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Eua Senf - 14.05.2018

Man geht nicht im Streit

Bei Roman Weidenfeller ist uns die Integration perfekt gelungen.Bei Roman Weidenfeller ist uns die Integration perfekt gelungen: Weit weg von Dortmund aufgewachsen, mit 21 hierher gekommen und dann...absorbiert.

Er hat früh verstanden, was Fußball und der Verein für uns bedeuten und nie ein Blatt vor den Mund genommen - er hat die Ruhrpott-Regeln verinnerlicht. Auch deswegen konnte er sich immer der absolut verdienten Unterstützung sicher sein, sogar dann, wenn es nicht lief. Kennen wir selbst - jeder kann mal in die Scheiße packen! Oder hinter sich...

Und dann klettert dieser Typ an seinem letzten Tag als Spieler auch noch über den Zaun! Ein perfektes Märchen für Fußballromantiker. Zum Heulen schön...

Wobei ich in dem Moment selbst viel zu sehr mit Klatschen, Singen und Johlen beschäftigt war. Erst die Arbeit, dann die Emotionen - auch so eine Ruhrpott-Regel.

Heute steigen mir bei jedem Video die Tränen in die Augen. Ich wette, ihm geht's ähnlich.

Ich bin überzeugt, Roman wird noch viel für Borussia tun - mehr als als Ersatzkeeper. Vielleicht sogar mehr als als Stammtorwart...? Nach dem Derby der Rückrunde waren er und Marcel Schmelzer die Einzigen, die sich den Fans am Trainingsgelände stellten.

Ja, ich weiß, das Kind war längst tief im Brunnen versenkt, aber es zeugt gerade dann von bewundernswertem Rückgrat, zumal sein Anteil daran verschwindend gering war. Die Niederlage auch von der Bank aus voll mitzutragen, zeigt Loyalität, Anstand und Zusammenhalt. Und auf diese Attribute stehen wir hier ganz besonders! (Möglicherweise, weil es auch öfter schon Zeiten gab, in denen wir sonst nicht viel hatten.)

Es wäre wünschenswert, ihn mit einer Position zu betrauen, die ihm die Möglichkeit gibt, integrativ den Spielern unserer Borussia weiter ein Vorbild und/oder ein Bindeglied zwischen Mannschaft und Fans zu sein!

Selbst am letzten Samstag, an seinem letzten Tag, in seinem letzten Moment, der eigentlich nur ihm gehören sollte, war es ihm ein Anliegen, für Versöhnung zu sorgen!

Man geht nicht im Streit schlafen, hat Oma schon gesagt.Auch das ist irgendwie Ruhrpott: Man geht nicht im Streit schlafen, hat Oma immer gesagt...beendet nicht seine Karriere oder eben auch nicht die Saison.

Auch mir bescherten die Pfiffe und die leeren Tribünen einen Kloß im Hals: Echt jetzt? Damit in die Sommerpause? So auseinander zu gehen, fühlt sich einfach scheiße an.

Ja, man kann zu Recht sauer sein und man hat sie schließlich oft genug gepampert... Aber hier und jetzt sind "diese Deppen" UNSERE Deppen und dem Unmut wurde wohl ausreichend Luft gemacht.

(Nur als kleiner Gedanke für den Hinterkopf: Vielleicht ja so ausreichend, dass der innere Druck in diesen enorm wichtigen Spielen so hoch ist, dass er lähmt anstatt anzutreiben? Schon mal ein Gedicht, einen Text oder ein Referat vorbereitet und dann vor der Familie, der Klasse oder auf der Bühne gestanden und keinen Ton heraus bekommen? Hm?)

Ich will sie auch gar nicht -mehr-verteidigen oder um Verständnis werben oder das Attentat ins Gedächtnis rufen. Ich bin selbst in dieser Saison durch so viele emotionale Extreme gegangen (ein Teil dessen war auch hier zu lesen), dass ich mir gar kein Urteil mehr anmaßen will: Weder über den Trainer, noch die Führung, noch die Mannschaft, noch die Fans, die die Mannschaft wegschicken, das Stadion verlassen, immer noch klatschen oder beim dritten Fehlpass pfeifen... Mir ist schwindlig von der emotionalen Achterbahnfahrt.

Aber genau wie unser Roman will ich am allerwenigsten im Streit diese Saison beenden!

Und nachdem wir Fans letzten Samstag, bis auf eine kurze Strophe zu "Supergirl" aus 12/13, ebenfalls unsere vorletzte Chance vertan haben:

Nach dem Spiel in Sinsheim am Trainingsgelände! Mit Schal. Mit Fahne. Mit Trikot. (...und nichts davon brennend!) Vielleicht ohne Applaus, aber in jedem Fall OHNE Pfiffe.

Und danach versöhnt in den Sommerschlaf...

Gastautorin Nina, 14.05.2018


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