Unsa Senf

Jörg Heinrich: Früher einer von vielen, heute einer für viele!

01.01.2001, 13:00 Uhr von:  Redaktion

Was für Geschichten das Leben doch manchmal schreibt. Durch schlichte Abwesenheit ist Jörg Heinrich in Dortmund von einer Nebenrolle in eine Führungsrolle geschlüpft. Dass er in seiner ersten Zeit beim BVB nur eine Nebenrolle eingenommen hatte, lag aber weniger an seinen Leistungen, denn die waren auf konstant hohem Niveau. Nein, es lag eher an der Tatsache, dass er aus dem beschaulichen Freiburg in ein Team, das mit vielen Superstars gespickt war, hineinwechselte. Ein Cesar, ein Sousa, ein Kohler oder der jetzige BVB-Coach Matthias Sammer lenkten da viel eher die Aufmerksamkeit auf sich, während Jörg Heinrich diese Aufmerksamkeit höchstens nach überragenden Leistungen zuteil wurde.

Jörg HeinrichSein Wechsel konnte folglich von den meisten recht leicht verschmerzt werden. Angesichts einer Rekord-Ablöse von 25 Mio. DM und einem Leistungsnachlass zum Schluss, der ihm meistens bei seinen Vereinswechseln vorgeworfen wurde, war es auch nicht weiter verwunderlich. Zumal sein Nachfolger Dede ihn durch sein bärenstarkes erstes Jahr fast vergessen machte. Die Torgefährlichkeit und Effektivität eines Jörg Heinrich konnte er aber freilich nicht nachweisen.

In der Zwischenzeit wurde Jörg Heinrich in Italien aufgrund seiner defensiven Rolle nicht so recht glücklich. Der BVB seinerseits erlebte eine sportliche Talfahrt, die nicht zuletzt auch durch den Aderlass an Superstars und der Verpflichtung von Leuten, die auch sportlich eine Nebenrolle einnahmen, bedingt war.

Als dann in diesem Sommer Jörg Heinrich als potentieller Neuzugang beim BVB gehandelt wurde, konnte man seine neue Wertschätzung im Verein und vor allem bei den Anhängern deutlich spüren. So war auch allerorts die Erleichterung nach der Beendigung des wochenlangen Transferhickhacks groß. Genauso hörte man aber auch Stimmen derer, die befürchteten er wolle sich noch ein paar relaxte Jahre in gewohnter Umgebung machen. Das aber konnte er schnell widerlegen. Selbst auf der ungewohnten Liberoposition, die ihn zudem viel mehr in der Defensive fesselte als ihm lieb sein konnte, wusste er zu überzeugen. So verwirklichte er eines der Hauptziele seiner Rückkehr auch viel schneller als angenommen. Schon in Völlers erstem Länderspiel agierte der vielseitige Heinrich als Verteidiger und zählte bei seinem Nationalmannschaftscomeback sicherlich ebenfalls zu den Gewinnern von Hannover.

Gegen Freiburg konnte er dann auch andeuten, was man erst zu erwarten hat, wenn er wieder dort eingesetzt wird, „wo Tore vorbereitet und geschossen werden“!

Noch wichtiger ist aber, dass der BVB in ihm wieder einen Ansprechpartner für junge und neue Spieler hat, der auch auf dem Platz eine Führungsrolle übernimmt. Daran hatte es zuletzt ja gewaltig gemangelt. Dabei konnte ihn kürzlich auch eine Verletzung nicht aus der Bahn werfen. Nach seiner kurzen Abwesenheit kehrte er erneut gestärkt zurück.

geschrieben vonSebi, 19.10.2000

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