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Warmlaufen - 03.03.2018

Bewerbungsschreiben

Beliebtheit sieht anders ausGeschätzter Herr Mateschitz, mit großer Besorgnis musste ich den Absturz Ihres Unternehmens zur Kenntnis nehmen. Die Tendenz, ihr Premium-Produkt von diversen Discountern zu niedrigsten Preisen verramschen zu lassen, kann wohl kaum in Ihrem Interesse sein. Daher möchte ich Ihnen und Ihrer Marketingabteilung im Folgenden ein paar nützliche Tipps an die Hand geben.

Zunächst einmal muss ich Sie leider in Kenntnis darüber setzen, dass Ihre Marketingabteilung bei der Recherche kläglich versagt hat. Wie konnten Ihre Mitarbeiter übersehen, dass die Bundesliga lediglich Mittelmaß in Europa darstellt? Wenn Sie schon in einer zunehmend kommerzialisierten Fußballwelt Ihre Marke in einer Liga platzieren möchten, dann doch sicherlich in einer der besten Ligen und nicht in einer eher zweitklassigen und unbedeutenden. Sie lassen Ihre Rennbulliden schließlich auch in der Formel 1 fahren und nicht auf Rennstrecken für Modellautos. Die Grundidee, einen Gegenpol zum großen FC Bayern zu bilden, interessiert in der Bundesliga eigentlich wirklich niemanden mehr. Hinzukommt, dass sobald Sie nur in die Nähe des FCB kommen, Sie zum Feind erklärt werden, der „vernichtet“ wird. Was glauben Sie, warum Ihr Trainer seinen Vertrag nicht verlängern möchte, und bei welchem Verein zur nächsten Saison eine Trainerstelle vakant ist?! Und ewig nur Nummer zwei zu sein, ist auch kein gutes Image. Fragen Sie mal in Leverkusen nach. Meine Empfehlung: Kaufen Sie einen Verein in England oder Spanien, dort ist man in der Kommerzialisierung bereits viel fortschrittlicher als in der Bundesliga.

Nicht mehr unumstritten in Leipzig

Bereits bei dem Start ihrer Werbekampagne im Bereich Fußball schlug Ihrem Unternehmen eine Menge Gegenwehr entgegen. Die Gegenwehr einiger unbekehrbaren, traditionalistischen Fußballrebellen kündigte sich schon damals an. Gewiss sind auch negative Schlagzeilen Schlageilen, die Aufmerksamkeit bewirken. Aber ein so sauberes und vorbildliches Unternehmen wie das Ihrige hat ein Negativ-Image doch gar nicht nötig, um bekannt zu werden. Dass einige von Ihnen geförderten Extremsportler wirklich daran geglaubt haben, dass ihr Getränk Flügel verleiht, bevor sie in den Tod gesprungen sind, spricht sicherlich für Ihre Marketingabteilung. Aber ganz ehrlich, wozu braucht ein Fußballer bitte schön schon Flügel, wenn er nicht Timo Werner heißt und im gegnerischen Strafraum abheben möchte. Sie merken schon, dass ich viele positive und sinnvolle Aspekte Ihrer Marketingabteilung sehr wohl in meiner Bewertung berücksichtige. Meine Empfehlung: wandeln Sie Ihr Marketingprodukt in einen richtigen Verein um, der die DFL-Statuten erfüllt. Gerne können Sie als Hauptsponsor erhalten bleiben.

Zum Standort Leipzig: Chapeau! Selbst der gemeine Fußballfan aus dem Westen würde sich über einen Bundesligisten aus dem Osten, noch dazu aus Leipzig, freuen. Allerdings unter anderen Umständen. Hinzukommt, dass auch so manch ein Leipziger gekrängt ist, nur die dritte Wahl nach Düsseldorf und Hamburg zu sein, welche Ihnen zuvor als Standort für Ihr Marketingprojekt eine klare Absage erteilt haben. Selbst der Slogan „Echte Liebe“ klingt noch besser als „Liebe auf den dritten Blick“. Eine Person, die versucht mit jedem oder jeder anzubandeln, hat am Ende des Tages auch nicht mehr das beste Image. Spätestens hier sollte Ihnen der Zusammenhang zwischen den aktuellen Schleuderpreisen ihres Getränkes und den Fehlern ihrer Marketingabteilung deutlich werden. Meine Empfehlung: Kaufen Sie einen Strauß rote Rosen.

Demonstration vor dem Heimspiel gegen RB in der Hinrunde

Auch der sportliche Absturz ihrer Mannschaft wirkt sich negativ auf das Image Ihres Produktes aus. Platz sechs in der Bundesliga und der Abstieg aus der Champions-League hinab in die Euro-League bereiten Ihrer Marketingabteilung sicherlich schon Kopfschmerzen. Auch hier hätte ihre Abteilung sich im Vorfeld besser informieren müssen. Nämlich darüber, dass im Fußball nicht immer alles bis ins letzte Detail planbar ist. Verletzungen, Krankheiten, Schiedsrichter, Spieler, die Ihr Marketingobjekt nur als Sprungbrett zu einem größeren Verein sehen, und zu guter Letzt der Gegner, der auch einen Einfluss auf den Ausgang eines Spiels hat. Die Gefahr, regelmäßig negative Schlagzeilen zu produzieren, ist im Fußball schnell gegeben. Ähnlich wie Ihr Premium-Produkt in Dosen befindet sich ihre Werbeplattform in Leipzig in einem negativen Abwärtsstrudel. Zuletzt musste man sogar gegen den Tabellenletzten eine bittere Heimniederlage einstecken. Alles andere als förderlich für eine Marke, die für Erfolg stehen möchte. Meine Empfehlung: Gründen Sie eine eigene Fußball-Liga, in der Ihr Marketingprodukt dann jedes Jahr ganz oben steht. Alternativ dazu: Ziehen Sie sich aus dem Bundesliga-Spielbetrieb vollkommen zurück und richten Sie nur noch Freundschaftspiele gegen „die großen“ Vereine, gerne auch international, aus. Sie werden sehen, die Zuschauerzahlen werden vermutlich im Schnitt noch steigen und die Stimmung in Ihrem Stadion wird sich kaum verschlechtern. Hinzukommt, dass Sie nicht mehr an die suboptimalen Anstoßzeiten der DFL gebunden sind und gerade die öffentlich-rechtlichen Sender würden sich geradezu um die Premium-Zeit 20:15 am Samstagabend prügeln. Wenn Sie dann noch Helene in die Halbzeitshow einbauen, wird die Reichweite ihrer Marketingkampagne ins Unermessliche steigen.

Wer ist eigentlich schlimmer? DFL oder RB?


Ganz unter uns: Ein Sieg gegen den aktuellen BVB will doch niemand mehr sehen. Weder im Stadion noch im TV. Selbst beim BVB sind die Zuschauerzahlen rückläufig. Zuletzt waren bei einem Heimspiel lediglich 54.000 Zuschauer anwesend. Dabei würde ich nicht alles nur auf das Wetter und den Montag als Spieltag an sich schieben. Vielmehr ist es der Verdruss an der Spielweise des BVB, die in den letzten Wochen förmlich einschläfernd und unmotiviert wirkt - so, wie man sich halt die Arbeitsweise von Beamten in der Regel vorstellt. Gerade der BVB ist ein Paradebeispiel dafür, wie schlecht sich Normalmaß lukrativ vermarkten lässt. Auch hier gehen die Umsatzzahlen im Merchandise-Bereich seit 2013 stetig zurück. Da helfen auch keine Nationalspieler auf dem Platz, um das ganze Konstrukt aufzuwerten, da hilft nur noch Helene in der Halbzeitpause.

Sehr geehrter Herr Mateschitz, sollten Sie mir in einigen Punkten zustimmen, dürfen sie diesen Brief gerne als Bewerbung für eine Stelle in Ihrer Marketingabteilung ansehen.


So könnten sie Spielen:

BVB: Bürki - Piszczek, Akanji, Toprak, Schmelzer - Dahoud, Weigl - Schürrle, M. Götze, Reus - Batshuayi

Leipzig: Gulacsi - Klostermann, Orban, Upamecano, Bernardo - Demme, Kampl - Sabitzer, Forsberg - Y. Poulsen, T. Werner


Christoph 2.3.2018


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