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Warmlaufen - 22.02.2018

Die Borussia-WG in Italien

Mittwochabend. Eine Pizzeria in Italien. Genauer gesagt: In Bergamo. Der Inhaber ist es durchaus gewöhnt, dass auch unter der Woche guter Betrieb herrscht und sich viele Gäste auf Pizza, Pasta, Bruschetta und Salat stürzen. Aber sowas wie heute hat er noch nie erlebt. Eine ganze Gruppe junger Männer zwischen 18 und 56 (Sorry, Roman W.!) war in sein Lokal gekommen. Schnell stellte sich heraus, dass es Deutsche waren. Dies konnte der Chef des Restaurants aber erst nach einigen Minuten ausmachen, weil die Jungs sich auf Deutsch unterhielten. Zunächst wusste er aber gar nicht, was dieses „Schüüü Schüüü“ zu bedeuten hatte, mit dem die fußballmannschaftgroße Gruppe seinen Laden betrat und was sich schließlich einige Minuten wiederholte. Offensichtlich war die Truppe wieder guter Laune.

Mit einem lauten „Schüüü Schüüü“ stürmte die Borussia-WG, die sich auf Dienstreise in Bergamo befand, zu den ihnen zugewiesenen Plätzen. Christian half Torwart Roman (dem alten, nicht dem Schweizer) dabei, sich auf seinen Platz zu setzen und reichte ihm bereits eine Serviette, während Marco, Mario und André Horst ihre gute Laune kaum verbergen konnten. „Endlich macht es wieder Bock, Fußball zu spielen“, sagte Mario. „Ich hatte ja schon den Glauben verloren, dass das jemals wieder passieren würde“, fügte er hinzu. „Tja, wärste mal nicht nach München gegangen“, neckte Marco ihn. Als Marco merkte, dass Mario das jetzt gar nicht so lustig gefunden hatte, ergänzte er schnell: „Jedenfalls, war es geil, wieder zusammen mit dir auf dem Platz zu stehen…“ Mario lachte und meinte: „Lustig, was du alles so Platz nennst. Ein Wunder, dass sich keiner unserer Glasknochen wieder verletzt hat, oder André?“ André Horst war immer noch von seinem großen Grinsen im Gesicht geprägt und brachte es gar nicht zustande, etwas mehr als „Schüüü Schüüü“ vor sich her zu rufen.

„Ey Schmelle“, hörte man es von der anderen Seite des Tisches rufen. Offenbar war Roman W. wieder wach geworden. Diese kurzen Momente des Sekunden- oder manchmal auch Minutenschlafes hatte er in den letzten Jahren immer mal wieder. „Sollten wir nicht mal vielleicht Ciro anrufen und ihm zum Essen einladen? Wenn wir doch schon mal in Italien sind…“ Schmelle überlegte. Er ließ sich Zeit mit seiner Antwort, musste dann aber doch einsehen, dass es nur eine mögliche Reaktion für ihn gab. „Wen?“ „Na, Ciro. Den Italiener. Torschützenkönig oder so, jetzt schon wieder ordentlich am Ballern. Hatte aber keinen Bock auf Dortmund beziehungsweise das deutsche Essen. Vielleicht hätten wir damals, als wir ihn doch mal eingeladen hatten, doch nicht Frau Hummels kochen lassen…“ „Ach, Quark“, warf Schmelle ein. Dann hätten wir schließlich jetzt vielleicht gar nicht den Batsman hier…“, sagte er und klopfte Michy auf die Schulter, der neben ihm saß und sich gerade seine Maske zurecht rückte. „Psssssssst.“, erwiderte der Belgier. „Hier darf doch niemand wissen, dass ich es bin. Sonst klappt das nicht nochmal so gut wie letzte Woche.“

Ein Kellner kam zum Tisch und nahm die Bestellungen auf. André Horst stolperte dabei über die Tatsache, dass es im Restaurant kein Gericht namens „Schüüü Schüüü“ gibt, weswegen Roman (jetzt der Schweizer) die Übersetzung übernahm. Ansonsten wurde bestellt, natürlich wurden noch einige Selfies gemacht und bei Instagram geteilt oder an den Trainer geschickt (besser jetzt als gleich, wenn das Essen auf dem Tisch steht. Auch wenn das unter Peter dem Zweiten – ähnlich wie bei Peter dem Ersten zuvor - mittlerweile einfacher geworden war).

Während die Jungs auf ihre Bestellung warteten, ließen sie ihren Blick durch das Restaurant schweifen. Schnell wurden Erinnerungen an die Vorwoche wach. „Die Italiener haben ganz schön Stimmung gemacht, was?“, erinnerte sich Jule. Der Schweizer Roman stimmte zu und ergänzte: „Ja, ich war erst ganz verwirrt. Ich meine, Pfiffe sind wir in unserem Stadion ja mittlerweile gewöhnt. Aber dieses Mal kam es ja gar nicht von den Sitzplätzen, sondern ganz oben aus der Gästeecke. Das kennt man ja gar nicht mehr.“ Auch Schmelle war geneigt, seinem Torwart zuzustimmen: „Vor allem, wenn deine Gegner Wolfsburg, Leipzig oder Hoffenheim heißen und die mit einem Kleintransporter zum Auswärtsspiel anreisen. Aber Michy, sag doch mal. War das jetzt schon wieder alles mit deinen Toren oder hattest du Sonntag nur Ladehemmungen?“ Michys sonst so häufig zu sehendes Lächeln änderte sich schnell in eine recht düstere Miene. Selbst unter seiner Maske, die er wohl gar nicht ablegte, war deutlich schlechtere Laune zu erkennen. „Ich bin Batman“, sagte er im akzentreichen Deutsch, ehe er auf Französisch weiter redete. Keiner der Anwesenden mit Ausnahme des jungen Dan-Axel verstand so wirklich, was er da von sich gab und Batman redete sich richtig in Rage. Nicht jugendfreie Wörter folgten, Dan-Axel erklärte dem Rest, dass er sich vor allem über den Zustand des Platzes im Ponyhof beschwerte. Einen Satz übersetzte er dann aber doch wörtlich: „Solange das Batsignal am Himmel sendet, werde ich da sein. Ich bin vielleicht nicht der Held, den ihr gerade verdient, aber ich bin der Held, den ihr gerade braucht“, habe Michy gesagt. Erleichterung machte sich am Tisch breit, nicht nur, weil mitunter relativ viel Wein am Tisch konsumiert wurde.

„Aber Axel, jetzt wo du gerade schon so im Redefluss bist… Was kannst du uns denn so über Lyon im Mai sagen?“ Ein Raunen ging über den Tisch, weil Nuri mal wieder tagträumte und schon wieder auf das Europa-League-Finale zu sprechen kam. Die Veteranen unter den Jungs wiesen Dan-Axel schnell darauf hin, besser nicht zu antworten, zahlreiche „Pssscht“-Laute folgten, die dann sogar irgendwie zum „Schüüü Schüüü“ von der anderen Seite des Tisches passten. „Was denn? Man wird ja wohl noch träumen dürfen“, sah Nuri ungläubig in die Runde und schüttelte den Kopf. Doch darauf wollte sich gar niemand mehr so richtig einlassen. Glücklicherweise wurde die unangenehme Stille schließlich vom heraneilenden Italiener unterbrochen, der das bestellte Essen vorbei brachte. Das Essen wurde gereicht, die Laune wurde schlagartig wieder besser. Dann erhob Schmelle das Glas. „So Freunde, auf einen schönen Abend und einen noch schöneren morgigen Donnerstag. Auf dass wir nicht das letzte Mal in Italien zusammen speisen. So ein Auswärtsspiel in Neapel wäre ja eigentlich ganz cool… Wobei, das könnte schwer werden. Egal, Mahlzeit und morgen holen wir uns den Sieg.“ Was folgte, war gefräßige Stille, die nur immer wieder von leisen und schmatzenden „Schüüü Schüüü“-Rufen unterbrochen wurde…

Voraussichtliche Aufstellungen

Atalanta Bergamo: Berisha – Masiello, Caldara, Tolói – Spinnazzola, Freuler, De Roon, Cristante, Hateboer – Gomez, Ilicic

Borussia Dortmund: Bürki – Schmelzer, Sokratis, Toprak, Piszczek – Sahin, Castro – Reus, Götze, Schürrle – Batshuayi

Schiedsrichter: Jesus Gil Manzano (Spanien)

Vanni, 22.02.2018


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