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Im Fokus - 21.04.2009

?Ich habe Angst vor Euch.?

Valdez kämpferisch, wie man ihn kenntDiese fünf Worte waren es, die den Besuchern einer Fanversammlung vor gut zwei Jahren wahrscheinlich am längsten haften geblieben sind. Der, der dort das Bekenntnis seiner Furcht ablegte, war Nelson Valdez, damals unter großen Vorschusslorbeeren nach Dortmund gewechselt und vom seinerzeit trudelnden BVB auch in die persönliche Krise gerissen worden. Szenen aus einer anderen Zeit. Der selbstbewusste und zunehmend auch torgefährliche Nelson Valdez hat seinen Vertrag nun vorzeitig verlängert.

Was ist passiert in der Zwischenzeit, dass dem Stürmer aus Paraguay geholfen hat, seine Ängste abzulegen?

Wir erinnern uns: Als Valdez nach Dortmund wechselte, war der Druck groß. Eine hohe Ablöse lastete auf dem damals 22-Jährigen. Fast fünf Millionen Euro soll der BVB seinerzeit an Werder Bremen überwiesen haben. Viel Geld für einen, der dort auf der Bank saß. Viel Geld auch für den eben aus dem Koma erwachten BVB. Und so kam eines zum anderen: Der Verein schürte die Erwartungshaltung und pries den Neuzugang als kommenden Topstürmer an. Valdez selbst machte den Fehler, in den Medien eine hohe Torausbeute zu versprechen.

Valdez nach der Roten Karte in Hannover (Saison 06/07)Doch die Saison 2006/2007 wurde zur Katastrophen-Spielzeit der Borussia. Bert van Marwijk ging, Jürgen Röber kam, Jürgen Röber ging, Thomas Doll kam und zwischenzeitlich waren auch Ottmar Hitzfeld, Felix Magath und Thomas von Heesen so ein bisschen anwesend. Der BVB sackte immer weiter in den Abstiegsstrudel und riss auch Nelson Valdez mit sich. Ein großer Druck lastete auf dem jungen Stürmer, der den Erwartungen und dem entstandenen Frust kaum standhalten konnte. Nelson Valdez und seine Torungefährlichkeit wurde zum deutlichsten Symptom der Krise - und damit zu ihrem Sinnbild.

Dass sich der Frust der Anhänger seinerzeit auf ihn entlud, ist verständlich, machte es aber nicht besser. Zwar versicherten die anwesenden Fans Valdez auf besagter Versammlung, hinter ihm zu stehen, trotzdem war die Verunsicherung des Stürmers deutlich spürbar.

Es brauchte lange, bis es Nelson Valdez endlich gelang, diese Unsicherheit abzulegen. Auch in der vergangenen Spielzeit fiel der Paraguayer zwar durch aufopferungsvollen Einsatz und ein riesiges Laufpensum auf, Tore blieben trotzdem Mangelware, die viele Laufarbeit wirkte oft übermotiviert und ineffektiv und das für Angreifer so wichtige Selbstvertrauen fehlte weiterhin.

Valdez' Torjubel nach dem Traumtor in BochumErst mit Jürgen Klopp scheint der Mut bei Valdez zurückgekehrt zu sein, der wahrscheinlich wie kaum ein zweiter Bundesliga-Stürmer in das Kloppsche Anforderungsprofil des laufstarken Angreifers passt. Endlich rennt er nicht nur wie ein Berserker, sondern wirken die Laufwege auch durchdacht, bringt der Einsatz die Mannschaft deutlich nach vorn, springt endlich Zählbares aus den Aktionen heraus. Der Lohn: Sechs Tore und sechs Vorlagen in bislang 23 Ligaspielen der Saison. Nelson Valdez ist endlich nicht nur emsige Arbeitsbiene, sondern auch torgefährlich und effektiv geworden.

Weiterer Lohn: Die Zuneigung der Fans. In der ersten Spielzeit beim BVB undenkbar, fand schon in der vergangenen Spielzeit eine zarte Annäherung statt. Kämpfen wird eben in Dortmund honoriert, wenngleich viele vergebene Torchancen das Bild noch immer trübten. Mit der aktuellen Saison gelang es Valdez aber immer mehr, sich auch in die Herzen der Zuschauer zu spielen. Der ironisch-liebevolle Gesang „Hey, lieber Nelson, lieber Nelson Valdez: Schieß uns bitte in die Champions League" zeugt davon.

In Sachen Spielweise wandelt Nelson Valdez zunehmend auf den Spuren Flemming Povlsens. Auch der traf seinerzeit nicht gerade mit traumwandlerischer Sicherheit das Tor, rackerte dafür aber umso mehr. Valdez befindet sich auf einem guten Weg, es im gleich zu tun - und sich ähnlich in die Herzen der Fans zu spielen.

Seit dieser Woche hat er zwei weitere Jahre Zeit dafür. Nelson Valdez hat seinen bis 2010 laufenden Vertrag vorzeitig bis 2012 verlängert. In seiner jetzigen Form ist das definitiv ein Grund zur Freude.

Und es muss ja nicht gleich die Champions League sein. Die Europaliga würde ja völlig reichen.

Arne, 21.04.2009

 

 


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