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Warmlaufen - 11.05.2018

"Freunde haltet durch"

                                                            Haltet durch!Als die Mannschaften letzten Samstag zur zweiten Halbzeit aus den Kabinen kamen, zierte ein großes Banner die Südtribüne. „Haltet durch, Freunde“. Auch wenn die Intention eine andere war, besser hätte man die derzeitige Situation nicht zusammenfassen können. Noch 90 Minuten durchhalten, dann hat diese Katastrophensaison ein Ende. Nicht nur, dass der BVB sich selbst immer wieder auf wie auch neben dem Platz äußerst miserabel präsentierte, der Blick auf das erste Drittel der Tabelle erzeugt Übelkeit. Neben der glorreichen Borussia stehen dort die Unsympathen und Konzernvereine der Liga. Kein schöner Anblick. Aber noch 90 Minuten durchhalten, dann ist die Saison Geschichte.

Dass die 90 Minuten dabei kein lockeres Auslaufen werden, sondern die Qualifikation zur Champions League auf dem Spiel steht, hat die Mannschaft sich gegen Mainz selbst eingebrockt. Wie eine Mannschaft es schaffen kann, mit besten Voraussetzungen am 33. Spieltag eine der schwächsten Saisonleistungen abzurufen, bleibt unerklärlich. Vielleicht wollte man dafür sorgen, dass nach dem Spiel auch wirklich nur Roman Weidenfeller gefeiert wird und nicht noch irgendwelche unwichtigen Europa-Cup-Qualifikationen…

Nun kommt es also zum Endspiel in Hoffenheim. Die Voraussetzungen für die erneute CLQualifikation sind dabei aber immer noch gut. Die Schwäche der Konkurrenz sorgt, wie schon so häufig diese Saison, für eine komfortable Ausgangslage. Der BVB zieht in die Champions League ein, wenn er

  • gewinnt
  • unentschieden spielt
  • mit maximal einem Tor Unterschied verliert
  • mit mehr als einem Tor Unterschied verliert und Leverkusen gegen Hannover nicht insgesamt 7 Tore auf den BVB aufholt.

Der Gegner aus Hoffenheim hat in den letzten Wochen eine beeindruckende Aufholjagd gestartet. Noch am 24. Spieltag rangierten Hopps Leibeigene auf Platz 9, ehe man 9 Spiele in Serie nicht verlor und das Feld von hinten aufrollte. Erst am letzten Spieltag gab es mit dem 0:2 in Stuttgart wieder eine Niederlage. Zudem fällt mit Serge Gnabry einer der Hauptakteure in der Offensive aus. Nichtsdestotrotz bringt Hoffenheim mit Andrej Kramaric (12 Saisontore) und Bald-Schlumpf Mark Uth (14 Tore) genug Torgefahr mit um die Dortmunder Defensive zu beschäftigen. Zudem sind die Kraichgauer in dieser Saison äußerst heimstark.

Apropos Dortmunder Defensive: Diese könnte, passend zur Situation, in komplett neuer Formation auflaufen. Sokratis (5. Gelbe Karte) wird definitiv fehlen, bei Toprak ist ein Einsatz zumindest noch nicht endgültig ausgeschlossen. Dan-Axel Zagadou ist wieder einsatzbereit, ob er allerdings nach langer Verletzungspause direkt eine Alternative für die Startelf sein wird, darf bezweifelt werden. Manuel Akanji wird auf jeden Fall in die Mitte rücken, Marcel Schmelzer links verteidigen. Sollte es für Toprak nicht reichen, könnte entweder Lukasz Piszczek als Innenverteidiger einrücken und Jeremy Toljan als Rechtsverteidiger auflaufen oder Peter Stöger entscheidet sich für eine Dreierkette mit Schmelzer, Akanji und Piszczek.

Wichtiger als jede Personalentscheidung ist jedoch, dass die gegen Mainz arg vermisste Leidenschaft wieder Teil des Teams wird. Ein ähnlich blutleerer Auftritt würde einer verkorksten Saison die Krone aufsetzen.

Doch bei allem Ärger, den diese Saison mit sich brachte, es gab auch schöne Momente. Und zum versöhnlichen Abschluss hier noch die völlig subjektiv ausgewählten 09 schönsten Momente der Saison 2017/18 in wertungsfreier Reihenfolge:

  • Der Abschied von Roman Weidenfeller                                         Danke!
  • Nach 16 Jahren hängt Roman Weidenfeller die Handschuhe an den Nagel. 16 Jahre mit viele Höhen („Habemus Roman“) und einigen Tiefen („Weidenfehler“). Der Abschied letzte Woche war dieser Karriere absolut würdig. Dass Roman als letzte Amtshandlung eine völlig verunsicherte Mannschaft mit vor die Südtribüne nahm, zeigt einmal mehr, dass hier ein weiterer Führungsspieler demnächst schmerzlich vermisst werden wird.

  • Das 6:1 gegen den ostholländischen Bauernverein
  • Es war der Höhepunkt der kurzen Bosz-Ära. In einem begeisternden Offensivspektakel wurde die falsche Borussia mit 6:1 nach Hause geschickt und durch das Westfalenstadion wehte ein bisschen der Geist von 2010/11. Leider war der Geist nur auf Kurzbesuch, aber das wusste in diesem Moment ja zum Glück noch keiner.

  • Das Comeback von Maximilian Philipp
  • Am 02. Dezember zog Maximilian Philipp sich gegen Leverkusen eine Knieverletzung zu. Die Fernsehbilder damals sahen so dermaßen scheiße aus, dass sich jeder Beobachter fragte, ob das Knie überhaupt jemals wieder stabil wird. Doch Philipp feiert nach nur 3 Monaten in Leipzig sein Comeback. Mit 9 Toren in 21 Spielen hat der anfangs durchaus skeptisch beäugte Neuzugang eine mehr als passable Saison hingelegt. Mögen noch viele verletzungsfreie folgen.

  • Die Schlussphase des Spiels gegen Eintracht Frankfurt am 26. Spieltag
  • Na klar macht es Spaß, wenn man einen Gegner aus dem Stadion schießt und einen ungefährdeten Kantersieg landet. Aber noch viel mehr Spaß macht es, wenn man dem Gegner kurz vor Schluss den Ausgleich erlaubt, nur um dann in der Nachspielzeit das Siegtor zu erzielen. Ist aber herzgefährdend, sollte deswegen nicht zu häufig vorkommen.

  • Die Ballmitnahme von Jaden Sancho im Spiel gegen Leverkusen
  • Es lief die 63. Minute im Spiel gegen Leverkusen, als Manuel Akanji Jaden Sancho mit einem langen Pass auf die Reise schickte. Dieser nahm den Ball lässig mit dem Außenrist mit und während das Stadion noch ob der Mitnahme staunte, vollendete Maximilian Philipp den anschließenden Querpass zum vorentscheidenden 3:0. Fußballerisch einer der Glanzmomente dieser Saison.

  • Das Banner der Südtribüne gegen Leipzig
  • „Die Wand der Schande grüßt die Schande der Liga“. Pointiert, passend, gut. Scheiß Red Bull.

  • Das Last-Minute-Tor gegen Hoffenheim am 17. Spieltag
  • Es war beileibe kein gutes Spiel gegen den nächsten Gegner in der Hinrunde. Aber der herrliche Treffer von Christian Pulisic kurz vor Schluss zum 2:1 ließ die vorweihnachtliche Stimmung hochkochen. Und war für den ein oder anderen der passende Auftakt für einen exzellenten Konzertabend in den Westfalenhalle mit den Broilers.

  • Das Comeback von Marco Reus                                     Hoffentlich lange frei von Verletzungen!
  • Auch ein anderer Borusse feierte sein Comeback nach langer Verletzung. Allerdings hat Marco Reus mittlerweile leider eine gewisse Routine in Comebacks. Nichtsdestotrotz war es auch diesmal wieder beeindruckend, wie er ohne Anlaufschwierigkeiten zurückkehrte und in den ersten 4 Spielen nach seiner Verletzung direkt 3 Tore erzielte. Dass er dazu noch seinen Vertrag bis 2023 verlängerte zeigt ebenfalls, dass nicht alles in dieser Saison schlecht war.

  • Die Vertragsverlängerung von Lukasz Piszczek
  • Seit 2010 beackert Lukasz Piszczek zuverlässig die rechte Seite. Im März verlängerte er seinen Vertrag ein weiteres Mal, nun bis 2020. Piszczek hat sich längst als Borusse etabliert und in die Herzen der Fans gespielt. Auch wenn er vielleicht nicht mehr der Mann für über 40 Spiele pro Saison auf höchstem Level ist, wird er mit seiner ruhigen und bescheidenen Art immer ein Sympathieträger bleiben.

    Nun aber auf nach Hoffenheim, Hopps Jünger weghauen, CL-Quali klarmachen und dann ab in die Sommerpause! "Freunde haltet durch!".


    So könnten sie spielen

    Hoffenheim: Baumann – Akpoguma, Vogt, Nordtveit – Kaderabek, Grillitsch, N. Schulz – Zuber, Kramaric, Amiri – Uth

    Dortmund: Bürki – Schmelzer, Akanji, Piszczek, Toljan – Weigl, Götze – Sancho, Reus, Pulisic – Philipp


    Michael 8.5.2018


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