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Unsa Senf - 03.11.2018

Die europäische Super League - Eine Kriegserklärung an den Fußball

Es sind brisante Informationen, die der SPIEGEL am Abend enthüllte. Die europäische Superliga geistert schon seit langem durch die Fußballwelt, doch die Plattform Football Leaks belegt jetzt mit Dokumenten, dass die großen Klubs in Europa die Einführung seit 2016 gezielt vorantreiben.

Mittendrin: der FC Bayern München. Laut den Enthüllungen haben die Münchener, allen voran Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge, bereits geprüft, ob und wie sie die Bundesliga verlassen könnten, um sich der europäischen „Super League“ anzuschließen.

Laut SPIEGEL eine der treibenden Kräfte - Karl-Heinz RummeniggeNun wäre die Einführung der „Super League“ als Konkurrenzprodukt zur Champions League zunächst nicht zwangsläufig der Untergang des Abendlandes, schließlich steht auch die UEFA für ungezügelten Fußballkapitalismus und -korruption auf höchstem Niveau, doch wenn man sich die Pläne der Klubs anschaut, bleibt einem der Mund offen stehen. Es soll keine offene Liga mit Auf- und Abstieg geben, stattdessen gibt es 11 Gründungsmitglieder, die für mindestens 25 Jahre unabsteigbar sind, zusätzlich gibt es 5 „Gäste“ (hier kommt auch der BVB ins Spiel, doch dazu später mehr), die dann zusammen mit der „Super League 2“, den Auf- und Abstieg ausspielen. Spätestens hier wird klar: es geht (surprise, surprise) nur um das ganz große Geld. 11 Vereine, die seit Jahren schon mit Geld zugeschmissen werden, bilden ihren elitären Zirkel um den maximalen Profit abzuschöpfen. Dass diese Vereine schon seit Jahren daran arbeiten, ihre Vormachtstellung mit allen Mitteln zu sichern, scheint ihnen nicht zu reichen. Es muss der ganz große Wurf her. Und mit diesem großen Wurf ist eine Liga außerhalb der nationalen Ligen gemeint.

Das was diese Vereine vorhaben, ist nichts weiter als eine Kriegserklärung an den Fußball. Es ist der ausgestreckte Mittelfinger an alle anderen Vereine. Es ist die ultimative Absage an jede Art von Wettbewerb. „Wir bleiben unter uns – der Pöbel kann draußen bleiben.“ Dabei muss die Bundesliga fußballerisch gar nicht so viel schlechter werden, schließlich werden nicht alle guten Spieler in der „Super League“ unterkommen, trotzdem wird ein großer Teil des Geldes an das vermeintliche Premiumprodukt abfließen. Und nicht zuletzt wird ein Wettbewerb um den Titel „Deutscher Meister“ sinnlos, wenn die beste(n) Mannschaft(en) nicht daran teilnehmen. Eine europäische „Super League" könnte Vereine wie Bremen, Berlin oder Frankfurt, aber auch Valencia, Lyon oder Marseille auf Dauer in die Bedeutungslosigkeit führen.

Ich möchte hier gar nicht weiter auf die negativen sportlichen Begleiterscheinungen einer „Super League“ eingehen, weil alleine die Grundidee dieses Papiers so unglaublich arrogant ist, dass alles weitere dagegen verblasst.

Spagat zwischen Bundesliga und "Super League" - Aki Watzke

Und der BVB? Der soll als „Gast“ an der „Super League“ teilnehmen dürfen. Die 11 Oberen lassen also 5 Plätze am reich gedeckten Tisch frei. Diese 5 dürfen sich dann untereinander balgen, wer auch im nächsten Jahr am Tisch sitzen darf. Lieber BVB: man darf Einladungen auch ausschlagen. Aki Watzke hat zwar extra betont (und nebenbei die Gespräche über die „Super League“ bestätigt), dass ein Verlassen der Bundesliga in seiner Amtszeit keine Option ist, doch zum einen endet auch Aki Watzkes Amtszeit irgendwann und zum anderen würde eine „Super League nicht ohne den BVB gehen“ (ebenfalls O-Ton Watzke). Seien wir also wachsam, in welche Richtung sich unser BVB entwickelt.

Der SPIEGEL hat richtigerweise geschrieben, dass der Fußball am Scheideweg steht. Das Erlebnis Fußball wird sich ändern, im Stadion und vor dem Fernseher. Es ist gut möglich, dass sich jeder von uns schon in naher Zukunft entscheiden muss, ob dieser Fußball noch sein Fußball ist. Die tiefgreifenden Änderungen werden alle betreffen: Allesfahrer, Dauerkartenbesitzer, Gelegenheitsbesucher, Fernsehzuschauer. Wir sind gut beraten, zu überlegen, ob wir das wollen. Denn einmal in Schwung wird sich das Rad nicht zurückdrehen lassen. Und wir sollten uns in diesem Zuge noch einmal vor Augen führen, dass die wahren Feinde des Fußballs nicht in irgendwelchen Fanblöcken, sondern in korrupten Verbänden und grenzenlos gierigen Vereinen sitzen.

Michael - 03.11.2018


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