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Der 09. Spieltag: Der Tag an dem die Bombe platzte

01.01.2001, 13:00 Uhr von:  Redaktion

Tatort BundesligaDieser neunte Spieltag stand Bedauernswerterweise erneut im Schatten der Ereignisse, die rein gar nichts mit dem Geschehen auf dem Fußballplatz zu tun haben. Zweifelsohne war dabei Leverkusen der Hauptspielort. Die Fakten rund um das Platzen der Bombe:

Zeit: 15.00 Uhr

Ort: Presseraum der BayArena in Leverkusen

Protagonist: Reiner Calmund

Schwerer Gang für Reiner 'Calli' CalmundDer ganz offensichtlich schwer angeschlagene Protagonist Reiner Calmund hatte die höchst undankbare Aufgabe der Öffentlichkeit mitzuteilen, dass das Ergebnis der Haaranalyse positiv ausgefallen ist und somit Christoph Daum ab sofort nicht mehr die sportlichen Geschicke von Bayer Leverkusen leitet. Als seinen Nachfolger ernannte man nach Rücksprache mit dem DFB kurzerhand und im wahrsten Sinne des Wortes über Nacht Rudi Völler. Doch das war zum einen aufgrund der gebotenen Eile nicht überraschend und zum anderen völlig nebensächlich.

Im Vordergrund steht jetzt auch nicht mehr Uli Hoeneß, sondern der Mensch Christoph Daum, der ganz ohne Frage vor einer unglaublich schwierigen Zukunft steht. Ohne Frage hat er aber auch einen unglaublich großen Fehler begangen. Zwar steht noch eine zweite Haaranalyse aus, aber die Reaktion aller Beteiligten schließt ein negatives bzw. für Daum positives Ergebnis fast gänzlich aus.

Folgerichtig wird es in Zukunft keinen Bayer-Trainer Christoph Daum und auch keinen Bundestrainer Christoph Daum mehr geben. Die Frage, die jetzt bei vielen sicherlich im Vordergrund stehen dürfte, lautet: "Wieso unterzieht sich Christoph Daum freiwillig einer solchen Untersuchung, wenn er kein reines Gewissen besitzt und zudem noch nicht einmal dazu genötigt war?" Aus der Ferne verbietet es sich mir aber weiter über seine Beweggründe zu rätseln und zu philosophieren (Realitätsverlust usw.). Stattdessen sollte man sich mal überlegen, was Christoph Daum in der nächsten Zeit durchmachen muss und wird. Vor allem erst, wenn sich die Medien so richtig auf ihn einschießen werden. Es bleibt aber zu hoffen, dass jetzt nicht gnadenlos mit dem Finger auf ihn gezeigt wird, sondern einem scheinbar kranken Menschen die ?Resozialisierung? ermöglicht wird. Mehr zu dem Thema ist aber im Kommentar von BoKa nachzulesen.

Denn Fußball wurde so ganz nebenbei erwähnt auch gespielt. Für den BVB war der Spielort, wie konnte es auch anders sein, der Ort an dem die Bombe platzte, nämlich die BayArena von Leverkusen. Nachdem sich dort langsam aber sicher eine Krise breit gemacht hatte und vor allem nach den spektakulären und fast ergreifenden Ereignissen der zurückliegenden Stunden, schien die Chance der Borussia auf einen Sieg so groß wie selten zuvor. Zumal der BVB noch immer die auswärtsstärkste Mannschaft der Liga stellte. Es folgte war aber ein völlig mutloser Auftritt der Borussen, was dazu führte, dass Bayer von Beginn an drückend überlegen war und schließlich völlig verdient mit 2:0 gewann. Fast schien es so, als wenn das Platzen der Bombe allein bei dem Gast aus Dortmund und nicht wie erwartet beim Gastgeber aus Leverkusen für Verunsicherung sorgte. Für die BVB-Fans dürfte vor allem erschreckend gewesen sein, dass sich die Mannschaft außer in einer kurzen Phase nach dem Gegentor seinem Schicksal ergab und wie so oft in der letzten Saison kaum dagegenhielt. Somit büßte man zwei Plätze in der Tabelle ein und es bleibt abzuwarten, ob diese Niederlage nicht zu einem wirklichen Knacks führen könnte, wie auch der beste Borusse Jens Lehmann besorgt bemerkte.

Bayern gewinnen DerbyÄhnlich chancenlos wie der BVB waren auch die Sechziger am dem Tag an dem die Bombe platzte im Lokalderby gegen die "großen" Bayern, die das Krisengerede mit dem 3:1-Sieg entgültig verstummen ließen. Zu erwähnen ist aus BVB-Sicht aber vielleicht, dass die gegen den BVB siegreichen Löwen damals, man höre und staune, auch einige Abwehrspieler zur Verfügung hatten und Werner Lorant sich damals dazu entschloss sogar den einen oder anderen Stürmer aufzubieten. So aber konnten die Löwen nicht dagegenhalten und vor allem die Brasilianer heizten ihnen mächtig ein.

Köln von Wölfen zerlegtNoch chancenloser waren an dem Tag an die Bombe platzte die Kölner bei den Wolfsburgern Wölfen mit Coach Wolfgang Wolf, wo man mit 6:0 unterging und somit der Stuhl von Trainer Ewald Lienen kräftigst angeknackst sein dürfte. Einerseits würde eine Entlassung zum jetzigen Zeitpunkt nach einer grandiosen Aufstiegssaison nicht gerade von Dankbarkeit zeugen. Andererseits ist das Fußballgeschäft bekannterweise ein sehr hartes. Vor allem aber sind 0 Volltreffer bei 9 Neuzugängen ist auch eine denkbar schlechte Quote. Ähnlich der, der Bundesligatabelle zu entnehmenden Kölner Punktequote.

Andi Brehme in LauternAm Betzenberg dagegen greift der "Ruuuudi-Effekt" weiterhin. Andreas Brehme errang im zweiten Spiel den zweiten Sieg bei 0 Gegentoren. Dass die Bremer dabei reichlich Chancen vergaben und insbesondere Marco Bode eine Fahrkarte nach der anderen schoss, spielt gar keine allzu große Rolle. Denn mit diesem nötigen Quäntchen Glück könnte auch aus Weltmeister Andy Brehme ein weiterer, der zur Zeit stark im Trend stehenden Zauberlehrlinge werden. Dabei darf im anstehenden Duell gegen ein weiteres Mitglied aus dieser Zauberlehrlings-Gilde und seine Dortmunder Borussia aus meiner Sicht erst mal ein Rückschlag erfolgen. Schließlich kann man aus Niederlagen immer lernen. Hoffentlich auch so geschehen bei unserer Mannschaft...

Freiburg besiegt die BlauenDer Sonntag rundete dann das unglückliche Wochenende immerhin halbwegs versöhnlich ab. Mit 3:1 kassierten sie Schlacker dabei schon die zweite Auswärtsniederlage in Folge. Freiburg seinerseits beendete nach 3 Niederlagen in Folge seine Negativserie und überzeugte größtenteils mit dem bekannten Kurzpassspiel. Nicht 3 Niederlagen, sondern 3 Siege in Folge gelangen nun Hansa Rostock und seinem Coach Friedhelm Funkel mit dem 2:1 in Bochum. Das alles am Sonntag, dem Tag nachdem die Bombe geplatzt war...

Geschrieben von Sebi, 22.10.2000

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