Stimmungsbericht

Euro 2012 - Der Weg in die Ukraine

08.06.2012, 15:09 Uhr von:  Redaktion

Kaum ist die Bundesliga beendet steht auch schon die Europameisterschaft vor der Tür. Wie vor zwei Jahren bei der WM in Südafrika, wird es auch dieses Mal einige Berichte aus Polen und der Ukraine geben. Bevor es nun los geht in die Ukraine, steht natürlich einiges an Planung und Organisation an. Überhöhte Hotelpreise wurden ja schon ausführlich in der Presse thematisiert und auch wir können ein Lied davon siegen. Bei der Anreise hat man ebenfalls nur die Wahl zwischen Not und Elend.

Neben dem Auto steht als Alternative zur Anreise das Flugzeug oder die Bahn zur Verfügung. Die wenigen Flüge waren allerdings zu Beginn des Jahres kaum zu bezahlen. Speziell die Inlandsflüge waren entweder ausgebucht oder sehr teuer. Bahnen verbinden in der Ukraine und in Polen alle Spielorte regelmäßig für sehr kleines Geld. Hier bekommt man für 10 bis 20 Euro ein Ticket für eine einfache Fahrt zwischen den EM-Städten. Jedoch braucht z.B. ein Zug von Lemberg nach Kiev für die gut 500 km über neun Stunden. Das sieht auch in Polen nicht anders aus. Bis nach Donetsk sitzt man schon fast einen ganzen Tag in der Bahn. Da freute uns natürlich die Ankündigung der ukrainischen Regierung extra für die EM Schnellzüge einzuführen. Dieser sog. „Ukrainian Express" soll für die Strecke Lemberg – Kiev nur noch knapp 5 Stunden benötigen. Jedoch verzögerte sich die Einführung so stark, dass wir bis heute nicht wissen, ob die Züge tatsächlich fahren. Immerhin konnte man vor 10 Tagen die ersten Tickets zum dreifachen Preis der normalen Fahrkarten über die gelegentlich funktionierende Webseite der ukrainischen Bahn kaufen.

Die teuren und wenigen Flüge, die langen Fahrzeiten mit der Bahn und die Unsicherheiten beim „Ukrainian Express" ließ die Wahl ganz schnell auf das Auto fallen. Für unsere Vierergruppe sicher keine schlechte Wahl. Wer stellt jedoch für 6000 km Fahrt in Polen und der Ukraine sein Auto zur Verfügung? Natürlich hielt sich die Begeisterung bei allen in Grenzen und so wurden kurzerhand alle Mietwagenfirmen abgefragt. Bei meiner Europa League Tour nach Lemberg vor knapp zwei Jahren konnten man noch mit einem Wagen von Hertz in die Ukraine einreisen. Mittlerweile bieten nur noch Avis und Budget diesen Service gegen 8 Euro Gebühr für eine Zusatzversicherung. Also alles super und fix gebucht. Jedoch bekommen wir selbst nach der Buchung keine genauen Mietbedingungen für die Ukraine zugesandt. Nach mehrfachen Telefonaten bekamen wir schließlich einige vage Informationen. So hätten wir beim Abholen ein Dokument unterschreiben müssen, mit dem wir uns verpflichten den Wagen nur auf bewachten Parkplätzen abzustellen. Das dies nicht immer möglich sein wird, ist wohl klar. Auf die Antwort, was genau ein bewachter Parkplatz ist oder was im Falle eines Diebstahls außerhalb eines bewachten Parkplatz passiert, warte ich bis heute. Hinzu kam ein weiteres Problem: Laut Auswärtigem Amt braucht man für die Einreise mit dem Mietwagen ein beglaubigtes Dokument auf englisch und kyrillisch, indem der Halter zusichert die Erlaubnis zum Grenzübertritt in die Ukraine zu gestatten. Avis würde uns ein solches Dokument nur auf Deutsch und Englisch ausstellen. Die ukrainische Botschaft konnte für weitere Informationen leider nicht erreicht werden. Das bei Übersetzung und Beglaubigung weitere Kosten auf uns zukommen konnte man absehen.

Mit dem PKW gen Osten

Bei diesen Voraussetzungen schied der Mietwagen aus. Wer will schon mit einem relativ neuen Auto in den Ostblock fahren, wenn dieses evtl. nicht versichert ist. Zudem war nicht mal geklärt, ob wir ohne einen Notarbesuch überhaupt einreisen können. Die Option einen PKW in der Ukraine zu mieten, scheiterte am doppelten Preis im Vergleich zu Deutschland und der schlechten Versicherung dieser PKW (Haftpflicht nur bis 13.000 Euro). So kamen wir dann auf die Idee selbst einen PKW nur für die Tour zu kaufen. Bei vier Leuten hatten wir ein Budget von ca. 2000 Euro. Anforderungsprofil: Kombi, Diesel, möglichst nicht über 200.000 km und technisch muss er 10.000km durchhalten, denn zum Viertelfinale soll es hinterher auch noch gehen.

Nach mehreren Tagen Suche fiel unsere Wahl schlussendlich auf einen alten Opel Omega, Baujahr 1996, 120.000 km gelaufen, zwar eine Limousine und Benziner, aber technisch OK. Der hat also schon drei Meisterschaften und den Champions League Sieg unserer Borussia erlebt. Mit 1.500 Euro lagen wir da auch noch preislich im Rahmen. Dummerweise funktionierte die Klimaanlage nicht, so dass nochmal zwei Tage und einiges an Arbeit für die Instandsetzung dazu kamen. Bei über 30° C in der Ost-Ukraine ist das aber ein absolutes Muss.

Mit dem Auto sind wir nun zwar sehr flexibel, allerdings stoßen wir hier gerade in der Ukraine auf neue Probleme. Wer sich die Karte der Ukraine schon mal angeschaut hat, wird schnell feststellen, dass das Land fast doppelt so groß ist wie Deutschland. So fährt man zwischen den beiden deutschen Spielorten Lemberg und Charkiv gut 1000 Kilometer mit dem PKW. In westlichen Ländern ist es sicher kein Problem, jedoch gibt es in der Ukraine nicht viele Autobahnen. Zudem soll der Zustand der Straßen auch nicht der Beste sein. Leider war es uns vor Abfahrt nicht möglich genauere Informationen über den Ausbau und Zustand der Straßen zu bekommen. Bis Kiev soll die Straße ähnlich einer Autobahn ausgebaut sein, allerdings war diese vor ein paar Monaten noch teilweise im Bau und es war nicht klar, ob die Fertigstellung zur EM gelingt. Ab Kiev haben wir nur bruchstückhafte Informationen. Um Donetsk sollen die Straßen z.B. sehr schlecht sein. Von Fahrten bei Nacht, die nicht über die Hauptverbindungsachsen führen, wird sowieso abgeraten. Hier ist oft mit schlecht oder unbeleuchteten Fahrzeugen, Fußgängern oder Schlaglöchern zu rechnen, die in der Dunkelheit nur schwer zu erkennen sind.

Unsere Tour

Nachdem unsere Entscheidung pro Auto gefallen war, konnten wir auch schnell festlegen welche Spiele wir nun besuchen wollen. Auf dem Weg in die Ukraine und wieder raus muss natürlich auch noch ein Spiel mitgenommen werden. Außerdem sind dann noch die Lücken zwischen den deutschen Spielen zu füllen. Weiterhin soll wieder jedes Stadion mindestens ein Mal besucht werden. Somit ergibt sich folgender Tourplan:

Fr, 08.06., Russland – Tschechien in Breslau, Fahrstrecke: 950 km
Sa, 09.06., Deutschland – Portugal in Lemberg, 600 km
Mo, 11.06., Frankreich – England in Donetsk, 1300 km
Mi, 13.06., Niederlande – Deutschland in Charkiv, 300 km
Fr, 15.06., Schweden – England in Kiev, 500 km
So, 17.06., Dänemark – Deutschland in Lemberg, 550 km
Mo, 18.06., Italien – Irland in Posen, 700 km
Do, 21.06., Viertelfinale in Warschau
Fr, 22.06., Viertelfinale in Danzig

Nach dem letzten Gruppenspiel werden einige wieder zurückfahren und eine teilweise neue Mannschaft tritt den Weg zu den beiden Viertelfinalspielen an.

Hotels in der Ukraine

Auch mit den Hotelbuchungen hatten wir so unsere Probleme. Gerade in dem nicht von so vielen Touristen besuchten Charkiv hatten wir bis zur Abfahrt keine Unterkunft zu einem akzeptablen Preis gefunden. Das gleiche gilt für Donetsk. 50 Euro für ein Bett in einem 10-Personen Schlafsaal sind nicht das was wir uns vorstellen. Da wir für das Finale bereits im Sommer letzten Jahres Flüge gebucht haben, konnten wir uns auch hier frühzeitig nach Hotels umschauen. Von meinen sechs gebuchten Ho(s)tels im Zentrum von Kiev wurden fünf einfach vom Hotel storniert. Bucht man über die größeren Buchungsportale, wird wenigstens versucht ein Alternativangebot anzubieten. Bei kleineren Seiten rennt man dann seiner Anzahlung hinterher.

Die Besorgung der Eintrittskarten stellte wie üblich kein großes Problem dar. Allerdings haben wir zu Beginn fast ausschließlich Karten für Spiele in der Ukraine bekommen. Diese wieder los zu werden gestaltete sich als sehr schwierig. Vier Karten für das Spiel der Dänen gegen die Niederländer konnte ich immerhin noch einem Holländer zum Verschenken vor Ort mitgeben. Erstaunlich war außerdem, dass Karten für die Heimspiele der Ukraine wie Blei im Ticket-Shop hingen. Lassen wir uns also mal überraschen, ob die Stadien voll werden.

Dieser Text entstand bereits zum großen Teil auf der Fahrt nach Polen. Mitfahrer und Facebook-Junkie Patrick hat uns auch gleich eine Facebook Seite eingerichtet. Wer die Tour also genauer verfolgen will kann das hier tun: Facebook

René, 08.06.2012

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