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Unsa Senf - 26.07.2018

Manchmal soll es nicht sein

Drei Tage nach Beginn der USA-Reise flog Andre Schürrle zurück nach Deutschland, um seinen Wechsel voranzutreiben. 30 Millionen Euro Ablöse, 33 Bundesligaspiele und 3 Tore - ein drittes Jahr wird es beim BVB nicht geben. Was sich für Zahlenfetischisten wie ein befriedigendes Muster liest, ist die äußerst ernüchternde Bilanz eines Missverständnisses, das zumindest vorübergehend ein Ende gefunden hat.

2016 für eine „marktgerechte“ und unerklärliche Ablöse von Wolfsburg gekommen, war der Außenstürmer bei vielen Fans von Anfang an der personifizierte Fehleinkauf, technisch limitiert und stellvertretend für spielerisch teils erschreckende Auftritte. Gerechtfertigt oder nicht - der zweite „Held“ von Rio konnte den Erwartungen, seinen eigenen und der Klubführung, nie gerecht werden. Logisch, dass ein Spieler für seine Transfersumme nicht verantwortlich gemacht werden kann und bitter, wenn dieser ständig von zahlreichen Verletzungen zurückgeworfen wird. Trotz allem - Chancen sich für die erste Elf zu empfehlen und nachhaltigen Eindruck zu hinterlassen, gab es nicht wenige. „Er hat alle Möglichkeiten, er wird immer wieder die Chance bekommen, sich zu zeigen. Aber in letzter Konsequenz muss er das sportlich lösen“. Ein halbes Jahr später ist den Verantwortlichen um Aki Watzke nun wohl auch in dieser letzten Konsequenz klar geworden, dass dieser Wunsch unerfüllt bleibt. Sancho, Reus, Pulisic, Wolf, Bruun Larsen, Philipp - sich in der neuen Saison der Konkurrenzsituation auf außen zu stellen, würde einem aussichtslosen Unterfangen gleichen. Für beide Seiten wäre deshalb eine endgültige Trennung die einzig sinnvolle Lösung gewesen.

Die nun getroffene Vereinbarung mit dem englischen Premier-League-Aufsteiger gleicht jedoch einer halbgaren Lösung, die vor allem für den BVB äußerst enttäuschend ist - und sein muss. Eine Leihe ohne Kaufoption - das Standing des Ex-Nationalspielers scheint mittlerweile so angekratzt zu sein, dass die typischen Marktmechanismen des Fußballs umgekehrt greifen. Ein Modell, das Vereine unter normalen Umständen bei hoffnungsvollen Talenten bei geringer Aussicht auf Einsatzzeiten anwenden, in der Hoffnung, dass diese sich sportlich und menschlich weiterentwickeln und bei der Rückkehr einen Mehrwert bringen, kommt jetzt gegen den Willen des abgebenden Vereins zum Tragen. Fraglos hätte die Borussia lieber einen permanenten Verkauf vollzogen - nicht nur um eine Transfersumme zu generieren, sondern auch um die gescheiterte Episode mit dem Außenstürmer endgültig für beendet zu erklären. So muss der BVB darauf hoffen, dass Schürrle sich in England dermaßen sportlich wertvoll präsentiert, dass ein Verkauf nach Ende der Leihfrist eine realistische Option darstellt. Der Silberstreif am Horizont für die Borussia: Sorgt der ehemalige Bruchweg-Boy entgegen aller Erwartungen auf der Insel für Furore, liegt ein überhöhter Transfererlös nicht mehr im Bereich des Unmöglichen. Dass der Großverdiener nicht nur vorübergehend von der Gehaltsliste verschwindet, steht in den Büros am Westfalendamm wohl ganz oben auf den Flipcharts. All das zu beeinflussen, liegt schlussendlich nur bei íhm selbst.

Ob in der eigens geschaffenen Wohlfühloase mit den ziemlich besten Freunden Mario und Marco, in Wolfsburg oder in England: Die einst so rasant gestartete Karriere des immer noch erst 27-jährigen stottert erheblich - und auch er selbst scheint nicht so genau zu wissen warum. „Vielleicht muss er auch ein bisschen Ursachenforschung betreiben. Woran es liegt, dass es nicht funktioniert?“ Es bleibt ihm nur zu wünschen, dass er dieser Frage bei Fulham auf den Grund gehen kann. Denn allen sportlichen Schwierigkeiten zum Trotz - an Einsatzwillen und charakterlich einwandfreiem Verhalten mangelte es nie. Manchmal soll es halt einfach nicht sein.

Viel Glück in England, Schü!


Boris, 26.07.2018


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