schwatzgelb.de
Zu schwatzgelb.com wechseln

Warmlaufen - 10.11.2018

​Alle für einen (Sieg)

Die Bayern hatten 2012 einen Gegner, dem sie nicht gewachsen waren: das WestfalenstadionIm Moment könnte es einem als Borusse ja nicht besser gehen. Tabellenführer in der Bundesliga, Tabellenführer in der Championsleague, Überwinterung im DFB-Pokal. Die meisten Tore geschossen, die wenigsten Tore bekommen. Uns scheint im Moment tatsächlich die Sonne aus dem Allerwertesten. Und wäre das nicht schon schön genug, geht es den Blauen derzeitig ziemlich mies und sogar die Bayern straucheln und entwickeln dabei ein FC-Hollywood-Verhalten, das es schon lange nicht mehr gegeben hat. Also alles wunderbar, nicht?
Nun ja, es gibt trotzdem ein paar Baustellen. Und dabei meine ich gar nicht die erste Niederlage nach 15 Pflichtspielen – gegen eine der besten Mannschaften der Welt darf man verlieren. Es geht eher um die Stimmung im Stadion. Ganz allgemein ist diese zwar besser als auch schon, doch gerade das letzte Heimspiel gegen Hertha hat gezeigt, wie fragil das Gebilde im Moment ist. Ich will hier jetzt weder auf die Vorfälle in der ersten Halbzeit, noch die diversen Reaktionen darauf weiter eingehen. Das ist Vergangenheit und zu genüge von allen Seiten besprochen worden.
Es geht mir vielmehr darum, dass wir dies heute hinter uns lassen und uns alle zusammen ganz darauf konzentrieren, was wir erreichen können. Ein Sieg heute und wir wären tatsächlich sehr nah dran, ernsthaft von der Meisterschaft träumen zu dürfen. Das ist jedoch, trotz oder gerade wegen der angeschlagenen Bayern, ein extrem schwieriges Unterfangen und alle Underdog-Bekundungen aus München dienen nur dazu, uns glauben zu lassen, dass wir uns nicht voll anstrengen müssen.
Doch das ist ein Trugschluss. Ich bin mir sicher, dass die Spieler dies wissen, ohne uns werden sie es jedoch trotzdem kaum schaffen.
Rückblick: 11. April 2012, die Bayern sind in Dortmund zu Gast. Die Situation ist der von heute gar nicht mal so unähnlich, mit der Ausnahme, dass die Saison schon weit fortgeschritten ist und ein Sieg in diesem Spiel fast schon sicher die zweite Meisterschaft in Folge bedeutet. Die Bayern sind angeschlagen und verwundet, aber umso gefährlicher. Doch sie haben an diesem Tag einen Gegner, dem sie nicht gewachsen sind: das Westfalenstadion. Vom ersten Moment und dem ersten Ballbesitz der Bayern an, erschallt ein Pfeifkonzert, das seinesgleichen sucht. Die Borussen werden bei Ballbesitz von einer akustischen Euphoriewelle getragen, während die Bayern gegen eine Schallmauer an Pfiffen rennen. Dann fällt das Tor per Hake vor der Südtribüne: während sich der Ball im Netz zwischen den Bananen verfängt, fallen im gesamten Stadion Menschen übereinander, untereinander, einander in die Arme. Doch das Spiel ist noch lange nicht entschieden, es wird dramatisch: Lattenschüsse, Elfmeter, doch Robben scheitert. An Weide, der Wand und am Stadion, der Wand.
Das ganze Stadion steht 2012 hinter der MannschaftWährend dem ganzen Spiel fällt auf, dass die Ultras eigentlich gar keine Gesänge vorgeben. Das Stadion braucht einfach keine Vorgaben, weil jeder genau weiß, was er zu tun hat. Es sind auch gar nicht wirklich Gesänge, es ist einfach nur Energie, die das Stadion produziert. Energie, die unsere Jungs trägt und die Bayern lähmt. Weil jeder einzelne im Stadion ununterbrochen singt, schreit und pfeift. Und weil garantiert jeder einzelne im Stadion am nächsten Tag (und die zwei Tage danach) keine Stimme mehr hat.
Wer glaubt, dass es heute mit auch nur einem Quäntchen weniger gehen wird, der täuscht sich gewaltig. Daher möchte ich jeden von euch, der heute im Stadion ist, eindringlich dazu aufrufen für mindestens 90 Minuten alles zu geben, egal was passiert. Schreit, singt, pfeift, hüpft, tanzt, schimpft, kreischt - seid laut! So wie am 11. April 2012. Wenn morgen in Dortmund noch ein Stadionbesucher mit fester Stimme ein Brötchen beim Bäcker bestellen kann, sollte er geteert und gefedert aus der Stadt verjagt werden. Nur wenn sich jeder einzelne daran hält, dann werden wir hoffentlich alle zusammen feiern können. Und ganz vielleicht ein wenig von der nächsten Meisterschaft träumen. So wie 2012.

Nadja, 10.11.2018


Du möchtest schwatzgelb.de unterstützen?

Schwatzgelb.de ist kostenlos und werbefrei. Wir finanzieren unsere ehrenamtliche Arbeit über unsere Shops. Schaut doch mal rein!