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schwatzgelber Saisonrückblick - 08.02.2011

Die vergessenen Jahre Teil 10: Saison 62/63

BVB-LogoDer Zweite Weltkrieg war zu Ende und Deutschland war am Ende. Der Sport musste ganz andere Strukturen kriegen. Dieser Text befasst sich mit der Oberliga West, die in der Zeit von 1947 bis 1963 eine regionale Bundesliga war und die Basis für den BVB von heute darstellt. Spieler wie Preißler, Schmidt, Burgsmüller und viele andere brachte diese Zeit hervor. Trotzdem kennt kaum einer diese Liga. In diesen Saisonrückblick beschäftigen wir uns mit der letzten Saison 1962/63 und beleuchten diese Oberliga West-Zeit.

Saison 1962/63 – Zum Abschluss der Oberliga noch eine Meisterschaft

Am 28.07.1962 war Dortmund in das Blickfeld von Fußball-Deutschland gerückt. Doch der Spielort war nicht die Rote Erde, sondern der Goldsaal der Westfalenhalle. Dort traf man sich zum DFB-Bundestag. Thema war die Einführung der Fußball-Bundesliga zur Saison 1963/64, denn durch die Zersplitterung in regionale Ligen und die Ablehnung des Vollprofitums drohte Deutschland der internationale Abstieg. Auch war der Leistungsunterschied der einzelnen Oberligen ziemlich gravierend, so dass man eigentlich erst in der Endrunde wirklich gefordert war. Am Ende wurde die Einführung mit 103 zu 26 Stimmen beschlossen. Aber auch zuvor ging es in Dortmund hoch her. Borussia erlebte eine turbulente Hauptversammlung, die weit nach Mitternacht ging. Heinz Dolle, der ehemalige Spielausschussvorsitzende führte eine Opposition gegen den Vorstand von BVB-Präsident Werner Wilms an. Am Ende gewann aber Wilms den Machtkampf.

Zum Auftakt der letzten Oberligasaison gewann der BVB überlegen mit 11-1 gegen den TSV Marl-Hüls. Torschützen waren Konietzka (5), Schütz (3) und auch Neuzugang Reinhold Wosab konnte zwei Treffer erzielen. Da im August Wolfgang Peters in einem Lebensmittelgeschäft in Kassel einbrach und vorübergehend inhaftiert wurde, musste der BVB am 19.09.1962 der traurige Pflicht nachkommen und dem Spieler kündigen. Erstmals seit zwei Jahren standen dann beim Länderspiel in Zagreb gegen Jugoslawien zwei BVB-Akteure im Team. Beim 3-2-Sieg spielten sowohl Jürgen Schütz, als auch Debütant Timo Konietzka im Sturm. Ein Monat später erzielte Konietzka beim Länderspiel in Stuttgart gegen Frankreich (2-2) seinen ersten Treffer. Mit dabei war wiederum Jürgen Schütz.

Nach dem 5-3-Sieg über Alemannia Aachen eroberte der BVB mit 20-8 Punkten die Tabellenspitze, da die Mannschaft aus Gelsenkirchen gegen Hamborn verlor. Dreifacher Torschütze war Gerd Cyliax. Beim 5-1-Sieg der deutschen Mannschaft gegen die Schweiz in Karlsruhe traf Jürgen Schütz in seinem 5. Länderspiel gleich zweimal. Im letzten Oberligaspiel des Jahres gewannen die Borussen mit 3-1 gegen den Namensvetter aus Gladbach und erreichten den zweiten Platz mit 23-9 Punkten und 53-21 Toren hinter dem 1. FC Köln.

Am 11. Januar 1963 gab es eine frohe Nachricht für den BVB. Der Bundesliga-Ausschuss tagte in Frankfurt und gab die neun Mannschaften bekannt, welche in der neuen Bundesliga im August einen Startplatz erhielten. Aus dem Westen waren es der 1. FC Köln, Schalke 04 und eben der BV Borussia Dortmund. Im April kassierten die Borussen eine 1-2-Niederlage gegen den 1. FC Köln. Die Westmeisterschaft war immer noch möglich, da die Dortmunder noch fünf Heimspiele hatten. Beim 3-1-Heimsieg gegen Preußen Münster schoss Schütz sein 103. Oberliga-Tor. Zum Saisonende trennten sich die Wege. Schütz wechselte für die Rekordablösesumme von 600.000 DM zum AS Rom nach Italien. Nach dem 4-1 Sieg über Fortuna Düsseldorf eroberte der BVB am 1. Mai den ersten Platz. Wichtiger war aber, er qualifizierte sich für die letzte Endrunde um die Deutsche Meisterschaft.

Auch bei der 1-2 Niederlage der deutschen Mannschaft gegen Brasilien in Hamburg waren wieder „Max und Moritz“ vom BVB (Schütz und Konietzka) im Einsatz. Da der BVB am 11.05. am letzten Oberliga-Spieltag mit 0-1 beim Wuppertaler SV verlor, hießt der letzte Westmeister 1.FC Köln. Es war der vierte Westtitel in Folge, dieses schaffte keine andere Mannschaft. Die Dortmunder belegten mit 40-20 Punkten und 77-39 Toren den zweiten Platz. Gerd Cyliax und Jürgen Schütz hatten alle Spiele in der Oberliga mitgemacht. Bester Torschütze war mit 25 Treffern erneut Jürgen Schütz.

Der Deutsche Meister von 1963Die Endrunde begann am 25.05.63 nicht gerade erfolgreich. Der BVB verlor beim ehemaligen BVB-Trainer Merkel in München mit 2-3. Bis zur 83. Minute führten die Borussen durch Tore von Wosab und Konietzka mit 2-1, bevor der TSV 1860 München das Spiel noch drehte. Auch beim Heimspiel vier Tage später gegen Borussia Neunkirchen, übrigens der einzige Endrundenteilnehmer, der nicht in die Bundesliga aufgenommen wurde, gab es keinen BVB-Sieg. Die Dortmunder, die ohne Sturm und Schütz angetreten waren, fanden kein Konzept gegen die Saarländische Abwehr und folgerichtig endete das Spiel torlos 0-0. Im Juni gab es dann den ersten Sieg am dritten Spieltag. Gegen den Hamburger SV wurde Schütz für Konietzka eingesetzt und prompt erzielte dieser den Treffer. Weitere Tore erzielten Aki Schmidt und der schon 38-jährige Alfred Kelbassa. Zwar konnten die Hanseaten noch auf 3-2 verkürzen, unterm Strich blieb aber der erste Sieg. Sieben Tage später gab es das Rückspiel in Hamburg. Dank eines Teufelskerl im Tor, Bernhard Wessel, konnten die Dortmunder Treffer von Seeler & Co. verhinderten und gewannen beim HSV durch ein Tor von Jürgen Schütz nach einem Wosab-Zuspiel in der 57. Minute mit 1-0. So langsam kam der BVB-Express auf Touren. Am 15.06. gewann man auch bei Borussia Neunkirchen. Zur Halbzeit stand es nur 1-1, doch kurz nach der Halbzeit erzielte Timo Konietzka in der 48. und 51. Minute den 3-1-Zwischenstand und traf damit zur Vorentscheidung. Die restlichen BVB-Tore beim 5-2-Sieg erzielten Schütz, Cyliax und Schmidt. Ein Tag vor dem letzten Spiel am 22.06.63 gab es in Dortmund den schon traditionellen Kinoabend im Endrundentrainingslager. Es wurde der Film „Der Würger von Blackmore“ gezeigt und Trainer Eppenhoff meinte dazu nur: „Wir wollen uns noch einige Schliche abschauen.“ Das klappte auch, denn der TSV 1860 wurde in Dortmund regelrecht hingerichtet. Mit 4-0 zog der BVB zum letzten Mal in das Finale um die deutsche Meisterschaft ein. Jürgen Schütz erzielte das erste und das letzte Tor. Für die anderen Treffer war Konietzka zuständig, aber dafür übernahm Schütz die Vorarbeit.

Am 29.06.1963 fand das letzte Finale in Stuttgart statt. Gegner war der letzte Westmeister, der 1. FC Köln, der auf seinen Goalgetter Christian Müller verzichten mussten. Die Borussen konnten hingegen in Bestbesetzung auflaufen. Dazu gehörten auch Willi Burgsmüller und Helmut Bracht, die bereits bei den ersten beiden Meisterschaften der Dortmunder auf dem Platz standen. Bereits in der 8. Minute erzielt „Hoppy“ Kurrat, der eigentlich nur den Kölner Spielmacher Hans Schäfer aus dem Spiel nehmen sollte, den Führungstreffer. Die Domstädter waren ohne Müller im Sturm blass und die Abwehr wirkte unsicher. Nach dem Wechsel trafen dann noch Wosab, der einen kapitalen Fehler von Abwehrspieler Schnellinger nutze, und Alfred Schmidt, der endlich an einem Endspiel erfolgreich teilnehmen durfte. Dortmund gewann nach 1956 und 1957 mit einem 3-1-Sieg die dritte deutsche Meisterschaft und blieb die erfolgreichste Westmannschaft in der Oberliga. Ein Tag später um 18:22 Uhr erreichte der Meister den Dortmunder Hauptbahnhof. Beim Autokorso zum Borsigplatz wurde die Mannschaft von rund 150.000 Fans begleitet. Abgeschlossen wurden die Feierlichkeiten mit einem Bankett im Silbersaal der Westfalenhalle. Damit endete auch die erfolgreiche BVB-Zeit in der Oberliga. Bei aller Vorfreunde auf die Fußball-Bundesliga, schwebte aber auch Wehmut über die vergangene Zeit übers Land. Der Kicker schrieb zu Beginn der Gruppenspiele: „Die Bundesliga wird sich anstrengen müssen, um die Endrunde vergessen zu machen, vor allem das Endspiel. Die Endrunde hatte ihre romantischen Seiten. Wir werden es spätesten merken, wenn es keine Endrunde mehr gibt. Das neue Fußballzeitalter dürfte ungleich nüchterner sein.

Aber der BVB hatte noch ein Ziel in dieser Saison. Erstmals konnte man sich für das Endspiel im DFB-Pokal qualifizieren. Gegner am 14. August im ausverkauften Hannoveraner Niedersachsenstadion war ausgerechnet wieder der Dauerrivale von der Waterkant, der Hamburger SV. Die Dortmunder waren, aufgrund des Titelgewinns, Favorit auf das Double (Meisterschaft und Pokal), was vorher nur dem Nachbarn aus Gelsenkirchen gelungen ist. Es fehlten aber drei Spieler von der Meistermannschaft. Schütz, der bereits in Italien spielte, sowie die verletzten Konitzeka und Paul mussten ersetzt werden. Ein glänzend aufgelegter Uwe Seeler sorgte mit drei Treffern für den Endstand (3-0) und bekam somit die Revanche vergangener Endrundenschlachten. Trainer Eppenhoff sagte nach dem Spiel: „Wir mussten zwar auf Paul, Schütz und Konietzka verzichten, doch das soll keine Entschuldigung sein. Wir waren uns unserer Sache wohl zu sicher.“ Das der BVB laut dem Bundestrainer die spielerisch bessere Mannschaft war, ist da nur ein kleiner Trost.


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