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schwatzgelber Saisonrückblick - 15.11.2013

Saison 1987/88 – Ernüchterung nach dem Höhenflug

BVB-LogoNach dem vierten Platz im Vorjahr war die Euphorie rund um das Westfalenstadion riesengroß. Aber leider schaffte es die Mannschaft nicht, diese Erwartungen zu erfüllen und schrammte nur knapp am Abstieg vorbei. Dafür konnte man in Europa ein bisschen aufhorchen lassen.

Nach der hervorragenden Vorsaison begann die neue Saison am 08.07.1987 mit einem Trainingslager in Herzlake. Dabei waren die Neuzugänge Gerhard Kleppinger, Torsten Wohlert und Murdo MacLeod. Von den eigenen Amateuren kamen die Spieler Adrian Spyrka und Rupert Gerl. Nach seinem Karriereende übernahm Lothar Huber den Posten des Co-Trainers. Zwei Spieler verließen den BVB. Erdal Keser wechselte zurück in die Türkei zu Saryersport Istanbul und Andreas Hahn ging zu Wattenscheid 09. Das erste Testspiel gewann die Borussen zwei Tage später mit einem BVB-Ergebnis. Den SV Falke-Steinfeld schlagen die Borussen klar mit 9-0. Auch die nächsten fünf Testspiele innerhalb von 15 Tagen fanden auf den Dörfern statt und auch diese konnte der BVB gewinnen: 5-1 beim VfL Herzlake, 13-0 bei TuRa Melle, 6-0 beim VfL Gevelsberg, 13-0 beim SV Beuel 06 und 8-1 beim FC Lennestadt. Das letzte Testspiel fand in Hamm statt und der Gegner war der rumänische Club Dinamo Bukarest. Auch dieses Spiel konnten die Dortmunder mit 2-1 für sich entscheiden.

Aber am ersten Spieltag am 1. August gab es die Ernüchterung. Im Heimspiel gegen Bayern München kassierte der Ballspielverein eine 1-3-Niederlage und belegte nur den 16. Platz. Dabei sah Torhüter Teddy de Beer nicht gut aus. „Zweieinhalb Fehler habe ich gemacht“, gab der Torhüter zu. Auch das erste Auswärtsspiel mussten die Borussen bei Waldhof Mannheim mit 0-1 verloren geben. Die Hoffnung, dass man international bei den Auswahlmannschaften erfolgreich sein würde, durfte man ebenfalls begraben. Sowohl Nobert Dickel, Michael Zorc und Frank Mill mit der Deutschen Olympiaauswahl als auch Günter Kutowski bei der U21-Nationalmannschaft mussten Niederlagen hinnehmen. Die Olympiaauswahl verlor in Aschaffenburg gegen die CSSR mit 0-1, wobei Dickel und Zorc konstante Leistungen zeigten und Frank Mill nur den Pfosten in der 65. Minute traf. Währenddessen verlor der schwache Kutowski mit der U21 gegen Frankreich mit 0-2 und wurde dann für Franco Foda ausgewechselt.

Am 14. August am dritten Spieltag gab es endlich den ersten Sieg für die Dortmunder. Vor dem Spiel forderte Trainer Saftig eine Reaktion von der Mannschaft: „Gegen Homburg muss jetzt ein Sieg her!“. In nur 6 Minuten gelangen Norbert Dickel die entscheidenden Tore beim 2-0 Heimspiel gegen den FC Homburg. Auch die U20 mit Spyrka und Banach hatte ein Länderspiel. Gegen Dänemark gab es ein 1-1 und die beiden Dortmunder gehörten zu den besten deutschen Spielern. Die Reise nach Nürnberg endete torlos und 0-0. Fünf Tage später kam der Namensvetter aus Gladbach ins Westfalenstadion. Wieder einmal gab es keinen Sieg, man trennte sich mit 1-1. Am 29. August fand vor 7.000 Zuschauern dann die erste Runde im DFB-Pokal statt und Dortmund musste zum baden-württembergischen Oberligist Offenburger FV reisen. Dreimal gingen die Borussen durch Marcel Raducanu (34.), Maurice Banach (49.) und Anderbrügge (105.) in Führung, aber dreimal zeigten die Gastgeber im „Spiel des Jahres“ tolle Moral und glichen aus. Am Ende trennten sich beide Mannschaften mit 3-3 nach Verlängerung. Das Wiederholungsspiel muss die Entscheidung bringen. Sauer ist aber der BVB-Trainer Saftig über die Einstellung seiner Spieler: „Es ist immer das gleiche vor Pokalspielen, da kann man reden wie man will.“

Der September begann so, wie der August geendet hatte: nämlich mit einem Unentschieden bei der Eintracht. Das 0-0 war allein dem glänzend aufgelegten Teddy de Beer zu verdanken, der im Waldstadion in Frankfurt eine Niederlage durch hervorragende Paraden verhinderte. Vier Tage später kam der 1. FC Köln nach Dortmund und gewann das Spiel mit 1-2. Am 8. September gab es das U21-Länderspiel zwischen Deutschland und England (2-0) und ein gewisser Paul Gascoigne sah gegen Kutowski kein Land. Allerdings wurden beide zur Halbzeit ausgewechselt. In der Liga lief es für den BVB gar nicht. Nach dem 0-4 bei Werder Bremen warem die Dortmunder schon seit vier Spielen ohne Treffer auf des Gegners Platz. Am 16.09.1987 war es endlich soweit, die Dortmunder durften wieder im UEFA-Cup spielen. Das erste Spiel fand bei Celtic Glasgow statt und die Borussen waren lange die bessere Mannschaft. Aber zwei Minuten vor dem Ende gelang Whyte der 1-2-Siegtreffer. Trainer Saftig sagte darauf: „Es wird schwer, ist aber durchaus machbar, im Rückspiel weiterzukommen.“

Nur drei Tage später fand das Derby statt, welches die Dortmunder klar mit 4-1 gewinnen. Vor allem überrascht die Torausbeute, da in den bisherigen acht Bundesligaspielen nur fünf Treffer erzielt werden konnten. Nun traffen Dickel, Mill und zweimal Zorc. Traurig hingegen war nur, dass das Ergebnis zweitranig war. Denn nach dem Spiel stürmten die Gelsenkirchener Rowdies die Südtribüne und prügelten wahllos auf Dortmunder Zuschauer ein. Das Ergebnis: Es wurden 39 Schläger festgenommen und 20 Zuschauer leicht verletzt. Auch rund um das Westfalenstadion fanden weitere Schlägereien statt. Sogar Frank Mill wurde dabei verletzt. Beim Einlaufen zog er sich Verbrennungen zweiten Grade an beiden Oberschenkel durch einen von Fans geworfenen Feuerwerkskörper zu. Trotzdem spielte er. Danach waren erst einmal die Auswahlmannschaften Deutschlands dran. Während die U21 mit Kutowski gegen Dänemark mit 2-0 gewann (der Dortmunder wurde in der 74. Minute durch Mannheims Neuer ersetzt), spielte die deutsche Olympiaauswahl in der Qualifikation gegen Griechenland und siegte 3-0. Dabei war Mill zweifacher Torschütze und Zorc ein umsichtiger Ballverteiler im Mittelfeld.

Endlich gab es am 25.09.87 einen Auswärtssieg der Borussen. Bei Hannover 96 beendete der Neuborusse Kleppinger in der 34. Minute die 395 Minuten lange Serie ohne BVB-Tor in der Fremde. Am Ende gab es einen 3-2-Sieg für die Westfalen. In der Zeit vom 28. bis 30. September nahmen die Dortmunder Spyrka und Banach an einem U 20-Lehrgang von Berti Vogts in Grünberg teil und fehlten dann den Dortmunder im Uefa-Cup, der am 29. stattfand. Im Rückspiel trafen die Borussen daheim auf Celtic Glasgow und konnten durch zwei späte Tore von Norbert Dickel die 2. Runde erreichen. Währenddessen glänzte Spyrka beim Freundschaftsspiel der U 20-Nationalmannschaft beim Zweitligisten Darmstadt 98 (3-1-Sieg) als Torschütze, Vorbereiter, Libero und Mittelfeldchef. Auch im 18-köpfigen Aufgebot für die U20-WM in Chile war er neben Maurice Banach vertreten. Da sich allerdings Banach eine Zerrung zuzog, musste er auf Anraten des Mannschaftsarztes die Teilnahme absagen.

In Dortmund gab es nach dem Sieg im Uefa-Cup die Ernüchterung, da das Heimspiel gegen den Karlsruher SC klar mit 0-2 verloren ging. Anscheinend fehlte den Borussen die Luft. Aber gute Nachricht gab es zwei Tage nach dem Spiel, denn Frank Mill verlängerte seinen Vertrag um drei Jahre bis zum 30.06.1991. Als Grund für die Verlängerung teilte der 29-jährige Nationalspieler mit: „Ich fühle mich in Dortmund wohl, ich bin ein Kind des Ruhrgebietes.“ Das Wiederholungsspiel im DFB-Pokal daheim gegen Offenburger FV wurde ein Spatziergang, denn die Dortmunder gewannen vor 5.600 Zuschauern klar mit 5-0 durch Tore von Dickel, Mill, Lusch, noch einmal Mill und Pagelsdorf. Die Reise in die Pfalz dagegen blieb erfolglos, der BVB verlor gegen den 1. FC Kaiserslautern mit 1-3. Bei der U20-WM in Chile gewann die deutsche Nationalmannschaft ihr erstes Spiel klar mit 3-0 gegen Saudi Arabien. Allerdings lief das Spiel an dem Dortmunder Spyrka vorbei. Vier Tage später zeichnete er sich als fehlerloser Libero beim 3-0-Sieg gegen Bulgarien aus. Auch am 18.10.1987 war Spyrka der herausragende Akteur beim 2-1-Siegen gegen die USA und sicherte damit den Gruppensieg für Deutschland.

Währenddessen spielte Dortmund in der 2. Runde daheim gegen Velez Mostar und gewann 2-0. Zur gleichen Zeit bezwang im Viertelfinale der U 20-WM Deutschland die Schotten mit 4-3. Der Dortmunder Spyrka, der in der Verlängerung vom Schotten Campbell niedergeschlagen wurde, verwandelte dann den entscheidenden Strafstoß. In Deutschland fand  zwei Tage später die 2. Hauptrunde im DFB-Pokal statt und Dortmund musste zum FSV Salmrohr reisen. Zwar gingen die Borussen vor 3.500 Zuschauern durch Murdo MacLeod in der 26. Minute in Führung, das Spiel aber mussten sie in Unterzahl beenden, weil Norbert Dickel eine Rote Karte erhielt. Beinahe wäre das Spiel in die Verlängerung gegangen, Salmrohrs Plath traf aber in der 90. Minute nur den Pfosten, der BVB gewann knapp mit 1-0. Am 25. Oktober fand dann das Halbfinale bei der U20-WM statt und Deutschland musste gegen den Gastgeber Chile spielen. Durch die beste Turnierleistung der deutschen werden die Chilenen mit 4-0 nach Hause geschickt. Zwei Tage später kam es zum Finale zwischen Deutschland und Jugoslawien statt. Die Entscheidung fiel im Elfmeterschießen. Spyrka war bis dahin einer der konstanteren Spieler, konnte aber keine entscheidenden Impulse setzen. Im Elfmeterschießen verloren die Deutschen mit 4-5. Zwar erzielte Spyrka da sein Tor, aber Witeczek versagte.

In der Bundesliga musste der BVB erneut eine Niederlage hinnehmen. Im Spiel bei Bayer Uerdingen verloren die Dortmunder mit 1-2. Auch das Rückspiel bei Velez Mostar stand lange Zeit auf der Kippe, aber den entscheidenden Ausgleichstreffer erzielte Frank Mill in der Schlussminute. Am Ende gewannen zwar die Jugoslawen, aber Dortmund stand in der dritten Runde. Am 07.11.87 empfing die Borussia den VFB Stuttgart im heimischen Westfalenstadion. Mit einem Sonntagsschuss aus 30 Meter erzielte Thomas Helmer den 1-1-Ausgleichstreffer. Am Ende gingen beim 2-2 beide Dortmunder Treffer auf sein Konto. Eine Woche später hieß der Gegner Bayer Leverkusen. Das Spiel im Rheinland begann denkbar schlecht, denn der belgische Bayer-Spieler Jean-Pierre de Keyser verletzte Frank Mill durch ein Foul so schwer, dass er in der 42. Minute ausgewechselt werden musste. Der Dortmunder zog sich eine schwere Bänderdehnung und eine Meniskusquetschung zu. Für ihn kam Maurice Banach ins Team und erzielte nur zwei Minuten später den 1-1-Ausgleich. Am Ende trennten sich die Teams mit 2-2.

Es folgte vier Tage später der U21-Länderspielvergleich zwischen Deutschland und der Niederlande. Bei der 0-2-Niederlage spielte der Dortmunder Kutowski zwar gut mit, blieb aber unauffällig. In der Bundesliga setzte es hingegen erneut eine Niederlage. Im Heimspiel gegen den Hamburger SV erzielte der BVB zwar zwei Treffer, am Ende gewannen die Hamburger mit 2-3. Erfolgreicher verlief das Uefa-Cup-Hinspiel gegen den FC Brügge. Nach dem ungefährdeten 3-0-Sieg zweifelte in der Westfalenmetropole keiner mehr, dass man eine Runde weiter kommen würde. Doch vor dem Rückspiel gab es noch zwei Bundesligaspiele. Am 28.11.87 reiste der BVB nach München und gewannt beim FC Bayern klar dank eines überragenden Liberos Pagelsdorf und des zweifachen Torschützen Simmes mit 3-1. Vor dem Spiel gegen Mannheim beschwörte der Trainer seine Mannschaft: „Unser glanzvoller Sieg bei den Bayern nützt uns nichts, wenn wir nicht gegen Waldhof gewinnen.“ Aber ausgerechnet der ehemalige Borusse Bernd Klotz verwandelte die einzige Chance der Mannheimer zum 0-1-Endstand. Damit belegte der BVB in der Winterpause nur den 15. Platz bei 24-32 Toren und 13-25-Punkten.

Der glorreiche Abschluss des Jahres sollte in Brügge stattfinden. Doch die belgischen Hauptstädter gingen schon nach 10 Minuten durch Ceulemans in Führung. Zwei Treffer von Leo van der Elst sorgen für eine Verlängerung. Sein Bruder Frankie van der Elst erzielte dann in der 99. Minute mit einem Flachschuss aus 18 Meter das 0-4. Den 0-5-Endstand schoss dann drei Minuten vor dem Ende erneut Leo van der Elst per Elfmeter. Die sicher geglaubte Viertelfinal-Teilnahme war dahin.

Nach dem bitteren Aus konnte aber der BVB personell einen Erfolg verbuchen. Der 20-jährige Mittelfeldspieler Andreas Möller wechselte am 05.01.88 für 2,4 Mio. DM (plus MwSt.) aus Frankfurt zu Borussia Dortmund. Es war bis dahin die höchste Ablösesumme, die in Deutschland bezahlt wurde. Zwei Tage später kamen dann auch 600 Fans zum ersten Training, wurden aber vom Trainer Saftig enttäuscht. Dieser hatte nämlich einen Waldlauf angesetzt. In Essen fand am 10. Januar ein Hallenturnier statt, welches der BVB vor dem VfL Bochum gewinnen konnte. Bester Torschütze mit sechs Treffern war ebenfalls ein Dortmunder, Frank Mill. Zehn Tage später fand dann das erste Freundschaftsspiel nach der Winterpause unter freien Himmel statt. Beim VfL Kamen gewannen die Borussen klar und deutlich mit 11-0. Die Jahreshauptversammlung vor 417 Mitgliedern fand wenig später am 21.01.1988 statt. Präsident Dr. Niebaum durfte sich über die Wiederwahl freuen und Schatzmeister Vogt einen Überschuss von 260.000 DM aus dem Geschäftsjahr 86/87 verkünden. Beim eigenen Hallenturnier in der Westfalenhalle Ende Januar kamen die Borussen nur auf einen Sieg (6-2 gegen Rot-Weiß Essen) und belegten so einen enttäuschenden vierten Platz. Es gab Niederlagen gegen Bochum (2-4), Leverkusen (3-5) und Nürnberg (2-4). Im Anschluss ging es dann in das spanische Trainingslager nach Estepona. Hier sollten die Grundlagen für einen erfolgreichen Abstiegskampf erworben werden. Derweil blieb der verletzte Kapitän Michael Zorc in Dortmund.

Am 1. Februar spielte der BVB im Marbella gegen den FC St. Pauli und siegte durch Tore von Möller, Spyrka und Dickel klar mit 3-1. Auch das nächste Freundschaftsspiel bei Wattenscheid 09 ging nicht verloren, die SG und der BVB  trennten sich 1-1. Am 13.02.88 kam es zur dritten Runde im DFB-Pokal. Zweimal standen die Borussen kurz vor dem Aus, konnten aber in der 87. Minute dank Dirk Hupe die Verlängerung erreichen. In dieser erzielte dann in der vorletzten Minute Günter Kutowski den 3-3-Endstand und erzwang somit ein Wiederholungsspiel in Dortmund. Zwar gingen die Borussen beim Heimdebüt von Andreas Möller Mitte Februar durch seinen Treffer mit 1-0 gegen Bochum in Führung, am Ende gewwann der VfL aber mit 1-2 durch zwei Last-Minute-Tore in den letzten Minuten. Dafür war die Reise ins Saarland erfolgreich. Gegen den FC Hombruch gewannen die Dortmunder durch Treffer von Storck, Mill und Hupe mit 3-0 und sicherten sich wichtige Punkte im Abstiegskampf. Am 23. Februar kam es zum Wiederholungsspiel im DFB-Pokal gegen Bayer Uerdingen. Dabei waren die Borussen völlig verunsichert und verloren verdient gegen die keineswegs starken Uerdinger mit 1-2. Dortmund musste auf Mill verzichten, der sich sein Knie verdreht hat. Für ihn kam der junge Rupert Gerl herein. Die Uerdinger gingen durch W. Funkel in der 21. Minute im Westfalenstadion vor 11.960 Zuschauer in Führung, aber Norbert Dickel erzielte in der 50. Minute den Ausgleich. Stefan Kuntz setzte in der 72. Minute den Todesstoss für die Borussen. Frank Mill sagte zu dem Spiel: „Die Uerdinger waren schwach. Wir aber noch viel schwächer.“

Darauf reagierte der Verein und fror alle Siegprämien bis Saisonende aufgrund der schwachen Heimspielleistungen ein. Diese Maßnahme schien zu fruchten, denn beim Tabellenfünften aus Gladbach gewannen die Borussen klar mit 3-0 und fuhren den dritten Auswärtssieg in Folge ein. Und auch im nächsten Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt durfte wieder gejubelt werden. Die Dortmunder konnten erstmals seit fünf Monate auf Michael Zorc zurückgreifen und siegten klar mit 3-1. Damit beendeten sie auch die ebenso lange Serie von sieglosen Heimspielen. Aber sieben Tage später endete bereits die nächste Serie. Bei der 0-2-Niederlage beim 1. FC Köln musste Borussia die erste Auswärtsniederlage seit dem 31.10.1987 hinnehmen. Eine Woche später gab es dann beim Auftritt von Werder Bremen im Westfalenstadion nur ein torloses 0-0.

Am 26. März fand dann in Gelsenkirchen das Derby statt. Nach der bitteren 0-3-Niederlagete muss Borussia wieder um den Klassenerhalt zittern. Außerdem sah Andreas Möller nach einem Allerweltsfoul die Rote Karte und Libero Pagelsdorf verschoß einen Elfmeter. Auch eine Woche später beim Heimspiel gegen den 1. FC Nürnberg gab es statt drei Punkten nur einen. Das Spiel endete 1-1. Die nächste Begegnung fand vier Tage später im Westfalenstadion statt. Gegner war dort Hannover 96 und erneut konnte der BVB trotz dreimaliger Führung nicht gewinnen und spielte nur 3-3. Dabei erzielte Frank Mill ein kurioses Tor in einer an Höhepunkten armen Begegnung. Hannovers Torhüter Raps warf den Ball zum Abschlag hoch, Mill schlich sich heran und köpfte den Ball weg. Er schob ihn anschließend zum zwischenzeitigen 2-1 ein - denn der Schiedsrichter gab den Treffer trotz Proteste der 96er. Auch beim nächsten Spiel gab es wieder nur ein torloses 0-0 bei Dortmunds Gastauftritt beim Karlsruher SC. Am 22. April aber kam es endlich zum langersehnten Sieg der Borussen. Tore von Zorc (per Foulelfmeter), Helmer und Möller sorgten für einen 3-0 Heimsieg gegen den 1. FC Kaiserslautern. Die Borussia verschaffte sich etwas Luft im Abstiegskampf. Fünf Tage später erzielte der Dortmunder Frank Mill den 1-1-Ausgleich in der letzten Minute gegen Polen, so dass die Olympiaträume der deutschen Auswahl für Seoul weiterhin bestehen bleiben konnten.

Nach der 0-2-Niederlage beim VfL Bochum musste die Saftig-Elf wieder ihren Blick nach unten richtigen, aber schon am 3. Mai erledigte Michael Zorc Bayer 05 Uerdingen fast im Alleingang. Beim 4-2-Sieg erzielte der Dortmunder alle vier BVB-Treffer, davon zwei Foulelfmeter. Vier Tage später spielten die Borussen beim VfB Stuttgart und führten bis zur 90. Minute sogar. Aber das tolle Spiel der Dortmunder wurde nicht belohnt, mit dem Schlusspfiff erzielte Jürgen Klinsmann den 2-2 Ausgleichstreffer für die Schwaben. Nur ein Tag später trat der BVB zu einem Benefizspiel für die Kinderlähmungshilfe „Polio-Plus“ beim TSF Heuchelheim an. Beim 10-2-Sieg der Borussen erzielte Thomas Helmer allein die Hälfte aller Dortmunder Treffer. Am 14. Mai gastierte Bayer Leverkusen im Westfalenstadion. Und erneut war es Michael Zorc, der nervenstark einen Elfmeter zum 2-2-Endstand einschob. Damit sicherte sich Borussia Dortmund praktisch den Klassenerhalt. Drei Tage später fand eine Vorstandssitzung statt. Thema dort war der Krach zwischen der Mannschaft (mit Wortführer Frank Mill) und Trainer Reinhard Saftig. Der Vorwurf aus Teilen der Mannschaft an den Trainer: Sie warfen ihm z.B. mangelnde Härte vor. Frank Mill zu dem Thema: „Er ist keine Persönlichkeit. Er ist immer gleich. Er lobt nicht und kritisiert nicht. Er kann einfach nicht aus seiner Haut.“ Weiterhin stand der erste, namhafte Neuzugang fest, denn der Münchener Michael Rummenigge unterschrieb in Dortmund einen Zwei-Jahres-Vertrag. Das Gastspiel beim Hamburger SV sah lange Zeit eigentlich ganz gut aus, der BVB führte eine Viertelstunde vor dem Ende mit 3-1. Doch die Hamburger drehten das Spiel zum 3-4.  Damit belegten die Borussen einen enttäuschenden 13. Platz mit 29-39-Punkten und 51-54-Toren. Von 21 eingesetzten Spielern kamen die drei Spieler Günter Kutowski, Gerd Kleppinger und Murdo MacLeod auf 33 Spiele. Bester Schütze trotz seiner langen Verletzung war Michael Zorc mit 13 Treffern vor Frank Mill (9 Tore). Eine Randbemerkung war das Derby, denn der Sieg der Blauen gegen den BVB war ihr letzter Sieg und sie stiegen als Tabellenletzter am Ende der Saison ab. Zwar ruhte der Bundesliga-Fußball im Westfalenstadion bis zum 18.06.1988, aber Frank Mill und Michael Zorc durften dort am 31. Mai bei der Olympiaauswahl gegen Rumänien spielen. Durch einen 3-0-Sieg gegen Rumänien qualifiziert sich Deutschland für die Olympischen Spiele in Seoul. Eine lange Verschnaufspause aber hatte Frank Mill nicht, er musste zur EM.

Die BVB-Mannschaft 1987/88Die BVB-Mannschaft 1987/88

Fazit:

Nach der glänzenden Vorsaison, in der der BVB überraschend den vierten Platz erreichte, hoffte ganz Dortmund auf eine Fortsetzung in der neuen Saison. Die Hoffnung war gegeben, da man die Mannschaft zusammenhalten hatte können und sich nur durch Murdo MacLeod (Celtic Glasgow), Thorsten Wohlert (VfB Lübeck) und Gerhard Kleppinger (aus Gelsenkirchen) verstärkt hatte. Dazu kamen aus dem eigenen Amateurbereich die Spieler Rupert Gerl und Adrian Spyrka. Doch obwohl Vorstand und Trainer die Fans gewarnt hatten, folgte der Absturz, denn die Mannschaft konnte die hohen Erwartungen, die wegen der Uefa-Cup-Qualifikation entstanden waren, nicht erfüllen.

Ein Grund für den Absturz stellte Frank Mill bereits in der Hinserie fest. Es war die Dreifachbelastung aus Meisterschaft, DFB-Pokal und dem UEFA-Cup. Während die Dortmunder in den beiden Pokalwettbewerben recht erfolgreich waren, lief es aufgrund des Kräfteverschleißes in der Liga nicht. „In der Bundesliga müssen wir froh sein, wenn wir nicht absteigen“, stellte der Stürmer fest. Gerade das Ausscheiden in der dritten Runde des Uefa-Cups zeigte deutlich, dass der Mannschaft Substanz fehlte. Allerdings brachten gerade die Pokalwettbewerbe reichlich Geld und Ansehen nach Dortmund.

Ein Problem war der Spielaufbau bei Borussia Dortmund. Frank Mill sagte dazu: „Zwei Stunden dauert’s, bis der Ball nach vorne kommt.“ Den spielerischen Mangel versuchte der BVB in der Winterpause mit der Verpflichtung von Andy Möller zu beheben. Allerdings sorgte die Rekordablösesumme von 2,4 Mio. DM für einen gewissen Neidfaktor. So titelte der Kicker: „Rekord-Kohle aus Dortmund“ und auch der Bundesarbeitsminister Norbert Blüm empörte sich über diese Zahlungen. Zwar zeigte Möller teilweise seine Klasse, aber er konnte keine Wunder vollbringen. So spielte Borussia bis zum Ende der Saison gegen den Abstieg. Ein weiteres Problem waren die vielen Niederlagen im eigenen Stadion. So hatte BVB-Spieler Marcel Raducanu die Idee: „Wir dürfen nicht mehr zu Hause spielen!“ Fest stand, dass man gerade in den Heimspielen viele Punkte liegen gelassen hat. Von den 17 Heimspielen konnten nur fünf gewonnen werden.

Im Zuge der Verpflichtung von Möller wurde auch zum zweiten Mal versucht, einen Manager im Verein zu installieren. Dabei fiel die Wahl auf Möllers Berater und Ziehvater Klaus Gerster. Aber im Nachhinein erwies sich der „Manager-Lehrling“ als Fehlbesetzung. So scheiterte auch der zweite Versuch von Borussia Dortmund. Erst später wurde der dritte Versuch unternommen. Dieser hatte dann Erfolg. Die Saison 87/88 kann man als eine Übergangsaison ansehen, denn die nächste Saison brachte dann endlich wieder einen Titel für den BVB und war gleichbedeutend mit dem Beginn des goldenen Zeitalters am Borsigplatz.

CHS, 15.11.2013


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