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Nieten in schwatzgelb - Teil 3: Rene Schneider - Erst Sündenbock beim BVB - Dann Vereinswechsel - Und nun?

01.01.2001, 13:00 Uhr von:  Redaktion

Die Geschichte des Rene Schneider beim BVB ist eigentlich schnell erzählt und birgt endlose Wiederholungen in sich. So kam er schon verletzt, plagte sich anschließend durchgehend mit Verletzungen herum und ging letztendlich zumindest seelisch stark angeschlagen. Dabei hatte man anfangs noch riesige Erwartungen in den großgewachsenen Abwehrspieler.

Sündenbock Rene SchneiderEr sollte auf lange Sicht sogar den "Fußball-Gott" Jürgen Kohler beerben. Während aber Kohler noch heute spielt, brachte es Rene Schneider auf maximal 8 Einsätze in einer Saison. Dass dies einen überaus schlechten Spielanteil darstellt, braucht sicherlich keiner besonderen Erwähnung. Symptomatisch also auch, dass er bei der Euro 96 zum ?neuen Herrmann? wurde, sprich keine einzige Minute eingesetzt wurde.

Beim BVB diagnostizierte man anschließend eine schwere Knöchelverletzung, die nach Aussage der BVB-Ärzte dem Karriereende gleichbedeutend sein sollte. Das löste einen großen Streit aus und schließlich wurde das Urteil der Sportunfähigkeit nach weiteren eingehenden Untersuchungen zurückgezogen. Ob das allerdings der Weisheit letzter Schluss war, darf bezweifelt werden. Denn trotz (sehr) sporadischer Einsätze, befand sich Rene Schneider größtenteils in der Rehabilitation, um eben Verletzungen auszukurieren.

Highlights dagegen waren wahrlich sehr rar gesät. Genau genommen gab es in den drei Jahren beim BVB nur ein Ereignis, das die Bezeichnung als Highlight auch wirklich verdient hat. Und zwar das Hinspiel im Champions-League-Viertelfinale 1997 gegen den AJ Auxerre, als Rene Schneider dem BVB durch ein Kopfballtor und eine gute Defensivleistung entscheidend zum 3:1-Sieg verhalf. Danach war es jedoch schon wieder vorüber mit der Herrlichkeit. Verletzungen warfen ihn mal um mal aus der Bahn. Selbst ein unter Nevio Scala im Heimspiel gegen Bielefeld erzielter Doppelpack stand sicherlich unter zu schlechten Vorzeichen, als dass man ihn als Erfolg werten könnte. Im Endeffekt verstummten dadurch nämlich nur die Pfiffe, die noch so lautstark seine Einwechslung begleitet hatten. Ausgepfiffen hatten ihn wohlgemerkt die eigenen Fans! Zurückzuführen waren die Pfiffe aber nicht etwa auf seine ständigen Verletzungen, obwohl auch diese zu einer sehr kritischen Beäugung führten, sondern auf den damaligen Bundestrainer Berti Vogts. Nachdem sich der Nationalmannschaftsstammspieler in spe über eine angebliche Nichtbeachtung (als einziger Europameister war er beispielsweise nicht zur Weihnachtsfeier des DFB inklusive opulenter Präsente eingeladen) öffentlich beschwert hatte, schoss Bundesberti zurück. Und zwar nicht zu knapp! Als faulen Jungmillionär titulierte er den Abwehrspieler und warf ihm vor, sich auf dem bisher Erreichten auszuruhen. Schneider war fortan endgültig zum Buhmann geworden, schließlich hatte Vogts als fast frischgebackener Europameister noch relativ großes Ansehen beim Fußballvolk.
Die Vogts?schen Vorwürfe bezogen sich vermutlich auf ein Ereignis kurze Zeit vor dem besagten Bielefeld-Spiel. Angeblich hatte sich Rene Schneider geweigert als Ergänzungsspieler in den Kader zu rücken. Nach seiner Darstellung blieb er jedoch lediglich in Dortmund, um zu trainieren, weil sein Rückstand zum restlichen Team nach einer der zahlreichen Verletzungen zu groß sei. Es gab keine andere Darstellung des Vereins, was bedeutet, dass dieser Vorfall im nachhinein nicht in irgendeiner Weise beleuchtet werden kann. Ein übler Beigeschmack bleibt aber so oder so!

Alle anderen Worte zu seiner Zeit beim BVB wären weiterhin reine Wiederholung, denn ihm klebte das Pech an den Schuhen und erwähnenswerte Spielanteile waren ihm aufgrund der Verletzungen nicht vergönnt. Abgesehen davon fand Michael Skibbe in seinem ersten und Schneiders letztem Jahr ohnehin keinen Verwendungszweck mehr für ihn. Nach drei Jahren verließ er den BVB wieder in Richtung Heimat und heuerte ein zweites Mal bei Hansa Rostock an. Ablösefrei übrigens, nachdem der BVB, neben dem auch die B*y*rn heftigst um Schneider mitgeboten hatten, 1996 noch eine beträchtliche Ablöse an die Ostsee überwiesen hatte.

Zurück zu den Wurzeln lautete also das Motto, das ihm wieder auf die Erfolgsspur verhelfen sollte. Es ließ sich auch gut an. Das erste Spiel, das erste Tor. Doch wirklich besser wurde es trotzdem nicht. Natürlich spielten Verletzungen eine Rolle, wobei er das alte Leistungsniveau ohnehin nicht mehr abrufen konnte. Und so hatte er am Saisonende 99/00 nur 9 Einsätze auf seinem Konto. Auch in dieser Saison läuft es keinen Deut besser, was alleine schon durch die erst zwei mickrigen Einsätze belegt werden kann. Dass er noch mal an die alten Glanztage anknüpfen kann, glaubt schon längst keiner mehr.

Ein Fazit ist schnell gezogen: Nach Barbarez und Schneider keine Rostocker mehr für den BVB, würden es die meisten wohl formulieren. Doch schade ist der äußerst unglückliche Verlauf seiner Tage beim BVB allemal. Denn gerade jetzt täte eine quantitative und qualitative Ergänzung im Abwehrbereich des BVB mit einem Mann im besten Fußballeralter Not. Nur passte die Kombination Schneider und der BVB von der ersten bis zur letzten Sekunde nie! Und angesichts seines weiteren Karriereverlaufs, ist es eher berechtigt zu fragen, ob Schneider und Leistungssport überhaupt eine passende Kombination darstellt!?!

Geschrieben von Sebi, 06.12.2000

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