Spieler im Fokus

Die Jahreshauptversammlung 2000

01.01.2001, 13:00 Uhr von:  Redaktion

Der BVB hatte also wieder einmal zur JHV geladen und zwar zum ersten Mal als Ex-Verein, schließlich sind wir jetzt eine GmbH & Co. KG a.A., ob man das nun will oder nicht. Zunächst war ich sehr verwundert, wie wenige von den knapp 11.000 Mitgliedern anwesend waren: ganze 863 waren da.

BVB-Präsident Gerd NiebaumDie Veranstaltung begann wie immer mit dem Gedenken an die verstorbenen Vereinsmitglieder. Danach begann die Ehrung der Mitglieder, die seit 25, 50, 60 und 70 Jahren im Verein sind. Daran schloss sich die Verabschiedung des langjährigen Vorstandsmitgliedes und Schatzmeisters Jürgen Freundlieb an. Der neue Schatzmeister wurde wenig später als Altborusse enttarnt (er ist Mitglied seit 1979) und wurde somit ohne Gegenstimmen gewählt, gleiches gilt für Vizepräsident Ernst G. Breer, während Niebaum 5 Gegenstimmen bekam.

Unser Doktorchen hielt dann eine seiner bekannten Reden und verwies auf die positiven Ergebnisse der vergangenen Saison: „Die Enttäuschung für unsere Fans war gewaltig, der ihnen zugemutete Leidensdruck enorm; denn 1999/2000 war die schwierigste Saison seit 85/86 mit der sagenumwobenen Relegation. Die überragende Solidarität, die unsere Anhänger und Freunde in der Phase, als es um alles ging, nach außen hin dokumentiert haben, dieser überwältigende große Konsens hat Signale gesetzt." Vergessen hat er dabei natürlich die schlimmsten Auswüchse der letzten Saison beim Spiel gegen Ulm und die Ergebnisse, nämlich die zunehmende Entfremdung zwischen Profis und Fans. So waren auch vergangenen Samstag wieder unsinnige Gesänge wie „Wir wollen Euch kämpfen sehen.“ zu hören. Viel lieber hätten wir „Wir wollen Euch spielen sehen.“ singen sollen, denn gekämpft wurde durchaus. Zwar gab er in einem Nebensatz zu, selbst Fehler gemacht zu haben, aber er verwies darauf, daß diese Fehler alle gemacht hätten.

Der BVB an der BörseDarüber hinaus betonte Niebaum nochmals, daß man die letzte Saison als Startschuß in eine neue, positive Borussenzukunft sehen solle. Er betonte, daß der BVB „Kommerz mit Herz“ betreiben wolle. Gehört dazu auch, daß Aktien in Papierform nur für ca. 120,- DM, also zum mehr als 6fachen des derzeitigen Börsenwertes, erhältlich sind? Gehört dazu auch, daß Spieler nach dem Training nach Hause flüchten und die wartenden Fans (zumeist die jüngsten) einfach stehen lassen? Gehört dazu die Dauerberieselung im Stadion? Oder „Simply the Best“? Diese Fragen hätten sicherlich einige gerne gestellt, leider wurde der zuletzt von vielen Mitgliedern gern genutzte Punkt „Aussprache“ nur kurz von Niebaum erwähnt. Jedoch bekam niemand das so richtig mit, da sich auf der „Bühne“ einiges ereignete und plötzlich wurde dann die JHV mit dem Absingen des traditionellen Borussenliedes beendet. Ich konnte, neben meinem eigenen, einige erstaunte Gesichter erkennen, die wohl gerne etwas zum besten gegeben hätten. Wir hatten das Gefühl, daß Kritik weiterhin nicht erwünscht ist, Stimm- und Klatschvieh dagegen sehr.

Die BVB-AktieSchwamm drüber, wie man so sagt. Kommen wir zu den Zahlen und Fakten. Wer erwartet hatte, daß Niebaum und Co. Zukunftsvisionen, wie weiteren Stadionausbau, Verstärkung der Mannschaft oder ähnliches präsentieren würden, sah sich enttäuscht. Außer den nebulösen, oben genannten, Andeutungen, die Saison als Startschuß in die goldene Borussenzukunft zu sehen, war davon leider nichts zu hören. Der Verein nahm lt. heutigem Bericht knapp 260 Mio. DM netto ein. Der Umsatz des Vereins selbst stieg von 160,7 Mio. auf 184 Mio. DM, das macht eine Steigerung von knapp 15%. Als Gewinn vor Steuern wies der Verein 4,7 Mio. DM aus. Das Eigenkapital des Vereins beträgt nach dem Börsengang nun 305,4 Millionen Mark. "Damit dürfte die Borussia einer der Klubs mit dem größten Vereinsvermögen in Europa oder gar der Welt sein", erklärte Niebaum. Der Kartenverkauf betrug 34,5 Mio. DM, die Einnahmen aus Fernsehen und Hörfunk 68,5 Mio., Sponsoring und Merchandising machten 69,9 Mio. DM aus und sonstige Erlöse 11,5 Mio. Demgegenüber stehen Aufwendungen von 92,6 Mio. DM für den Personalaufwand bei den Fußballprofis und -amateuren, sowie der Jugend- und Handballabteilung, 28,6 Mio. DM für Abschreibungen und 58,5 Mio. für sonstige betriebliche Ausgaben. Wir fragen uns hier allerdings, was genau diese 58.500.000 DM „sonstige betriebliche Ausgaben“ wohl sein mögen. Der Cash-Flow stieg von 27,6 Mio. DM im Vorjahr auf die "exorbitante Summe" (Manager Meier) von 35,7 Mio. DM.

geschrieben von Jens, 27.11.00

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