer war oder ist Dein Lieblingsspieler beim BVB?


BÄR: Jürgen Kohler Fußballgott! Bei dieser Gelegenheit: Tschüss Jürgen...

schwatzgelb.de: Welchen Spieler würdest Du gerne einmal im Dress des BVB spielen sehen?

BÄR: Alle, die gut sind und das Zeug haben, in unserer schwatzgelben Hölle zu bestehen!

Dietmar Bär´s "AllStar-Team"

Tor: Tillkowski

Abwehr: Metzelder, Sammer, Cesar, Kohler, Huber

Mittelfeld: Rosicky, Möller, Ricken

Sturm: Chapuisat, Emmerich

Abpfiff

schwatzgelb.de: Nun ist Dietmar Bär ja ein umtriebiger Mensch. Was also gibt es demnächst neues im Fernsehen zu sehen?

BÄR: Wir haben noch ein paar knackige fertiggestellte TATORTE auf Lager. Zu Zeit drehen wir wieder einen mit Top aktuellem Thema...

schwatzgelb.de: Was wünscht Du Dir für die Zukunft, bezogen auf Borussia Dortmund?

BÄR: Das der Verein Borussia Dortmund niemals vergisst, was ihn ausmacht...

schwatzgelb.de: Wir danken Dir für das Gespräch

Geschrieben von BoKa

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