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Unsa Senf - 28.10.2018

Tagesausflug im Kindergarten

Am letzten Samstag haben sich gleich mehrere Gruppen verschiedener Kindergärten zu ihren Tagesausflügen in das Dortmunder Westfalenstadion begeben. Wir kommentieren ihre Erlebnisse.

Gruppe 1: Polizei Dortmund

Pfefferspray in Menschenmengen ist unverantwortlich

Die Einsatztruppe unter Leitung der Dortmunder Polizei hatte einen besonders schönen Tag, durfte sie doch ihre Sonderuniform mit Helm und Knüppel anlegen und mal wieder richtig sinnbefreit die Sau raus lassen. Man mag von Pyrotechnik nun freilich halten, was man will (dazu später mehr), doch die Lage im Stadion war vollkommen entspannt und kontrolliert, bis eine mittlere zweistellige Anzahl von Beamten vor den Gästeblock stürmte, um eine Choreofahne der Gästefans sicherzustellen. Einige Fragen müssen an der Stelle gestellt werden: Was war Sinn und Zweck dieser Aktion, bei der letztlich 35 Menschen durch den Einsatz von Reizgas verletzt wurden? Wieso stürmt die Polizei vollkommen blauäugig und unverhältnismäßig in den Block, obschon die Erfahrungen zeigten, dass dies unweigerlich zu einer Eskalation führen würde? Weshalb musste das Banner in genau dieser Situation sichergestellt werden? Hat die Polizei nichts aus dem vollkommen missratenen Einsatz in Gelsenkirchen gelernt, bei dem ebenfalls für die Sicherstellung einer Flagge die Gesundheit mehrerer unbescholtener Bürger mutwillig aufs Spiel gesetzt wurde?

Gruppe 2: Ultras Berlin

Sah chic aus, verletzte aber 10 Fans im Oberrang

Die ausschweifende Pyroshow zu Beginn des Spiels wird Liebhabern von Feuerwerkstechnik sicher gefallen haben - sie ist aber auch eine Ansammlung von Ordnungswidrigkeiten bis zu Straftaten und hatte gravierende negative Folgen: 10 Personen haben sich im Anschluss daran mit Atembeschwerden als verletzt gemeldet, was die Aktion mindestens rücksichtslos macht.

Die Reaktion auf den Einsatz der Polizei war dann ebenfalls ziemlich unpassend, wurden die Beamten nicht nur mit Fäusten und Kabelrohren attackiert, sondern auch mit bengalischen Fackeln beworfen. Das ist nicht nur hochgradig asozial und streng zu verurteilen, an einem Tag wie Samstag, an dem die Polizei in NRW ob der Lage im Hambacher Forst eh schon angespannt war, kann man es durchaus auch als dumm bezeichnen - dienen diese Bilder künftig wieder als hervorragende Beispiele, weshalb es bundesweit stärkere Polizeigesetze brauchen soll und Möglichkeit für das Irrlicht Rainer Wendt, seine gequirlte Scheiße öffentlich auszubreiten. Ein Bärendienst für Fußballfans und andere Bürger deutschlandweit, und das alles für einen Fetzen Stoff.

Gruppe 3: Ultras Dortmund

Persönliche Befindlichkeiten wichtiger als der BVB?

Dass die unübersichtliche Situation im Gästeblock nicht nur zu Pöbeleien gegen die Staatsmacht, sondern auch zu einer kurzen Einstellung der Unterstützung führten, ist vollkommen nachvollziehbar. Dass der Support aber in der ersten Halbzeit vollkommen und von zwei der drei Gruppen sogar für das ganze Spiel eingestellt wurde, zog zurecht den Zorn der restlichen Tribüne auf sich. Weshalb sich einige der Dortmunder Ultras schnurstracks auf den Weg zum Gästeblock gemacht haben, erschließt sich ebenfalls nur schwer. Für Gruppen, die sich regelmäßig auf die Fahnen schreiben, dass sie alles für Borussia täten, war das erneut ein kümmerliches Beispiel dafür, dass eigene Befindlichkeiten und vermeintliche Kodexe über dem Wohlergehen des Vereins stehen. Wer die Stimmungshoheit auf der Süd für sich beansprucht, trägt damit gleichzeitig auch eine gewisse Verantwortung - im Sinne der Mannschaft, im Sinne der Tribüne, im Sinne des Vereins. Dieser Verantwortung wurden am Samstag einige Teile der Dortmunder Szene nicht gerecht.

Gruppe 4: Trommler in Block 13

Hexenkassel ist definitiv was anderes

Dass die Stimmung im Westfalenstadion selten und nur in den Druckphasen der Mannschaft wirklich gut wurde, liegt auch an einem anderen Personenkreis, der eine gewisse Verantwortung für die Südtribüne trägt: den Trommlern im oberen Teil des Unterrangs. Nachdem diese in der Ruhephase der ersten Halbzeit noch versucht haben, den Ausfall der Ultras zu kompensieren, haben sie die Stimmungsversuche der Vorsänger im zweiten Durchgang, bei denen diese häufig auch ganz bewusst Lieder aus dem Oberrang übernommen haben, gezielt boykottiert und teilweise gar sabotiert. Ein gewisser Groll gegenüber den Ultras ist ob deren Verhalten sicher nachvollziehbar, die gezielte Sabotage hilft dann aber weder dem Rest der Tribüne noch der Mannschaft auf dem Platz, die unsere Unterstützung gut hätte gebrauchen können. So blieb vor allem Ärger über kindischen Trotz, der die Frage aufwirft, wie fest und treu die Süd bei Meinungsverschiedenheiten wirklich zusammen hält.

Es ist bedauerlich, dass ein aufregendes Spiel unserer Borussia aus all diesen Gründen erneut in den Hintergrund gerät. Unsere Mannschaft spielt in den letzten Wochen einen berauschenden Fußball, ist in der laufenden Saison bisher ungeschlagen und steht an der Tabellenspitze. Sie präsentiert sich dabei nicht nur gierig und voller Spielfreude, das Team scheint im Vergleich zu den Vorjahren aktuell wirklich geschlossen und zeigt regelmäßig eine tolle Moral. Schade, dass wir Fans nicht die gleiche Einigkeit an den Tag legen und die Spiele nicht immer mit der Stimmung unterstützen, die dieses Team verdient hätte - und benötigt, um für und mit uns großartige Dinge zu erreichen.

NeusserJens, 28.10.2018


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