Spieler im Fokus

Ultras = Rassisten ?

01.01.2001, 13:00 Uhr von:  Redaktion

Der italienische Fussball erlebt wieder einmal einen weiteren traurigen Rassismusskandal. Erstligist Hellas Verona beugt sich dem Willen der großen Anzahl von Rechtsradikalen unter seinen Fans und verzichtet auf die Verpflichtung von farbigen Spielern. Sogleich titelte SAT.1 in den Abendnachrichten "Ultras verhindern Verpflichtung von farbigen Spielern".

Die Fans von Hellas VeronaSo bedauerlich der Vorfall in Italien ist und so heikel das Thema Rassismus in Stadien ist, eins sollte klar gestellt werden: Ultragruppierungen sind keine Naziverbände ! Der populistische Sensationsjournalismus der Kirch-Presse sucht nach einem Schuldigen und hat ihn schnell bei sogenannten "Ultras" gefunden. Ohne sich jemals über diese eher junge Fanbewegung zu informieren, wird sie ohne Hemmungen in die braune Schublade gesteckt.

Die Wurzeln der Ultra-Bewegung liegen zweifellos in Italien, aber v.a. auf dem Balkan und auch in Deutschland gewinnt die Ultra-Bewegung mehr und mehr Anhänger. Eine allgemein gültige Klassifizierung, was einen Ultra ausmacht gibt es sicherlich nicht. Dafür ist die Bewegung zu jung und dafür gibt es zu viele regionale Unterschiede. Ganz sicherlich sind jedoch Doppelhalter, große Schwenkfahnen und das Durchführen von sog. Choreographien aus der Ultra-Bewegung vorgegangen.

Die Fans von Hellas VeronaSicherlich ist Sat.1 nicht der erste, der versucht hat Ultras ins "rechte" Licht zu rücken. Auch innerhalb der BVB-Fanszene ist oft genug versucht worden, eben diese Fans zu diskreditieren. Der Fußballplatz war schon immer ein Ort, an dem viele gesellschaftliche Schichten zusammen kommen. Vom Stahlarbeiter bis zum Industriellen und als in den 80ern die ersten Afrikaner in der Bundesliga spielten, war es auch auf der Haupttribüne "chick" diese mit "Uh-Uh-Uh"-Geräuschen zu beleidigen. So dumm und verachtenswert jeglicher Rassismus ist, er ist kein Problem einer bestimmten Fangruppierung. Der braune Feind sitz überall, bei "Kutten" ebenso wie bei "Modefans". Wer einen jungen Fußballfan als Nazi ausgrenzen will, nur weil er einen Balkenschal und ein Umbro-Sweatshirt trägt, handelt nicht nur dumm, sondern auch gefährlich.

Die italienische Regierung hat unterdessen vor ein paar Wochen ein Gesetz verabschiedet, dass einen Spielabbruch vorsieht, sobald auf den Rängen Spruchbänder mit rassistischen Parolen gezeigt werden. Wir sollten uns glücklich schätzen, dass diese Problematik im Westfalenstadion nicht so akut ist wie bei unseren Nachbarn im Süden und Ultras, Kutten, Trikotträgern oder wem auch immer den Respekt bieten, den jeder Borussia-Fan vorab verdient hat.

Zum Ultra-Manifest der AS Roma-Anhänger

Geschrieben von Guido, 29.01.2001

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