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Eua Senf - 01.11.2018

Handball in Transsilvanien - Die BVB Handballerinnen bei HC Zalau

Nach knapp 14 Jahren das Comeback der BVB Handballerinnen auf der Internationalen Bühne und so wie es der Zufall wollte, war das Spiel in dem Land in der Region, wo vor 15 Jahren der größte Erfolg der Handballabteilung statt fand: in Rumänien. Um genau zu sein in Transsilvanien !

Damals gewann der BVB in Baia Mare den EHF Challenge Cup (2003) Danach traf es den BVB bekanntlich sehr hart und so ging es dann leider auch mit der Handballabteilung ein wenig zu wie in einer Achterbahnfahrt.

Um so schöner ist es, dass sich die Handballerinnen wider nach oben gekämpft haben und wieder in Europa dabei sind. Nach dem großen Erfolg damals war mir klar: ein Comeback musste her!

So hieß der kommende Gegner HC Zalau und Google wusste zu helfen: „HC Zalău, Rumänien“ Schnell war der Flug von Dortmund nach Cluj gebucht, allerdings sollte der Trip 4 Tage dauern. Egal dachte ich irgendwie wird die Zeit schon umgehen ( und sie ging schneller um, als erwartet ) .

Tag 1

Der Flug startete pünktlich ab Dortmund, so dass man 15Uhr 15 Ortszeit in Cluj landete. Nachdem man schnell den Bus Richtung City fand, landeten wir auch direkt am Hauptbahnhof und es kam der erste Hammer: den Regional Bus nach Zalau fuhr nicht mehr ... dabei war es erst 17 Uhr !!! „Nee, der fährt nicht mehr“ hieß es nun, so blieb nur noch das Taxi welches mich 82 km durch das wilde Transsilvanien "schob". Immerhin die Landschaft war sehr schön anzusehen, echt wunderbar !!!!!! Die Taxikosten von knapp 45 Euro hatten immerhin den Vorteil direkt vor das Hotel gebracht zu werden !! Schnell eingecheckt und eine kleine Runde durch die kleine Stadt Zalau. Es war nicht viel los, aber es war ja auch erst Donnerstag. Also zurück zur Hotelbar und einem Bier. Das war es auch schon für den ersten Tag !!

Tag 2

Die Sonne schien bei blauen Himmel und 23 Grad. Perfekt! Nun wurde die Stadt etwas genauer angeschaut und schnell wurde klar, dass Zalau keine Metropole, sondern ein kleines beschauliches Städtchen ist. Dies schlängelt sich an einer dicken fetten Hauptstraße, wo sich sämtliche Geschäfte und Bars befinden. Der Rest sind Wohnblöcke, die bis in das Gebirge rein wachsen.

Nachdem ich die Halle und das Abschluss Training des HC Zalau sehen durfte (der BVB war noch nicht da und keiner konnte sagen, wann deren Abschluss Training ist), schlenderte ich zurück ins Zentrum, wo mir noch ein kleines verwittertes Schild mit der Aufschrift „Stadion“ auffiel.

Da musste ich noch hin und siehe da, die E-Jugend hatte gerade ein Meisterschaftsspiel. Diesen Spaß gönnte ich mir und schaute zu. Dabei lernte ich den Co Trainer kennen, der Deutsch sprach. Er erzählte mir, dass der Club insolvent war nun ein Nachfolge Club gegründet wurde, der jetzt in der 4. Liga spielen würde.

Nächster Programmpunkt: Kultur !!!

In Rumänien waren die Römer und sie hinterließen die größte noch bestehende Römeranlage inkl. Amphitheater. Sie liegt ca. 7 km vor der Stadt, also auf ins nächste Taxi. Wer ein ein Faible für Geschichte hat: Hin mit Euch! Die Anlage ist sehr sehenswert & imposant !!!

Danach ging es zurück ins Zentrum und so langsam begann das Nachtleben ((: zwei drei Bars später fiel mir das Rock N Roll Center Zalau auf und es entpuppte sich als Metal/Punk Laden. Dort trifft sich alles was keine Mainstream Musik hört. Man kam sofort mit den Leuten dort ins Gespräch und mir wurde direkt ein Flyer für ein Konzert am nächsten Tag in die Hand gedrückt.

Da das Spiel schon um 16 Uhr begann, das Konzert aber erst um 20 Uhr, war der dritte Tag schon durchgeplant !!!! Der Rest des Abends bestand aus leckeren günstigen Bier, der 1000 fachen Bewunderung über den grandiosen Fußball des BVB und der Frage, warum man für Frauenhandball nach Zalau reist, wenn es doch Fußball gibt. Nach 14 bis 18 Bier ging es dann rotzen voll zurück ins Hotel.

Tag 3

Es wurde ein wenig länger geschlafen und wieder war der Tag sonnig mit super angenehmen Temperaturen !!

Es war Spieltag, aber davon merkte man nicht viel in der Stadt. Alles verlief normal und der durchschnittliche Zalauer kaufte auf dem örtlich Markt sein Gemüse und Obst für das Wochenende ein . Ich schlenderte zur Halle und trank bzw. „würgte“ ein contra Bier runter ... gespannt ob noch andere BVB‘ler den Weg fanden. Tatsächlich kamen noch 2 weitere Jungs mit dem Taxi an. So waren wir drei BVB Fans vor Ort. In der Halle gab es dann auch von den Verantwortlichen Freikarten für uns!

Die Halle fasste ca 950 Zuschauer und war so gut wie ausverkauft !!! Es gab einen sehr guten organisierten heimischen Fanblock der Vollgas Support machte inkl. Spruchband ( ich weiß bis heute nicht was drauf stand ) und einer Blockfahne, die fast die komplette Tribüne abdeckte. Leider wirkte sie ein wenig ideenlos, da es einfach die Rumänische Nationalflagge war, dazu ein paar Schwenkfahnen, ein Doppelhalter und fertig war der Block. Für Handball aber völlig ok ...

Enttäuschend war es, dass es weder vor noch in der Halle was zu trinken oder zu essen gab. Auch in der Halbzeit gab es nicht mal Wasser! Hat man so auch noch nicht erlebt.

Spielerisch war es dann doch eine spannende Sache, zumal wir Außenseiter waren. Um so größer war dann die Freude, dass wir mit 25:25 ein Unentschieden mitnahmen. Zwischenzeitlich lagen wir sogar vorne. Wahnsinn !!!!! Während des Spiel lief der Trainer zu uns und bat uns die nächsten taktischen Anweisungen auf der kleinen bereitliegenden Tafel vorzubereiten. Dabei hatte der Trainer immer ein Grinsen im Gesicht und war trotz super Anspannung noch zu scherzen bereit. Ja, so cool sind die Holländer !!!! Aber das wesentliche immer dabei im Auge behalten.

Nach dem Spiel kam die komplette Mannschaft, inkl. Vorstand und Trainerstab, zu uns drei und bedankte sich !! Klasse so muss datt !!!!!!!!!!!! Spaß und Kompetenz in einem.

Anschließend leerte sich die Halle schnell. Es war klar, dass die Fans der Heimmannschaft sehr frustriert waren und so wurde die Halle zügig geräumt.

Am Ausgang kreuzten sich noch mal die Wege des gegnerischen Supporter Blocks und mir. Plötzlich zogen die Chefs der Zalauer BVB Kappen aus den Rucksäcken und zogen sie voller stolz auf ihre Köpfe und hielten beide Daumen hoch inkl. kurzes „Shake Hands“, was wirklich freundschaftlich ausfiel.

Danach zog es mich in das Rock n Roll Center um mir eine rumänische MetalBand anzuschauen. Allerdings war das gespielte Mittelalter Metal nicht so mein Ding. Anwesend waren noch einige heimische Fans, die vorher beim Spiel waren. Da ich einen BVB Schal trug wiederholte sich das Spiel vom Freitag und noch viel voller kroch ich zurück ins Hotel ( verdammt wenn der Alk nicht so billig wäre !! )

Tag 4

Nach einer kurzen Nacht war nun der Rückweg nach Dortmund die Herausforderung !!! Und siehe da, ein wenig Transsilvanien Flair kam doch noch auf. Es war ja 5 Uhr morgens und noch dunkel, als ich vor dem Hotel stand.

Da kam Er - Graf Dracula mit der schwarzen Postkutsche ( sofort fing es an zu blitzen, zu donnern und vor allem zu regnen an!! ). Er nickte nur, ich solle einsteigen und schon ging es mit lauten Gepeitsche auf die Pferde Richtung Flughafen. Als dann die Sonne aufging, war Dracula weg. Im Flughafen stand die BVB Mannschaft, die im selben Flieger direkt nach Dortmund flog …

Naja, so hätte ich es mir vorgestellt, aber mit Graf Dracula kam es leider anders und ich fuhr mit dem Zug noch 80 km nach Cluj zum Flughafen. Die Fahrt dauerte 5 1/2 Stunden, aber ich genoss wieder die sehr schöne Landschaft.

Ein geiler Trip ging zu Ende und ich sage es euch: Vergesst Madrid oder Monaco, wenn es BVB Europapokal Handball gibt !

Übrigens im Rückspiel haben wir dann den Hc Zalau raus geworfen und die Auslosung ergab na na !! Rumänien kein Scherz! Universitate Craiova! Uff Uff ihr Borussen!


01.11.2018, Pedro


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