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- 12.12.2002

Kalt, eiskalt....Inzaghi

Wer vor dem Spiel noch gedacht hatte, er würde eine Fortsetzung der Galavorstellung vom 4. April diese Jahres gegen den AC Milan am Mittwochabend sehen, der glaubt auch ganz sicher noch an den Nikolaus. Das die Mailänder ihre Lehren aus der 4:0 Klatsche gezogen hatten zeigte der Beton, den die Italiener im Westfalenstadion anrührten. Hinten zu Null spielen und vorne auf den lieben Gott hoffen, oder in dessen Vertretung auf Filippo ?den Fallsüchtige? Inzaghi. Der Stürmerstar des AC Milan sorgte mit dem einzigen Treffer an diesem Abend für den schmeichelhaften Sieg der Berlusconitruppe.  


Bei Temperaturen, zu denen sich sonst nur Pinguine zur Paarung treffen versammelten sich 52.000 Zuschauer im schwatzgelben Tempel. Die Kälte schien auch für viele auf der West und Osttribüne Grund genug zu sein, sich nicht zu bewegen, geschweige den die eigene Mannschaft lautstark zu unterstützen. Nur die ewig aktiven Fans auf der Süd, sowie die rund 2.000 Milanfans auf der Nord strampelten und sagen sich warm. Der Rest im Stadion schien an seinen Sitzschalen festgefroren. Langsam nimmt dieses Verhalten beschämende Formen an. Welches Team muss eigentlich noch in Dortmund auflaufen, damit unsere Mannschaft einmal bedingungslos supportet wird. Der Funke springt einfach nicht mehr über.
Sammer wollte mit seine Aufstellung von Beginn für Feuer auf der rasenähnlichen Spielfläche sorgen und setze auf eine Offensive Variante. Er ließ gegen über dem Spiel gegen Kaiserslautern Evanilson draußen und brachte dafür Amoroso als dritten Stürmer neben Koller und Ewerthon. Reuter bekam wegen eine Entzündung unter der Kniescheibe eine Spielpause und so rückte für ihn Kehl in die Startformation.  

Die Stimmung auf der Süd war von Beginn an gut. Ein Lied folgte dem anderen und die aktive Dortmunder Fanszene sorgte mit reichlich Bewegung auf den Rängen für die nötige Betriebswärme. Ganz nach der Devise: ?Ja nicht festfrieren? Die Aktivität auf der Süd schien die Dortmunder Profis zu Beginn der Partie anzustecken und so entwickelt sich in der ersten Halbzeit ein recht ansehnliches Spielchen, in dem Borussia unentwegt versuchte den Mailänder Abwehrriegel zu knacken. Immer wieder rollte das Leder in Richtung des Mailänder Kasten. Doch die Italiener zeigten sich wenig beeindruckt. Vor allem Nesta schien unüberwindbar.
Wie so oft in dieser Saison resultierten die Chancen des Gegners aus Stockfehlern und schwachem Passspiel einiger Dortmunder Spieler. Trotz dieser Schwächen hatten die Dortmunder eine optische Feldüberlegenheit. Was dem Spiel des BVB fehlte war der letzte Biss, der unbedingte Wille zum Erfolg. Wenn die Mailänder mit ihren schnellen Spitzen Schevchenko und Filippo "Fallsucht" Inzaghi vor Lehmanns Kasten kamen, war die Situation meistens schnell bereinigt. Amoroso ließ in der ersten Hälfte gelegentlich sein Können aufblitzen. Doch alles in allem war das zu wenig. Dazu kam, dass Marcios Mitspieler oft Probleme hatten seinen Geistesblitzen zu folgen. Ewerthon und Co. fehlte es merklich an Entschlossenheit einen eingeleitetet Angriff auch mal mit einer Einzelaktion zu beenden. Immer wieder spielte man sich mit schönen Ballstafetten in Nähe des Mailänder Strafraums, doch die Hintermannschaft des AC Milan, vor allem Maldini und Nesta, standen hervorragend. Die einzig nennenswerte Torchance für den BVB resultierte dann auch aus einem Distanzschuss von Rosicky, der das Leder über Keeper Dida auf das Tornetz setze. Zu diesem Zeitpunkt dürfte allen im Stadion klar gewesen sein, dass dieses Spiel keine Wiederholung der Aprilausgabe würde. Torlos ging es in die Kabinen und nach unbestätigten Informationen mussten einige italienische Spieler nach dem Pausentee von den Heizkörpern gezehrt werden um das Spielfeld wieder zu betreten. 
 

Für wenige Minuten schien es zu Beginn der zweiten Halbzeit als wen der BVB an der gezeigten Leistung der ersten 45 Minuten anknüpfen wollte. Doch dann erwischte es die schwatzgelben dem Wetter entsprechend eiskalt. Eine Kopfballabwehr von Wörns landete bei Seedorf, der den Ball gefühlvoll über Metzelder und Wörns lupfte und Inzaghi in den Lauf legte. ?Pippo? bewies, dass er vor dem Tor kälter ist als die gefühlte Außentemperatur im Tempel. Eine Szene, die sich unsere Stürmer noch einige hundert mal auf Video anschauen sollten. Ohne lange zu fackeln schob der Fallsüchtige Italiener das Leder an Lehmann vorbei ins Dortmunder Tor. Einmal nur entwischte Inzaghi seinem Schattenmann Metzelder und das Spiel war entschieden.
Ausgerechnet der glatte Inzaghi, der durch ständiges Reklamieren und pausenlose Versuche Freistöße und Elfmeter zu schinden gewaltig nervte. Über seine Stürmerqualitäten braucht man nicht viele Wort verlieren. ?Pippo?, wie ihn seine Anhänger nennen, braucht keine volle Torchance um das Runde ins Eckigen zu befördern. Doch Tore schießen ist die eine Sache, sein Auftreten auf dem Platz die andere. Dieser Mensch taugt für jedes klassische Vorurteil. So Typen machen bei aller Klasse keine Spaß. ?Pippo? ist ein linker Vogel, bei dem man sich ohne großartig viel Phantasie gut vorstellen kann, wie er mit offenem Hemd und Spiegelbrille im Ferrari Cabriolet auf dicke Hose macht und am Spieltag dann Gegner und Schiedsrichter verarscht 

Nach dem Treffer ließ der Dortmunder Druck merklich nach. Es begann ein taktisches Geschiebe beider Mannschaften, dass die Fans nicht wirklich aufwärmen konnte. Das Dortmunder Flügelspiel fand kaum noch statt, da Dede überhaupt nicht mehr ins Spiel fand und Heinrich auf den rechten Seite seine Fehlerquote merklich steigerte. Amoroso war in der zweiten Hälfte ein Totalausfall. Dortmunds Diva ließ bereits zum Schluss der ersten Halbzeit erkennen, dass es mit seiner Fitness immer noch nicht zum besten steht. In der 63. Minute kam Ricken für Ewerthon und nur 3 Minuten später hatte Lars mit einem Distanzschuss von der rechten Seite die erste Torchance für den BVB in der zweiten Halbzeit. Dem BVB viel nicht mehr viel ein gegen die kompakt stehenden Mailänder. Ein Heber von Metzelder landete auf dem Tornetz. Kurz darauf versagte Amoroso in aussichtreicher Schussposition. In der 72. Minute brachte Sammer Evanilson für Heinrich, sowie in der 82. Minute Reina für Kehl. Doch mit spielerischen Mitteln war das Match aus Dortmunder Sicht nicht mehr zu drehen. Noch einmal (90.) ging ein Aufschrei durch das Westfalenstadion, als Rosicky mit einem wunderschönen Direktschuss das Leder an die Latte setzte.  

Eiskalt erwischt. Wie so oft in dieser Saison hatte man das Gefühl, dass einige Spieler in der Mannschaft nicht bis an ihre Grenzen gehen. Mailand war nicht die Übermannschaft, sondern spielte altbekannten italienischen Antifußball. Hinten keinen einfangen und mit etwas Glück vorne ein Tor schießen. Nicht schön anzusehen, aber erfolgreich. Der BVB hat mal wieder ein Spiel verloren, dass man nicht verlieren darf. Wie schon in der ganzen Saison scheitern wir an unserem eigenen Unvermögen.  
Stimmen nach dem Spiel:

Sammer:

Mailand hat nicht gut sondern kompakt gespielt. Die Mailänder interessieren mich auch nicht so sehr. Viel wichtiger ist, dass der eine in unserer Mannschaft gebrannt hat und der andere meine schön spielen zu müssen. Zwischendurch war ich der Meinung, dass der eine oder andere nicht gewinnen wollte. Wir hätten mehr das Gefühl vermitteln müssen, dass wir unbedingt gewinnen wollen. Milan war heute zu packen.

Daten zum Spiel:

Mannschaftsaufstellung:

Lehmann (3), Wörns (3), Kehl (3), Heinrich (4), Koller (4), Rosicky (4) (Frings (4), Ewerthon (5), Dede (5), Metzelder (3), Amoroso (5)

Einwechselungen:

64. Ricken für Ewerthon, 73. Evanilson für Heinrich, 83. Reina für Kehl

Schiedsrichter:

Anders Frisk (Schweden) (2)

Karten: keine

Tore: 0:1 Inzaghi (49.)

Zuschauer: 52.000 (ausverkauft)  
 
 

Geschrieben von wade

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