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Im Gespräch mit ... - 16.05.2018

Hans-Joachim Watzke: "Der Umbruch wird deutlich ausfallen"

Herr Watzke, die Champions League Qualifikation ist geschafft. Welche Gemütslage überwiegt bei Ihnen nach dieser Saison?

Ich war in der Woche vor dem Hoffenheim-Spiel ehrlich gesagt in einem emotionalen Ausnahmezustand, weil ich als Pessimist relativ wenig Hoffnung hatte, dass wir die Situation in Hoffenheim selbst lösen. Wir sind in Sinsheim allerdings ganz gut ins Spiel gekommen, und das Publikum war sehr ruhig, deshalb hatte ich anfangs schon das Gefühl, dass vielleicht etwas gehen könnte. Dieses Gefühl hat sich nach dem Gegentor relativ schnell wieder zerschlagen. Leverkusen ging ja auch früh in Führung. Von da an war mir eigentlich klar, dass es für uns schwierig werden würde. Glücklicherweise bekam Leverkusen den zweiten Elfmeter nicht, sonst hätte es noch knapper werden können...

Ich war nach dem Spiel natürlich erst mal sauer, wobei ich immer versuche, das zu kanalisieren. Aber nicht so, wie manch andere Leute das machen, und das gefällt mir ehrlicherweise nicht am Verhalten einiger Fans: Wenn die Mannschaft nach einer enttäuschenden Leistung zu den Fans geht, kann man pfeifen und sein Missfallen kundtun – das müssen wir alle aushalten. Aber wenn Leute da „Kopf ab"-Gesten machen und Spieler persönlich diffamieren, dann darf man sich auch nicht wundern, dass die Mannschaft nicht mehr gerne zu den Fans geht. Es wäre schon sinnvoll, den Ärger so zu artikulieren, dass man anschließend auch wieder eine gemeinsame Basis haben kann.

Erst am Sonntag hat sich bei uns ein Gefühl der Erleichterung breitgemacht. Am Ende des Tages wissen wir beim BVB alle, dass wir in den kommenden Monaten sehr viel zu tun haben, aber all diese Planungen sind etwas leichter, wenn du für die Champions League qualifiziert bist.

Ich spüre gerade eine sehr große Verantwortung. Die vergangenen zehn Jahre waren von enormen Erfolgen geprägt, das habe ich mir am vergangenen Wochenende erstmal wieder vor Augen geführt. Das war schon nicht so schlecht, was wir in diesem Zeitraum geschafft haben. In der vergangenen Saison sind wir Vierter geworden und haben oft nicht den besten Fußball gespielt. Das ist für Veränderungen ehrlich gesagt immer noch ein guter Ausgangspunkt. Michael Zorc hat es treffend formuliert: Wir müssen ein Stück weit einen Neustart wagen, da dürfen wir uns nichts vormachen. Wir müssen sehr viel ändern. Teilweise haben wir bereits damit angefangen, teilweise kommt das noch. Aber es ist sehr viel zu tun, und das löst natürlich ein starkes Verantwortungsgefühl bei mir aus.

Am Anfang einer Veränderung steht immer die Analyse. Borussia ist toll gestartet, dann klappte nichts mehr, dann stabilisierte man sich, hatte aber Ausreißer nach oben und unten. Wie ist man in der Analyse vorgegangen und was sind die Ergebnisse?

Wir sind noch mitten in der Analyse. In der neu geschaffenen Runde, die aus Michael Zorc, Matthias Sammer, Sebastian Kehl und mir besteht, haben wir uns in den vergangenen Monaten schon häufiger getroffen. Oft, ohne dass die Öffentlichkeit es mitbekommen hat. Wir werden in dieser Woche noch sehr intensiv weiter analysieren, aber ein paar Aspekte kann ich hier auf jeden Fall schon anreißen. Natürlich ist einiges schiefgelaufen, das ist völlig klar, sonst hätten wir in der Tabelle mehr Punkte. Fünf Dinge, die grundsätzlich auffällig sind:

Als erstes muss man anführen, dass wir in den vergangenen zwei Jahren fünf absolute Klassespieler verloren haben: Mats Hummels, der unersetzlich ist, weil er in allen Bereichen einfach top ist. Er ist einer der besten Innenverteidiger der Welt und eine herausragende Persönlichkeit. Aber auch Mkhitaryan, Gündogan, Dembélé und Aubameyang – die haben wir verloren und konnten sie nicht eins zu eins ersetzen. Das geht wahrscheinlich auch gar nicht, es sei denn, du bist dauerhaft außergewöhnlich kreativ und hast auch noch das nötige Glück. Das ist aber nicht so einfach. Wenn man einen Spieler für 50 Millionen Euro verkauft, dann muss man Steuern zahlen und dem Spieler meistens auch noch ein paar Prozent der Ablösesumme abgeben. Dann bleiben vielleicht 2/3 der Ablösesumme zum Reinvestieren. Das heißt: Du wirst eigentlich nie besser durchs Verkaufen. Deswegen sind am Ende auch meistens die Klubs ganz oben, die selten verkaufen – das ist kein Zufall.

Zweitens: Es ist offensichtlich, dass wir bei der Trainerentscheidung im Sommer nicht richtig gelegen haben. Wenn wir den Trainer im Dezember wechseln mussten, weil wir vorher in acht Spielen drei Punkte geholt haben, dazu noch zwei Unentschieden gegen Nikosia, ist das eine dramatische Situation. Wir müssen Peter Stöger sehr dankbar sein, dass er für die Aufgabe zur Verfügung stand. Ich denke, dass er die richtige Entscheidung war. Unser Fehler liegt natürlich im Sommer. Peter Bosz ist ein sehr guter Trainer und ein außergewöhnlich guter Mensch, aber manchmal passt es eben nicht. Wir haben das zum Beispiel bei Ciro Immobile gesehen, der jetzt wieder alles kaputt schießt. Aber hier und auf seiner nächsten Station passte es eben nicht.

Der dritte Punkt, den man anfügen muss, ist die Mannschaftszusammenstellung. Wir haben unter dem Einfluss der vorherigen Trainer das Augenmerk zu stark auf das spielerische Element der Mannschaft gelegt und zu wenig auf die anderen Dinge. Im Zweifel haben wir immer versucht, den technisch besten Spieler zu holen, aber nicht den mit der besten Mentalität oder Führungsstärke. Das ist einfach so, der Kader ist am Ende des Tages mehr auf Fußballspielen zugeschnitten worden und die anderen Dinge haben wir ein bisschen vernachlässigt – was ich aber nicht als Vorwurf an Michael Zorc und das Scouting verstanden wissen möchte. Es ist immer ein Zusammenspiel mit dem Trainer. Wenn man Trainer hat, die nicht so großen Wert auf diese Eigenschaften legen und zum Beispiel einen Mentalitätsspieler wie Sven Bender für absolut verzichtbar halten, dann muss man ihnen auch Entscheidungsbefugnisse zugestehen. Vielleicht hätten wir uns hier und da aber stärker durchsetzen sollen.

Der vierte Punkt, der die Saison extrem geprägt hat: Wir haben massiv unter den Folgen des Anschlags gelitten. Für den Umgang damit und die Folgen gab es keine Blaupause, weil es sowas im Fußball noch nicht gegeben hat. Wenn du das miterlebt hast, dann vergisst du das so schnell nicht. Wir waren im Viertelfinale der Champions League sogar leicht favorisiert. Ab dem Halbfinale ist alles möglich – und dann wird den Spielern dieser Traum genommen. Dadurch ist einiges kaputt- und einiges an Vertrauen auf dieser Reise verloren gegangen. Das war auch für mich sehr schwierig. Experten hatten uns früh davor gewarnt, und dementsprechend ist es auch eingetroffen: Das Trauma kam. Bei einigen Spielern war das Erlebte irgendwann kein Problem mehr, bei anderen wurde es schwierig, und durch den Gerichtsprozess kam alles wieder hoch. Die Mannschaft wurde stark kritisiert, auch von den Fans. Weil wir aber wussten, was diese Mannschaft alles durchgemacht hatte, fiel es uns als Verantwortlichen natürlich schwer, die Mannschaft in dem einen oder anderen Moment härter anzufassen.

Als letzten Punkt muss man dann noch anführen, dass einige Spieler, die wir verpflichtet haben, nicht unsere Erwartungen erfüllt haben. Das alles führte dann am Ende des Tages zu der Situation, wie wir sie jetzt haben. Man darf trotz allem aber nicht vergessen: Wir haben aber immer noch eine starke Basis. Und wir betreiben eine schonungslose Fehleranalyse, um wieder in die Spur zu kommen.

Was sind die Schlussfolgerungen, wie man die Probleme angehen möchte?

Wir haben schon ein paar Schlussfolgerungen getroffen: Die erste, die für mich in den nächsten Jahren sehr wesentlich sein wird, ist die Tatsache, dass wir Sebastian Kehl und Matthias Sammer dazugeholt haben. Sebastian Kehl ist nicht nur bei uns, um in Sachen Transfers seine Meinung zu äußern, er wird sich unter der Leitung von Michael Zorc in vielen Bereichen stark einbringen, von denen wir glauben, dass sie jetzt intensiv angepackt werden müssen. Mir war schon relativ früh klar, dass wir etwas ändern müssen. Nicht zuletzt durch das Attentat, aber auch durch andere Dinge haben wir gemerkt, dass wir so groß geworden sind, dass nicht mehr alles Sportliche alleine auf den Schultern von Michael abgeladen werden kann. Das geht einfach nicht mehr. Er ist fünf Monate im Jahr nur mit Transfers beschäftigt. Da bleibt automatisch etwas auf der Strecke. Wir brauchen vor allem jemanden, der täglich nah an der Mannschaft dran ist und auch mal die sogenannten Sekundärtugenden einfordert. Das kann nicht nur der Trainer machen. Dazu kommen noch viel mehr Aufgaben: Du musst den Stab kontrollieren und koordinieren, musst Impulse setzen, den Austausch mit der medizinischen Abteilung pflegen, Gespräche mit den Spielern führen... Sebastian hat den Elan, von außen reinzukommen und trotzdem genau zu wissen, worum es hier geht. Wir müssen die Basis wieder stärken, ein Stück back to the roots. Sebastian weiß, was der BVB-Fan sich vorstellt. Da gibt‘s tausend Kleinigkeiten.

Die zweite Schlussfolgerung ist, dass Spieler bereit sein müssen, sich mit der Geschichte von Borussia Dortmund auseinanderzusetzen. Sie müssen sich nicht mal persönlich damit identifizieren. Wer aber nicht erkennen will, dass unser Verein etwas Besonderes ist, den dürfen wir im Idealfall nicht holen. Wer dazu bereit ist, dem müssen wir Borussia Dortmund näherbringen. Dazu bedarf es vieler Gespräche, nicht nur einer kurzen PowerPoint-Präsentation. Wenn der Spieler aber erstmal da ist und es nachhaltig nicht versteht oder nicht verstehen will, dann müssen wir uns wieder trennen. Wir müssen klarmachen: „Pass mal auf, dieser Verein ist mehr als ein einzelnes Ergebnis am Samstag oder am Ende der Saison!" Das wird ein ganz wesentlicher Aufgabenteil von Sebastian Kehl sein. Dazu kommt, dass die Abläufe optimiert werden müssen. Wir werden immer größer, und da benötigen wir in der Position einen wie Sebastian Kehl, und uns war wichtig, dass er auf jeden Fall BVB-Identifikation mitbringt.

Ein weiterer Punkt: Michael und mir war es nach all den Jahren in der Verantwortung ein persönliches Anliegen, von außen eine gewisse zusätzliche Kompetenz dazuzuholen. Matthias Sammer hat seine Qualität schon vielfach nachgewiesen. Er hat seine erfolgreichste Zeit als Spieler und Trainer bei Borussia Dortmund erlebt. Der kennt hier noch alles in der Stadt, und ich glaube, er reaktiviert gerade ein bisschen seine BVB-Vergangenheit. Matthias hat von außen noch einen schärferen Blick auf das, was man von innen teilweise nicht so gut sieht.

Ich glaube, in dieser Konstellation sind wir sehr gut aufgestellt, um das mal klar zu sagen. Für mich bedeutet das, dass ich mich – was das Sportliche angeht – etwas weiter zurückziehen werde. Wir wollen kein vielstimmiger Chor werden. Matthias Sammer äußert sich öffentlich ohnehin nicht, das habt Ihr ja schon gemerkt. Ich werde mich künftig vor allem zu den wichtigen und strategischen Dingen äußern, die bei einem Verein der Größenordnung immer wieder eine Rolle spielen. Ganz wichtig ist aber, und das sage ich auch allen Medien-Menschen, die von unklaren Strukturen sprechen: Es gibt keine unklaren Strukturen! Die Entscheidungskompetenzen sind glasklar geregelt. Klarer geht’s nicht! Entscheiden wird im sportlichen Bereich in letzter Konsequenz Michael Zorc, so wie vorher auch. Er muss das natürlich mit mir abstimmen, weil ich in der Gesamtverantwortung stehe, das ist ja klar, aber er trifft die sportliche Entscheidung und trägt hier die Verantwortung. Die Aufgabe von Matthias und Sebastian bei Transfers ist es, Input zu liefern und ihre Positionen im Zweifel argumentativ durchzusetzen – am Ende entscheidet aber Michael Zorc. Da gibt es eine klare Trennung, und es wird sicher nicht zu Problemen in der Abgrenzung der Aufgaben führen, wie man in manchen Fußball-Talkshows hören kann. Wir haben diese Konstellation besprochen, und sie ist von allen so gewollt. Deswegen gibt es auch keine Zweifel. Wir sind jetzt zwei Leute mehr in der Entscheidungsfindung, aber letztendlich trifft Michael die finale Entscheidung.

Drittens: Wir werden einen neuen Trainer verpflichten. Im Bereich der Co-Trainer wollen wir allerdings noch ein bisschen BVB-Input setzen...

Entscheidend ist natürlich der Spielerbereich. Wir werden auch da etwas ändern. Ihr müsst jetzt Verständnis haben, dass ich keine Namen durchdekliniere, aber wir müssen im Bereich Mentalität, Führungsstärke und positiver Aggressivität zulegen. Idealerweise finden wir Spieler, die führen können und obendrein spielerische Qualität haben. Wir werden weiter den Weg mit hochbegabten Spielern gehen, aber wir benötigen definitiv zwei oder drei Führungsspieler, da haben wir Nachholbedarf. So wird die Transferpolitik in etwa aussehen, ohne jetzt Namen zu diskutieren.

Als letzten Punkt werden wir massiv in das Trainingsgelände investieren.

Wie soll diese Investition aussehen?

Dort besteht einfach Nachholbedarf. Vor zehn Jahren, als wir kein Geld hatten, sah es am Trainingsgelände sehr spartanisch aus. 2010/2011 waren wir dann mit unserem neuen Trainingszentrum führend in Deutschland. Aber ich merke inzwischen, dass der eine oder andere Verein an uns vorbeizieht. Das haben wir in unserer Runde analysiert und die Konsequenz gezogen, dass wir in den nächsten zwei bis drei Jahren nochmal einen großen Betrag ins Trainingsgelände investieren möchten. Unsere Wünsche sehen unter anderem vor, dass wir eine Athletikhalle bauen möchten. Wir beabsichtigen, zwei weitere Trainingsplätze zu errichten, wir möchten ein Bürogebäude und vermutlich den sportlichen Teil der Verwaltung zum Trainingsgelände ausgliedern, weil wir hier in der Geschäftsstelle aus allen Nähten platzen. Und wir hoffen, für die Kinder, die direkt von der Schule kommen, eine Kantine bauen zu können. Insgesamt könnten in Brackel zwischen 15 und 20 Millionen Euro investiert werden. Das ist jedenfalls unser Wunsch.

Gibt es neben Kehl, Sammer und der Beförderung von Cramer noch weitere Änderungen in der KGaA?

Man muss das immer in dem Kontext sehen, dass es wenig verantwortungsbewusst wäre von Michael Zorc und von mir, wenn wir da keine Planung hätten. Wir durften eine erfolgreiche Ära beim BVB prägen, aber es ist auch klar, dass irgendwann neue Leute kommen müssen, die eine neue Ära prägen. Ich werde jetzt 59 Jahre alt und werde das sicher nicht mehr machen, wenn ich 65 bin. Da muss man natürlich die Weichen stellen. Carsten Cramer arbeitet schon lange mit und wird einen gewissen Bereich innerhalb der Geschäftsführung abdecken. Sebastian Kehl ist natürlich ein Kandidat, der sich für weitere Aufgaben empfehlen kann. Da gibt es keinen Automatismus, aber beide können sich sukzessive beweisen und mehr Verantwortung übernehmen. Cramer und Treß geben mir die Möglichkeit, mich ein bisschen weiter zurückzuziehen, ohne Löcher zu reißen. Jeder muss in seinem Bereich natürlich anfangen, eigene Gedanken zu entwickeln. Bei Sebastian immer in Rücksprache mit Michael Zorc, weil der letztlich entscheiden muss. Aber es war der ausdrückliche Wunsch von Michael Zorc, Sebastian Kehl dazu zu nehmen. Wenn Thomas Treß und Carsten Cramer weitere Veränderungen anstreben, dann möchte ich natürlich eingebunden sein, aber ich bremse auch niemanden. Es wird keinen großen Umbruch geben. Dafür sehe ich keinen Grund. Wir haben vor 13 Jahren mit 75 Millionen Euro Umsatz angefangen, hatten einen riesigen Schuldenberg. Jetzt sind wir schuldenfrei, werden weit über 500 Millionen Umsatz dieses Jahr machen. Wir waren sehr erfolgreich in den letzten zehn Jahren und haben zusätzlich 167 Millionen Euro Gewinn nach Steuern gemacht. Das ist also keine Situation, die nach einem Umbruch schreit, aber Veränderungen und Weichenstellungen wird es immer geben.

Wir haben eben schon über das Aufgabengebiet von Sebastian Kehl gesprochen. Wie sieht denn das Gebiet von Matthias Sammer aus? In welchen Punkten soll er beraten?

In rein fußballerischen Punkten. Es ist immer wichtig, eine Außensicht zu haben. Wenn du jahrelang diesen Verein mit der Hingabe lebst wie Michael Zorc oder ich das machen, bist du so tief in den Dingen verwoben, dass es gut tut, wenn jemand von außen dazukommt. Idealerweise jemand, der zum BVB eine Beziehung hat. Und sei es, dass du hier als Spieler extrem erfolgreich warst und deine Kinder bis heute BVB-Fans sind. Ich kenne die Vorbehalte, wir brauchen aber keinen Kuschelzoo. Natürlich hat Matthias Sammer uns als Angestellter von Bayern München bekämpft, so wie wir ihn auch bekämpft haben. Entscheidend ist aber, wie man sich nachher begegnet. Ich habe in den Gesprächen das Gefühl gehabt, ohne dass er es artikuliert hätte, dass er ein bisschen zu den Wurzeln zurück möchte. Er hat eine Ära geprägt und war hier sehr erfolgreich. Daraus hat sich eine Verbindung entwickelt. Zuerst haben wir uns nur mal auf einen Kaffee getroffen. Man konnte in den Analysen bei Eurosport seine Fachkompetenz sehen. Er hat viel erlebt, zum Beispiel jedes Training von Guardiola gesehen. Als er 2012 bei den Bayern anfing, waren wir on top. Dann ist Sammer dazugekommen, und die Bayern haben 2013 die Champions League gewonnen. Es kann natürlich auch Zufall sein, dass er immer da war, wo der Erfolg ist...

Ich habe ihn als sinnvolle Ergänzung für uns gesehen, und es war von Anfang an klar, dass er sich nur eine beratende Tätigkeit vorstellen kann. Auch Michael Zorc ist sicher, dass uns das gut tut. Wir diskutieren sehr kontrovers und haben viel Spaß dabei. In den Jahren des Erfolges hat man immer das Problem, dass man sich Schulterklopfer an Land zieht, die alles gut finden. Das ist bei Sebastian Kehl und Matthias Sammer definitiv nicht ausgeprägt. Die beiden sind relativ schwierig, weil sie auch mal gegen den Strich bürsten, aber gleichzeitig so loyal, das gemeinsame Ziel im Auge zu haben. Jemanden dazuzuholen, der überhaupt keine Ahnung von Borussia Dortmund hat, wäre keine Lösung gewesen. Ich glaube, dass es sehr fruchtbar und sehr konstruktiv werden kann und am Ende eine spannende Entwicklung vorantreibt.

Welchen Stellenwert hat die zweite Mannschaft bei der Konzeption des Bundesligakaders?

Das Problem ist immer die Abwägung zwischen zweiter Mannschaft und U19. Bei mir war das damals so, als es noch A-Jugend hieß, bin ich direkt nach dem 18. Geburtstag in die Herren-Mannschaft gekommen. Jetzt hat man es ein Jahr verschoben, das heißt, die Spieler sind ein Jahr älter, wenn sie rauskommen. Dann ist es meistens direkt der Schritt zu den Profis. Deswegen ist es für die Spieler der zweiten Mannschaft schwerer geworden. Manche Vereine, die meinen, sportwissenschaftlich ganz weit vorne zu liegen, haben ihre zweite Mannschaft abgemeldet. Das wird es bei uns nicht geben, weil die zweite Mannschaft ein ganz zentraler Bestandteil von Borussia Dortmund ist. Die Spieler haben es dort vielleicht schwerer durchzustarten, aber es ist möglich. Erik Durm ist es zum Beispiel gelungen, sogar bis zur WM.

Wenn man sich die U19 anguckt, wie die heute alle aussehen... Mein lieber Gott, da hast du nicht mehr das Gefühl, dass es sich um Jugendspieler handelt! Dadurch wird es schwerer. Was wir mittelfristig brauchen, ist ein vernünftiges Stadion für die zweite Mannschaft. Wir wollten die Rote Erde bekanntlich nicht nur ein Mal kaufen. Das ist aus verschiedenen Gründen nicht möglich gewesen. Der Rasen ist dort suboptimal. Vom Budget her, auch vom Stab, ist die zweite Mannschaft aber sehr gut ausgerüstet - und Lars Ricken hat beides im Blick. Die zweite Mannschaft wird es hier immer geben.

Die Rote Erde ist grundsätzlich ein tolles Stadion, auch wegen der Historie. Wäre es nicht einfacher, den Rasen auszutauschen oder eine Rasenheizung mit Drainage zu verlegen?

Ich sage es mal plakativ, und die Leichtathleten, deren Bedürfnisse absolut berechtigt sind, mögen mir verzeihen: Aber so lange Hammerwerfer auf diesem Rasen trainieren, wird er nicht besser. Die Leichtathleten sind natürlich völlig legitim in der Roten Erde. Aber solange sie den Rasen mitbenutzen, werden wir dort keinen guten Fußballrasen haben. Es kann ja niemand zaubern! Ich hoffe immer noch, dass wir irgendwann eine Lösung mit der Stadt finden werden, so dass wir die Rote Erde kaufen und modernisieren können. Und das in einer Form, die Vertreter aller Sportarten glücklich macht. Wenn wir den Rasen für uns haben, dann haben wir in einem halben Jahr den besten Platz der Regionalliga.

Es hat übrigens auch lange genug gedauert, bis wir der Jugend mal ein ordentliches Stadion hingestellt haben. Aber in Brackel dürfen wir nach 20 Uhr leider kein Flutlicht anmachen, und auch die Verkehrssituation ist dort schwierig. Das steht Spielen der zweiten Mannschaft dort im Weg.

Abschließend zur zweiten Mannschaft: Es gibt viele Parallelansetzungen. Andere Vereine finden das nicht gut, da dadurch Eintrittsgelder verloren gehen. Wie kann man sich da beim Verband einsetzen, dass es weniger Parallelansetzungen gibt? Auch als Vertrauensvorschuss für die Fans...

Es ist natürlich immer so ein Thema mit der Sicherheit und den Vertrauensvorschüssen – da müssen wir uns nichts vormachen. Vertrauensvorschüsse geben wir recht häufig und ehrlicherweise werden wir manchmal enttäuscht. Ich bin bei Parallelansetzungen nicht komplett im Thema. Wenn ich mit Amateurvereinen spreche, dann bekomme ich immer zu hören, dass man so schlecht aus der Regionalliga aufsteigen kann, weil die zweiten Mannschaften alles blockieren. Mir wurde immer gesagt, dass man Parallelansetzungen will, damit wir keine Jungs von den Profis einsetzen können. Sollte sich diese Ansicht auf breiterer Front ändern, dann werden wir natürlich auf den Verband zugehen und das thematisieren. Ich werde das mal aufnehmen.

Sie sagten eben, dass man weiter auf junge, hochtalentierte Spieler setzen will, aber auch die BVB-Mentalität braucht. Ist das nicht ein ganz schöner Spagat? Was sind die Ideen, wie man beides kombinieren oder die Spieler sogar soweit begeistern kann, dass sie hier bleiben?

Das wäre der Idealfall, aber ehrlicherweise bin ich skeptisch, dass man das immer zu 100 Prozent umsetzen kann. Das Fußballgeschäft hat sich einfach massiv geändert. Wir können versuchen, fünf Spieler aus der U19 hochzuziehen, die mittelmäßig begabt sind, aber in 12 Jahren immer noch beim BVB spielen. Aber dafür spielen wir dann keine Champions League mehr. Wenn ich das Spiel gegen Hertha BSC (Hinspiel im Halbfinale der deutschen U19 Meisterschaft, Anm. d. Red.) gesehen habe, dann glaube ich nicht, dass wir nur mit unseren eigenen Leuten den Ansprüchen aller Borussen gerecht werden können. Wir waren zuletzt mehrfach Nachwuchs-Meister, aber man muss auch sehen, wie schwer es selbst Spieler wie Passlack oder Burnic haben, sich bei anderen Vereinen durchzusetzen. Wir müssen damit leben, dass uns Spieler auch mal verlassen. Die Summen werden größer, die Berater und Spieler wollen mehr verdienen.

Aber andersrum wird ein Schuh draus: In der Zeit beim BVB müssen sie sich mehr auf den Verein einlassen. Da brauchst du aber Leute, die das den ganzen Tag einfordern. Das kann man nicht von einem Trainer erwarten. Wir müssen das selber einfordern. Ansonsten müssen wir uns von dem einen oder anderen Spieler trennen. Das müssen wir im Vorfeld so kommunizieren. Aber da weichen Theorie und Praxis manchmal leider ein wenig voneinander ab. In der Theorie klingt das ja alles gut. Praktisch ist es mitunter aber nur schwer durchzusetzen. Wenn man das mit einem Spieler wie Ousmane Dembélé vor dessen Verpflichtung bespricht, dann sagt der natürlich auch: „Das ist mir völlig klar." Letztendlich verhält er sich dann aber – das wissen wir heute – doch anders. Für uns war seine Verpflichtung trotz aller Verwerfungen letztlich aber wirtschaftlich richtig, weil wir mit dem Spieler viel Geld verdient haben, das wir nun anderweitig einsetzen können. Aber unser grundsätzliches Ziel muss es natürlich sein, dass Spieler eine viel höhere Identifikation mit dem Verein haben.

Wie will man die Identifikation konkret herstellen? Welche Maßnahmen will man ergreifen?

Ich möchte Sebastian Kehl nicht vorgreifen, der seine klaren Positionen zu diesen Themen hat. Da muss er dann mal selbst drüber berichten, es wäre jetzt nicht fair, ihm diese Chance zu nehmen. Wir haben das Problem jedenfalls erkannt und werden daran arbeiten. Aber die Erwartung, dass alles so wie vor sieben Jahren werden wird, die sollte man nicht haben. Das sage ich auch offen und ehrlich. Dafür hat sich einfach zu viel im Fußball verändert.

Sie haben eben gesagt, dass es nicht mehr passt, wie sich Spieler und Fans begegnen. Wie kann man an dieser Stelle ansetzen, das Verhältnis wieder zu verbessern?

Ja, das sehe ich auch so. Wir müssen mit dieser Thematik alle (!) sehr sorgsam umgehen. Die Erwartungshaltung ist in den vergangenen Jahren extrem groß geworden, was dem Zusammenhalt manchmal im Weg steht. Ich habe nicht das Gefühl, dass im Stadion noch von sehr vielen verziehen wird, wenn wir einen 18-Jährigen einwechseln und der erstmal fünf Fehlpässe spielt, selbst wenn er aus dem eigenen Stall kommt. Dazu kommt: Das Leben im Stadion spielt sich nicht nur auf der Süd ab. Einige fänden das gut, aber wir müssen realistischerweise davon ausgehen, dass 56.000 weitere Menschen im Stadion sind, die durch die jüngsten Erfolge mitunter auch eine ganz andere Erwartungshaltung haben. Das macht es schwieriger, aber gleichwohl müssen wir wieder enger zusammenrücken.

Wir haben in vielen Bereichen schon, vor allem in grundsätzlichen Dingen, signalisiert, dass wir dazu auch bereit sind. Wir liegen in übergeordneten sportpolitischen Dingen nicht weit auseinander. Ich werde mich auf jeden Fall wieder für mehr öffentliche Trainings beim neuen Trainer einsetzen, das ist ein entscheidender Punkt. Wir müssen außerdem Formate finden, in denen Spieler wieder bereit sind, mit den Fans zu diskutieren. Wir überlegen gerade, welche Formate das sein können. Das setzt natürlich auf beiden Seiten Interesse voraus. Da müssen beide Seiten aufeinander zugehen. Aber wir haben das erkannt.

Dass es am Ende der Saison, gerade am Ende so einer Saison, nicht vergnügungssteuerpflichtig ist, wenn wir erst in Zwickau und dann in Herne spielen, sollte auch klar sein. Ich hoffe, dass es von den Fans honoriert wird, dass wir viel für den Amateurfußball machen, zum Beispiel durch Spiele wie diese oder unsere „BVB für Amateure"-Aktion. Meines Wissens macht derlei, hinterlegt mit mehr als 200.000 Euro, kaum ein anderer Verein. Und warum machen wir die genannten anderen Spiele? Zum Beispiel, weil Westfalia Herne in einer Notlage ist und wir regional eine Verantwortung haben. Und weil wir auch Zwickau finanziell unterstützen wollten.

Wir müssen wieder etwas fannäher werden, in einer Zeit, in der viele andere Spitzenclubs genau das Gegenteil machen. Die Spieler, die zu uns kommen, kennen das alles häufig nicht. Die Engländer schotten sich komplett ab, die Spanier auch. Vielen Profis ist das Wort „öffentliches Training" total fremd. Aber wir sind Borussia Dortmund, und da müssen wir wieder einen Weg finden, das zu zeigen. Da weiß ich, dass Sebastian Kehl einige Ideen hat und einiges auf die Beine stellen wird. Der feste Wille ist auf jeden Fall da.

Im Hinblick auf die Kaderplanung: Erst sprach man von Umbruch, dann von Justierung …

Nein, erst von Justierung, dann von Umbruch. Ich habe Justierung im Februar im Interview mit der FAZ gesagt, weil ich der Mannschaft die Möglichkeit geben wollte, dass es statt eines Umbruchs doch eine Justierung wird. Da war es noch möglich. Wir standen am Anfang der Rückrunde, und es hätte auch sein können, dass es besser läuft. Wir hatten zu dem Zeitpunkt in Mainz gewonnen, gegen Hoffenheim gewonnen, zwar nur ein Unentschieden gegen Wolfsburg und Freiburg geholt und dann aber wieder Köln geschlagen. Da konnte man nicht absehen, wie es sich entwickelt. Dass es jetzt ein Umbruch statt einer Justierung wird, ist den Ergebnissen der vergangenen Monate geschuldet.

Wie muss man sich einen Umbruch konkret vorstellen, also wie groß wird er ausfallen?

Er wird sicher mehr als zwei bis drei Positionen betreffen, das ist klar. Wir können uns jetzt aber nicht limitieren und auf eine konkrete Zahl festlegen. Wir haben relativ klare Vorstellungen davon, was wir wollen. Aber da gehören am Ende immer zwei Parteien dazu. Ganz wichtig: Wir werden Verträge akzeptieren, es wird hier niemand weggemobbt. Es wird keine Trainingsgruppe II geben. Jeder Spieler bekommt von uns eine ehrliche Einschätzung und eine klare Aussage, wie die Chancen stehen, wer ins Konzept passt und wer es schwer haben wird, Teil des Kaders zu sein. Natürlich auch in Rücksprache mit dem neuen Trainer. Das werden wir klar kommunizieren, und dann müssen die Spieler entsprechend mit ihrem Berater Ableitungen treffen. Ob es jetzt sechs, acht oder neun von 26 oder 28 Spielern im Kader betrifft, kann ich natürlich nicht sagen. Das ergibt sich, aber der Umbruch wird deutlich ausfallen.

In welchem Mannschaftsteil besteht der größte Handlungsbedarf?

Ich glaube, dass wir in allen Mannschaftsteilen Handlungsbedarf haben.

Es gab in einer Zeitschrift die große Streichliste und ein Uservoting in den Ruhr Nachrichten. Ist die Berichterstattung respektlos?

In der heutigen Medienlandschaft, unter den Einflüssen des digitalen Wandels noch von Respekt auf breiter Basis zu sprechen, ist sehr gewagt. Niemand, kein einziges Medium auf der Welt, hat von uns jemals in irgendeiner Form eine einzige Information bekommen, welcher Spieler den BVB verlassen soll. Als die erste Streichliste erschienen ist, hatten wir gefühlt noch 15 Spiele! Diese von wenig Respekt getragene Entwicklung kannst du aber wohl nicht mehr zurückdrehen. Selbst bei den Ablegern großer Verlagshäuser sitzen inzwischen Menschen, die jedes Gerücht aufsaugen und weiterverbreiten. Dagegen kann man sich nicht wehren. Die Sitten sind da schon ziemlich verwildert, was die breite Masse angeht. Auch wenn es nach wie vor erstklassige, seriöse Journalisten gibt, die wir schätzen. Unsere Ableitung der Gesamtentwicklung ist allerdings: Wir kommentieren Gerüchte grundsätzlich nicht mehr. Erst wenn es etwas zu verkünden gibt, verkünden wir es.

In den Listen und Votings taucht immer wieder Marcel Schmelzer auf. Wird seine Rolle unterschätzt?

Man sollte nicht alles auf Schmelle abladen. Ich muss mal eine Lanze für ihn brechen: Es gibt kaum einen Spieler, der eine so hohe Identifikation mit dem Verein aufweist wie er. Ich würde mir wünschen, dass das bei den Fans auch honoriert wird und einen gewissen Einfluss hat. Man darf nicht verkennen, was in einem Jungen vorgeht, der seit zehn Jahren alles für den Verein gibt und sich dem Verein total verbunden fühlt, aber teilweise so unfassbar beleidigt wird wie in den vergangenen Wochen. Da müssen sich einige mal hinterfragen. Ich kann nicht auf der einen Seite Identifikation einfordern und dann den Spielern, die es leben, ständig „auf die Fresse hauen". Marcel Schmelzer hat bei uns, auf Basis dessen, was er hier geleistet hat, einen deutlich größeren Kreditrahmen als andere Spieler. Er hat Meisterschaften gewonnen und war im Champions-League-Finale – immer als Stammspieler! Bei aller Liebe, da wissen wir schon, was wir an Marcel Schmelzer haben.

Ehrlich gesagt, ein Voting, bei welcher Zeitung auch immer, interessiert uns überhaupt nicht. Das sind Momentaufnahmen. Das Leistungsprinzip steht über allem, das ist mal klar. Natürlich hat Marcel Schmelzer keine gute Saison gespielt. Das wissen alle, er wahrscheinlich am allermeisten, weil er sein Wirken immer stark reflektiert. Aber man muss auch mal sehen, dass er beide Vorbereitungen verpasst hat. Und trotzdem haut er sich ohne Pause rein, weil Raphael Guerreiro häufig verletzt war.

Sahin und Schmelzer gelten gemeinhin als „Königsmörder". Nuri Sahin wird sein Sportstudio-Auftritt als Gefälligkeit ausgelegt, Schmelzer gab ein unglückliches Interview nach dem Pokalfinale. Ist da ein falsches Bild entstanden?

Ich muss ganz ehrlich sagen: Ich habe den Sportstudio-Auftritt von Nuri gesehen und ich weiß nicht, was man daran kritisieren sollte. Ich habe kein einziges Wort gehört, durch das er in irgendeiner Form Partei für wen auch immer ergriffen oder jemanden kritisiert hätte. Die beiden sind Führungsspieler in der Mannschaft und die beiden haben die Dinge um das Attentat hautnah mitbekommen – auch die bis heute nach wie vor intern gebliebenen Abläufe. Das beide hierdurch ein Stück weit geprägt sind, ist nur natürlich.

Es wäre für mich einfach gewesen, zu sagen, was passiert ist und welche Dinge daraus entstanden sind. Ich habe für mich aber in der Nacht nach dem Attentat beschlossen, nicht über diese Interna zu sprechen. Ich kann mich noch gut an die Situation im Krisenstab erinnern. Wir dachten damals, dass es sich um ein IS-Attentat handelt. Die Polizei hat fieberhaft nach weiteren Sprengsätzen gesucht. Und am nächsten Morgen in der Diskussion mit der Mannschaft, als ich gesehen habe, was das mit den Spielern gemacht hat, habe ich für mich diese Entscheidung getroffen: Was wir in den 24 Stunden intern erlebt haben, das bleibt intern. Das mag altmodisch sein und damit habe ich natürlich Spekulationen Tür und Tor geöffnet. Wir alle wussten auch ganz genau, dass uns das auf die Füße fallen wird. Wir haben aber dennoch kein einziges Mal konkret gesagt, wer wann was gesagt, getan oder welche Meinung vertreten hat. Unter diesem gewaltigen Eindruck sind viele Dinge passiert und am Ende des Tages hat jeder das Recht, dass Interna in so einer Extremsituation vertraulich bleiben. Ich werde es auch weiterhin so halten, weil die Gruppe unter meiner Verantwortung steht und die habe ich komplett geschützt. Dann sollen die Leute lieber mich beschimpfen, weil sie die Dinge nicht verstehen, was man ihnen ehrlich gesagt nicht einmal vorwerfen kann.

Aber natürlich gibt es Spieler, die gesehen haben, was abgelaufen ist. Gerade die Spieler, die enger am Verein sind. Die haben schon gemerkt, was sich da alles offenbart hat. Das hat am Ende des Tages dazu geführt, dass wir alle nicht mehr die gleichen sind, die wir ein Jahr vorher waren.

Gab es irgendetwas aus dieser Zeit, was sie mit dem Blick ein Jahr später anders gemacht hätten?

Im Grunde müsste ich mich hier wiederholen: Viele Menschen haben mir gesagt, ich solle Ross und Reiter nennen. Damit erklärst du vieles. Und da habe ich immer gesagt: „Das mache ich nicht!" Jeder hat das Recht auf Privatsphäre – und die müssen wir alle schützen. Selbst dann, wenn es Medienexperten gibt, die meinen, mein Verhalten sei suboptimal gewesen. Fakt ist, und mehr sage ich nicht: Die Mannschaft hatte bis nachmittags Zeit, sich zu entscheiden, ob sie spielen will. Hätte die Mannschaft gesagt „Wir spielen nicht", dann hätten wir nicht gespielt. So hat Matthias Ginter es im Prozess ja auch gerade nochmal gesagt. Alles andere behalte ich für mich.

Ganz ehrlich: Als ich die Mannschaft am Morgen nach dem Anschlag in der Kabine gesehen habe, war mir klar, dass wir keine Chance haben würden. Andere haben das anders gesehen.

Wir hatten die Erwartungshaltung, dass wir mit unserem Antreten der Zivilgesellschaft einen Dienst erweisen. Das war intern ein großes Thema. Wir sind alle von einem Terroranschlag ausgegangen, weil es ein entsprechendes Bekennerschreiben gab, das sich erst später als nicht authentisch herausstellte. Hätten wir uns alle nach dem Spiel den Mund abgeputzt, die Klappe gehalten und gesagt „Wir haben gespielt, weil wir das Gefühl hatten, wir spielen für die Zuschauer", die sich übrigens wunderbar verhalten haben, „das war heute unser Dienst für die Zivilgesellschaft", dann hätten wir daraus viel Kraft gezogen. Leider haben wir uns danach in Kleinargumentationen verloren, und das hat dem Ganzen zusätzlich sehr stark geschadet. Aber das ist erledigt. Ich persönlich habe noch nie so eine Situation erlebt. Es gab keine Blaupause. Ich wusste, dass es massive Probleme danach geben würde. Und natürlich ist es schwierig, in so einer Situation alles richtig zu machen. Hätten wir danach aber alle mit einer Stimme gesprochen, wären die Probleme deutlich kleiner gewesen.

Es ist auch eine hohe Erwartung an die Mannschaft, nach so einem Attentat noch das Beste für die Zivilgesellschaft zu tun. Gab es Solidarität anderer Vereine oder von den Verbänden? Das war ja schon eine außergewöhnliche Situation.

Völlig klar, aber von Verbänden kann man das nicht erwarten. Vor allem die UEFA war stocksauer über das, was nach dem Spiel passiert ist, weil man denen den Schwarzen Peter zugeschoben hat. Es gab einfach keinen Termin, das war ja der große Mist. Es gibt so viele Gelehrte, aber keiner konnte bis heute einen Termin nennen. Die UEFA ist wohl davon ausgegangen, dass so ein großer Club wie Borussia Dortmund mit sich selbst klarkommen kann.

Und was die Auswirkungen des Anschlags betrifft: Wir hatten hochkompetente Leute an unserer Seite, Psychologen und Traumaexperten. Es gab Spieler, die die angebotene Hilfe in Anspruch genommen haben. Eine Reihe von Spielern war mit dem Thema nach drei bis vier Wochen durch und war auch froh, dass wir gespielt haben. Es war zunächst kein offensichtlicher Schaden da. Klar, wir sind gegen Monaco rausgeflogen, aber wir haben den DFB-Pokal geholt. Danach gingen die Probleme erst wirklich los.

Borussia Dortmund hat sich sehr deutlich für den Erhalt von 50+1 eingesetzt. Wofür soll Borussia Dortmund im Jahr 2018 stehen? Sie sagten eben, der BVB muss wieder fannäher werden. Wäre das so ein Thema, das man auch in den Verband einbringen würde?

Wie fannah ein Verein sein will, das muss man den Vereinen schon selber überlassen. Bei den übergeordneten Themen bin ich konform. Da müssen wir klare Kante zeigen, und das tun wir, glaube ich. Das Problem oder die Schizophrenie für mich ist, dass ich in Dortmund teilweise dafür kritisiert werde, dass wir zu kommerziell sind und außerhalb dafür, dass wir zu romantisch sind. Das muss ich natürlich aushalten. Von außen wird das aber alles völlig anders wahrgenommen und dafür bekomme ich sehr viel Kritik. Nicht nur von Martin Kind.

An wesentlichen Dingen, wie zum Beispiel an Eintrittspreisen, die wir nur noch in Anlehnung an den Verbraucherpreisindex erhöhen, wird nicht gerüttelt. Da beschränken wir uns, das ist aber sinnvoll.

Wenn wir dann dafür kritisiert werden, dass einer unserer Partner eine BVB-Versicherung auflegt, muss man auch sagen, dass wir irgendwo Geld verdienen müssen, damit wir die 28.600 Stehplätze behalten können. Aber 50+1, Stehplatzkultur, keine strukturellen Preiserhöhungen, da bleiben wir dabei.

Für mein Votum bei 50+1 bin ich scharf kritisiert worden, weil ich Andreas Rettig zur Seite gesprungen bin, doch das passierte gar nicht vor dem Hintergrund, dass es da einen Antrag gab. Als es dann so war, habe ich allerdings so abgestimmt, wie es der Verein von mir erwartet, da bin ich Überzeugungstäter. Bei 50+1 wird es über kurz oder lang eine juristische Klärung geben. Diejenigen, die das herbeiführen wollen, müssen dann Farbe bekennen. Und dann wird es womöglich ein ähnliches Szenario geben wie einst im Fall Bosman: Der ist als Held der Unterdrückten gefeiert worden, hat aber dem Fußball so nachhaltig geschadet, wie es kein Funktionär je geschafft hat. Traditionsvereine sind ein Stück deutsches Kulturgut, und das sollte man nicht verscherbeln. Was diese Position angeht, halten mich viele für antiquiert, aber das ist mir egal.

Nach 2008-2013 folgte der große Fußballkater. Die Stimmung wird schlechter, Merchandisingeinnahmen sinken deutlich. Was sind die Gründe dafür?

Das ist ein generelles Problem. Die Merchandisingeinnahmen sind nicht nur bei uns gesunken. Wenn man das mal ökonomisch ausdrücken will, was mir beim Fußball eigentlich widerstrebt: Das hat auch mit dem Konsumklima zu tun. Wenn man sich Fälle wie Dembélé oder Coutinho vor Augen führt oder Ablösesummen jenseits der 200 Millionen Euro oder das, was sich am Wochenende in Hamburg abgespielt hat, dann ist das keine Werbung für den Fußball. Man setzt sich inzwischen kritischer mit dem Fußball auseinander und dementsprechend wird weniger konsumiert.

Kann es auch daran liegen, dass ein Trikot knapp 100 Euro kostet?

Wenn Ihr jetzt auf die fünf Euro mehr abzielt: Wir wissen, dass sie manch einen Fan schmerzen, auf der anderen Seite belegt Puma mit dem BVB-Trikot hier immer noch keinen Spitzenplatz. Über den reinen Preis brauchen wir nicht zu diskutieren, genau wie über die Tatsache, dass die Spieler zu viel Geld bekommen. Es spielt sich alles am Markt ab, und wir brauchen ein paar Einnahmen, um den Laden aufrecht zu halten, weil wir uns in anderen Bereichen wirklich stark beschränken. Thema Sponsoren zum Beispiel: Ich glaube, dass wir im internationalen Spitzenbereich, was ethische Maßstäbe angeht, relativ gut liegen. Das ist bei anderen Vereinen anders. Auch da beschränken wir uns, weil wir das eine oder andere Ding nicht machen. Da wären in den vergangenen Jahren einige lukrative Werbe-Deals dabei gewesen, die wir abgelehnt haben. Aber letztendlich müssen wir irgendwo auch Geld verdienen und für den Ausrüster interessant bleiben.

Ist das Produkt „Bundesliga" unattraktiver geworden? In der abgelaufenen Saison gab es viele Grottenkicks und seit Jahren kein Meisterschaftsrennen.

Ich glaube, dass das Produkt „Bundesliga" künstlich ein bisschen schlechter dargestellt wird als es ist. Der eine oder andere Offizielle wie auch einige Journalisten haben Kritik an der Liga geäußert und das hat sich dann verselbstständigt. Das gibt es manchmal. Wir haben momentan keine Topphase, darüber müssen wir nicht reden. Aber es nicht so schlecht, wie es gemacht wird. Die fehlende Spannung an der Spitze nervt mich ja selbst. Ich gehe aber auf der anderen Seite seit 52 Jahren zu Borussia Dortmund, und ich bin da immer mit kompletter Überzeugung hingegangen, mit einer großen Liebe und großer Inbrunst, und ehrlicherweise hat mich nie die sportliche Situation interessiert, sondern wichtig war mir mein Verein. Ich glaube, dass das immer noch für 70% der Zuschauer gilt. Von daher ist das Argument Erfolg/Meisterschaft schon mal weniger wichtig. Ich gucke berufsbedingt relativ viel Fußball, und es soll mir keiner sagen, dass es bei Stoke City gegen Wolverhampton Wanderers einen Qualitätsunterschied zur Bundesliga gibt. Dass wir international als Bundesliga nicht so erfolgreich waren, das haben zuallererst wir als Borussia Dortmund verbockt. Wenn wir eine normale Saison im Europapokal gespielt hätten, wäre die Diskussion gar nicht aufgekommen. Dann wären wir auf Augenhöhe mit den Engländern gewesen. Wissen Sie, ich habe 2013 nicht gesagt, dass die Bundesliga die beste Liga der Welt ist, aber jetzt darf man uns auch nicht so klein machen. Bayern ist extrem knapp im Halbfinale gegen Real Madrid ausgeschieden, Leipzig stand im Viertelfinale, das wäre auch unser Anspruch, wenn wir auf normalen Niveau gespielt hätten. Dass wir Deutsche darüber hinaus in der Europa League relativ schlecht abgeschnitten haben, war doch fast klar. Die deutschen Vereine waren größtenteils Neulinge, die gar nicht den Kader hatten, um dort zu bestehen. Aktuell werden in der Bundesliga Mannschaften gefeiert, weil sie gerade Erfolg haben. Die konnten sich aber die ganze Woche ausruhen. Ganz konkret: Hätten Schalke, Gladbach, Leverkusen in der Europa League gespielt, hätte Deutschland dort auch besser abgeschnitten. Man darf also nicht überdramatisieren. Ich glaube, dass die Bundesliga nach wie vor eine gute Liga ist. Aber wir müssen uns alle anstrengen, weil es in England mehr Geld gibt. Da dürfen wir aber nicht hingucken. In Spanien sieht man schon - ich rede jetzt nicht von den Topclubs - dass die anderen das sehr ordentlich machen. Die taktische Leistung ist sehr gut und dort wird erstklassige Arbeit geleistet. Das Geschäftsmodell in England, zuerst die arbeitende Bevölkerung aus dem Stadion zu verdrängen und diesen Leuten dann Abos zu verkaufen, mag wirtschaftlich lukrativ sein, ist aber echt überhaupt nicht meins.

Das eine ist das Sportliche, aber Fußballfans fühlen sich auch vom System Fußball ein bisschen gesättigt. Wir haben Football Leaks, Korruption, ein möglicherweise gekauftes Sommermärchen. Entfernt sich der Fußball von der Basis?

Die Summen werden größer. Am Ende des Tages, wenn das Geld da ist, wird es ausgegeben. Man muss dann für sich selbst entscheiden: Entweder wir machen mit oder nicht. Ich habe nicht das Gefühl, dass die Fans in Bochum glücklicher sind als die Fans beim BVB, nur weil dort weniger Geld im Umlauf ist.

Wir haben eine Globalisierung und eine Digitalisierung. Die Dinge sind transparenter, das ist in vielen Bereichen nicht schlecht. Es zeigt aber die Exzesse viel öffentlicher, die es gibt, nicht nur im Fußball. Die gab es vor 50 Jahren auch, aber sie sind nicht so öffentlich geworden. Die Summen in absoluten Zahlen waren kleiner, aber die Fußballer waren auch in den 70er Jahren privilegiert. Da waren es keine Abermillionen, sondern halt Hunderttausende.

Dann kommen wir zur Digitalisierung. Jeder Spieler ist permanent in den sozialen Medien, was mich total nervt und viele Fans nervt und was ich mitunter auch albern finde. Die Spieler machen das durchaus auch aus ökonomischen Gründen. Da machen sich Follower-Zahlen finanziell bemerkbar und die Eitelkeit kommt noch dazu. Dass das Distanz schafft, sage ich immer wieder. Einige haben es verstanden, andere nicht. Wir haben nicht umsonst konkrete Regeln dafür, wie wir uns beim BVB in der digitalen Welt verhalten.

In diesem Zusammenhang ein kleiner Satz zu Sebastian Rode, der momentan als Held der Meinungsfreiheit gefeiert wird. Der Begriff Meinungsfreiheit wird bei Borussia Dortmund sehr hochgehalten. Da können Sie jeden Mitarbeiter fragen. Die Meinungsfreiheit ist aber immer dann verwirkt, wenn du die Intimsphäre verletzt. Unsere Spieler haben als Gruppe Regeln, die sie kennen und denen sich jeder Spieler normalerweise auch im Sinne der Gemeinschaft verpflichtet fühlt. Eine Regel lautet sinngemäß: Es werden keine Interna aus der Kabine oder aus dem Mannschaftsbus ausgeplaudert. Du musst, auch als privilegierter Millionär, einen Rückzugsort haben, an dem du das Gefühl hast, dass du zu Hause bist und dich in einem geschützten Bereich befindest. Der Trainer oder egal wer hat in der Kabine das Recht, er selber zu sein. Als Sebastian von dem, was in der Kabine vorgeht, sprach, war das genau der Teil, den ich ihm verübelt habe. Das darfst du nicht machen. Jeder hat mal einen schwachen Moment, und da ist die Kabine ein geschützter Ort, und jeder muss sich sicher sein können, dass das nicht ausgeschlachtet wird. Es geht aber nicht allein um Rode oder sonst wen, sondern um die Gruppe und die muss in der Kabine geschützt sein. Wenn es nicht mehr gewährleistet ist, dass Worte aus der Kabine intern bleiben, dann hast du Anarchie. Und da hat ein klarer Verstoß gegen die Regeln vorgelegen, der zu sanktionieren war. Um nichts anderes ging es.

Die Aussagen von Sebastian Rode haben sicherlich auch so hohe Wellen geschlagen, weil alle Welt darauf gewartet hat, was mit Peter Stöger passiert. Warum hat man sich so schwer getan, zu kommunizieren, ob es mit Peter Stöger weitergeht?

Es gab zwischendurch auch die Überlegung, dass es weitergehen kann. Wir hatten Phasen, in denen es gut aussah. Warum sollten wir uns selbst beschränken, indem wir vorher sagen, dass es ausgeschlossen ist, dass er bleibt, selbst wenn er die Europa League gewinnt oder Zweiter wird? Wir alle wollten uns das anschauen und das erst einmal begrenzen, aber wir haben nie gesagt, dass definitiv Schluss ist. Peter Stöger kam nach dem Bayern-Spiel zu uns und hat uns gesagt, es sei seine Tendenz, am 30.06. aufzuhören. Ich glaube nach dem Derby hat er uns endgültig mitgeteilt, dass er wirklich nach dem Sommer nicht weitermachen will. Das war grundsätzlich richtig und wurde von uns ähnlich gesehen. Wir haben aber wegen der „Lame duck"-Problematik gesagt, dass wir das in dieser fragilen Saison nicht öffentlich machen. Wenn wir das kommuniziert und danach kein Spiel mehr gewonnen hätten, dann wäre das doch als Grund benannt worden. Als Alibi für alle. Und wir wären auch dafür kritisiert worden. Für uns war wichtig, dass wir mit dem Trainer eine saubere, eine gemeinsame, eine von Vertrauen geprägte Linie haben. Von dem Moment seiner Entscheidung an haben wir erst angefangen, mit anderen zu sprechen. Wir machen das nicht hinter dem Rücken des aktuellen Trainers. Ob öffentlich oder nicht, wir waren da sehr klar in der gegenseitigen Kommunikation. Es war der Wunsch von Peter und auch unsere Linie. Er wird mitunter kritisch gesehen, nicht nur von Borussen-Bernie, sondern auch von einigen Fans. Aber wir sind Peter zu großem Dank verpflichtet, weil er uns auf Platz acht übernommen und auf vier geführt hat. Er wird ein Freund bleiben!

Sie sagten uns bereits, dass man vor der Saison Lucien Favre verpflichten wollte, die Vertragssituation es aber nicht zuließ. Hat sich die Vertragssituation geändert?

Das müssen Sie Lucien Favre fragen, das kann ich nicht beurteilen. Jedenfalls war es im letzten Sommer so, dass er keine schriftliche Ausstiegsklausel hatte. Jetzt aber darüber zu spekulieren, ob er dieses Jahr eine hat, fänd‘ ich wenig respektvoll gegenüber OGC Nizza. Das können nur die Beteiligten sagen.

Man verkündet den Trainer also noch nicht, weil der betreffende Verein noch Ziele zu erreichen hat?

(lacht) Netter Versuch, aber da lasse ich mich nicht locken. Ich weiß, dass es ein wenig antiquiert ist, aber so machen wir das bei Borussia Dortmund. Die Dinge werden verkündet, wenn sie anstehen.

Es wird aber definitiv ein deutschsprachiger Trainer?

Das ist so, ja. Es hat sich immer wieder als schwierig herausgestellt, wenn ein Trainer die Sprache nicht beherrscht. Wie wichtig ist heutzutage alleine schon die Medienarbeit? Wenn ein Trainer heute versucht, Deutsch zu stammeln, dann wird das direkt von den Comedians dieser Welt ins Lächerliche gezogen und darunter leidet auch die Autorität gegenüber der Mannschaft.

Gab es Erkenntnisse aus der Arbeit von Peter Stöger, der eine relativ gute Außensicht auf den Verein hatte?

Ja, klar. Wie gesagt: Wir gehen als absolute Freunde auseinander, und Peter war die ganze Zeit in alle Überlegungen einbezogen. Er hat uns seine Meinung gesagt, was speziell auch das Thema Mannschaftsstruktur und Mannschaftsführung angeht. Wir haben mit ihm sogar über mögliche neue Spieler diskutiert. Das war sehr vertrauensvoll. Da hat es sicherlich die eine oder andere Schlussfolgerung gegeben.

Vielen Dank für das Interview.


Seb und Ramona, 16.05.2018



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