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Erzähl ma - 30.07.2018

20 Jahre am Steuer für den BVB - Hartmut Wiegandt im Interview

Der Bomber schwelgte in ErinnerungenEr stand zwar nie auf dem Rasen des Westfalenstadions und war dennoch eine d e r Vereinsikonen von Borussia Dortmund der 1980er und 1990er. Jedem BVB-Fan jener Tage dürften sein Name und sein Gesicht noch bestens bekannt sein: Hartmut Wiegandt, für viele einfach nur der „Bomber“. Von 1982 bis 2002 war Wiegandt für den BVB tätig, zunächst ausschließlich als Busfahrer, wenig später auch als Zeugwart. Nach seinem Ruhestand 2002 wurde es jedoch ruhig um ihn. Doch in seinen zwei Dekaden beim BVB hat der Bomber so einiges miterlebt. Grund genug, sich mit dem heute 76-Jährigen für ein Interview zu verabreden, um in seinen Erinnerungen zu schwelgen. Gut gelaunt und trotz seiner mittlerweile 76 Lenze agil und fit erscheint der Bomber im "Freischütz" in Schwerte zum verabredeten Termin und spricht über denkwürdige Reisen nach Fernost, ausgebügelte Knöllchen, warum er sich beim Pokalsieg 1989 ein Verfahren einhandelte, seinen Spitznamen - und natürlich über den berühmten Zitronenkuchen sowie noch vieles mehr.

schwatzgelb.de: Fangen wir mal am Anfang an. Was sind die ersten Berührungspunkte mit dem BVB gewesen?

Das war schon in meiner Kindheit. Ich bin schon zur Borussia gegangen, als ich fünf oder sechs Jahre alt war. Beim Bauern haben wir uns das Geld für die Eintrittskarten verdient, damit fing das an. Aus unserer Straßen waren einige Kinder, die zum BVB gingen und wir sind dann immer zusammen mit dem Linienbus der Deutschen Bundesbahn von Geisecke zur Roten Erde gefahren. In Geisecke wohnte ich 26 Jahre.

Waren Sie bei jedem Spiel?

Meistens nur, wenn es ein gutes Spiel war. Für mehr hätte das Geld auch nicht gereicht.

Wie sieht Ihr persönlicher Werdegang aus?

Hartmut Wiegandt vor "seinem" BusIch habe nach der Schule eine Ausbildung gemacht und danach musste ich zur Bundeswehr. Da bin ich sechs Jahre geblieben und habe dort in den ersten zwei Jahren auch meinen Busführerschein gemacht. Danach habe ich selbst ausgebildet. Nach dem Bund habe ich bei einem Busunternehmer angefangen. Im Lotto-Geschäft neben dem Busunternehmer holte ich mir immer eine Zeitung und habe dort auch meine Frau und ihre Familie kennengelernt, weil denen das Lotto-Geschäft gehört. Zum BVB bin ich dann eigentlich durch Zufall gekommen. Ich hatte gehört, dass die Stelle des Busfahrers frei wird und habe mich dann schriftlich beworben. Der damalige Busfahrer war schon ein bisschen älter, der sollte in Rente gehen. Die ersten Touren ist er immer noch mitgefahren. Dann wurden irgendwann die Spielführer Rolf Rüßmann und Manni Burgsmüller gefragt, was sie von mir halten und die haben gesagt: „Der ist super, den wollen wir haben.“

Wissen Sie noch, was Ihre erste Tour war?

Das war nach Karlsruhe. Der vorherige Busfahrer ist bis hinter Siegen gefahren und den Rest musste ich fahren.

Der Kontakt zum BVB kam also durch den alten Busfahrer zustande?

Nein, das ist durch Hoppy Kurrat gekommen. Wir hatten damals einen Kartenvorverkauf im Geschäft und der hat das mitbekommen.

Wann kam die Aufgabe als Zeugwart denn noch hinzu?

Als ich 1982 angefangen habe, war da noch ein älterer Zeugwart tätig, der schon 70 Jahre alt war. Ich hab mich dann schlau gemacht, wie das geht und was man machen muss, und habe die Aufgaben dann 1985 auch übernommen.

Wie sah denn der Alltag aus?

Entspannen mit den SpielernDas war immer sehr stressig. Ich war immer der erste, der da war. Dann musste alles gewaschen und hingelegt werden. Wir haben in der Roten Erde trainiert und uns im Westfalenstadion umgezogen. Mehr Räumlichkeiten hatten wir ja nicht. Wenn ein Spiel anstand, dann musste ich da alles ausräumen und nachher wieder einräumen. Das war schon stressig. Manchmal haben wir auch im Hoesch-Park trainiert. Da brauchte man abends aber fast eine Stunde, um wieder nach Hause zu kommen.

Später ging es dann in den Rabenloh.

Ja, da hatte ich sogar ein Büro, da stand „Bomber“ dran. Im Rabenloh wurde allerdings nur ein Platz gebaut. Aber zumindest hatten wir da eine Wäscherei und ich musste nicht mehr alles mit der Sackkarre durch die Gegend fahren.

Wie genau sah der Tag dann aus?

Ich war um halb acht da und habe alles hingelegt. Die Schuhe mussten rausgestellt und geputzt werden. Heute muss man das ja nicht mehr, weil das alles Plastik ist. Mit Mühe und Not haben wir dann einen Schuhtrockner bekommen. Wenn zweimal am Tag Training war, musste das ganze Programm natürlich doppelt gemacht werden. Ich war dann oft erst um sieben oder halb acht zu Hause. Aber ich habe das gerne gemacht. Ich war ja auch noch jung.

Und während des Trainings hatten Sie dann mal eine Verschnaufpause?

Immer alles im BlickNein, da musste ich andere Sachen organisieren. Mit Verschnaufen war da nicht viel. Da musste dann Kaffee besorgt und Kuchen geholt werden.

Wie sah der Ablauf am Spieltag aus?

Da musste ich alles aus der Wäscherei ins Stadion herüberholen und nachher wieder zurückbringen. Wenn wir auswärts spielten, sind wir mit dem Bus losgefahren. Dann habe ich die Spieler am Hotel abgesetzt, hab schnell gefrühstückt und im Stadion in der Kabine alles vorbereitet. Danach ging s dann wieder zum Hotel, kurz essen und die Spieler einsammeln. Wir haben ja alles mit dem Bus gemacht und sind nicht geflogen.

Hatten Sie bestimmte Rituale, einen bestimmten Ablauf?

Der Ablauf war eigentlich immer gleich. Wie es auswärts ablief, habe ich ja gerade erzählt, und beim Heimspiel war es ähnlich: Da habe ich alles im Stadion herausgelegt, die Spieler abgeholt und nach dem Spiel wartete meine Frau auf mich und wir fuhren zusammen nach Hause.

Wie war das Verhältnis zu den Spielern?

Das Verhältnis zu den Spielern war sehr gutZu den Spielern war das Verhältnis immer gut. Da waren natürlich einige Schlitzohren dabei, aber daran hab ich mich nicht weiter gestört. Die waren oft auch nicht lange da. Wenn mir einer dumm kam, dann habe ich immer Dienst nach Vorschrift gemacht, damit sich niemand beschweren konnte. Das war schon gut so. Ich hatte wirklich keine Probleme.

Also sehr freundschaftlich?

Ein freundschaftliches Verhältnis hatte ich zu einigen Spielern: Andreas Möller, Günter Kutowski, Knut Reinhard, Michael Lusch und Thomas Helmer. Das waren so meine Spezies. Auf die konnte man sich verlassen. Die haben nichts rumerzählt, das war schon ein spezielleres Verhältnis. Als Andy Möller aus Frankfurt zurückkam, da hatten wir eine sehr gute Mannschaft zusammen. Möller hat dann gesagt: „Wenn wir Meister werden, kriegt der Bomber meine Rolex!“ Nach dem letzten Spiel, als wir Meister wurden, ging Andy in die Kabine und überreichte mir seine Rolex.

Gab es bestimmte Reiseziele, zu denen Sie gerne gefahren sind?

Der Bomber in seiner Dienstkleidung

Die Champions League war immer etwas Besonderes. In der Bundesliga bin ich immer gern nach München gefahren. Thomas Helmer wechselte ja später dorthin, mit ihm hatte ich ein besonderes Verhältnis. Die anderen Spieler, die ich eben erwähnt habe, waren auch wie meine Söhne, aber zu Helmer hatte ich die stärkste Beziehung. In München hat er mich nach seinem Wechsel immer abgeholt und wir sind zum Italiener gegangen. Auch mit den Bayern hatte ich ein gutes Verhältnis. Der Zeugwart war ein Guter. Der hat mich durch das ganze Trainingsgelände geführt. Damals musste man sich ja fast schämen, wenn man das mit unseren Verhältnissen verglichen hat. Wir hatten ja fast nichts. Das gute Verhältnis hat sich aber auch ausgezahlt, denn einmal haben wir Anfang November in München gespielt. Am anderen Morgen war Training, ich schaut aus dem Fenster und sah, dass es über Nacht sehr viel geschneit hatte. Ich war erschrocken, weil ich keine roten Bälle mithatte. Dann habe ich den Zeugwart von Bayern München angerufen, eine halbe Stunde später brachte er mir 25 rote Bälle, ich war begeistert.

Wie waren die Fahrten zu den brisanten Spielen, nach Schalke zum Beispiel?

Schalke war extrem. Wenn man da durchs Marathontor im alten Stadion fuhr, dann haben die von oben auf den Bus drauf geworfen: Flaschen, Dosen und so weiter. Aber auch zu deren Zeugwart hatte ich ein gutes Verhältnis. Wenn ich da ankam, dann sind wir immer erst ein Häppchen essen gegangen. Das davor hab ich weggesteckt, da hat das Positive überwogen. Bei den gegnerischen Vereine waren einige dabei, zu denen man ein gutes Verhältnis hatte, die viel geholfen haben. Ich hatte zum Beispiel mal was mit dem Bus, dann haben die mir einen Ersatzwagen gestellt und unseren in die Werkstatt gebracht. Wenn ich das alleine hätte machen müssen, wäre das nicht gegangen. Heute sind ja sechs oder sieben Mann im Verein dafür angestellt. Aber ich war ganz alleine, da musste man sich auch bei anderen Vereinen gegenseitig helfen. Ich habe alles alleine gemacht. Ich bin teilweise zehn Stunden mit dem Bus gefahren, zum Trainingslager in die Schweiz zum Beispiel und musste dort ja auch noch weiterarbeiten, ausladen und so weiter. Aber ich hab das alles weggesteckt. Ich war selbst erstaunt, dass ich das alles so lange machen konnte.

Hatten Sie vor den brisanten Spielen etwas Sorge?

Nein, überhaupt nicht. Ich hab mal nach einem Spiel auf Schalke einen Fanbus von denen überholt. Da hat einer seinen blanken Arsch an die Scheibe gedrückt. Die Spieler haben gelacht, das war sehr lustig. In Bochum war es auch immer schön mit dem alten Stadion. Nur Duisburg war mal sehr bitter, da waren wir fast Meister und dann macht der Buchwald das Tor noch. Ich hatte schon alles bereitgestellt, Schampus und so. Damit haben wir ja gar nicht mehr gerechnet. Aber sonst waren die Touren immer schön. Ich habe so viele Sachen erlebt, das war alles super. Immer freundlich gewesen und die anderen waren auch freundlich.

Wie waren denn die Reisen ins Trainingslager? Man hört, dass Ihre Frau hierfür immer Kuchen gebacken hat?

Ab und zu war auch mal Zeit für Müßiggang

Ja, die hat immer zehn Kuchen gemacht und wenn wir angekommen sind, dann war alles weg. So gut hat es geschmeckt. Ich habe selten ein Stück abbekommen. Im Trainingslager wussten natürlich alle Bescheid. Ich habe immer einen Kühlschrank mit Schokolade und Getränken bestellt und abends kamen die Spieler dann zu mir und haben gefragt, ob sie ein paar Leckereien haben können.

Wie lief es mit den Trainingsklamotten im Trainingslager?

Ich bin um sechs Uhr aufgestanden und habe die Sachen vor die Türen gelegt. Da ist keiner gekommen und hat die mal selbst abgeholt. Egal, wo wir waren, in der Türkei, in Katar oder in der Schweiz, ich habe sie immer im Hotel vor die Türen gelegt. Da hat auch nie einer geklaut.

Und während der Trainingseinheiten konnten Sie dann am Hotelpool entspannen?

In der Schweiz sind die Spieler immer mit kleinen Wagen abgeholt worden. Da hatte ich dann bei gutem Wetter Zeit, um mich zu sonnen. Dann haben die immer gefragt: „Wo ist der Bomber?“ Und der nächste zeigte mit dem Finger zu mir: „Guck mal, da oben auf der Tiefgarage, da liegt er!“ (lacht)

Wie verliefen denn Ihre Abende im Trainingslager?

Da sind wir in die Stadt gefahren, zum Beispiel nach Luzern, und haben da was gegessen. Das war immer eine schöne Abwechslung. Zum Zapfenstreich waren wir aber immer wieder da, also zwischen 22 und 23 Uhr.

Wie war die Stimmung im Bus und wie haben sich die Spieler an Bord verhalten?

Wiegandt im Kreise einiger Spieler

Vor dem Spiel war es immer ruhig. Nach dem Spiel musste ich noch Lunchpakete organisieren, je nachdem, wie lang die Rückfahrt sein würde. Getränke, auch ein paar Lagen Dosenbier, waren immer an Bord. Aber die Jungs haben jetzt nicht gesoffen. Sprite oder Cola durften die auch nach dem Spiel trinken. Heute ist das ja anders. Wenn irgendwas erreicht wurde, dann wurde auch schon mal gesungen. Meistens war aber eher Schlafen angesagt. Wenn es eine lange Fahrt war, dann musste einer aber immer aufpassen, dass ich nicht einschlafe. (lacht)

Sind Sie alle Touren ganz alleine gefahren?

Ja, ich bin alles alleine gefahren.

Gab es da denn kein Problem mit den Lenkzeiten?

Doch, mit den Lenkzeiten schon, da musste ich dann Pausen machen. Dann war eine halbe Stunde Pause, da konnte ich mir die Beine vertreten und dann sind wir weiterfahren.

Damals konnte es also gut vorkommen, dass man auf irgendeinem Rastplatz in Deutschland die Mannschaft von Borussia Dortmund traf, die gerade eine Fahrpause einlegte?

Ja, hin und wieder kam das vor.

Gab es auch mal technische Probleme auf der Fahrt?

Nein, technische Probleme hatten wir nie. Einmal waren wir aber zum Beispiel auf dem Rückweg bei Siegen. Ich bin ja immer mit ordentlichem Tempo gefahren und habe dann auf der Autobahn einen Mercedes überholt. Der hat dann die Polizei gerufen und gesagt, dass ich ihn mit 110 Km/h überholt hätte. Die Polizei hat mich aber nicht mehr eingeholt, weil ich schon in Dortmund war. Aber am Rabenloh standen dann die Dortmunder Polizisten und wollten meine Scheibe sehen. Da hab ich denen ein Trikot mitgegeben und dann war die Sache erledigt. (lacht)

Wenn man so viele Kilometer unterwegs ist, rasselt man doch vermutlich zwangsläufig auch mal in Geschwindigkeitskontrollen?

Das passiert schon häufiger, aber ich konnte das dann immer mit Fanartikeln ausbügeln. (lacht)

Was sind Ihre schönsten Erinnerungen aus der ganzen Zeit beim BVB?

Die Schale landete auch mal in Bombers Bett

Es wurde ja auch immer mal wieder Mist gemacht. Der Andy Möller hatte da einiges drauf. Ich hatte mal Geburtstag und angeblich war ich ein bisschen zu schwer geworden. Da haben die mir die ganzen Kisten, in denen ich immer das Zeug drin hatte, vor die Tür gestellt. Und dann haben die mir aus Jux die ganzen Kisten mit Fressalien vollgemacht, weil ich auf Diät war. Das konnte ich ja gar nicht alles essen. Frank Mill hat auch immer so Dinger gehabt. Wir haben in Castrop-Rauxel im Hotel eine Feier mit unseren Frauen gehabt. Dann kamen die Kellner mit den Tellern mit der Essensglocke obendrauf an und dann wollten die mich ärgern. Die Glocken wurden hochgehoben und alle hatten schön Fleisch, nur ich hatte zwei Möhren und ein paar Erbsen da liegen. Da mussten meine Frau und ich sehr lachen. Es war immer lustig.

Sie wurden also gelegentlich auch mal hochgenommen...

Andauernd! Wenn wir im Stau standen, dann wurde immer gesagt: „Haste wieder nen Stau gefunden?“. Wir hatten früher ja noch kein Navi, um Staus umfahren zu können. Ich bin mal nach Mönchengladbach gefahren und der Einweiser auf dem Parkplatz zeigt mir immer weiter: „Komm, komm, komm.“ Ich habe nur auf den geachtet und dann hing da halt so ein Dach herunter. Da bin ich voll rein und hatte die ganze Heckscheibe kaputt. Vom Spiel habe ich nicht viel gesehen. Ich habe den Bus sauber gemacht und die Scheibe zugeklebt. Das Spiel haben wir übrigens gewonnen und mir wurde gesagt, ich soll jetzt immer die Scheibe kaputtfahren, damit wir gewinnen.

Gab es in all den Jahren mal Unfälle oder haben Sie sich verfahren?

Verfahren schon, aber ich kann wirklich nicht meckern. Es ist schon sehr reibungslos gelaufen.

Wann erfolgte denn der Umstieg auf das Flugzeug zu den weiten Auswärtsreisen? 1989?

Nee, das war später, als die Champions League kam. Vor allem 1995, 1996, 1997, als wir so viele Titel gewonnen haben, und kurz vor 2000 sind wir häufiger geflogen, auch mal nach München. Dann bekam ich aber Rückenschmerzen und meine Frau wurde schwer krank. Da wurde ein Ersatzfahrer gesucht. Der ist dann gefahren und ich bin mitgeflogen. Einmal bin ich sogar mit einem Bänderriss geflogen. Obwohl alle gesagt haben, dass ich zu Hause bleiben soll, bin ich trotzdem mit, weil ich Angst hatte, dass der Zeugwart nur Mist macht. Das war nach Freiburg, meine ich.

Was war denn Ihre Aufgabe, wenn geflogen wurde?

Wir später ja den Ersatzfahrer gehabt. Mit dem haben wir den Bus eingeladen und dann sind wir geflogen. Zum Pokalfinale 1989 in Berlin bin ich auch geflogen. Da ist der alte Busfahrer noch mal eine Tour gefahren. Ich habe den Bus in Berlin übernommen und habe die Spieler zum Training gebracht, vom Wannsee zum Stadion. Als wir dann gewonnen haben, bin ich dann auch gefahren. Alle Ampeln waren rot, aber wir wurden von der Polizei eskortiert bis zum Steigenberger Hotel. Da wurde viel im Bus gesungen.

Die Champions-League-Spiele waren sicher ein Highlight?

Das war toll. Bei Real Madrid haben sie mich durch ihr Museum geführt und durch die Trophäenhalle. Das hat anderthalb Stunden gedauert. Das war atemberaubend.

1996/1997 war Lodz vermutlich das exotischste Ziel?

Auch international...

Da sind wir geflogen. Nach Warschau, glaub ich, und dann haben die uns abgeholt. In der Champions League haben wir meistens vom anderen Verein einen Mietbus bekommen und dann konnte uns auch nichts passieren. Das war ja ein spanischer Bus. In Lodz war es ruhig. Das Hotel war gut. Das einzige Mal, das mal etwas passiert ist, war bei Besiktas in der Türkei. Das erste UEFA-Pokal-Spiel, da haben wir gewonnen und dann haben die einen Stein reingeworfen. Der ging direkt an Horst Köppels Kopf vorbei, so ein richtiger Wemser. Da war die Scheibe kaputt. Gerd Niebaum und Michael Meier wollten immer, dass wir uns einen Bus leihen. Der kann dann ruhig kaputt gehen.

Sie waren 20 Jahre dabei, haben viele Spieler kennengelernt. War es allgemein schwierig, an Bord für Ordnung zu sorgen?

Nein, eigentlich nicht. Anfangs, als wir noch durch die Stadt mussten zum Training, sind die Spieler oft mit dreckigen Klamotten in den Bus gestürmt. Ich habe dann gemeckert und Körbe vorm Bus aufgestellt, in die die Sachen reingeworfen wurden. Das wurde auch akzeptiert, weil alle verstanden haben, dass ich nicht auch noch sauber machen kann. Das war alles schon okay so. Als wir dann später geflogen sind und meine Frau krank wurde, brauchte ich nicht mehr zu fahren, sondern bin nur noch geflogen, weil ich möglichst schnell zu Hause sein wollte.

Haben die Spieler oder Trainer denn mal ihre Hilfe angeboten?

Das hab ich dann eingeführt. (lacht) Ich habe dann gesagt, dass zwei Spieler wenigstens die Kisten nach draußen schieben. Ich habe schon auch gemeckert und die Spieler erzogen. Ich habe das nicht eingesehen, dass ich alles alleine machen sollte. Ich musste die Kisten ja auch in den Bus heben und die waren nicht leicht.

Was haben Sie denn in den 20 Jahren für Trainertypen kennengelernt?

...ist der Bomber viel herumgekommen

Ich habe eine Ahnentafel, wie viele Trainer ich erlebt habe. Das waren ganz verschiedene Charaktere, jeder hatte seine Eigenheiten. Das mit Hans-Dieter Tippenhauer (Trainer vom 31.10. bis 15.11.1983, d. Red.) und Timo Konietzka (BVB-Trainer vom 01.07. bis 24.10.1984, d. Red.) war nichts Gutes. Das waren keine Kollegen, die haben nur gemeckert und nichts gemacht. Da waren wir in der Schweiz im Trainingslager auf einem Berg. Vorher hat mir aber keiner gesagt, dass ich da mit dem Bus kaum hochkomme. Das Hotel war ganz oben auf dem Berg, da musste der Weidezaun versetzt werden, damit ich um die Kurve komme. Da haben die sich nicht für mich interessiert, wie ich da raufkomme. Das hat die beiden nicht gejuckt. Die sind dann, Gott sei Dank, ja auch schnell weg gewesen. Da haben wir uns alle gefreut, auch die Spieler. In Saarbrücken habe ich mich mal verfahren, da hat Timo Konietzka gesagt: „Der hat wieder nur ans Essen gedacht.“ Da hatte ich so eine Wut, dass ich fast aufgehört hätte. Glücklicherweise blieb der nicht lange Trainer.

Und wie hat sich der Verein entwickelt?

Die finanziellen Möglichkeiten wurden immer besser, das war spitzenmäßig. Und heute ist es ja auch wieder so. Wenn Herr Watzke das damals nicht geschafft hätte in Düsseldorf, dann wären sie weg gewesen und jetzt stehen wir finanziell wieder gut da. In den 1990ern wurde es auch immer besser. Wir bekamen den Trainingsplatz im Rabenloh und haben da auch lange trainiert. Es war gut, dass wir da das Trainingsgelände bekommen haben. Das neue Gelände in Brackel habe ich nur einmal mit meiner Frau zusammen gesehen. Da war ich nicht mehr aktiv.

Wie haben Sie denn die Relegation 1986 gegen Fortuna Köln erlebt?

Das war stressig. Wir waren praktisch schon weg und ich bin dann in die Kabine gegangen, weil bald Schluss war und ich dachte, es tut sich nichts mehr. Ich habe wirklich geheult. Dann hat der Jürgen, der Wegmann, das Tor gemacht. Dann gab es dieses Relegationsspiel, als Fortuna nicht gekommen ist, da waren wir alleine mit den Fans im Stadion. Und dann haben wir sie ja weggehauen. Die Relegation ist schon stressig. Als wir in Köln gespielt haben, haben wir in Wuppertal im Hotel übernachtet. Alle wollten von Dortmund zum Spiel. Dann ist Rauball raus und hat mit der Polizei gesprochen, damit eine Gasse gebildet wurde und wir da durchkonnten.

1989 kam dann das andere Extrem. Was war nach dem Pokalsieg los?

Das war für mich das allerschönste. Vom Flughafen an standen die Fans hier schon in Zehner-Reihen und warteten auf uns. Dann sind wir rüber nach Brackel und auf den Hellweg drauf. Da kann ich auch noch eine Anekdote erzählen: Wir hatten ja keine Toilette. Dann haben wir an einer Ampel angehalten und dann sind alle rausgeströmt und ins Gebüsch und haben da hingepinkelt. Leider war da aber eine Kirche. Ein paar Wochen später haben wir dann einen Brief von der Pfarrei bekommen: „Die Rosen sind kaputt gegangen“. (lacht) Heute fährt die Mannschaft ja nur noch durch die Stadt, aber wir sind am Flughafen gestartet. Die standen überall, als wir nach Hause gekommen sind. Nachher dann noch auf dem Friedensplatz. Das war grandios.

Wie haben Sie die beiden Meisterschaften 1995 und 1996 und den Champions-League-Sieg 1997 erlebt?

Nach der Meisterschaft herrschte Ausnahmezustand

In München haben wir im Sheraton gewohnt, der Ablauf war der gleiche wie sonst auch. Es hat ja keiner damit gerechnet, dass wir da gewinnen. Wir waren krasser Außenseiter, wie 1989 auch. Das war spitzenmäßig und dann haben wir wie verrückt gefeiert. Meine Frau war immer mit und hat Fotos gemacht mit dem Pokal. Den Champions-League-Pokal hatte ich zu Hause, die Meisterschale auch. Ich hatte alles mit im Bett. Das war einmalig. Als ich den Champions-League-Pokal mitgebracht habe, kam gerade ein Linienbus vorbei. Der hat dann angehalten, alle Passagiere im Bus herausgelassen und dann wollten alle erst einmal ein Foto mit dem Pokal machen.

Und wie war die Tour 1997 nach Tokio zum Weltpokalfinale? Das war ja mit einem ungleich höheren Aufwand verbunden.

Die Reise nach Tokio bedeutete richtigen Stress. Die Asiaten sind sowas von genau. Da muss alles sitzen. Aber wenn wir irgendwo zum Trainingsplatz gefahren sind, haben wir über drei Stunden gebraucht.

Wie lange dauerte die Reise nach Tokio?

Der Bomber und RomarioDas waren drei Tage, glaub ich. Der Verkehr war unglaublich. Ich musste dort nicht fahren. Wir hatten einen Bus mit Fahrer gestellt bekommen. Ich hatte auch genug Sachen für das Training mitgenommen, brauchte also nicht zu waschen. Ich wusste, dass nur zweimal trainiert würde. Beim Spiel durfte ich gar nicht auf den Platz oder auch nur in die Nähe.

Das war 1989 noch anders...

Beim Pokalfinale 1989 hat Horst Köppel gesagt: „Sieh bloß zu, dass die Mannschaft immer was zu trinken hat.“ Es war unglaublich heiß. Ich habe dann Getränke vorbereitet und in jeder Unterbrechung verteilt. Der Schiedsrichter hat mich mehrfach ermahnt und am Ende gab es dann sogar eine Verhandlung. Da musste ich zwar nicht hin, war aber angeklagt, dass ich das Spiel mehrfach gestört hätte. Am Ende musste ich 5000 Mark Strafe zahlen. Dazu gibt es zwei DIN-A4-Seiten Protokoll zu. Sowas war in Japan aber undenkbar. Da wäre ich gar nicht in die Nähe des Platzes gekommen, um Getränke zu verteilen. Auch bei allen anderen Sachen waren die sehr genau. Man durfte beispielsweise auch nicht eine Sekunde eher auf den Platz als es vorgesehen war.

Wie lief denn die Verpflegung ab, wurde das heimische Essen bei den Reisen zu exotischen Zielen mitgenommen?

Da war meistens ein Koch. Aber in Seoul beispielsweise, da haben wir mal Freundschaftsspiele gemacht, zwei, glaub ich. Da wusste ich vorher Bescheid, dass die da Hunde essen. Da war ich vorher mit einer großen Kiste in der Metro und habe eingekauft. Nicht für alle, sondern nur für meine Spezis, ich kann ja nicht für 35 Leute was mitnehmen. Bifi, Ritter Sport, Brot, Fleisch in Dosen und sowas. Da habe ich eine ganze Kiste voll gehabt. Dann sind wir von Nike eingeladen worden und dann kommen wir da alle rein, das Essen wurde serviert und das Fleisch, das ganz dunkel war, haben alle liegengelassen. Cola haben wir nur noch aus der Flasche getrunken, nicht mehr aus dem Glas, obwohl es sauber war. In der Nacht hörte ich dann die Schritte und das Klopfen, dann standen die bei mir vor der Tür und haben gefragt, ob ich noch was habe.

Wann war denn der Trip nach Seoul?

Da war Köppel noch Trainer. Das muss kurz nach dem Pokalfinale 1989 gewesen sein. Da haben wir so einen Trip gemacht. Vier Tage oder fünf Tage waren wir da. Alle meine Jungs waren damals noch dabei.

Was hat es denn mit dem berühmten Zitronenkuchen auf sich?

Das war damals so eine Idee von Frank Mill. Der sagte: „Mein Gott, haben wir denn beim Spiel nicht mal ein bisschen Kuchen? Mach doch mal einen Kuchen!“ Da habe ich meiner Frau Bescheid gesagt, die hat das auch gemacht und dann habe ich den nach dem Spiel hingestellt. Das Spiel haben wir gewonnen. Den Kuchen gab es dann so lange, bis wir ein Spiel verloren haben, dann gab es einen anderen. Mal war es ein Marmorkuchen, mal ein Schokokuchen. Jedes Spiel hatten wir einen Kuchen. Wenn wir zwei Spiele hintereinander verloren haben, dann musste öfters gewechselt werden.

Den Kuchen gab es bis zum Schluss?

Bis ich aufgehört habe, ja. Das war ein richtiges Gesprächsthema, auch bei anderen. Fritz von Thurn und Taxis oder auch Rolf Töpperwien, die kamen an und fragten nach mir und wollten ein Stück Kuchen haben, weil sich das herumgesprochen hatte.

Kuchen in der Kabine wäre heute vermutlich undenkbar - zumindest zuletzt unter Thomas Tuchel?!

Der GlobetrotterHör auf! Da gibt es gar nichts mehr. Nachher haben einige Spieler den Verein verlassen. Andy Möller war weg, Thomas Helmer war weg. Wenn die wieder in Dortmund waren, wollten die immer Kuchen. Wenn die Bayern kamen, dann kam auch immer Mario Basler und auch der Busfahrer. Zu denen hatte ich ein gutes Verhältnis und dann habe ich die immer begrüßt. Basler ist immer direkt rein, hat sich bei mir eine Cola getrunken und eine Zigarette geraucht. Andy Möller wollte auch immer eine Cola. Das war einmalig. Als ich damals 50 wurde, kam Möller aus Frankfurt, da waren über 230 Leute da, auch der Vorstand. Dann hatten die vorher mit meiner Frau gesprochen und mir eine Tänzerin besorgt. Dann musste ich nach vorne kommen und Geschenke abholen. Ottmar Hitzfeld, Gerd Niebaum, die haben mir dann Geschenke überreicht. Die Spieler hatten mir eine große Kiste mit einer Schleife hingestellt und hatten vorher meine Frau um Einverständnis gefragt und dann sprang die Tänzerin aus der Kiste. Das war ein Gegröle. Ich habe mit der Frau dann noch getanzt. Das war ein toller Abend.

Wie lief es 2000 ab, als Udo Lattek überraschend das Traineramt übernahm?

Da lagen wir sportlich am Boden. Und dann haben wir in Duisburg das Ding gedreht. Wir wären fast abgestiegen. Wenn Lattek morgens zum Training kam, dann hat er immer gesagt: „Wo sind die Versager?“ Da war direkt ein schärferer Ton auf dem Gelände. Matthias Sammer kam ja auch noch dazu. Der blieb dann auch noch Trainer, als ich 2002 aufgehört habe.

Wie verlief Ihr Abschied?

Es war klar, dass ich mit 60, also im Februar 2002, aufhören und meine Frau pflegen werde. Wir haben gegen Rostock gespielt, samstags, dann haben die mich vor der Südtribüne hochgeschmissen. Dann haben die mir noch einen Strandkorb geschenkt, Christoph Metzelder hat das damals in die Hand genommen. Dann gab es noch ein Essen für meine Frau und mich und noch einen Urlaub auf Sylt. Ich habe am 6. Februar die Sachen abends reingefahren, hab den Schlüssel auf den Tisch gelegt und bin nicht mehr hingegangen. Jeder war immer zu ersetzen und dann mussten sie auch damit klarkommen. Ich bin dann nicht mehr hingegangen. Ich habe noch eine Dauerkarte auf Lebenszeit bekommen und habe mich sehr darüber gefreut.

Waren Sie traurig oder erleichtert, als das Kapitel BVB zu Ende war?

Ich hätte gerne noch bis Mai gemacht, weil ich gerne noch Meister geworden wäre. Aber Gerd Niebaum und Michael Meier haben gesagt: „Du hörst auf und Schluss. Du hast jetzt zu Hause deine Arbeit und pflegst deine Frau.“

Sind Sie mal mit Udo Lattek aneinander geraten?

Überhaupt nicht. Das war ein richtig tolles Verhältnis, einmalig! Sammer hingegen war ein Laberkopp, war nur laut. Als er noch Spieler war, da lagen wir mal bei einem Spiel zurück, da kommt er in der Halbzeit rein und schreit: „Der Ball ist zu weich!“. Da hab ich gesagt: „Hömma, bist du krank oder was? Die Bälle sind alle gleich. Du tickst doch nicht mehr richtig. Jungs, fühlt mal die Bälle, die sind alle gut.“ Ich hatte immer drei Ersatzbälle mit für die Schiris. Da gab es ja noch keine Balljungen. Ich habe dann einen Luftdruckmesser geholt und gezeigt, dass alle gleich sind und gesagt: „Jetzt soll der Ball schuld sein, weil wir zurück liegen? Ihr habt sie doch nicht mehr alle.“ Aber wir haben das Spiel am Ende trotzdem noch gewonnen.

Stehen Sie noch in Kontakt zu den Spielern von früher?

Andreas Möller gab dem Bomber mal seine RolexThomas Helmer macht ja immer die Champions-League-Sendung bei Sport1 in der 11-Freunde-Bar. Dann schreibt er ein, zwei Tage vorher: „Wir gehen essen.“ Wir gehen dann mit mehreren alten Spielern entweder in Schwerte essen oder auch mal in Dortmund oder Bochum. Meistens sind wir beim Italiener. Meistens sind wir so um die 12 Personen. Beim letzten Mal waren Norbert Dickel, Günter Kutowski, Michael Lusch und Thomas Helmer dabei und noch weitere Freunde.

Also stehen Sie eher noch in Kontakt mit den Spielern aus der Zeit Ende der 1980er und Anfang der 1990er?

Genau, zu denen hatte ich den besten Draht. Andere hab ich nie wieder gesprochen, Michael Zorc zum Beispiel. Das war sowieso immer schwierig. Das war der faulste Spieler. Einmal mussten wir in Paderborn landen und standen im Schnee. Dann hab ich ihm gesagt: „Wenn du jetzt nicht mithilfst, dann bleibt das alles hier stehen. Ich pack nichts mehr an.“ Da war er aber schon Manager, glaub ich. Aber da hat er dann mit angepackt.

Besuchen Sie denn noch die Heimspiele im Westfalenstadion?

Da gehe ich eigentlich schon hin. Beim letzten Mal hab ich mich allerdings so geärgert, da musste ich erstmal ein bisschen Abstand nehmen. Ich schwärme ja auch noch dafür. Es lag ja auch einiges im Argen. Aber jetzt wird es sicher wieder besser. Klopp hätte man behalten müssen. Der Tuchel war ja auch nicht schlecht, aber zwischenmenschlich schwierig. Das hatte ich vorher auch schon aus Mainz gehört. Da haben die mir schon gesagt: „Da hörst du mehr von.“

Und schauen Sie sich auch die Auswärtsspiele an?

Das gucke ich alles.

Abschließend müssen wir natürlich noch eine Frage klären: Woher kam der Spitzname „Bomber“?

Das kam in den 1980ern. Der Bernd Klotz ist mal zu schnell gefahren und angehalten worden. Ich habe in Sölde Fußball gespielt und war auch Obmann, da war ich schon älter und hab eher sporadisch gespielt. Der Spielführer in dem Verein war Polizist und der hatte den Bernd Klotz zufällig angehalten. Als der dann die Strafe aufgeschrieben hatte und die fertig waren, da hat der Polizist gesagt: „Grüßen Sie mir den Bomber!“ Da hat Bernd erstmal nachgefragt, wer das ist und als das klar war, hatte ich natürlich meinen Namen weg. Von da an hat kein Mensch mehr Hartmut gesagt.

Und wo genau rührte der Spitzname her?

Damals wog ich über 100 Kilo, jetzt ja nicht mehr, aber gute 114 hatte ich auf den Rippen. Wenn wir dann mal einen Mannschaftsausflug nach Mallorca gemacht hatten, dann sah man meinen dicken Bauch. Und wenn ich dann mal spielte, eher sporadisch, wenn einer fehlte, riefen die Zuschauer vom Gegner: „Deck den Vereinswirt.“ (lacht)

Wir war das Verhältnis mit Ottmar Hitzfeld?

Das war super. Wir telefonieren ab und zu nochmal.

Juckt es Sie denn manchmal, den Job heute noch mal zu machen?

Die Arbeit könnte ich jetzt nicht mehr machen, ich bin ja schon 76 Jahre. Wenn ich noch den Schein hätte und alle Kontrollen gemacht hätte, dann könnte ich den Bus noch fahren. Das wäre für mich kein Problem.

Wäre das heute denn schwieriger für Sie mit den vielen Leute, denen Sie vertrauen müssten. Sie haben ja lieber alles alleine organisiert.

Ja, das stimmt. Da hätte ich immer Angst, dass wir etwas vergessen, wenn ich mich auf andere verlassen muss. Dann liegt wahrscheinlich noch die Hälfte der Klamotten zu Hause oder so (lacht). Ich musste ja immer ohne Ende Klamotten mitnehmen, damit wir genug Trikots in den Heim- und Auswärtsfarben dabei haben. Wenn die Torhüter beide die gleichen Farben an haben, dann wurde ich vom Schiedsrichter angepfiffen. In Frankfurt habe ich mal nur schwarze Hosen mit, weil die Frankfurter gesagt haben, dass sie in Weiß spielen werden. Die haben dann aber schwarze Hosen angezogen und wir hatten keine gelben mit. Dann haben uns die Frankfurter weiße Hosen geliehen. Von da an habe ich alles doppelt und dreifach mitgenommen. Normalerweise telefoniert man und spricht sich ab. Aber die Frankfurter haben das nicht gemacht und der Schiedsrichter war so stur, dass er nicht anpfeifen wollte, wenn wir auch schwarze Hosen tragen. Am Ende hatten wir dann weiße Hosen zum gelben Hemd an. Und heute tragen sogar die Schiedsrichter mehrere Farben. Das kann man doch alles gar nicht mehr unterscheiden. Das wäre früher undenkbar gewesen.

Ist sonst mal was vergessen worden? Die Spielführerbinde zum Beispiel?

(Lacht.) Das wäre was gewesen, ist aber nie vorgekommen, da habe ich aufgepasst. Die Spielführerbinde lag immer oben drauf, auch die Spielerpässe. Im Winter gab es auch Tee und Kaffee. Auch die Lunchpakete, da habe ich immer dran gedacht. Kein Mensch hat geholfen. Und wenn man dann abfuhr, dann kam als erste Frage: „Wann sind wir zu Hause?“ Ich bin mal von Passau in einer Tour durchgefahren nach einem Pokalspiel, weil die alle schnell nach Hause wollten. „Knut“, hab ich gesagt, „jetzt setz dich hier hin, jetzt geht’s ab.“ Dann bin ich durchgefahren und er musste mich wachhalten. Da war ich nachher platt. Aber morgens war ich wieder pünktlich beim Training. Ich habe das gerne gemacht. Meine Frau meinte immer, dass ich dann ein ganz anderer Mensch war.

Vielen Dank für das Interview.

DM, 30.07.2018


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