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Spielbericht Profis - 02.09.2018

Der Punkt ist, was ihr daraus macht

Gelungene Choreografie der Jubos zu Beginn des Spiels

Freitagabend. Flutlichtspiel in Hannover. Tore garantiert. Eigentlich. Diesmal torlos. Diesmal wenig oder besser gesagt gar kein Spektakel. Und trotzdem kann etwas zum Spiel und seinem Verlauf gesagt werden und fast noch mehr zu den Ableitungen daraus. Im Gästeblock – der beim Einmarsch der Teams mit einer schönen Choreo die Blicke auf sich zog – jedenfalls gingen die Meinungen zum Spiel und seinen Szenen ziemlich auseinander. Hier das fast schon obligatorische Stöhnen bei Schmelzer-Ballkontakten, da der anerkennende Applaus für gewonnene Kopfballduelle von Witsel und Diallo. Mal wieder konnte man sich auf der Tribüne davon überzeugen, wie doch oftmals der Bezug zu sportlichen Abläufen fehlt – denn manchmal ist es rein physikalisch einfach nicht möglich einem Ball diese oder jene Richtung zu geben oder einen Kopfball mit mehr Druck zu versehen. Das Ganze dann noch kombiniert mit ohnehin arg gestiegenen Erwartungshaltungen und dem nach wie vor angestauten Frust der vergangenen Spielzeit ergibt dann eine teils explosive Mischung, die jeden Fehlpass mit einem deutlich hörbaren Raunen untermalt.

Die Hannoveraner Fanszene war endlich wieder aktiv im Stadion vertreten

Ansonsten waren Lautstärke und Mitmachquote des mitgereisten schwarzgelben Anhangs auch von Höhen und Tiefen durchsetzt. Die Performance orientierte sich stark am Spielverlauf. Es gab aber auch schon deutlich schlechtere Auftritte.
Objektiv vs. subjektiv quasi. Rational vs. emotional. Geduldig vs. ungeduldig. Manchmal ist es ja tatsächlich gut, beide Seiten zu betrachten, den Spielverlauf nochmal Revue passieren zu lassen und dann zu bewerten, ob so eine Punkteteilung in Hannover und die vier Punkte nach den ersten beiden Partien nun einen guten Saisonstart ergeben oder eben nicht.

Sichtweise A – auf die ersten 10 Minuten

Ganz furchtbar. Das sieht schon wieder so aus wie die Rückrunde. Keine Ideen nach vorne und hinten ist es nur eine Frage der Zeit, bis ein individueller Fehler zum Gegentor führt. Der Schwung vom Leipzig-Spiel ist schon wieder verflogen.

Sichtweise B – auf die ersten 10 Minuten

Thomas Delaney gegen Bebou

Nach dem äußerst frühen Gegentreffer und der damit verbundenen anfänglichen Schockstarre ist der BVB gegen Hannover in der Anfangsphase auf defensive Sicherheit bedacht und möchte nach vorne nichts überhasten. Das sieht soweit ganz ordentlich aus, auch wenn darunter natürlich die Offensive leidet. Aber man hat ja noch reichlich Zeit einen eigenen Treffer zu erzielen und muss nicht schon wieder einem Rückstand hinterherlaufen.

Sichtweise A – auf die ersten 35 Minuten

Wat willste da noch sagen… Steht da der Stöger noch an der Seitenlinie oder wie. Lustlos und ohne Plan. Furchtbar.

Sichtweise B – auf die ersten 35 Minuten

Stabilität ist vorhanden. Nach vorne könnte sicherlich etwas mehr kommen, wobei man auch anerkennen muss, dass Hannover die Räume gut zustellt und sich dabei aber weitem nicht vor dem eigenen Sechzehner verschanzt – siehe Ballbesitzwerte. Das Spiel kompremiert sich leider zu sehr auf die

Maxi Philipp gegen Waldemar Anton

Mitte, weswegen schlichtweg zu wenig Platz zum Kombinieren und schnellen Umschalten vorhanden ist. Witsel, Dahoud und Delaney werden beim Aufbauspiel gut angelaufen auf Kosten kreativer Ideen und raumöffnender Pässe.

Sichtweise A – auf die Minute 35 bis 40

… na da haste endlich mal ein paar Chancen und dann macht der Reus die nicht. Solche Dinger musste dann auch nutzen als Topmannschaft. So was rächt sich hinten raus immer. Da wird uns die Rechnung schon noch präsentiert werden in der zweiten Halbzeit. So gehste jetzt mit nem mickrigen Null-Null in die Kabine. Schwach.

Sichtweise B – auf die Minute 35 bis 40

Jetzt läuft die Offensive langsam warm. Den Druck Stück für Stück erhöht und schon werden Chancen kreiert. Schön herausgespielt allemal. Den ersten hält der Keeper sehr gut, beim zweiten hat Reus einfach Aluminium-Pech. Aber insgesamt ein gutes Zeichen für den zweiten Abschnitt. Hier ist noch ziemlich viel drin.

Sichtweise A – auf die zweite Halbzeit inklusive Fazit

Axel Witsel gegen Kevin Wimmer

Das kann nicht wahr sein. Bei nem Absteiger lässt du hier Punkte liegen. Die fehlen in der Endabrechnung. Die Bayern ziehen direkt wieder davon. Da kannste sofort aufhören, von der Meisterschaft zu reden. So schaffste nicht mal die Quali für die Champions League. Den Saisonstart völlig in den Sand gesetzt. Komplett lustloser Auftritt ohne Feuer. Boah regt mich das auf… Wochenende im Eimer, danke dafür!

Sichtweise B – auf die zweite Halbzeit inklusive Fazit

Im Endeffekt ein gerechtes Remis, bei dem beide Teams in Führung hätten gehen können. Letztlich hatte Hannover etwas mehr vom Spiel, aber die Borussia die deutlich besseren Chancen – wenn auch nicht viel davon. Zumindest die Abwehrreihe hat gezeigt, dass sie in der Lage ist souveräner aufzutreten, als vergangene Saison und bei Ballverlusten nicht in Panik gerät. Die Viererkette hat sich immer wieder schnell in Position bringen können und es so den Sechsern ermöglicht, die Ball führenden Spieler zu attackieren, ohne dabei gefährliche Räume freizugeben. Wenn sich die beiden jungen Innenverteidiger Akanji und Diallo jetzt noch mehr aufeinander einspielen und abstimmen werden, sind wir in der Zentrale in Zukunft super aufgestellt. Das wird aber freilich noch etwas Zeit in Anspruch nehmen. So ein gegentorloses Spiel in Hannover ist dafür aber sicherlich nicht die schlechteste Entwicklungsarbeit.

Hängende Köpfe nach Abpfiff

Ein Spiel – und auch ein Ergebnis – auf das man aufbauen kann und auch sollte. Der Punkt als solcher ist ein Punkt. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Den Saisonstart beeinflusst dieses Resultat aber nur bedingt, denn ein erstes Zwischenfazit sollte nicht vor den ersten fünf bis sieben Spielen gezogen werden. Nach der ersten Länderspielpause der neuen Saison geht es rasant weiter – Stichwort englische Wochen – dann wird sich schnell zeigen, wie gut die Jungs die neuen Ideen von Favre umsetzen können und mit ihren Aufgaben wachsen.

Statistik-Gedöns
Hannover 96: Esser – Sorg, Anton, Wimmer – Maina, Fossum, Walace, Albornoz (86. Ostrzolek) – Bebou (89. Bakalorz) – Asano (46. Wood), Füllkrug
Borussia Dortmund: Bürki – Piszczek, Akanji, Diallo, Schmelzer – Witsel – Dahoud (86. Guerreiro), Delaney – Wolf, Philipp (79. Sancho), Reus

Tore: keine
Eckstöße: 4:1
Chancenverhältnis: 2:3
Ballbesitz: 56 % - 44 %
Schiedsrichter: Zwayer (Berlin)
Gelbe Karten: keine

Tim, 02.09.2018


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