Stimmungsbericht

Über miese Buckelpisten nach Donetsk

12.06.2012, 20:09 Uhr von:  Redaktion

Nachdem die Reparatur des Omega uns einige Zeit gekostet hat, haben wir es bei Nacht doch noch nach Khorol geschafft. Von dort ging es am nächsten Morgen über teilweise richtig schlechte Straßen nach Donetsk zum Spiel der Engländer gegen Frankreich. Dort hatten wir noch kein Hotel gebucht, da alle verfügbaren Hotels absolut überhöhte Preise aufgerufen haben. Schlussendlich sind wir dann im Camping Park gelandet.

Nach der verspäteten Abfahrt erreichten wir unser Hotel in Khorol erst gegen 23:30 Uhr. Eine falsche Adressangabe hatte uns zunächst in das Stadtzentrum geführt, obwohl das Hotel direkt an der Umgehungsstraße lag. Neben einer zusätzlichen halben Stunde kostet uns der Umweg auch einige Nerven beim umfahren der Schlaglöcher in der Stadt. Das Hotel Kaspiy Premium hielt was es versprach. Die klimatisierten und geräumigen Zimmer boten westlichen Standard. Das gleiche galt für die Bierpreise. 4,40 Euro für 0,5 Liter Warsteiner waren bis jetzt Rekord!

Am nächsten Morgen standen die 500 Kilometer nach Donetsk an. Gut sieben Stunden hat das Navi ausgerechnet. Tatsächlich hat es sogar noch länger gedauert. Über die Straßenverhältnisse in der Ukraine hatten wir schon einiges gelesen. Von tiefen Spurrillen und riesigen Schlaglöcher mit einer Tiefe von bis zu 20 Zentimeter war die Rede. Genau das stimmt auch. Selbst auf den großen Hauptstraßen waren einige Abschnitte so schlecht, dass man teilweise nur Schrittgeschwindigkeit fahren konnte. Mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 30-40 km/h ging es über eine Stunde über die mieseste Buckelpiste, die ich je gesehen habe. Auf dem Flickenteppich, garniert mit riesigen und tiefen Löchern und Spurrillen war ein schnelles vorankommen unmöglich. Zumal unser Opel Omega auch mit 4 Personen + Gepäck recht schwer beladen war. Auf diese Strecke folgte dann aber urplötzlich ein vierspurige nagelneue Autobahn, die problemlos mit 130 km/h befahren werden konnte. Genauso plötzlich fanden wir uns dann aber auf einer schlechteren Landstraße wieder. Der Oemga musste auf dieser Strecke ganz schön leiden und die hinteren Stoßdämpfer senden bereits SOS Zeichen.

Keine Hotels in Donetsk

Als wir uns Donetsk näherten haben wir direkt nach Hotels Ausschau gehalten, da über die gängigen Buchungsportale vor unserer Reise nichts mehr zu akzeptablen Konditionen zu bekommen war. Über 100 Euro pro Person und Nacht, war deutlich zu viel. Lediglich ein Zeltplatz wurde noch einigermaßen günstig angeboten. Beim ersten Hotel trafen wir auch gleich einige deutsche EM-Touristen, die ebenfalls seit über 2 Stunden erfolglos auf Hotelsuche waren. Daraufhin beschlossen wir direkt den Zeltplatz anzusteuern. Zwei Zelte wurden noch während der Fahrt über das Internet gebucht. Der Internetzugang über das Handy ist mit einer ukrainischen SIM günstig und fast überall verfügbar.

Bei dem Zeltplatz handelte es sich um den Camping Park 2012. Dieser wurde extra für die

EM angelegt und bot neben den Übernachtungsmöglichkeiten und Sanitärenanlagen auch einen bewachten Parkplatz und viel Imbiss- und Bierstände (0,5 Liter Bier ab 1 Euro). Leider waren bei unserer Ankunft noch nicht alle Zelte errichtet, so dass wir unser Quartier für die Nacht noch nicht beziehen konnten. Mit dem kostenlosen Shuttle ging es also zunächst zum Stadion.

Die Donbass Arena, Spielstätte von Shakhtar Donetsk, fasst über 50.000 Zuschauer. Heute waren jedoch sehr viele Lücken zu erkennen. So konnten wir zur Halbzeit auch die Plätze wechseln und saßen dann Höhe Mittellinie im untersten von drei Ringen. Engländer waren wie immer zahlreich vertreten, auch wenn es nicht so viele waren, wie bei der letzten EM in Südafrika. Die Franzosen dagegen boykottieren die Nationalmannschaft grundsätzlich bei Auswärtsspielen. Geschätzte 100 hatten es nach Donetsk geschafft. Russen waren allerdings viele im Stadion, so hörte man gerade zu Beginn öfters „Russia, Russia“ Sprechchöre und sah einige russische Fahnen. Beim Spiel konnten die Engländer zwar in Führung gehen, enttäuschten im weiteren Spielverlauf aber auf ganzer Linie. Den Ausgleich erzielten die Franzosen bereits in Halbzeit eins. Obwohl die Engländer in der zweiten Halbzeit kaum noch aus der eigenen Hälfte kamen, wollte aber kein weiteres Tor mehr fallen und es blieb beim 1:1.

Nach dem Spiel suchten wir zunächst vergeblich den Abfahrtsort des Shuttle-Busses zum Camping Park. So sprangen wir kurzerhand in einen Bus zur Fan Zone um das erste Spiel der Ukraine zu verfolgen. Auf große Stille beim 0:1 folgte riesiger Jubel. Zu jedem Tor wurde auch gleich ein kleines Feuerwerk gestartet. Ein Großes gab es dann noch als der Sieg eingefahren war. Zufällig tauchte dann vor der Fanzone auch einer der Shuttle-Busse zu unserem Zeltplatz auf. Dort angekommen wollten wir nun endlich unsere Zelte beziehen. Leider war eines schon wieder durch andere Personen belegt. Uns wurde schnell ein neues Zelt zugewiesen. Da fehlten jedoch leider die Betten. Die Metallgestelle mit harter Holzunterlage wurden aber nach einiger Zeit auch herangeschafft.

Auch diese Nacht war wieder sehr kurz, da es um 8 Uhr in den Zelten bereits unerträglich heiß geworden war. So saßen wir bereits um 8:30 wieder im Auto auf dem gut 300 Kilometer langen Weg nach Charkiv. Knapp sechs Stunden haben wir für die Strecke gebraucht. Die Straßen waren auch hier schlecht und ließen teilweise nur Geschwindigkeit unter 50 km/h zu. An einigen Stellen mussten wir Aussteigen um den Wagen etwas leichter und damit höher zu bekommen.

In Charkiv haben wir über ein Forum eine Unterkunft bekommen. Einheimische hatten diese dort für vergleichsweise wenig Geld angeboten. Was uns dort erwartet wissen wir allerdings noch nicht genau. Die nächsten Tage werden auf jeden Fall deutlich entspannter. Über die Hälfte der Strecke ist bereits gefahren und wir müssen nur noch 1000 Kilometer in den nächsten fünf Tagen zurücklegen. Zudem ziehen wir auch nicht jeden Tag um.

René, 12.06.2012


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