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Spielbericht Profis - 21.10.2018

Bleibt alles anders

Auch die Schwaben konnten den BVB nicht stoppen

Bislang liefen die Spiele des BVB ähnlich ab. Die erste Halbzeit schwankte zwischen solide (Nürnberg) und grausam (Leverkusen). Anschließend wechselte Lucien Favre irgendjemanden ein, bevorzugt natürlich Paco Alcacer, die Einwechselspieler schossen alles in Grund und Boden und der BVB gewann. Diese Herangehensweise sorgte zwar für einen malagamäßigen Jubel gegen Augsburg, steht aber nicht in Verdacht förderlich für die Herzgesundheit zu sein. Gegen Stuttgart zeigte der BVB, dass er auch deutlich schonendere Spielverläufe beherrscht.

Erstmals in der Bundesliga fand sich Paco Alcacer in der Startelf wieder. Für den verletzten Akanji rückte Diallo wieder in die Innenverteidigung, dafür begann Hakimi auf links, Piszczek durfte wieder die rechte Seite beackern. Christian Pulisic kehrte nach seiner Verletzung in den Kader zurück.

Außer Rand und Band im Schwabenland

So muss Fahnenchaos: Die Cannstatter Kurve

Es dauerte nur 3 Minuten ehe die 8000 mitgereisten Schwarzgelben erstmals jubeln durften. Axel Witsel eroberte den Ball im Mittelfeld gleich zweimal per Kopf, Jacob Bruun Larsen war auf der linken Seite nicht zu halten und Marco Reus‘ Querpass auf Alcacer wurde von Pavard auf Jadon Sancho abgefälscht. Die eher lasche Direktabnahme des Engländers auf die kurze Ecke hätte RoRo Zieler (der übrigens nicht die gleichnamigen RoRo-Fähren erfunden hat und deswegen für sein Lebensunterhalt Fußball spielen muss) vielleicht gehalten, aber Insua fälschte den Ball mit seinem Oberschenkel unhaltbar ab. Ein Start nach Maß und die direkte Verhinderung jeglicher Stuttgarter Defensivtaktik.

Ein Großteil der Dortmunder Ultraszene stand zu diesem Zeitpunkt noch vor dem Stadion. Verkehrsbedingt füllte sich der Stehplatzbereich erst nach etwa 15 Minuten. Das hinderte die schon anwesenden BVB-Fans nicht daran, von Anfang an den Ton anzugeben.

Durschnittlicher Auftritt mit anfänglichen Lücken

Nach 23 Minuten setzte Marco Reus Lukasz Piszczek in Szene. An dieser Stelle eine Anmerkung: In unserer Zwischenbilanz vor zwei Wochen haben wir vorsichtig angedeutet, dass Piszczek schon etwas älter ist. Nach der sachlichen und längst überfälligen Pressekonferenz des FC Bayern am Freitag halten wir hiermit fest: Auch die Würde von Piszczek ist natürlich unantastbar. Wir möchten hiermit feststellen: Lukasz Piszczek ist nicht alt. Lukasz Piszczek ist sogar so jung, dass er mal eben Insua im Sprintduell alt ausseh...äääh...also ...schneller war als der echt schnelle Insua. Den Rückpass von der Außenlinie ließ Alcacer klug durch und Reus vollendete zum 0:2. Damit hat der Kapitän übrigens an jedem der 34 Spieltage einer Saison getroffen, der 8. fehlte ihm bislang. Besonderer Dank geht auch an Gonzalo Castro, der offenbar vergessen hatte, dass er nicht mehr beim BVB spielt und Reus freundlich auf seinem Weg begleitete.

Jubel um Marcos 2:0

Nur zwei Minuten später bewarb sich Pavard für einen Job beim BVB: sein kurz ausgeführter Freistoß in die Füße von Alcacer hätte man vor der PK am Freitag wohl als „katastrophalen Fehlpass“ bezeichnet, heutzutage sagen wir lieber „freundschaftlicher Pass zum Mitspieler im andersfarbigen Trikot“. Alcacer spielte zunächst einen eher unfreiwilligen Doppelpass mit Reus und schloss mit einem herrlichen Lupfer ab. Tor per Lupfer? Hoffen wir, dass er sich nicht noch mehr bei Aubameyang abgeschaut hat.

Zur Pause blieb Paco Aubamayer dann in der Kabine. Ein logischer Schritt, mit nur einem Treffer in 45 Minuten ist der Spanier deutlich auf dem absteigenden Ast. Klar er wird auch nicht jünger. („Das ist unverschämt, respektlos und polemisch, wie kein zweites.“ - Anm. von Kalle R.). Zudem plagten den Spanier auch muskuläre Beschwerden. Sein Einsatz gegen Atlético am Mittwoch ist fraglich. Für ihn kam Maximilian Philipp. Nachdem in den letzten Wochen Alcacer häufig von der Laufarbeit Philipps profitierte, sollte es diesmal also andersrum laufen.

You Can Win If You Want – außer du bist Stuttgart

Jadon und Paco bejubeln das 3:0

Doch in den ersten Minuten der zweiten Halbzeit war der Ball nur selten in Philipps Nähe. Der VfB hatte sich offenbar vorgenommen, das größte Comeback seit der Reunion von Modern Talking 1998 hinzulegen. Glücklicherweise zeigten sie dabei fußballerisch die gleichen Qualitäten wie Bohlen und Anders musikalisch, nämlich keine.

Zunächst drosch Gentner den Ball nach einer Ecke aus 2 Metern übers Stadiondach, dann setzte Thommy (Erik, nicht Anders) den Ball aus spitzem Winkel ans Außennetz. Während dieser Phase war auch die Cannstatter Kurve mal etwas lauter zu vernehmen, ansonsten war außer den üblichen Pöbeleien nicht viel zu hören. Der BVB schien noch in der Kabine zu sein, nur einer war wacher als der durchschnittliche deutsche Grundschüler nach seinen 3 Dosen Energydrink am Morgen: Roman Bürki. Seine Doppelparade in der 52. Minute, als er zunächst den Ball vor Gomez wegkratzte und direkt im Anschluss gegen Ascacibar parierte, zog den Schwaben endgültig den Zahn. Danach verflachte das Spiel und im Gegensatz zu den letzten Wochen schienen die Borussen diesmal ihr Pulver in der ersten Halbzeit verschossen zu haben. Doch so ganz wollte man liebgewonnene Traditionen dann nicht wegschmeißen und so durfte Philipp dann, nach Vorarbeit von Pulisic, kurz vor Schluss noch das obligatorische Jokertor schießen. Das drölfte mittlerweile – derzeit könnte Favre wohl auch Matthew Amoah einwechseln und der würde treffen.

2 Heimspiele in den nächsten 7 Tagen

Maximilian Philipp setze den Schlusspunkt

Im Gegensatz zur letzten Saison hat die Länderspielpause also keine negativen Auswirkungen auf den BVB gehabt. Am Mittwoch steht nun das CL-Heimduell mit Atlético Madrid an, ehe am Samstag Hertha BSC im Westfalenstadion vorstellig wird. Insbesondere Diego Simeones Defensivkünstler werden eine echte Nagelprobe für die Schwarzgelben. Mit Geschenken ist nicht zu rechnen. Doch nachdem der BVB erstmals in seiner Vereinshistorie in vier aufeinanderfolgenden Bundesligaspielen vier Tore schoss, wird die Brust breit genug sein.

Und dann war da noch...

…bemerkenswert, was sich hunderte Kilometer weiter im Norden abspielte. Arjen Robben sah die gelb-rote Karte, nachdem er die erste gelbe Karte wegen einer Schwalbe gesehen hatte. Es ist aber auch zum Kotzen. Da vergisst man bei seinem Rundumschlag einmal die Schiedsrichter, da drehen die direkt komplett frei und meinen, sie könnten sich alles erlauben. („Wahnsinn, was der hier für einen Scheißdreck schreibt. Das ist respektlos. Dagegen werden wir uns als wichtigster Club Deutschlands wehren". – Anm. von Uli H.)

Michael, 21.10.2018


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