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Spielbericht Profis - 02.12.2018

Freiburg ist wie Brügge – nur ganz ganz anders

Die Südtribüne Dortmund beteiligte sich an den bundesweiten Protesten

Drei Tage nach dem müden 0:0 gegen den Club Brügge kam der SC Freiburg nach Dortmund. Gegen die Streich-Elf sollte die Tabellenführung weiter ausgebaut werden. Vor dem Hintergrund, dass sich Sonntag Ponys mit Rindern zum Landwirtschaftsderby treffen, eine gute Gelegenheit die Verfolger weiter zu distanzieren.

Freiburg ist wie Brügge – nur anders

Die Stimmung in der ersten Halbzeit ähnelte zwar der vom Mittwoch, als große Teile des Stadions bereits nach 5 Minuten final wegdämmerten, diesmal aber aus anderem Grund:

Auch nach dem angekündigten Verzicht auf die Montagsspiele hielten die aktiven Fanszenen an dem 45-minütigen Protest fest. Es darf und sollte natürlich diskutiert werden, ob diese Form des Protests sinnvoll ist oder es bessere Alternativen gibt. Aber keiner sollte den Fehler machen, diese Proteste als Selbstdarstellung der aktiven Fans abzutun, wie vereinzelt zu lesen war. Dieser Kreis, der aus weit mehr als nur der Ultraszene besteht, hat in den vergangenen Jahren einiges erreicht. Ob sie es schaffen, das Rad der Kommerzialisierung anzuhalten oder zumindest zu verlangsamen ist fraglich, den Versuch sollte man ihnen nicht zum Vorwurf machen.

Und das Pendant auf Gästeseite

Dass sich ein Pit Gottschalk dazu versteigt, die Ultras (auch er versteht den Unterschied zwischen Ultras und aktiver Fanszene nicht), mit Gauland und Trump zu vergleichen, ist dabei nur der Gipfel der Entblödung. Wer aktiv vorweihnachtlich Kilos loswerden will, sollte sich einfach seine Kolumne zum Fanprotest durchlesen, das Erbrechen kommt dabei von ganz alleine.

Der normale Fußballfan darf bei der Bewertung des Protests nicht vergessen, dass genau der aktive Teil der Fanszene am stärksten unter der Spieltagszersplitterung leidet. Wer mit seiner Dauerkarte Heimspiele besucht und nur ab und zu auswärts dabei ist (und zu dieser Gruppe gehört auch der Autor dieser Zeilen), für den ist ein Montagabendspiel halt ärgerlich, aber kein Beinbruch. Wer bei jedem Spiel dabei ist, dem tut es selbstredend deutlich mehr weh, wenn er für ein Montagabendauswärtsspiel zwei Tage Urlaub nehmen muss, anstatt am Samstag entspannt ins Stadion zu gehen. Offenbar sahen dies auch weite Teile der Südtribüne so. Dies zeigte sich, als vereinzelt Gesänge aus den Ecken oder den außenliegenden Blöcken angestimmt wurden. Deutlich vernehmbare Pfiffe waren die Folge, die zum Großteil nicht aus Block Drölf kamen.

Freiburg ist wie Brügge – nur ganz anders

Axel Witsel gegen Janik Haberer

Es hatte wohl keiner erwartet, dass der SC Freiburg hier die totale Offensive auf den Platz bringt. Stattdessen wählte Christian Streich die Brügge-Taktik von Mittwoch. Allerdings gab es zwei gravierende Unterschiede. Erstens, brachte Freiburg in der Offensive im Gegensatz zu Brügge auch mal einen Pass an den Mann, zweitens ergaben sich defensiv durchaus einige Lücken für den BVB. Deswegen spielt Brügge wahrscheinlich auch Champions League und Freiburg nicht. Bereits in den ersten 5 Minuten kombinierten sich die Schwarzgelben zweimal in den Strafraum, zählbares sprang noch nicht raus.

Freiburg verlegte sich auf lange Bälle und kam in der 13. Minute durch Petersen zur ersten Chance. Nach einem Stellungsfehler von Zagadou schien der Topstürmer der Freiburger frei auf Bürki zulaufen zu können, doch Hakimi lief ihn eiskalt ab. Überhaupt Hakimi: in der ersten Halbzeit zeigte der Marokkaner mal wieder seine Sahneseite. Unglaublich agil, vorne wie hinten und extrem abgezockt.

Vorne kombinierte Dortmund sich weiter gefällig Richtung Strafraum. Unterstützt wurde dies dadurch, dass mit Sancho, Reus und Bruun Larsen wohl das schnellste offensive Mittelfeld der Liga auf dem Platz stand. Leider war zwischendurch der ein oder andere Spieler auch mal schneller als der Ball und so versandeten gute Kombinationen häufig schon vor dem Strafraum.

Bitter: Dan-Axel Zagadou musste noch in der ersten Halbzeit raus

Und so musste Freiburg dann doch nachhelfen. In der 39. Minute lief Sancho mal wieder mit Ball in den Strafraum und Dominique Heintz trat ihm so klar wie dämlich auf den hässlich-blauen Fußballschuh. Frank Willenborg entschied auf Elfmeter, der Videoassistent hielt die Klappe und Reus versenkte den Ball stumpf in die Mitte.

Nun würde ja bekanntlich alles einfacher werden. Freiburg müsste aktiv am Spiel teilnehmen, dem BVB würden sich Räume öffnen, Kantersieg incoming. Doch nur eine Minute nach der Führung hätte Jérôme Gondorf beinahe alles wieder auf Null gestellt. Sein hervorragender Freistoß aus 25 Metern prallte an die Unterkante der Latte und von dort zurück ins Feld. Nun gut, er hätte auch ruhig hinter die Linie springen können, bei Frank Willenborg ist Tor schließlich nur dann, wenn der Ball das Netz ausbeult (wer die Anspielung nicht versteht, der googelt mal, was Willenborg im Pokalfinale 2014 für eine Aufgabe hatte).

Einen großen Wermutstropfen hatte die erste Halbzeit allerdings auch: Der schwatzgelb.de-Lieblingsspieler der letzten Wochen, Dan-Axel Zagadou, musste nach 37 Minuten verletzungsbedingt vom Platz. Bei einem Pass verletzte er sich ohne Fremdeinwirkung, ob und wie lange er ausfallen wird, ist unklar. Da auch Akanji verletzungsbedingt passen musste, kam Ömer Toprak in die Partie.

Freiburg ist wie Brügge – nur ganz ganz anders

Marco Reus mit dem 1:0

Der BVB startete, nun mit gewohnter Unterstützung der Südtribüne, engagiert in die zweite Halbzeit. Bereits nach 2 Minuten hätte Reus für eine Vorentscheidung sorgen können, als er Gondorf im Strafraum den Ball klaute und an der Klasse-Reaktion von Schwolow scheiterte. Ansonsten kam Freiburg in den ersten 15 Minuten kaum aus der eigenen Hälfte raus. Zudem hatte Streich in der Halbzeitpause scheinbar die besten Brügger Offensivaktionen vom Mittwoch gezeigt, denn auch die Freiburger schmückten ihr Spiel nun mit Fehlpässen aller Art. Besonders beliebt dabei, der Pass nach außen, knapp am Spieler vorbei ins Seitenaus.

Doch der BVB konnte kein Kapital aus dem Freiburger Spiel schlagen. Wieder fehlte im letzten Pass die Präzision. Und so zog sich der BVB ab der 60. Minute immer mehr zurück. Allerdings blieb es auf Freiburger Seite nur bei zaghaften Bemühungen in der Offensive. Selbst gute Kontersituationen wurden jämmerlich verspielt. Dortmund hingegen kam noch einige Male gefährlich nach vorne, Piszczek traf allerdings in der 79. Minute per Gewaltschuss nur die Latte. Und während man sich innerlich schon auf den Glücks-Ausgleich der Freiburger in der Nachspielzeit einstellte, betrat Maximilian Philipp für Marco Reus das Feld. Kurz vor dem Ende des Spiels eroberte er stark den Ball, setzte zum Lauf durchs Mittelfeld an und brachte, trotz Freiburger Foulspiels den Ball zu Sancho (an dieser Stelle ein Lob an Willenborg, den Vorteil laufen zu lassen). Sancho lief quer durch die Freiburger Hälfte, setzte Piszczek ein, und der verzichtete auf die 90%-Torchance und legte quer auf Alcacer, der ohne Mühe vollendete.

Paco Alcacer erzielte mal wieder ein Jokertor

Apropos Piszczek: Ja, ich hatte ihn zu Beginn der Saison abgeschrieben. Ja, ich habe mich geirrt. Was dieser Typ derzeit abreißt, ist Wahnsinn. Und seit dieser Woche auch CL-Rekordspieler des Ballspielvereins. Herzlichen Glückwunsch!

So war es insgesamt ein verdientes 2:0, das in seiner Spielanlage an das Brügge-Spiel erinnerte, aber mit 3 Punkten halt ganz, ganz anders war.

Einzelkritik

Bürki: Hoffentlich hat er sich nicht erkältet.

Piszczek: Alles oben zu geschrieben. LE-GEN-DE.

Diallo: Abgeklärt und souverän, aber auch wenig gefordert.

Zagadou (bis 37.): Gute Besserung!

Einstimmung auf das Derby nach AbpfiffHakimi: Saustark in der ersten, gut in der zweiten Halbzeit.

Delaney: Im Zweikampf kaum zu überwinden und mit einigen Traumpässen auf die Außen.

Witsel: Chef im Mittelfeld.

Bruun Larsen: Momentan mit Licht und Schatten, aber immer mit vollem Einsatz dabei.

Reus (bis 81.): Chef im Mittelf...oh hatten wir schon. Dann halt Kapitän auf dem Platz. Und das nicht nur wegen der Binde. Oder für alle, die es pathetisch mögen: Wenn Witsel der Kopf ist, dann ist er das Herz.

Sancho: Wie immer mit Spielfreude und heute auch häufig mit den richtigen Entscheidungen

Götze (bis zur 70.): Mal wieder mit der Aufgabe, die Gegner müde zu laufen, damit Alcacer nachher treffen kann. Hat funktioniert.

Toprak (ab 37.): s. Diallo

Alcacer (ab 70.): Die Wettquote auf ein Jokertor von ihm, liegt mittlerweile wohl bei 0,9.

Philipp: (ab 81.): In den letzten Wochen außen vor, heute direkt mit überragender Einzelleistung vor dem 2:0.

Michael - 02.12.2018


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