Fehlfarben

As(s)is, Lügen und Moneten 1.Teil: Assauer - Der Kaschmir-Prolet

01.01.2001, 13:00 Uhr von:  Redaktion

Vergangenen Freitag kamen sie endlich zu Potte: Das Achtelfinale um den DFB-Pokal zwischen Scheixxe 04 und Borussia Dortmund findet am 29. November um 20.30 Uhr im "hässlichsten Stadion der Welt" statt. Tagelang hatte es zuvor hinter den Kulissen ein Tauziehen um den Termin gegeben. Und das lag nun wirklich nicht daran, dass die Revier-Manager Rudi Assauer (64) und Michael Meier (50) derzeit in argen Kommunikationsstörungen stecken...

Grund war vielmehr die Live-Übertragung des Menschenmassen polarisierenden Krachers im ZDF - dadurch wurde die Anstoßzeit diktiert. Ein Umstand, der sich immer öfter bemerkbar macht. Die Vereine haben lukrative Verträge mit dem Fernsehen abgeschlossen, damit jedoch auch ihre eigene Seele verkauft und die Termingestaltung aus den Händen verloren. Ansetzungen für Europacup, Bundesliga und DFB-Pokal werden heutzutage stets durch die Übertragungszeiten vorgegeben. Doch inzwischen geht die daraus resultierende Flut von kurzfristigen Verlegungen vielen Klubs gehörig gegen den Strich. "Es geht nicht, dass manche Spiele erst eine Woche vorher angesetzt werden. Da muss man sich was einfallen lassen", schimpft der seit dem 1. April 1993 "auf Scheixxe" regierende Manager Rudi Assauer.

Die beiden Vereine Scheixxe 04 und Borussia Dortmund waren ja noch nie für ihre innige Freundschaft bekannt. Dennoch pflegten die Revierklubs in den vergangenen Jahren ein relativ harmonisches Verhältnis: Zwar von Konkurrenz geprägt, aber auch von Fairness. Jetzt blitzt die alte Rivalität auf - mit Angriff und Gegenangriff und Pappnasen-Rudi-Cigar schießt medienwirksam böse Giftpfeile ab.

Rudi Cigar VS Mr. Bean= Mehr als nur hart aber herzlich!

Assi zog in lockerer Runde bei einer Gala in Berlin derb vom Leder und ein findiger Reporter der "Bild am Sonntag" notierte fleißig mit. In einem kräftigen Rundumschlag gegen einige Bundesliga-Vereine verschonte Assauer auch seinen "Lieblingsgegner" nicht. "Dortmund habe doch keine Mark mehr", heißt der Kernvorwurf. Die Schwarz-Gelben seien an die Börse gegangen, "weil sie 80 Millionen Mark Gehaltskosten haben, weil sie alles verkauft haben, weil ihnen nichts mehr gehört".

Das wollte Borussen-Manager Michael Meier nicht auf sich sitzen lassen. In der Sendung "Doppelpass" des Deutschen Sport-Fernsehens verteidigte er seinen Verein - und griff dabei auch zur Keule, nicht zum Florett: "Bitte, tun Sie mir das nicht an, dass ausgerechnet Herr Assauer jetzt als derjenige gilt, der wirtschaftliche Zusammenhänge erläutern darf und als Kenner der Branche gilt, was die Interpretation, Analyse und Definition einer Bilanz angeht", meinte Meier erregt. "Ich glaube, dass der Rudi Assauer seine eigene Bilanz nicht lesen kann. Gucken sie sich den Schuldenstand oder Verbindlichkeitenstand von Scheixxe 04 an. Da gibt er eigentlich schon selbst die Antwort", konterte Meier verschmitzt lächelnd. Und er attestierte Assauer, auf diesem Gebiet nicht gerade ein Experte zu sein: Er wolle nicht arrogant wirken, nur es störe ihn schon, wenn ein Laie in diesen Fragen Borussia Dortmund beleidige, wo er sich selbst durch den Blick auf seine eigene Bilanz Lügen strafe, dass man nur mit dem Kopf schütteln könne. Aber vielleicht, meinte Meier noch süffisant, sei Assauer ja "benebelt" gewesen, als er das alles in beeindruckender "Hauptstadtatmosphäre" im beisein seiner schönen Schauspielerfreundin Simone Thomalla zu vorgerückter Stunde protzend zum Besten gab.

Über die "BamS" hält "Assi" dem BVB weiterhin vor, nicht mehr Herr im eigenen Hause zu sein: "Die haben sich an die Ufa verkauft. Deshalb würde ich auch keine Aktie kaufen. Ich lass mir nicht erzählen, wie das Geschäft geht."

Daraufhin angesprochen kontert Michael Meier: "Den Vertrag mit der Ufa würde ich jederzeit wieder unterschreiben. Das ist ein reiner Agenturvertrag über Vermarktungsrechte. Welcher Verein hat denn schon allein zehn Leute in seiner Marketing-Abteilung? Und die müssen wir nicht einmal bezahlen. Aber die fällen nicht eine Entscheidung ohne uns. Nach wie vor haben allein wir das Sagen. Und wir haben für diesen Zehn-Jahres-Vertrag hundert Millionen Mark bekommen. Wir lassen uns von Herrn Assauer nicht diskreditieren".

Fußball im Revier funktioniert eben nicht ohne Emotionen. Dazu zählt auch die alte Rivalität zwischen Scheixxe und Dortmund. Es ist allerdings nicht mehr als ein schäbiger "PR-Gag", wenn Assi jetzt wieder unmittelbar vor dem Pokalspiel mit Aggressivität in den Aussagen und Schärfe im Tonfall das traditionell schwierige Verhältnis in den Mittelpunkt des Medieninteresses rückt. Überhaupt: Warum äußert sich "Assi" ohne Not abfällig über Borussia Dortmund? Der pseudo-distinguierte Manager (der ja immer so gern von "Tradition und Volksnähe" faselt, während er mit Daumen und Zeigefinger an der Schachtel Davidoff Grand Cru No. 3 nestelt, um nach seinem Markenzeichen zu suchen), muss als vermeindlicher Bundesliga-Profi doch wissen, dass er auf keiner großen Party einfach nur als Privatperson auftritt und jedes salopp in den Saal geworfene Wort einen Donnerhall auslösen kann. Über den prompten Konter von "Mr. Bean", der "Rudi-Cigar" erst kürzlich als "Kaschmir-Prolet" bezeichnete, musste sich also niemand sonderlich wundern. Klappern gehört zum Handwerk, besonders bei jener Zunft...

Und dabei könnten sich Scheixxe und Dortmund in dieser Spielzeit doch in aller Ruhe auf sich und ihren Sport konzentrieren und zusehen, wie turbulent es bei den Konkurrenten (etwa in Leverkusen und München) zugeht.

Wieso das aber insbesondere beim verhassten blauen Revier-Rivalen derzeit nicht möglich ist , erfahrt Ihr im Teil 2 der Serie: As(s)is, Lügen und Moneten

Teil 2 findet ihr hier.

Teil 3 findet ihr hier.

Geschrieben von BoKa, 23.11.2000

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