Stimmungsbericht

Mit 09 Punkten im Gepäck nach Polen

20.06.2012, 16:09 Uhr von:  Redaktion

Drei Spiele standen in vier Tagen an. Von unserer Zwischenstation in Khorol fuhren wir über Kiev (Schweden – England) zum Spiel unserer Mannschaft nach Lemberg. Mit einem kleinen Umweg haben wir es dieses Mal fast ohne Aufsetzen in die Stadt geschafft. Dort durften wir uns bei sehr warmen Sommerwetter über den Gruppensieg unserer Mannschaft freuen. Am nächsten Tag stand auch schon das nächste Spiel auf dem Programm. Die Iren sorgten für ordentlich Stimmung, auch wenn es wieder nicht für einen Punktgewinn gereicht hat.

Zeitig brachen wir am Freitag nach Kiev auf. Wir mussten die Stadt zunächst komplett umfahren, um zu unserem Hotel zu gelangen. Das Maison Blanche Eco Hotel lag direkt an der M6, der Hauptverbindung zwischen Kiev und Lemberg. Wäre man aus dem Hoteleingang 20 Meter geradeaus gelaufen hätte man sich auf dem Mittelstreifen der vierspurigen Straße wieder gefunden. Der Lärm und die fehlende Klimaanlage bei wieder stark steigenden Temperaturen waren aber auch die einzigen Kritikpunkte an diesem neuen und ideenreich eingerichteten Hotel. Wir hatten uns für diese Bleibe entschieden, da auch in Kiev Hotelzimmer sehr teuer sind. Zudem konnten wir uns und dem Omega somit eine Fahrt in die Innenstadt ersparen.

Wenig später steuerten wir somit einen der vielen ausgeschilderten P+R Parkplätze an. Weil die Gegend ziemlich heruntergekommen aussah, waren wir froh, den Wagen auf einem bewachten Parkplatz abstellen zu können. Mit der nahe gelegenen Metro ging es in 15 Minuten direkt in das Stadtzentrum. Dort wollten wir das Heimspiel der Ukraine verfolgen. Der starke Regen in Donetsk sorgte jedoch bekanntermassen für eine ungewollte Pause. Auch in Kiev begann es leicht zu regnen und wir beschlossen die Fanzone Richtung Stadion zu verlassen. Die Fanzonen sind vergleichbar mit denen in Deutschland, nur die Preise sind deutlich niedriger. Lediglich bei den Eingängen war man oft überfordert. Hier fehlte es schlicht und einfach an Personal für die Kontrolle. Das führte dann zu ordentlich Gedränge. In Kiev musste die Polizei eingreifen und in Charkiv wurde die Leute von einigen Ordnern recht rüde zurück gedrängt. Kontrolliert wurde mal sehr gründlich und teilweise auch gar nicht. Das trifft auch auf die Kontrollen am Stadion zu und ist also mit der Bundesliga vergleichbar.

Viele Schweden und laute Engländer

Den verspäteten Anpfiff auf Grund der Unterbrechung im vorherigen Spiel bemerkten wir zunächst gar nicht. Wir sahen ein gutes Spiel und jede Menge Schweden in der Stadt und im Stadion. Sie waren heute klar in der Überzahl. Bei der Lautstärke hatten die Engländer aber deutliche Vorteile. Vielleicht lag es auch daran, dass wir näher an Ihnen dran saßen. Von den Schweden habe ich das ganze Spiel aber fast nichts gehört, obwohl das halbe Stadion in gelb gekleidet war. Unsere Plätze befanden sich dieses Mal im Unterrang in der zehnten Reihe hinter dem Tor. Da auch das Stadion in Kiev eine Laufbahn besitzt war die Sicht eher bescheiden. In der Halbzeit sind wir deshalb auf den Oberrang zu ein paar Freunden gewechselt. Blockkontrollen gab es hier bis jetzt bei keinen Spiel. Wer einmal im Stadion ist, kann sich frei bewegen.

Die Rückfahrt mit der Metro funktionierte problemlos. Wir mussten nur leider komplett in die Stadt zurück laufen, da die Metro Stationen um das Stadion gesperrt waren. Auch die Weiterfahrt am Samstag nach Lemberg verlief ohne Probleme. Die erste Hälfte der 500km Strecke war komplett vierspurig und im zweiten Teil wechselten sich vier-, drei- und zweispurige Straßen ab. Da wir Lemberg nun schon kannten, haben wir einen ca. 15 Kilometer langen Umweg direkt am Stadion vorbei gemacht. Dadurch konnten wir fast alle schlechten Straßen meiden und sind mit nur einem kurzen Aufsetzer zu dem schon bekannten Appartement gelangt.

09 Punkte für Deutschland

Der Sonntag wurde mit einem Besuch der Fan Veranstaltung des Fanclub Nationalmannschaft eingeleitet. Auch wenn ich kein Freund des Brause-Fanclub bin, eignete sich die Veranstaltung doch gut als Treffpunkt. Über die Fanzone ging es dann recht zügig zum Stadion. Wir sahen zwar ein spannendes Spiel, allerdings ist dieses bayrische Ball hin- und herschieben nicht meins. Bei der Offensivqualität, die noch auf der Bank saß hätte ich mir auch noch den ein oder anderen (Neu-) Dortmunder gewünscht. Naja, Hauptsache der Gruppensieg wurde eingefahren. Denn damit spielen wir das mögliche Halbfinale in Warschau und nicht in Donetsk. Eine erneute Reise in den Osten der Ukraine hätten wir wahrscheinlich auch nicht angetreten.

Nach dem Spiel hieß es erst wieder 20 Minuten zu den Shuttle Bussen laufen, um mit diesen in das Zentrum zu kommen. Das bedeutete mal wieder Sauna in dem komplett überfüllten Bus. Der Abend war dann auch recht schnell beendet, denn die Abfahrt für den nächsten Morgen war für 8 Uhr terminiert. 750 Kilometer über größtenteils Landstraßen standen an um unser letztes Vorrundenspiel in Posen zu erreichen.

Überragende Iren (auf den Rängen)

Fast pünktlich brachen wir am Montag dann nach Posen zum Spiel der Iren gegen die Italiener auf. Die Grenzkontrolle lief recht problemlos: Alle Pässe und die Fahrzeugpapiere wurden eingesammelt, kurze Wartezeit, dann tauchte der Grenzbeamte wieder damit auf. Das ganze Spiel wiederholte sich drei Mal und jedes Mal durften wir den Omega drei Meter weiter Richtung Polen bewegen. Spannend. Nach 8 Stunden über Landstraßen erreichten wir am Montag Nachmittag endlich die erste Autobahn bei Lodz. Im Osten der Ukraine wären wir wohl nicht so schnell vorangekommen, in Polen waren die Landstraßen jedoch meist in gutem Zustand.

Zum Stadion kamen wir über einen neuen Zubringer, auf dem wir fast alleine unterwegs waren. Auch der Parkplatz am Stadion war eine Stunde vor Anpfiff noch recht spärlich besetzt. Wie bei anderen Spielen auch, war das Stadion sehr weiträumig abgesperrt und Parkplätze in der Nähe nicht zugänglich. Daher standen auch hier wieder gut 20 Minuten Fußweg auf dem Programm. Vor dem Stadion konnten eigentlich nur Iren ausgemacht werden. Viele polnische Fans mischten sich darunter. Italiener bekamen wir kaum zu Gesicht. Auch im Stadion sah man auf allen Tribünen irische Fans, die das Spiel über 90 Minuten in größeren und kleineren Gruppen stehend verfolgten. Selbst auf den teuren Plätzen der Haupt- und Gegentribüne wurde gestanden. Der italienische Blocke füllte sich erst mit Anpfiff, während des ganzes Spiels waren dort jedoch noch größere Lücken zu erkennen. Viele Gesänge und Anfeuerungen der irischen Fans von allen Tribünen sorgten für die bisher beste Stimmung im Stadion. Auch wir zogen mit und unterstützen die tapfer kämpfenden, jedoch technisch unterlegenen Iren so gut es ging. Am Ende standen ein 2:0 für Italien und trotzdem feiernde Fans aus Irland. Bei der Ehrenrunde wurden beide Mannschaften von den irischen Fans gefeiert und im Stadion wurde zunächst auf die nicht nur hier meist viel zu laute Stadionbeschallung mit Werbespotts oder Liedern verzichtet.

Ein schöner Abend in Posen ging zu Ende. Der Omega trat nun ohne mich, aber mit der restlichen Besatzung die Heimreise an. Für mich geht es am heutigen Dienstag direkt nach Warschau. Zwei Tage später kehrt auch der Omega in etwas anderer Besetzung für die beiden Viertelfinalspiele in Polen zurück – so Gott will und die Karre hält.

René, 20.06.2012

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